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Antarktis

16. Dezember 2014 - 8. Januar 2015

Herzlich Willkommen im 2015. Wir hoffen, ihr seid auch so gut gestartet wie Stefan und ich. Erinnert ihr euch an unsere letzten Aufzeichnungen? Ja, genau, wir haben eine Cruise in der Antarktis gebucht. Nun sitze ich also in der Club-Lounge (sprich Bar) der „Sea Spirit“ und schreibe am Bericht. Wir sind mitten in der Drake Passage und befinden uns fast 2 Tagesetappen von Ushuaia entfernt, sind also auf hoher See.

Die „roaring 40, die furious 50 und die screaming 60“ haben wir überlebt und bringen mehr als die Hälfte unserer vorsorglich gegen Seekrankheit eingepackten Stugeron Tabletten wieder mit. Nicht weil wir von der Bordärztin mit effizienteren Mitteln hätten versorgt werden müssen, sondern weil die antarktische See so aussergewöhnlich ruhig war. Aber herzlichen Dank an Adu und Jürg, die uns als erfahrene Seebären so gut beraten haben.

Wir waren 23 Tage auf See und für die Statistikfans ist zu sagen, dass wir 15 Landgänge, 7 Ausfahrten mit den Zodiacs und gut 4000 Seemeilen (ca. 7500km) erleben durften.

Reiseroute : Ushuaia - Beaglekanal - Falklandinseln - South Georgia - South Sandwich Islands - South Orkney Islands – South Shetland Islands - Antarctic Peninsula - Drake Passage - Beaglekanal - Ushuaia.

Unsere Schiff „Sea Spirit“ beherbergte 89 Passagiere dazu das 14 köpfige Expeditionsteam unter der Leitung von Cheli Larsen und natürlich die ganze übrige Crew, die uns täglich auf’s Neue verwöhnte.

Was wir erlebten, ist fast nicht in Worte zu fassen. Ich versuche es trotzdem für euch.

Für Ausfahrten und Landgänge verkleiden wir uns mit wasserdichten Hosen und Gummistiefeln und stürzen uns in gelben Jacken und in die Rettungsweste. Die Zodiacs sind bereit um uns vom Marinadeck aus aufzunehmen. Bei Wellengang ist das eine schauklige Angelegenheit. Mit dem 60PS Aussenbordmotor ist das Zodiac etwas mehr als nur ein Gummiböötli. Es ist praktisch und dauerhaft – sogar als ein See-Leopard daran knabbert. Zum Glück, als wir zusehen können, was dieser Jäger aus einem jungen See-Elefanten macht wird uns allen ein wenig mulmig zumute. Bei solchen Aktionen zücken dann die 10 Zodiacinsassen ihre Kameras und würde es noch Rollfilme von Kodak geben, wäre just in diesem Moment ein Filmwechsel nötig.

Der See-Leopard ist als gefrässige Räuberrobbe bekannt obwohl seine Mahlzeiten aus bis zu 50% Krill bestehen. Hat er Lust auf mehr, kann das täglich bis zu 15 Pinguinen das Leben kosten. Der heikelste Part für die Pinguine ist der des „Einwasserns“, denn der Seeleopard patroulliert an diesen Orten im Wasser. Um ihn zu verwirren hüpfen Pinguine gemeinsam in relativ grosser Zahl ins Wasser und sichern sich so ihre Überlebenschance.

Auf den Falklands (Carcass Island, Saunders Island und West Point Island) besuchten wir eine Albatroskolonie und die lustigen Rockhopper Pinguine. Albatrosse haben uns mit ihrer Flügelspannweite von 2,5 bis 3,5 m mehr als beeindruckt. Ohne einen Flügelschlag nutzen sie die Winde aus und segeln bis zu 10‘000 km von ihren Brutplätzen weg, Jungvögel verbringen 3-5 Jahre auf See, ohne jemals einen Fuss ans Land zu setzen, erst dann paaren sie sich und richten ihr Nest ein. Rockhopper Pinguine legen etliche Höhenmeter von ihren Nestern zur See mehr oder weniger hüpfend und kletternd zurück. Den kleinen Kerlen mit der lustigen Frisur ist nichts zu steil. Für uns gab es anschliessend einen echt britischen 5’o Clock Tea auf einer englischen Farm / Estancia mit einer Auswahl, die nicht zu übertreffen war.

