46 – Saudi-Arabien – endlose Wüste

  1. 9. März – 6. April 2026

Salwa Border Post – Al Hofuf – Riyadh – Bani Tamim – Uruq Bani M’arid (NP) – Hima – Najran – Wadi Lajab – Abha – Billasmar – Tanumah – Thee Al Ain – Am Roten Meer – Jeddah – Wal Wahbah Crater – Jeddah – White Crater – Kayhbar – Nefud Wüste – Al Ula – Wadi Disah – Tabuk – Hisma Plateau – Haql Border Post

Ein langwieriges Ausreiseprozedere aus den UAE und wir erwischen den Frischling… Geduld bringt Rosen, doch nach 2-stündigen Prozedere sind wir in Saudi-Arabien, wo man mich als Frau völlig ignoriert.

Die Bewölkung wird immer dicker und wir fahren in dichtem Regen! Wer denkt schon an Regen in Arabien? Auf einem lärmigen Nachtplatz vor einem Restaurant, immerhin mit gutem Essen und einem WC in der Moschee, verbringen wir die erste nasse Nacht. Es ist kalt! Die 3 Mio Dattelpalmen der Oase von Al Hofuf haben für einmal sicher mehr als genug Wasser. Diese Gegend ist bekannt für ihre Sandsteinformationen, die man in der Stadt und ausserhalb in der Wüste findet.

Ich halte meine Bedenken betreffend Angriffe auf Riyadh’s Einrichtungen etwas im Zaum, denn es ist dringend nötig, Wäsche zu waschen und die Wäscherei liegt perfekt, also durch’s Zentrum von Riyadh mit den Hochhäusern, klotzig und protzig und nichts ästhetisches auch wenn Sir Norman Foster’s Büro dahintersteht…Aber ja, wer zahlt befiehlt.

Etwas zum Thema Krieg: Wir halten uns NICHT in einem Kriegsgebiet auf! Es gibt weder Bodentruppen noch Angriffe, wie man sie von anderen Schauplätzen her kennt. Es ist eher so eine Art Baseball: Wenn die USA im Iran angreifen, werden US Stützpunkte oder Öllagertanks vom Iran mit Drohnen oder Missiles angegriffen. Die Geschosse können aber in den meisten Fällen von den Militärverteidigungen der Länder der Arabischen Halbinsel abgefangen werden. Kritischer ist die Situation in Bahrein und Qatar, da hier das meiste Öl lagert und sich sehr viele US Stützpunkte befinden. Aber auch dort befanden sich die Menschen nie in akuter Gefahr. Dass in solchen «Kriegszeiten» der Flugverkehr eingeschränkt wird, ist nur logisch. Aber das Leben geht seinen gewohnten Gang, wir sind nie eingeschränkt in unserer Bewegungsfreiheit. Ausserdem muss man wissen, dass die Auslegung des Korans und Lebensweise der Muslime auf der Halbinsel eine völlig andere ist als jene des Iran. Wir haben überaus tolerante Menschen angetroffen, ausser beim Besuch einer Moschee, wo eine lockere Kopfbedeckung mittels Schal gefordert ist, bin ich als Frau nicht gezwungen, mich mit einer Abaya (langer Mantel) zu kleiden. Dass ich langärmlig und mit kniedeckenden Hosen anzutreffen bin hat auch damit zu tun, dass es a) kalt ist und b) als Sonnenschutz. Bereits 2018 schaffte Saudi-Arabien für Muslimfrauen das obligatorische Tragen der Abaya, des Hijab und des Niqabs ab, obwohl praktisch alle Frauen immer noch so gekleidet sind.

Und wieder einmal haben wir Pech, nochmals eine OP am offenen Herzen, denn ein Dieselschlauch sitzt nicht mehr am richtigen Ort. – Per Zufall kommt ein Abschlepper vorbei, der uns kurzerhand auflädt. Nur haben wir jetzt das Problem, dass Diesler schwierig zu reparieren sind, denn Diesel PKW’s sind auf der Arabischen Halbinsel nicht erhältlich. Irgendwie finden wir mit Hilfe aus Riyadh einen Pakistani, den wir mit seiner Crew aus dem Schlaf holen und der Dieselpumpen für Generatoren flickt. Er hilft uns und abends werden wir zum Abendessen eingeladen und erhalten die ganze Reparatur geschenkt. Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde. So erging es uns einige Male. Wir werden von den Saudis üppig mit Essen versorgt, sind zu Kaffee, Schokolade, Tee und Datteln eingeladen. Man sitzt auf dem Boden, schwatzt ein wenig und weiter geht’s. Natürlich mit den üblichen Fotos und den anschliessend liegengelassenen Take-away Schachteln. Auch die Damen mit ihren Hijabs und Niqabs haben keinerlei Berührungsängste und wir erleben so manchen lustigen Moment. Ab und zu lüftet sogar die eine oder andere ihr Niqab-Schleierchen, und nein, sie fühlen sich dadurch geschützt und nicht diskriminiert. Die Männer mit ihren roten Kufiyas (Palästinensertuch) sind nicht minder eitel, oft beobachten wir sie, wie mithilfe des Seitenspiegels das Tuch gerichtet wird und die Quaste an der Dishdasha mit Parfum benetzt wird. Die Araber sind ein wahres Duftschloss.

