45 – Vereinigte Arabische Emirate – Bombenstimmung

26. Februar – 8. März 2026

Kalba – Khorfakkan – Dibbah – Sana Wadi – Ras al Khaimah – Umm al Quainn – Sharjah City – Al Ain – Abu Dhabi – Hameem – Rub al’Chali – Liwa – Al Batha Border

Wir haben viel gehört über den Protz und Prunk der Emirate und tatsächlich entpuppt es sich schon etwas grössenwahnsinnig. Die 6. grössten Ölvorkommen der Welt haben vor allem Abu Dhabi und Dubai reich und mondän gemacht. Sharjah, Fujairah, Umm al-Qaiwain, Ra’s al Chaima, Ajman, Dubai und Abu Dhabi bilden den Staatenbund der Vereinigten Arabischen Emirate, Präsident ist immer der Emir von Abu Dhabi.

Grosse Corniches, den französischen abgeguckt, säumen das Meer und laden zum Flanieren und Kaffeetrinken ein. Doch alle Restaurantbetriebe sind geschlossen – Ramadan, der heilige Fastenmonat macht uns einen gigantischen Strich durch die kulinarische Erwartung. Das Leben beginnt erst am Abend, wenn mit dem Iftar, dem Fastenbrechen beim Sonnenuntergang, mit Joghurt und Datteln das Frühstück eingenommen wird. Während des Ramandan wird der Tag kurzerhand zur Nacht und umgekehrt. Sehr gewöhnungsbedürftig und anstrengend für uns. Wenigstens sind die grossen Shoppingmalls und ab und zu ein Tante-Emma Laden geöffnet. Aber ebenso wie der Oman haben die Länder Meer- und Wüstenanstoss sowie Gebirge, was es für Overlander einfach macht, einen schönen Nachtplatz zu finden.

Wir flanieren auf den leeren Boulevards ohne Aussicht auf Kaffee und saugen die satten Farben ein, mit Wasser aus Entsalzungsanlangen ist auch hier mit Bewässerung alles möglich. Die emiratische Bevölkerung setzt sich aus ca. 90% Arbeitsmigranten, vorwiegend aus dem indischen Subkontinent, den Philippinen und Afrika zusammen. Die 10% Emirati arbeiten vorwiegend in Dienstleistungsbetrieben oder beim Staat.

Gegen 16.30 Uhr öffnen die ersten Restaurants für take-away, als ich mit meinen Byriani Schachteln davonspaziere werde ich gewarnt, nicht für die Öffentlichkeit sichtbar zu essen oder trinken, erst nach Sonnenuntergang, es könnte eine Busse geben. Glücklicherweise finden wir immer ruhige und abgelegene Plätzchen, wo wir ungesehen essen können oder auch um Mitternacht kein Ramadangelage stattfindet. Das Mittagessen findet nämlich um Mitternacht statt.

Sehr beeindruckt hat uns das Wadi Naqab – steil und eng und trocken und mit aussergewöhnlichen Wanderwegen. So wandern wir bereits vor dem Frühstück 588 Treppenstufen eine Steilwand hinauf um zu einem Plateau zu gelangen, wo vor Urzeiten kleine Felder angelegt wurden. Die Zisternen führen immer noch Wasser und es gibt neben verfallenden Hütten auch gut erhaltene Häuser, in denen nicht die Ziegenhirten wohnen. Denn in jedem Emirati steckt tief im Herzen drin ein Beduine, der sich gerne beim campen in der Wüste oder auf dem Land aufhält.

Völlig anders als die Wadis sind die Jebels, die Berge. Bietet sich einer an, wird er kurzerhand zum Freizeittempel umgebaut. Künstlich angelegte Wanderwege mit Sicherheits- und Warntafeln für’s Gebirge sind noch der kleinste Eingriff, Tyroliennes über Schluchten, Spielplätze, Fahrradspuren, künstliche Wasserfälle, Gleitschirmrampen, eingerichtete Kletterrouten und Via Ferratas, Foodtrucks, Restaurants und alles schön teuer, es führen auch Autobahnen hinauf und man braucht eine Buchung v.a. für den Jebel Jais, das günstigste Angebot ist die Aussichtsplattform für zwei Franken. Die neusten Porsches der Dubaier Expats liefern sich Autorennen, die Velofahrer strampeln hoch und wir staunen. Soviele V8 Motoren haben wir noch nie gesehen.

Auch in den Emiraten werden ganze Planstädte aus dem Boden hochgezogen, ein architektonischer Einheitsbrei. Aber wir finden v.a. in der Schwesterstadt von Dubai, in Sharjah wunderschöne, der Natur abgekupferte Gebäude renommierter Architekten.

Und weil in Sharjah noch strengere Ramadansitten herrschen, setzen wir uns am Strand ins Auto, essen auf dem Souq erstandene Mangos aus Yemen und brauen Kaffee aus omanischen Kaffeebohnen. Für schaurige Unterhaltung sorgt die USA.