Und natürlich besichtigten wir Stanley, den Hauptort der Falkland Inseln. Ein hübscher gepflegter echt englisch anmutender Ort mit Pubs und Fish & Chips, Vorgärten und … richtig…Land Rovern aller Art. Hier funktioniert nichts ohne Landi, weder die Polizei noch die Feuerwehr. Vor jedem Haus steht einer. Stefans Herz hat gleich höher geschlagen. Irgendwann werde ich ihm ein Ticket nach Stanley kaufen müssen, und er wird mit einem alten Landi zurückkehren.

In South Georgia bestaunten uns tausende Königspinguine mit ihren Jungen, die von den ersten Seefahrern „Wollige Pinguine“ genannt wurden, weil ihnen unbekannt war, dass die Jungen der Königspinguine so braun und wollig sind, bevor sie ihre Federn wechseln. Sie werden von ihren Eltern mit Krill vollgestopft, weil sie die einzigen Pinguine sind, die einen Winter quasi als Teenager ohne ihre Eltern verbringen. Sie überleben in ihrem dicken Daunenkleid und der angefressenen Fettschicht den antarktischen Winter und wechseln im kommenden Frühjahr das Federkleid um im Sommer wassertauglich zu sein. Die Jungpinguine waren bei unserem Besuch gerade in der Mauser und so entstanden einige lustige Fotos – Pingu mit Schal oder Cape, Pingu mit Brusthaar oder Hippiefrisur oder Pingu mit allem. Gerne hätten wir auch noch etwas Duft mitgeschickt, aber dieses olfaktorisch intensive Vergnügen können wir euch leider nicht liefern.

In Grytviken auf South Georgia besuchten wir eine alte Walfangstation, die heute unter Denkmalschutz steht. Glücklicherweise ist das traurige Thema Walfang hier abgehakt, doch werden wir auf unserer ganzen Reise immer wieder damit konfrontiert. An vielen Küsten finden sich Walknochen oder Überreste dieser sehr intensiv betriebenen Industrie, die bis ca. 1930 fast alle Walarten und Robben zum Aussterben brachte.

Auf Landgängen sehen wir aber nicht nur Pinguine sondern können auch aus nächster Nähe Seelöwen und See-Elefanten beobachten. Vorsicht ist im hohen Tussac Gras oder an steinigen Küsten geboten, wenn die Tiere so daliegen, könnte man sie glatt für Felsbrocken halten. Die scharfen Zähne möchte ich aber nicht in meine Waden geschlagen haben. Ich weiss noch, wie wir in Uruguay und später an Argentiniens Westküste gejauchzt haben, als wir die ersten Pinguine und Seelöwen sahen, nun gehören diese Tiere zum täglichen Inventar unserer Landgänge und eben, aus nächster Nähe und ohne Zaun. Unser Expeditionsteam steckt vorerst einen Pfad mit orangen Fähnchen aus, um die Tiere möglichst wenig zu stören. Da gibt es aber dann die neugierigen Petrels und Skuas – grosse Raubvögel, die sich an genau diesen Fähnchen zu schaffen machen und nebenbei zu unserer Unterhaltung beitragen.

Unvergesslich die Fahrt in den Drygalski Fjord am Südende South Georgias. Erinnerungen an Norwegen werden wach. Steile Felswände, von Gletschern geformt und geprägt, immer wieder Gletscher, die in den Fjord münden und das Landschaftsbild stetig verändern.

