03. November – 12. Dezember 2025
Voi – Emali – Nairobi – Nanyuki – Marsabit – Chalbi Desert – North Horr – Lake Turkana – Loyangalani – South Horr – Laisamis – Isiolo – Nanyuki – Besteigung Mount Kenya (Peak Lenana) – Safari Samburu NR – Ol Pejeta GR – Lake Nakuru – Lake Naivasha – Amboseli NP – Tsavo West NP – Nairobi – Lamu Island – Mombasa
Kenia – unser letztes Land auf dem afrikanischen Kontinent. Wir saugen alles in uns auf, passen die Planung an, damit wir in der uns verbleibenden Zeit so viel wie möglich von dieser aussergewöhnlichen Natur erleben können. Das erste Mal in 9 Monaten haben wir einen fixen Termin, wir erhalten Besuch aus der Schweiz!
Wir geniessen den letzten Grenzübertritt – der Nüssli-essende Zöllner strapaziert die Nerven extrem während er mit seinen fettigen Fingern in unseren Pässen rumblättert…was soll’s. Schlimmer geht immer.
Unser Programm ist etwas gedrängt, Diani Beach, den Touristenhotspot Kenias mit weissen Stränden und seiner Luxushotel-Meile lassen wir links liegen, missbrauchen den Ort für einen schnellen Einkauf, nutzen funktionierende ATM’s und schieben die letzte afrikanische SIM Karte ins Telefon. Auf geht’s zur nächsten Destination. Meer gibt’s überall, auch menschenleer und immer lockt die Wüste. Doch dafür benötigen wir noch einige Kilometer.
Die Strasse führt der Bahnlinie entlang, die direkten Verbindungen von Mombasa nach Nairobi sind höchstwahrscheinlich gemütlicher als die Strasse. Die Strasse aber lustiger…Korbwaren, Früchte, Gemüse, Baobabs, Sisal, Vom Hosenträger zur Steinschleuder wird alles verkauft, Afrika läuft zur Hochform auf.
«Ich hatte eine Farm in Afrika, am Fusse der Ngong Berge». Ja genau, die Rede ist von Karen Blixens Farm. Wir parkieren unser Auto am Fusse der Ngong Berge und legen in Nairobi einen Stopp von 2 Nächten ein. Aus Karen Blixens Kaffeeplantage ist das hippe Quartier Karen geworden, wer hier wohnt, nagt nicht am Hungertuch. Das kleine hübsche Haus der Blixens diente auch als Kulisse für den Oscar gekrönten Film «Out of Africa». Das koloniale Erbe wird vom Staat Kenya bewahrt.
Von der Grossstadt fahren wir hinaus auf’s Land durch die Aberdares, wo man sich im kühlen Schottland wähnt und hinunter ins Tiefland. Die Landschaften wechseln spektakulär. Das Klima ändert auch. Marsabit – Ort der Kälte ist noch ein Zwitter – tagsüber heiss, morgens früh neblig aber bald gilt statt Daunenjacke am Abend ärmellos, statt feucht-kalt trocken-heiss. Nicht nur die Landschaften, auch die Architektur ändert, die Samburu und Turkana bauen aus Naturmaterialien jurtenähnliche Behausungen, die mit Lehm, Tüchern und Planen abgedeckt werden. Und neben den Rinderherden der Masai führen die Samburu ihre Kamele spazieren, Ziegen sind ein weiterer Stolz.
Die Chalbi Desert fordert Mensch und Tier alles ab. Durch die Salzpfanne weht ein heisser Wind, wir nächtigen unter Palmen und erfreuen uns der Einsamkeit und finden die Wüste gar nicht wüst. Zu unserer Überraschung gesellt sich eine Nachtschwalbe zu uns. Die Salzpfanne wird von einer Kiesellandschaft abgelöst, knorrige Akazien stehen in trockenen Flussbetten. Führt eines Wasser, wird es sofort von Mensch und Tier genutzt. Tiefverschleierte Frauen mit schweren Halsketten transportieren mit ihren Eselkarawanen Wasser und Brennholz.
Und dann liegt er vor uns, der Turkana See, der weltgrösste Wüstensee im Rift Valley, wo sich Afrika irgendwann in 2 Teile spalten wird. Seine Ausdehnung ist gigantisch: von Nord nach Süd sind es 250km von West nach Ost 50km bei einer max. Tiefe von 73m. Von 6405km2 gehören lediglich 23km2 zu Äthiopien, von wo aber der Hauptzufluss, der Omo kommt. Obwohl er inzwischen gestaut wird und weniger Wasser in den See fliesst, hat sich der See seit 2010 um 10% ausgedehnt. Der grosse ostafrikanische Grabenbruch bietet eine atemberaubende Kulisse, der Turkana See mit seinem türkisblauen Wasser inmitten einer kargen Vulkanlandschaft aus Lava und Sand und dem Berg Por im Hintergrund. Hier lebt es sich einsam und karg, die Jurten-Hütten vom Wind zerzaust, die wenigen Pisten vom hohen Seespiegel überschwemmt und ausser Fisch, Ziegenfleisch oder Kamelmilch gibt die Natur nichts her. Wir treffen auf eine reich geschmückte Turkana Frau mit ihren Kamelen und einige Fischer. Tropische Nächte rauben uns den Schlaf. Hoch über dem Turkana See steht eine Windkraftanlage mit 365 Windrädern zur Stromerzeugung. Eine sehr futuristisch anmutende Szenerie nach dieser Einfachheit. Doch Kenya braucht den Strom für sein wirtschaftliches Wachstum. Wir geniessen die Wüste mit unzähligen Wildcampspots, erspähen 2 Gerenuks – Antilopen mit Giraffenhälsen – Blumen und Vögel. Einfach, aber wunderschön. Und von den grünen Aberdare’s aus, sehen wir das nächste Objekt unserer Begierde – den Mount Kenya.