Es ist der 28. Februar und Trump erfüllt seine Versprechen – Krieg gegen den Iran, der prompt die Emirate, als Verbündete der USA angreift. Wir hören die Detonationen von Dubai.

So haben wir uns entschlossen, Dubai von der to-do-Liste zu streichen, da wir nicht wissen, was passiert. Wir finden in der Wüste einen wunderschönen Platz zum Übernachten, ebenfalls nicht ganz unterhaltungsfrei. Missiles und Kampfflugzeuge fliegen über unsere Teller. Wir hören, dass man sich nicht im Bereich amerikanischer Stützpunkte, Entsalzungsanlagen, Öl- und Gasanlagen aufhalten solle. Das Telefon piepst und eine Warnung ploppt auf. Das wird auch in den nächsten Tagen so weitergehen.

Zu allem Unglück, es kommt selten eines alleine, läuft unsere Randulina nicht mehr an. Glücklicherweise haben wir nur ca. 500m von der Strasse entfernt genächtigt und haben Telefonempfang. Wir suchen einen Mechaniker, werden fündig und der verspricht uns, ein Rettungsfahrzeug zu schicken. Es bleibt uns nichts übrig als zu warten – es ist 18 Uhr, wir warten seit dem Morgen, wir werden auf den nächsten Tag vertröstet, immer wieder, es ist Ramadan, da arbeitet praktisch niemand vor 16 Uhr. Wir finden eine andere Werkstatt, die uns umgehend einen Rettungswagen schickt, Randulina wird aufgeladen und wir werden nach AbuDhabi gefahren, wo wir eigentlich aus bekannten Gründen nicht hinwollten. Die Mechaniker finden relativ schnell heraus, wo es happert, aber um 17 Uhr verlassen die verhungerten Männer schlagartig die Werkstatt, wir schlafen im Hinterhof. Wieder ploppen Raketenwarnungen auf, ich bin einem Nervenzusammenbruch nahe, denn brennende Öltanks begrüssten uns bereits. Aber das Leben geht für alle normal weiter…Wir holen uns etwas im take-away, alle sind so liebenswürdig und trösten mich-nicht schlimm…aber es geht mir durch Mark und Bein. Anderntags ist alles geflickt, wir können frisch geduscht weiterfahren, bis wir merken, dass es nach Diesel stinkt und mit dem letzten Tropfen fahren wir wieder in AbuDhabi ein. Ein Dieselschlauch hat sich gelöst… ich fasse Mut, man organisiert uns ein Taxi ins Stadtzentrum und wir besuchen die Grand Mosque praktisch als einzige Touristen. Als wir um 11Uhr die Besichtigung abschliessen, kommen Busse mit gestrandeten Touristen, deren Flüge gestrichen wurden.

Also nächster Versuch in die Oasenstadt Al Ain mit ihren Tiermärkten zu kommen. Kurz vor dem Eid al Fittr, dem Zuckerfest, mit dem der Ramadan feierlich endet, sind Kamele und Schafe begehrte Objekte. Man kann das Fest mit Weihnachten vergleichen, es wird im Familienverband festlich gegessen und dazu braucht es viel Fleisch, ebenso werden nicht so wohlhabende Nachbarn mit Fleisch und Lebensmitteln beschenkt, was heute hier aber auch praktisch mit Paketen und Geldspenden erledigt werden kann. Nun gut, die Kamele nehmen es stoisch denn sie wissen nicht, was ihnen geschieht, die Schafe sind schon eher nervös, so zusammengepfercht auf dem Pickup, es wird verhandelt, gestikuliert, Geld fliesst, der Bieter holt sich das Schaf von der Ladefläche und weiter geht die Show.

Auf dem Jebel Hafeet, wo der Emir von Abu Dhabi sich seine Sommerresidenz eingerichtet, eine 3-spurige Autobahn hinaufgezogen sowie Picknick Plätze angelegt hat, lässt die Aussicht wegen Staub in der Luft zu wünschen übrig und doch können wir die Arabischen Steinböcke – Arabian Thar beobachten. Wieviel Glück wir doch immer haben.

Eine letzte Fahrt durch die Rub al’Chali Wüste, the Empty Quarter, die hier zwar etwas grüner ist und mit der Moreeb Düne, (300m Höhe und 1.6km Länge, Neigungswinkel 50°) eine der weltgrössten Dünen bestückt ist, beschert uns ruhige und sternenklare Nächte, Sandrosen sowie einige Wüstenburgen zur Verteidigung der vielen Oasen. Das Grundwasser der Wüstenoase Liwa ermöglicht den Anbau riesiger Dattelplantagen.

Die Wüste am Persischen Golf ist ganz anders, flach und trocken und hier schliessen wir unsere 2 Etappe ab und traversieren die Grenze zu Saudi Arabien.