Unsere Route führte uns weiter zu den South Sandwich Islands, die in 24 Jahren nur 12 mal von Touristenschiffen angelaufen wurden und von diesen Zwölf war unsere „Sea Spirit“ das vierte Schiff, das einen Landgang durchführen konnte. Vielleicht gehören wir zu den wenigen Schweizern, die das unwahrscheinliche Glück hatten, diese vulkanisch immer noch sehr aktiven Inseln zu betreten. Wunderbar die farbigen Krater des „Lucifer Hill“ oder der Rauchschwaden über den schwarzen Lavafeldern. Dann wieder schneebedeckte Gebirge mit Rauchfahnen und am Strand Chinstrap und Adélie Pinguine. Kleine dicke Kerlchen mit einem aussergewöhnlichen Gesichtsausdruck, an Land putzig aber gar nicht unbeholfen, im Wasser pfeilschnell. Auch sie legen grosse Strecken watschelnd und stolpernd zu ihren Nistplätzen zurück, die „Flügelchen“ immer zur Balance abgespreizt. Wir werden bestaunt oder ignoriert, aber unsere Anwesenheit scheint sie nicht zu stören.

Vindication Island wirkt wie eine perfekte Filmkulisse. Vulkane formten auch diese Landschaft aus bizarren Basalttürmen, Höhlen und farbigem Gestein. Die rauhe See formt weiter und der letzte Vulkanausbruch 2012 wird sicher nicht der letzte sein.

An Silvester werden wir von Finn- und Buckelwalen überrascht. Der Kapitän stoppt das Schiff und wir beobachten die Wale, zuerst aus einiger Entfernung und dann… geschieht das Unwirkliche. Die Wale umkreisen das Schiff und kommen immer näher, sie kratzen sich am Schiff und scheinen sichtlich erfreut über unsere Anwesenheit zu sein. Niemand hat in diesem Moment kalt, alle Passagiere sind fasziniert, genauso wie die Crew, die trotz langjährigen Antarktisreisen so etwas noch nie erlebt hat. Die Wale blasen und singen und spielen um unser Schiff herum. Sie klatschen mit den Flossen auf’s Wasser, und natürlich zeigen sie ihre Fluke beim Abtauchen – ohhhhhhhhhhhhh, ahhhhhhhhhhhhhhh und die Kameras zurren und klicken und alle sind glücklich. Ein weiteres unvergessliches Erlebnis. Und gerade das machte diese Reise so spannend – wir haben genügend Zeit und die Crew lässt das Schiff bei aussergewöhnlichen Ereignissen stoppen oder sucht günstige Ankerplätze und ermöglicht so das absolut perfekte Erlebnis.

Und selbstverständlich setzen wir unsere Füsse an Land auch auf historische Entdeckerstätten. Wir wandern auf Sir Ernest Shackleton’s Spuren besichtigen Point Wild auf Elephant Island, wo er nach dem Sinken seiner „Endurance“ und einem kräfteraubenden Marsch auf und durch das Eis 1915 den grössten Teil seiner Mannschaft zurückliess und mit dem Rettungsboot „James Caird“ und 5 Männern nach South Georgia segelte, in 3 Tagen die Insel überquerte um zur Walfangstation Grytviken zu gelangen. Nach 136 Tagen wurde die übrige Mannschaft auf Elephant Island gerettet – alle Schiffbrüchigen überlebten diese tragische Antarktis Entdeckungstour unbeschadet. Dazu muss man wissen, dass Elephant Island von Gletschern bedeckt ist, den Männern wenig Platz blieb, da nur ein Tupf auf der Landkarte, das Ganze im Winter stattfand und hier nichts wächst, was man essen oder verfeuern könnte – also standen Pinguine, Vögel und Robben auf der Menukarte. Wir waren im Sommer da, bei schönstem Wetter und ruhiger See und erkundeten mit dem Zodiac die blau schimmernden Eisberge, in die man den „Arc de Triomphe“ von Paris locker reinstellen könnte.

