11. Januar – 25. Februar 2026
Zürich – Salalah – Dalkut – Ubar – Rub al-Chali – Thumrait – Taqah – Wadi Shuwaymiyah – Ras Madrakah – Duqm – Sugar Dunes – Masirah Island – Wahiba Sands – Sur – Jabal Jabir – Wadi Birr – Masirah – Muskat – Wuqan – Wadi Bani Awf – Bilad Sayt – Birkat al Mauz – Jabal al Akhdar – Nizwa – Wadi Ghul – Jabal Jams – Wadi Damm – Dibba – Musandam – Kashab
«Salam alaikum» begrüssen wir unsere Randulina im Container, der in ein Stadtviertel von Salalah geliefert wird! Die Ankunft ist eine perfekte Punktlandung, es kann losgehen im Land von Sindbad dem Seefahrer und 1001 Nacht. Die Omanis beherrschten die Seefahrt wie kein anderes Volk an der Golfküste und bauten ihr Reich in Afrika weiter aus. Noch heute bestehen grossartige Verbindungen zu Sansibar und Lamu. Stolz präsentiert mir der Händler im Souk seine Nelken aus familieneigener Plantage, natürlich liegt die in Sansibar. Ein farbiges Gewusel herrscht in anderen Teilen des Souks.
Nach Afrika ist das Reisen im Oman wie Ferien, alles ist sehr gut organisiert, die Wildcampspots (es gibt einen einzigen Camping in ganz Oman) sind zauberhaft schön und man steht sich nirgends auf den Füssen. Nur die Fröhlichkeit der Menschen, das Lachen, Winken, Rufen, das Bunte von Afrikas fehlen uns. Die Häuser sind beige wie der Sand, die Omanis in ihren weissen Dishdashas und den meist beigen Massars bringen keinen Farbtupfer, ab und zu eine zaghaft farbige Kumma, die schönen Hütchen der Männer. Die Frauen sind, wenn man dann mal welche sieht, in schwarze Abayas gewandet. Fotografieren lassen sich die Männer, sie posieren gerne, bei den Frauen ist das ein absolutes Tabu.
Oman ist bodenständig, nicht wie die anderen Staaten am Golf. Hier wird nicht geklotzt, es gibt keine Skyscraper, kein Gebäude ist höher als die Minarette der Sultan Qaboos Moschee in Muskat. Oman fördert nur wenig Öl, deshalb setzt man hier auf das weisse Gold, den Tourismus. Der omanischen Bevölkerung geht es gut, die gesamte Bevölkerung hat sauberes Trinkwasser und Strom. Alle haben freien Zugang zu Bildung und zum Gesundheitswesen. Die Strassen sind spektakulär in die Landschaft gezogen, perfekt asphaltiert, die Pisten absolut perfekt unterhalten.
Die omanische Gastfreundschaft ist sprichwörtlich, fast täglich werden wir zu Tee und Kaffee Datteln und Orangen eingeladen. Manchmal läuft die Konversation mit Händen, Füssen und einem Lachen, manchmal spricht jemand einige Brocken Englisch. Man setzt sich auf den Boden, trinkt ein Tässchen, isst 2-3 Datteln und weiter geht’s.
Die Landschaft ist betörend schön. Der Dhofar im Südwesten punktet mit seinen schönen Küsten, den steilen Aufstiegen zum Jebel Qamar, wo sich der Nebel festkrallt, wo es Kühe gibt. Im nebligen Sommermonsun, dem Khareef, ist der Dhofar das Touristenziel der Omanis und der Golfstaatler. Der beste Weihrauch stammt aus dem Dhofar, man übersieht die kleinen Bäumchen fast, was für eine Arbeit, dieses Duftharz zu ernten. In jeder Bank, in jeder Einkaufsmall, eigentlich überall stehen Weihrauchbrenner, es duftet immer wie in einer katholischen Kirche während dem Hochamt. Auch die Omanis duften, das weisse Gewand (Dishdasha) besitzt eine Quaste am Halsausschnitt, die mit Parfüm betupft wird und das reichlich!
