47 – Jordanien – Wo sich Römer und Bibel treffen

7. – 16. April 2026

Aqaba – Amman – Petra – Totes Meer – Berg Nebo – Madaba – Gerasa – Jordantal – Gadara

Ich schwitze Blut bis wir endlich in Amman ankommen wo sich eine LandRover Werkstatt befindet. Der Grenzübergang war eine blöde Situation, immer wieder stellt der Motor ab, zum Glück bemerkt es niemand, da am Zoll Stopp and Go angesagt ist. So holpern wir nach Amman. Kaum haben wir uns in einem Park gemütlich eingerichtet und mit deutschen Reisenden etwas geplaudert, hören wir Sirenenalarm und Detonationen. Gruselig, denn Jordanien ist nicht in diesen Krieg involviert.

Anderntags in der Werkstatt finden sie so schnell nicht heraus, wo das Problem liegt. Aber zusammen mit Anna unserer Mechanikerin in der Schweiz und Chat GPT kommen wir auf eine mögliche Problemlösung, welche aber erst am nächsten Tag ausgeführt werden kann. Das heisst für uns, nochmals einen halben bis einen ganzen Tag in Amman. Ab heute beginnt für 2 Wochen der Waffenstillstand, somit ein kehr ein wenig Ruhe ein.

Glücklicherweise haben wir das Kraftstoffregelventil in unserer Werkzeugkiste mitgebracht! Tatsächlich bringen die Mechaniker Randulina zum Laufen und ohne zu stottern können wir endlich auf Feld 2 vorrücken.

Während Stefan mit den Mechanikern beschäftigt ist, beschäftige ich mich mit möglichen Grenzübergängen. Da pusht eine Freudenmeldung herein: Reisebekannte konnten von Syrien in die Türkei einreisen. Es kursieren aber Meldungen, dass dies Ausnahmeregelungen sind, da die Grenze nur für Syrer und Türken offensteht sowie für LKW’s. Wir gehen es gemütlich an, falls alle Stricke reissen haben wir bereits eine Verschiffungsofferte von Aqaba nach Mersin. Die Situation ist ähnlich wie bei einem Adventskalender, man weiss nie genau, was sich aktuell hinter dem Türchen befindet. Wir stehen laufend im Kontakt mit anderen Reisenden und dem Schweizer Konsulat in Istanbul.

Jordanien, ein weiteres geschichtlich hochinteressantes Land. Ein Königreich mit dem Anspruch, direkt vom Propheten Mohammed abzustammen. Doch zuerst interessieren uns die Nabatäer, deren Hauptstadt Petra inmitten von Felsen gebaut wurde. Frühlingshafte Wiesen begleiten uns bis wir wieder in der Wüste ankommen. Petra, nur durch den Siq, einen schmalen Felsdurchgang erreichbar, hat zur Zeit praktisch keine Touristen. Wir haben die riesige Stadt für uns. Als wir durch den Siq das Treasury erreichen, bleibt uns fast das Herz stehen, wir kannten die Bilder, aber wenn man selber davor steht, wirkt es nochmals ganz anders. Wir spulen etwa 16km in der roten Felsenstadt ab, entdecken vieles mehr und scheuen uns nicht, etwa 2000 Treppenstufen zu steigen. Anderntags sind wir todmüde, eigentlich haben wir 3 Tage gebucht, aber angesichts der Situation wollen wir uns Jordanien während des Waffenstillstandes ansehen und nicht immer vom Fluglärm geplagt sein, der zwischen Israel und Iran abgeht.

Auf Feld 3 wartet das Tote Meer mit seinem Salzgehalt von 34% und 430m unter NN. Die Pink Lakes sind eine Augenweide, die Salzkristalle am Ufer des Toten Meeres ebenfalls, wenn man sich den Abfall wegdenkt. Es ist herrlich, einfach auf dem Wasser zu liegen vorausgesetzt, man hat nachher eine Süsswasserdusche!

Auf Feld 4 kommen wir durch unser Hobby Geocaching –ein vulkanisches Plateau mit Sicht nach Jerusalem und über das Tote Meer. Der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel ist sehr gut zu erkennen, leider nur mit dem Feldstecher, denn die Luft ist feucht und diesig. Aber immerhin – ein kleiner Ausflug mit den Augen! So muss sich Moses gefühlt haben, als Gott ihm das Gelobte Land auf dem Berg Nebo zeigte, das er aber nie betrat. Wir sehen und verbringen hier einen wunderbaren Abend mit Geschwellti und Chäs mit unseren bis jetzt nur virtuellen Reisegespänli Barbara und Andi in ihrem Oldtimer-Hymer-Mobil. Am anderen Morgen bewundern wir die schönen Mosaike der alten Kirche und gelangen damit auf Feld 5.

Absolut unschlagbar ist der Aufenthalt auf Feld 6: Madaba, die Stadt der Mosaike. Christliche Kirchen, islamische Moscheen, Wohnhäuser, was man ausgräbt, wo man hier baut entdeckt man Geschichte und Geschichten. Auf Mosaiken, deren Grösse und Erhaltungsgrad spektakulär sind, eines haben sie gerade 3 Tage vor unserer Ankunft fertig für die Ausstellung gemacht, wir sind die ersten Touristen, die es zu Gesicht bekommen, werden nebst Göttern auch Szenen des täglichen Lebens abgebildet. Wir verspüren ein Kribbeln der besonderen Art!