Und endlich betreten wir antarktisches Festland – Brown Bluff. Ein Landgang mit wiederum tausenden Pinguinen und einer Landschaft aus Tuff und Basalt. Flechten und Moose zaubern Kunstwerke auf die Felsblöcke und erinnern an Skulpturen, die wie die Eisberge von Henry Moore geformt worden sein könnten.

Bei leicht nebligem und feuchtem Wetter führt eine rassige Zodiacfahrt bei Trinity Island in enge Schluchten. Hier wäre die perfekte Kulisse für einen James Bond Film. Die Eisberge schimmern kalt. Doch dann kommt ein Funkspruch von der Brücke: Wale. Nichts wie hin, gut sind wir wasserdicht und wirklich – vor uns Buckelwale beim Zmorge. Das Meer muss hier voller Krill sein, wir sehen direkt in ihr riesiges Maul, Buckelwale im Schlaraffenland. Unbeschreiblich.

Auch auf der Rückreise ist die gefürchtete Drake Passage zahm und im Beaglekanal empfängt uns der patagonische Wind, den wir schon fast vergessen haben.

Wehmütig verlassen wir nach 23 Tagen das Schiff. Wir haben schöne Bekanntschaften gemacht und waren für kurze Zeit in einer völlig anderen Umgebung, die unvergesslich bleibt. Ushuaia empfängt uns mit frisch eingeschneiten Bergen mitten im Hochsommer.

Suedpatagonien und Feuerland

15. November - 11. Dezember 2014

Nachdem wir uns an den steifen Wind gewöhnten, erwischen wir hier wunderbares Wetter. Nachts ist es erstaunlich windstill und tagsüber haben wir blauen Himmel. Es ist richtiger Frühling hier, der Ginster leuchtet gelb, die Wiesen voller Lupinen, Margeriten und Löwenzahn, wunderschön. Wenn die Sonne scheint, der Wind sich etwas still hält, kann man sogar mal kurzärmlig flanieren – so geschehen in Puerto San Julian, wo vor uns schon Maghellan mit seinem Schiff „Victoria“ gelandet ist.

Hier lassen wir unsere Wäsche waschen. Ja ihr habt richtig gelesen, wir lassen waschen. Wir bringen 15kg Wäsche in die Wäscherei und sie wird uns anderntags frisch duftend und zusammengefaltet auf den Campingplatz direkt zum Auto geliefert. Für CHF 30 ein super Service. Man kann sich daran gewöhnen.

Auch im Nationalpark Monte Leon haben wir perfektes Wetter. Wir können draussen kochen und sogar draussen essen. Und es ist so lange hell. Die Sonne geht jetzt kurz nach 5 Uhr auf und Abends um 23h ist immer noch Dämmerlicht. Wir bestaunen die riesige Kolonie von Magellan Pinguinen, die hoch über dem Meer ihre Bruthöhlen haben und jedes Jahr die gleiche Höhle wieder beziehen. Hier haben allerdings die Pumas gewütet. Pinguine sind leicht zu fangen und die Pumas spielen mit ihnen, was den Pinguinen allerdings nicht so gut bekommt. Auch die grossen Kolonien der Imperial Kormorane sind eindrücklich. Nach jahrelangem Guanoabbau und der damit verbundenen Zerstörung ihrer Nester (die sie aus Guano bauen) hat sich der Bestand relativ schnell erholt. Eindrücklich ist auch die grosse Ebbe- resp. Flut. Das Wasser zieht sich weit zurück und so ist es möglich, in riesige Höhlen zu wandern, man muss sich einfach gut an die Gezeitentabelle halten, kommt das Wasser zurück, gibt es keine Möglichkeit mehr, an Land zu kommen und im eiskalten Antarktiswasser gerät man so in eine ausweglose Situation. Dem kleinen Seelöwen ist es umgekehrt ergangen, er war bei Ebbe noch in einer Höhle und konnte nicht mehr zu seiner Familie zurück. So musste er die Zeit allein verbringen. Er kletterte auf die grossen Felsen und rutschte bäuchlings in die darunterliegende Pfütze hinein und genoss es sichtlich. Uns blieb nur zu hoffen, dass er seine Mutter wieder finden würde, denn er ist immer noch auf Muttermilch angewiesen.