Wir treffen mehrmals auf Esther und Peter und erkunden mit ihnen einen wunderschönen Teil der omanischen Landschaft: Zusammen fahren wir in die Rub al Khali – «The empty Quarter» – das leere Viertel. Mit 650’000 km2 die grösste Sandwüste der Welt und eine der einsamsten Gegenden, die sich Oman, Jemen, die UAE und Saudi Arabien teilen. Mithilfe von GPS Punkten finden wir riesige Dünen, wandern, staunen, schaufeln und geniessen. In einem Beduinenhotel werden wir von Ali begrüsst und werden gleich mit Tee und Qhawa sowie Datteln verwöhnt. Wir hören, dass der Sand sich im Laufe des Tages ändert, wir sollen früh morgens oder nach 16 Uhr fahren, dann sei der Sand durch die etwas höhere Luftfeuchtigkeit kompakter. Wird angewendet! Die Luft in den Reifen haben wir auf 1.8 bar abgelassen, so lässt sich nicht nur Tiefsand sondern auch Wellblech besser fahren.
Am Meer finden wir die Sugar Dunes – eine Dünenwelt in Weiss! Es verschlägt einem den Atem, wir spazieren, fotografieren, lassen den Sand durch die Finger rieseln während sich die Möven gierig auf die Fischernetze stürzen.
Die Wahiba Sands entlocken uns ein müdes Lächeln. Nach all den Sandfahrten ist diese Piste keine wirkliche Herausforderung. Die Dünen sind relativ stark bewachsen, die Piste führt schnurgerade über Dünen von Süd nach Nord. Trotz allem ist der Sand neben den Pisten tief, was es bei der Suche nach einem Nachtplatz zu beachten gilt, ausser man will denn schaufeln. Wie eine Fata Morgana erhebt sich mitten in der Wüste eine riesige Moschee.
Ein völlig anderes Erlebnis sind die Wadis, ein weiterer Touristenmagnet. Die allzu touristischen dieser Trockenflussbetten lassen wir aus und erkunden andere, wo wir mausbeinallein sind. Steile Felswände, dazwischen Pools, riesige Boulder, manche kann man mit dem Auto befahren, die meisten entdecken wir zu Fuss. Das Wasser der Wadis wird mittels Falaj, einem Kanalsystem zu kleinen Feldern geführt, wo von Gras über Gemüse bis Mandeln, Aprikosen und Datteln alles angebaut wird. Viele Wanderungen teilweise Via Ferrata-mässig ausgebaut (meist keine Ausrüstung nötig) führen uns zu spektakulären Pools mit eiskaltem Wasser.
Immer wieder führen die Strassen oder Pisten vom Meer hinauf auf die Plateaus. Bitterkalt ist es hier oben, eine Kältewelle erreicht uns. Windzerzauste uralte wilde Oliven- und Wacholderbäume halten die Stellung. Dörfer an spektakulären Hanglagen. Viele nun unbewohnte Orte zeugen von alten Zeiten ohne Strassen, wo Maultier und Esel einzige Transportmittel waren, wo es aber immer Wasser gab und so das Überleben sicherte. Die archäologisch wertvollen Bienenstockgräber finden sich ebenfalls auf diesen Plateaus.
Wir strolchen durch Städte wie Sur, Muskat und Nizwa mit ihren alten und neuen Architekturen. Die Moschee von Muskat ist die zweitgrösste auf der arabischen Halbinsel. Das Museum «Across the ages» von Nizwa erklärt eindrücklich Omans Geschichte und Entwicklung und ein Juwel der Architektur. Die Blumenpracht sucht ihresgleichen. Der moderne Sultanspalast (nicht öffentlich) in Muskat oder das historische Fort von Nizwa könnten gegensätzlicher nicht sein. Ein Kreuzfahrtschiff (Mein Schiff 4) hält uns von den touristischen Hotspots in Muskat ab, einfach zuviele Menschen auf einmal, das sind wir uns nicht mehr gewohnt.