Manuel & Martina erwarten uns und uns alle Vier ein eisiges Abenteuer. Heiss und kalt liegen in Afrika so nah zusammen. Die Besteigung des Peak Lenana, 4985müM, dritthöchster Gipfel des Mount Kenya Massiv (Batian 5100m / Nelion 5189m erfordern technisches Klettern) nehmen wir mit «unserer» Crew unter die Füsse. Die erste Etappe führt schnöde auf einer Betonpiste zum Camp auf 3300m. Kaum angekommen beginnt es zu regnen, zum Glück waren wir schneller und sitzen im Trockenen. Unsere Träger haben bereits die beiden Zelte aufgestellt und der Koch serviert heissen Tee. Doch der Regen verheisst Wetterglück für die kommenden Tage. Unter einem enzianblauen Himmel führt ein sehr schön angelegter Wanderweg durch eine wunderbare Landschaft mit einer aussergewöhnlichen Pflanzenwelt hinauf auf 4200m zum Shipton’s Camp, wo uns schon die Rock Hyrax begrüssen. Die vorwitzigen, murmeltierähnlichen Tierchen sind Menschen gewohnt und vollführen allerhand Schabernack. Die bitterkalte Nacht lässt uns einmal mehr nicht schlafen und die Gedanken kreisen um den steilen Aufstieg. Um 3Uhr morgens kriechen wir aus den Schlafsäcken, der Berg erwartet uns. Im Schein der Stirnlampen steigen wir 800HM hinauf zum Gipfel, den wir kurz vor Sonnenaufgang erreichen. Ein weiteres Erlebnis der Superlative gemeinsam mit Manuel und Martina – was für ein seltenes Glück. Via Chogoria Route steigen wir nach einer Stunde leichtfüssig ab, ein feines Zmorge mit frischen Früchten, Mandazi (Nationales Zmorgebrötli), Pancakes und heisser Schoggi steht beim Mintos Camp schon bereit, da die Träger und der Koch eine andere Route wanderten, der Abstieg führt weiter mit Aus- und Weitsicht und zum letzten Camp, wo wir die müden Füsse ins eiskalte Wasser strecken. Anderntags werden wir nach etwa 2 –stündiger Wanderung von einem Land Rover abgeholt – die ganze Truppe wird eingepfercht wie in einem Masai-Taxi. Durch Primärwald und Teeplantagen fahren wir ins Städtchen Chogoria, wo das Trekkingabenteuer abgeschlossen ist.
Start- bzw. Endpunkt: Sirimon Gate (2643müM) – Chogoria Road End (2984müM)
Übernachtungen: Old Moses Camp (3380müM) / Shipton’s Camp (4260müM) / Chogoria Roadside Camp (3301müM)
Höchster Punkt: Peak Lenana 4982müM
4 Etappen: Wanderkilometer 42.3km / Wanderzeit 18h30 Std. / Höhenmeter ca. 2500 HM
Nach so viel Wandern ist uns allen nach «animal spotting». So geht es anschliessend auf Safari. Zuerst jedoch sind kleine Tierchen angesagt, die wir auf den Margaritenbüschen in den Aberdare Hills finden – Manuel, Martina und sogar unser Guide Moses sind fasziniert von den winzigen Chamäleons. Vom Samburu NR, wo wir praktisch allein unterwegs sind, werden wir mit Löwen und Geparden verwöhnt, einige Grevyi Zebras zeigen sich ebenso fotogen, wie der Gerenuk mit seinem langen Hals oder die faszinierend schön gemusterte Netzgiraffe. Ol Pejeta trumpft mit seinen Nashörnern, und einige Flamingos und Pelikane sorgen für Farbtupfer am Lake Nakuru, am Lake Naivasha finden unsere Youngsters endlich Hippos. Und der Amboseli NP beeindruckt mit faszinierenden Ausblicken auf den Kilimandscharo, grossen Elefantenherden und vielen Touristen. Im Tsavo West entdecken wir Tüpfelhyänen und die hübschen Cock’s Hartebeests. Die winzigen Dikdik Antilopen zählen wir schon gar nicht mehr. Auch hier ziehen wie überall zu dieser Jahreszeit Jungtiere in den Herden mit, ein süsser Anblick.
Uns allen fällt der Abschied schwer, den wir in Nairobi feiern. Wir haben noch zwei Wochen auf dem Kontinent. Während unserer Rückreise nach Nanyuki, wo unsere Randulina auf uns wartet, fliegen Manuel & Martina in die winterliche Schweiz zurück. Für uns geht es an den Indischen Ozean, wo wir einige Tage auf Lamu Island, der Insel der Esel, verbringen. Arabische Händler aus Oman etablierten hier einen Handelsstützpunkt, wie in Kilwa oder Stone Town auf Zanzibar / Tanzania. Ein geruhsames authentisches Leben hier in Lamu Town, ein etwas überkandideltes im Nachbarort Shela, wo sich die europäische High Society Villen hinbaut oder die alten Häuser aus Korallensteinen zu Tode renoviert und dem Örtchen ein klinisches Ambiente verpasst.
Zurück in Mombasa heisst es Augen zu und durch, Randulina wird sauber geputzt und in Mario’s Hände übergeben, der sie nach dem Abenteuer Afrika einem sehr grossen Service unterzieht und im Container zur nächsten Destination auf einen neuen Kontinent schickt. Wir werden berichten. Doch zuerst müssen wir uns an die neue Situation gewöhnen, Afrika ist uns ans Herz gewachsen.