Nach 190km Schotterpiste quer durch die südargentinische Pampa von West nach Ost, wo wir 4 Autos, unzähligen Guanakos, Nandus und Schafen begegneten, kamen wir in ElCalafate an, Ausgangspunkt zum Los Glaciares Nationalpark mit dem Perito Moreno Gletscher. In Calafate gingen uns fast die Augen über, angesichts der Öde und Leere ist Calafate eine riesige Wundertüte, Cafés, Restaurants, Outdoor Läden etc. Schnell weg und weiter zur Hauptattraktion.

Wir haben ja schon einiges gesehen, aber beim Anblick des riesigen Gletschers bekamen wir feuchte Augen. Wir staunten ob der Kulisse, blühende Calafate Sträucher (ähnlich wie Heidelbeeren), rote Blüten des Feuerbusches, der blaugrüne See, die grünen Wälder, und der eisblaue Gletscher, eine fast surreale Umgebung. Dann dieses Knacken und das Getöse wenn der Gletscher in den Lago Argentino kalbt. Wir waren 2 Tage da und es wurde nicht langweilig.

Auf der Weiterreise nach Rio Gallegos gab es noch ein Zückerchen. Bei schönstem Wetter konnten wir die Gipfel Fitzroy und den Cerro Torre sehen. Zwar klein und weit weg, aber unsere Vorfreude auf der Rückreise vom Süden nach Norden dort vorbeizukommen ist gross.

Unsere Reise hier im Süden überbordet fast an Höhepunkten. In Chile angekommen, besuchten wir den Pali Aike Nationalpark. Hier keine Gletscher, dafür uralte Vulkane, leider ohne warmes Wasser. Aber auch hier eine interessante Tierwelt. Überall hoppeln Hasen herum und die Füchse sind auch nicht weit. Nur bei den Stinktieren machen wir einen etwas grösseren Bogen. Die sind sehr neugierig, aber wehe wenn sie den Schwanz heben und ihren Duft versprühen. Allgegenwärtig sind Guanakos und eine grosse Vogelwelt.

Bis jetzt befanden wir uns immer noch auf dem Festland, doch heute überqueren wir die Magellanstrasse und gelangen nach Feuerland. Die lustigen schwarz-weissen Tonino Delphine begleiten die Fähre. Auf der Fahrt um die BahiaInutil bekommen wir dann auch die ersten Kondore zu sehen und als grosse Attraktion die einzigen Königspinguine ausserhalb der Antarktis.

Und nun auf nach Ushuaia – El Fin del Mundo. Eigenartig hier einzufahren. Wir sind angekommen nun geht’s nur noch nach Antarktika oder nach Norden. Es regnet Bindfäden, doch der Nachmittag ist so perfekt wie gemalt. Blauer Himmel, fast windstill und sogar warm, wir flanieren wieder einmal nur im Pullover durch die Ladenstrasse.

Wir werden auf dem Campingplatz Rio Pipo von Conny und Remo schon sehnlichst erwartet und entdecken nun gemeinsam die südliche Landspitze. Absoluter Höhepunkt war die Ruta J (Ruta Chota) wo wir in Puerto AlmazenCebollas – Königskrabben zerlegt haben. Wir wurden im Restaurant La Sirena y elCapitan vorzüglich ausgestattet. Es gab für jeden eineRebschere und damit zerlegten wir die fangfrischen Königskrabben. Satt wurden wir dabei nicht, aber es war das lustigste und aufregendste Nachtessen seit langem. Wir verbrachten gemeinsam schöne Tage beim Wandern, aperölen (sehr wichtig) und langen Nachtessen. Das Zmorge konnten wir dank des guten Wetters immer draussen essen. Wer hätte angesichts der windschiefen Bäume daran geglaubt?