Ein gänzlich anderes Kapitel ist die Region von Musandam. Wegen seiner vielen Fjorde wird es auch als «Norwegen Omans» bezeichnet. Der nordöstliche Zipfel Omans an der Strasse von Hormus ist eine Exklave und kann nur durch die VAE erreicht werden. Es gibt allerdings eine Piste, die von Dibbah durch das spektakuläre Wadi Biyh nach Kashab führt. Eine tolle Herausforderung mit Hindernissen gespickt, von denen wir bereits anfänglich Kenntnis haben, aber wir kitzeln die Herausforderungen heraus. Wadi Biyh mit seinen senkrechten Felswänden ist spektakulär. Die Piste in einem prächtigen Zustand, frisch geschoben, der Verkehr immens… Lastwagen an Lastwagen… es wird gebaut. Eine Strasse der Superlative wird von Dibbah nach Limah und weiter nach Kashab in die steilen Bergflanken hoch über dem Meer gegraben.
Auf der Passhöhe richten wir uns in einem lost place für die Nacht ein. Absolute Ruhe und ein Firmament voller Sterne! Die Piste führt hinunter in die riesige Kiesebene doch ein Schlagbaum hält uns auf – das haben wir erwartet und auf der Karte gesehen. Zurück nach Dibbah oder an die Grenze und vom Polizeichef eine Bewilligung holen. Heute ist Freitag, bedeutet, Bewilligung ist erst am Sonntag möglich. Wir verbringen 2 Tage in Dibbah an der Beach und erhalten die Bewilligung trotz aller Bemühungen nicht! Nur für Emirati oder Omani möglich! Wir versuchen es andersrum: der Polizeichef meint, wir können es durch die Baustelle probieren, viele Abschnitte sind bereits asphaltiert. Also zurück und tatsächlich lässt man uns auf der Baustelle fahren – und wirklich ist sie zumeist asphaltiert – doch dann der Hammer – ein Teil ist praktisch nur mit Raupenfahrzeugen befahrbar, extrem steil und nur Bulldust – einmal unten, kommen wir nicht wieder rauf und wie die andere Seite aussieht wissen wir nicht. Stefan rekognosziert zu Fuss während ich einen Schreikrampf abwehren muss. Wenn bei einem von uns das Bauchgefühl nicht stimmt, umkehren, das ist unsere Losung seit 2011! Also zurück nach Dibbah – via UAE nach Musandam und diesen Zipfel von der anderen Seite aufrollen.
Musandam ist eine Welt für sich. Steile, kurvige Pisten, der Staub schleicht sich durch alle Ritzen, doch dem Meer entlang führt bereits eine Corniche. In Kashab buchen wir eine Dhow Cruise und tuckern in die tiefen Fjorde hinein. Die geologischen Vorgänge sind überall lesbar. Eine Plattenverschiebung wie in Africas Rift Valley – die eurasische Platte schiebt sich über die Platte Musandams und «versenkt» diese Region irgendwann. Farbige Gesteinsschichten in diversen faszinierenden Faltungen.
Frühlingshaft ist es auf dem Sayih Plateau, grüne Wiesen und Palmen, blühender Ginster. Wir fahren auf dem gleichen Weg wieder zurück obwohl der Polizeichef von Kashab hier eine Bewilligung zur Durchfahrt nach Dibbah auch für Ausländer ausstellen würde. Was für ein eigenartiges Spiel! Man muss nicht alles verstehen.
Wehmütig verlassen wir den Oman. Das wunderschöne Land und seine liebenswerten Bewohner haben uns «gluschtig» auf die weiteren Länder der arabischen Halbinsel gemacht.