Keine Märchenschlösser aber trotzdem so etwas wie Schlossfeeling kommt auf Feld 7 auf. Die Wüstenschlösser Qasr El Amra, Qasr All Kharana und Qasr el Azraq könnten unterschiedlicher nicht sein. Während sich ein Sultan das kleine El Amra als Lust- und Jagdschlösschen baute, das mit wunderschönen Fresken, einem türkischen Bad und schönen Räumen ausgestattet ist, stellt das riesige Qasr Al Kharana wohl eher eine Karawanserei dar. Bis heute hat man seine Funktion noch nicht genau bestimmen können, aber man ist sich weitgehend einig, dass es wohl das erste Hotel auf dem Pilgerweg von Damaskus nach Mekka war. Die vielen Räumlichkeiten könnten davon zeugen. Das Qasr el Azraq hingegen ist eine imposante Festung aus schwarzblauem Basalt. Von den Nabatäern, Byzantinern über die Kreuzritter zu den Osmanen, zum legendären Lawrence of Arabia und zum Jordanischen Militär hat die Burg immer wieder An-, Um- und Erweiterungsbauten erlebt. Ein eindrückliches Zeitzeugnis.

Und schon bald befinden wir uns am Ende der Spielfelder. Auf Feld 8 imponiert uns die Römerstadt Gerasa mit ihrem Säulenmeer und ihren gigantischen Ausmassen. Auch dieser Ort am Goldfluss wurde bereits zw. 84 und 72 BC. von den Nabatäern besiedelt. 63 BC. eroberte der römische Feldherr Pompejus die Stadt und bis zum Persereinfall von 614 war es ein blühender Ort, dem erst das schwere Erdbeben von 747 ein Ende setzte. Die Tribünen des Hypodroms boten 16’000 Zuschauern Platz, im grossen Theater gab es 4000 Sitzplätze. Täglich finden die Archäologen Neues. Ein raffiniertes unterirdisches Wasser- und Abwassersystem, öffentliche Bäder und Marktstände (alles normiert wie in Zürich die Weihnachtsmarkt- und Marronihäuschen) sind ebenso vorhanden wie riesige Tempel zu Ehren von Zeus und Artemis. Eine Filmkulisse besonderer Güte.

Auf dem Weg zu Feld 9 erfragen wir an einem Militärstützpunkt den besten Weg mit der schönsten Aussicht auf den See Genezareth und siehe da, wir dürfen passieren und fotografieren bevor wir die Römersiedlung von Gadara besuchen.

Und dann wieder römisches Mauer- und Säulenwerk auf Feld 10. Die Römerstadt von Umm Qais mit den massiven Säulen aus schwarzem Basalt wirkt völlig anders als jene aus Kalkstein. Der Frühling bahnt sich seinen Weg durch die reich verzierten Gesteine und mit seiner Lieblichkeit verleiht er der römischen Strenge etwas Weiches.

Langsam tuckern wir Richtung Grenze. Da wir über Syrien eigentlich nichts wissen, ausser dass ein 14-jähriger Bürgerkrieg das Land ausblutete, erledigen wir einige Einkäufe. Tja und dann auf dem letzten Spielfeld geschieht das Unfassbare. Wir werden überfallen. Ich will mit dem Wasserbidon in einem Wassergeschäft Trinkwasser auffüllen lassen, als eine Horde junger Männer hinter mit herspringt, mir den Bidon wegnimmt und Stefan und mich nötigen, ihnen in eine Bar zu folgen. Die Bar outet sich als Barbershop, wir werden mit Fragen über unsere Reise bestürmt, Kaffee und Schokolade werden uns serviert und sie möchten Stefan die Haare schneiden – for free – der hat sich aber gerade gestern Abend etwas verschönert und zum Schneiden gibt es nichts mehr. Ich biete mich an – unter Gegröle (es ist kein Alkohol im Spiel, auch hier verboten!) negieren sie meinen Wunsch, zeigen mir aber einen Ladies Shop. Also klopfe ich mal scheu. Man wisse: Barbershops sind DER Treffpunkt zum Shisha rauchen, Kaffeetrinken, Tratschen, Ladies Beauty Salons sind blickdicht verschlossen, da die Frauen sich hier ihrer Hijabs entledigen. Deshalb darf ich auch nicht fotografieren. Für 4 CHF erhalte ich einen Kurzhaarschnitt, der sich sehen lassen kann. Unterdessen steht unser Bidon gefüllt und bezahlt zusammen mit einer Schachtel voller Wasserfläschchen vor dem Auto. Um einige Lachfältchen, vielen Fotos und einem weiteren Erlebnis reicher sowie ein weiteres Mal überwältigt von der unglaublichen Gastfreundlichkeit übernachten wir das letzte Mal in Jordanien, einem Land, das bereits sehr westlich wirkt und auf uns einen sehr modernen Eindruck macht, auch was Nachhaltigkeit in der Energieproduktion anbetrifft. Doch Jordanien leidet sehr unter dem Krieg seiner Nachbarländer, die grossen Touristenströme bleiben aus.