Besonderen Umständen verdanken wir nun einen Blitzabstecher nach Punta Arenas. Dort treffen wir auf einen Freund aus der Schweiz, der hier seine ersten Gehversuche seit der Pensionierung unternimmt.

Tja und dann ein weiterer Höhepunkt: Wir sind alle wieder zusammen: Julia mit Andreas, Frizzi mit Christoph und Conny mit Remo. Das muss grad mit Älplermagronen gefeiert werden. Während wir Damen im VW Büssli beim Apérohöcklen, bekochen uns die Männer superfein. Vielen Dank. Nun trennen sich die Wege wieder Richtung Süd und Nord. Aber wir sind sicher, dass wir uns irgendwo wieder begegnen werden. So wie wir ohne SMS und WhatsApp immer wieder unseren holländischen Freunden Frank und Yvonne begegnet sind. Immer wieder trifft man Seelenverwandte, das macht das Reisen so spannend.

Hiermit verabschieden wir uns für 2014 von euch, denn wir werden Weihnachten und Silvester/Neujahr auf einer 24-tägigen Antarktis-Tour verbringen. Mit viel Glück und beherztem Zupacken haben wir ein Last Minute Angebot für die längste Reise auf den siebten Kontinent ergattert. Auf dem Programm steht die Fahrt von Ushuaia zu den Falklandinseln und weiter nach South Georgia, South Orkneys, South Shetlands und Sandwhichislands zur AntarcticPeninsula. Im neuen Jahr kehren wir dann via Drake Passage wieder nach Ushuaia zurück. Unsere Vorfreude ist riesig und wir wünschen allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Grenzübertritte

Südamerika ist riesig und trotzdem im Süden sehr klein. Feuerland ist die südlichste argentinische Provinz aber nur über Chile zu erreichen.

Da gibt es einige Möglichkeiten: Abenteuerlich über Rio Bellavista. Eine Schotterpiste ohne Brücken, nur mit 4x4 und geländegängigem Wagen zu befahren. Die Zöllner sehen aus, wie aus dem Bett geholt, obwohl schon 11h30 ist. An der Hand den 2-jährigen Sohn, der auch mithelfen will beim Stempeln. Ja, pro Tag käme nur 1 Auto, viel zu tun gibt es hier nicht. Wir treffen den gleichen Zöllner einige Tage später wieder in San Sebastian. Er kennt uns, und alles geht hier ziemlich unkompliziert. Schliesslich ist ja auch grad ein Champions League Spiel im Gang, das noch fast mehr Aufmerksamkeit benötigt, als unsere Ausreise nach Chile.

Die Einreise nach Chile ist dann etwas komplizierter. Die Papiere für uns den Wagen sind kein Problem, wir sind ja mittlerweile bereits im System erfasst. Das Anstrengende sind einfach die Lebensmittelkontrollen. Da gilt es ein Formular auszufüllen, ob man Lebensmittel in rohem Zustand mitbringt etc. also immer „ja“ ankreuzen, denn wenn sie was finden, kann es Bussen bis US$ 300 geben, ganz schön viel für ein Rüebli. Und sie finden immer was. Die ganzen Kontrollen sind etwas willkürlich. Ich habe diesmal die Eier gekocht, die Milch und der Käse sind pasteurisiert, sollte also kein Problem sein. Vor dem Zoll machen wir ein Picknick mit Salami und Bananen. Nun haben wir nichts mehr. Die Schale schnell in den Abfallsack und was damit – nun deklarieren und abgeben. Der Zöllner nimmt mir den Abfallsack ab und durchsucht dasganze Auto. Zum Glück ohne Hund und die rohen Eier und die Rande kann ich so schmuggeln. In Punta Arenas war ich dann auf dem Landwirtschaftsamt und man erklärte mir, dass man alles was gemahlen wurde, einführen darf, aber z.B. Körner aller Art nicht. Und natürlich nichts in rohem Zustand. Aber es ist trotzdem jedesmal eine Lotterie und Willkür.