Auch Saudi-Arabien besteht grösstenteils aus abwechslungsreicher und geschichtsträchtiger Wüste. Wir finden riesige Sandsteinbrücken, Felszeichnungen alter Beduinenstämme und sind eigentlich meistens allein in dieser grossartigen Landschaft unterwegs, die wir mittels GPS erkunden. Hier wird das GPS im Gegensatz zu den Städten auch nicht gestört, denn hier gibt es nichts. Kamele suchen nach Grün und verstreute Beduinencamps mit Wassertanklastwagen sind das höchste der Gefühle menschlicher Anwesenheit.

In Najran, an der Grenze zu Jemen suchen wir die uralten Lehmbauten, die leider der Witterung zum Opfer fallen. Schade. Die Saudis haben die Angewohnheit, alles zu Tode zu renovieren, das wollen wir aber nicht sehen, es wirkt sehr leblos. So strolchen wir durch die Stadt und finden die alten originalen Bausubstanzen mit den typischen Verzierungen jemenitischer Baukultur.

Ebenso historisch schön ist die Altstadt von Jeddah am Roten Meer. Al Balaad mit seinen Holzbalkonen hat grössten Renovationsbedarf. Ein morbider Charme und ein grosses Gewusel am Abend, wenn alle ihre kleinen Ladenlokale öffnen. Und endlich ist Eid al Fittr, das Zuckerfest, das mit der ersten sichtbaren Sichel des zunehmenden Mondes gefeiert wird. Wir bekommen einen Platz in einem türkischen Restaurant, am Strand ist der Bär los, alle sind am Picknicken und für uns wird es wohl eine weitere laute Nacht werden. Immerhin sind auch Salomé und Loïc vor Ort, die wir von einer früheren Begegnung zusammen mit Theresa und Patrick und Stefan kennengelernt haben.

So verlassen wir Jeddah und suchen die Vulkane mit dem VW Bus von Theresa und Patrick im Schlepptau. Nebst schwarzen Lavakegeln gibt es hier auch weisse Vulkane, etwas sehr Aussergewöhnliches. Es ist einfach so bitterkalt. Während es am Meer in Jeddah feuchtheiss ist, haben wir nachts in der Wüste Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Etwas wärmer wird es in der Nefud-Wüste mit ihren unglaublich vielen Felsformationen, wo wir auch Ostern feiern. Die Phantasie wird angeregt, wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Schon die Nabatäer haben sich in der Nefud Wüste niedergelassen und haben Hegra, die Schwesterstadt von Petra (Jordanien) aufgebaut. Heute zeugen zahlreiche Grabstätten von dieser Zeit. Al Ula / Hegra ist eine gewaltige Oase, das Wasser sitzt nur 10-20m unter der Erdoberfläche. Nebst Datteln werden Zitrusfrüchte und Gemüse angebaut. Nach soviel sandgelb reizt das satte Grün die Augen. Der Reichtum der Nabatäer stammte aus der Kontrolle und Sicherung der Weihrauchstrasse. Ihre Kenntnisse der Wüste, der Brunnenbau und ihre Verteidigungsstrategien machten Hegra praktisch uneinnehmbar bis die Römer kamen.

Wie in allen Ländern auf der Arabischen Halbinsel finden wir auch Wadis. Wadi Lajab ermöglicht uns sogar ein kühles Bad in fantastischer Felslandschaft, während wir Wadi Disah mit dem Auto durchfahren. Eng und immer enger hat sich das Schilf ums Auto gewickelt, während der wilde Oleander seine rosa Blütentupfer in die Sonne streckte.

Kurz bevor wir nach Jordanien queren, haben wir im NEOM Schutzgebiet endlich auch die Arabischen weissen Oryx gefunden. Nie hätten wir gedacht, dass wir sie in so einer riesigen Anzahl antreffen würden. Sogar Antilopen durften wir beobachten. Was für ein Abschluss in diesem gigantischen Land.

NEOM ist übrigens ein grössenwahnsinniges Bauprojekt, eine Stadt angrenzend an Meer und Wüste, 170km lang, völlig autark, ausgerüstet mit öffentlichem Verkehr, Meerzugang und Naherholungsgebieten. Ob das jemals fertig wird? Und ob es dort lebenswert ist?

Wir finden Saudi-Arabien extrem spannend auch wenn die Autofahrer im Kamikaze Stil und immer hupend unterwegs sind, auch wenn jeder seinen Abfall einfach aus dem Autofenster schmeisst und das Wetter nicht immer bilderbuchmässig war, wie man es sich gemeinhin vorstellt. Es ist unglaublich einfach, in Saudi-Arabien unterwegs zu sein.

Unsere Situation ist nun folgende: Irak hat die Grenzen geschlossen und unsere Randulina scheint Heimweh zu haben, sie stottert mehr, als sie läuft. Wir müssen neue Lösungen suchen, einerseits um in die Türkei zu gelangen und andererseits brauchen wir endlich einen guten Mechaniker für unser Auto. Reiserouten zu suchen ist das eine, ein nicht mehr 100% funktionierendes Auto zu haben das andere, aber beides zusammen stellt uns vor einige Herausforderungen. Wir werden euch über unsere Situation auf dem Laufenden halten. Es bleibt spannend in allen Belangen.