Diese Grenzübertritte von Argentinien nach Chile stehen uns auf unserer Route nach Norden bis Bolivien noch etwa ein Dutzend Mal bevor, schöne Aussichten!

Bienvenidos en Argentina

21. Oktober -  14. November 2014

Auf unseren Grenzübertritt von Salto, Uruguay nach Concordia, Argentinien waren wir sehr gespannt. Mit einem Auto ist das etwas komplizierter als mit dem Flugzeug, dachten wir jedenfalls. Doch wiedermal wurden wir eines besseren belehrt. Der Grenzübertritt wurde innert 10min. administrativ abgefertigt und wir konnten einreisen. Das einzig interessante Detail für den Grenzbeamten schien unsere Papierqualität des Fahrzeugausweises zu sein. Er meinte, alle anderen Reisenden hätten anderes Papier gehabt, unseres sei komisch, ob unser Ausweis nicht das Original sei. Kurze Anmerkung: Niemand reist mit einem Originalausweis, alles sind Kopien, entweder laminiert, auf Halbkarton kopiert, auf lumpiges Papier kopiert etc. Ich versicherte ihm, das sei der Original Fahrzeugausweis, aber die Schweiz sei ein Land mit 26 Provinzen und jede hätte eigenes Papier. Das hat ihn zufriedengestellt – Argentinien hat nur 23 Provinzen. Wie gross er sich die Schweiz vorstellt, sei der Phantasie überlassen. Nur in unsere Wohnkabine wollte er noch gucken. Einen Azalaï sieht man halt nicht so oft.

Viele Reisende haben uns vor der ersten Provinz – Entre Ríos – gewarnt. Ständige Polizeikontrollen, ständiges Anhalten. Alle Unterlagen griffbereit in der Nähe, wurden wir nicht ein einziges Mal angehalten. Kontrollen gab’s schon – auf der anderen Strassenseite.

Allerdings gibt es starke Lebensmittelkontrollen beim Eintritt in die Region Patagonien. Da hier weder Fruchtfliegen noch Maul- und Klauenseuche existieren, wird das Auto v.a. nach Frischfleisch und Zitrusfrüchten gefilzt. Sogar der Motorblock wurde kontrolliert. Tja, so gingen halt unsere superfeinen Grapefruits und unsere Salami – (@ Regula: klingelt‘s bei dir?) in den Kübel, aber Äpfel und Bananen und unser Gemüse durften mit auf die Reise. Anschliessend erhielten wir eine Liste, was wir nicht hätten mitbringen dürfen. Die Liste hätten wir lieber vorher gehabt. Alles was industriell hergestellt wurde, durften wir behalten – Schinken und Bratspeck im Vakuum sowie alle Milchprodukte.

Aber was sind schon Lebensmittelkontrollen im Hinblick auf die Vielfältigkeit Patagoniens. Die Reise durch die endlose Pampa, nichts als Kühe, Schafe, Pferde, ab und zu Nandus und weiter südlich Guanakos, jetzt im Frühling immerhin noch grünes Gestrüpp könnte einschläfernder nicht sein und hat doch ihren Reiz. Wenn aber dann der patagonische Wind bläst, er tut‘s gerade mit 65kmh und Böen bis 100kmh, und der Sand in der Luft die Sonne trübt wie eine Smogglocke, ist das nicht so toll.

Dafür wird man von der Natur auf der Halbinsel Valdés entschädigt. Wir verbrachten eine wunderschöne Zeit zuerst auf dem Camping Platz von Puerto Pirámides und dann in Punta Pardelas. Morgens um 6h wurden wir von den südlichen Glattwalen geweckt, die hier ihren Nachwuchs gebären und genügend Nahrung finden, bevor sie weiter ziehen. Wenn Wale ausblasen, tönt das gigantisch, wir liessen uns gerne davon wecken und konnten sie lange in der Nähe des Strandes beobachten. Sie sind so harmonisch in ihren Bewegungen, drehen sich auf den Rücken, winken mit den Seitenflossen oder zeigen beim Abtauchen die Fluke, dreschen auch mal mit der Fluke aufs Wasser, dass man meinen könnte, da werde geschossen. Sie sind eigentlich nicht schön anzusehen, haben sie doch an vielen Orten ihres Körpers ganz grosse Pusteln, Muschelablagerungen, aber sie verbreiten eine Ruhe, wie kaum ein anderes Tier. Ganz anders die eleganten Orcas. Wie Delfine jagen sie übers Wasser, keine Zeit zum Rasten und Ruhen. Da gibt es dann auch noch die Seelöwen, riesige Männchen mit einem Harem, das sie mit Beissen und Brüllen verteidigen. Im Wasser ganz verspielt, sind sie an Land etwas träge. Auch die Seeelefanten liegen träge an der Sonne und wenn sie sich in Bewegung setzen und dem Wasser zu watscheln, ist ihnen der elegante Schwimmer nicht anzusehen.

Aber nicht nur die Tierwelt ist so spannend hier, nein wir treffen auch immer wieder auf andere Reisende. Einmal kochten wir uns an einer Schotterpiste Kaffee und machten ab, dass wir so lange da sitzen werden, bis das nächste Auto anzufahren kommt. Nach ca. 3 Stunden wurden wir erlöst – ein französisches Ehepaar mit einem Azalaï. Super, da wurde gleich getratscht und gefachsimpelt.

Auch viele Schweizer sind unterwegs. So waren wir auf der Halbinsel Valdés mit 4 anderen Pärchen da. Das sind also an einem Fleck etwas mehr als 1 Millionstel aller Schweizer am gleichen Ort. J. Zudem sind noch andere Schweizer in Mietwagen unterwegs, die man nicht erkennt, oder die einem am Morgen mit einem Grüezi ganz freundlich begrüssen, während wir mit Holá um uns werfen. Es war super, mit Conny und Remo (VW Büssli), Frizzi und Christof (Santana), Julia und Andreas (Land Rover Defender), Michaela und Marcel (Mietwagen), zusammen zu sein, zu apérölen, Spaghetti zu essen und beim Radwechsel zusehen zu können und Paola und Claudio zu treffen. Und da sind noch die vielbewunderten Österreicher Petra und Tibor mit ihren Söhnchen David (3) und Tobias (5) und dem Baby Paula (4Mt) (Nissan Pickupaufbau). Alle haben in etwa die gleiche Route und so kreuzen sich die Wege mal mit allen oder mit einem Teil.

Von der Peninsula Valdés wegzugehen fiel uns denn auch etwas schwer. Aber einmal heisst es Adieu zu sagen. Wir zogen weiter nach Trelew, wo sich einige walisische Siedlungen befinden und besuchten standesgemäss in Gaimann ein hübsches Teahouse – der 5 o’clock Tea im „Plas y Coed“ war so reichlich bemessen. Die Wirtin packte uns alles schön ein und es gab anderntags noch einmal privat eine Teatime. Hier wird noch immer gälisch gesprochen und die Traditionen werden hochgehalten. Herzige Häuser mit Rosenstöcken, eine schöne Abwechslung in der Pampa in einem grünen Flusstal. Ganz anders das geschäftige Comodore Rivadavia, wo man nach Trinkwasser bohrte und Erdöl fand. Eine hässliche Industriestadt ohne jeglichen Charme, zum Glück gibt’s einen Villenvorort – Rady Tilly mit einem perfekten Campingplatz, wo wir auch wieder auf Conny und Remo und Tibor mit Petra und den Kindern treffen. So einfach geht’s – sogar ohne Internet findet man sich. Gleichgesinnte mit der gleichen Wellenlänge.

2 Tage später fahren wir alle wieder los. Es war herrlich, zwischendurch einen sauberen Campingplatz mit heissem Wasser und gut funktionierenden Duschen (starker Wind macht es unmöglich, unsere eigene Dusche zu verwenden, das Wasser wird überall herumgeblasen, nur wir werden nicht nass), und sauberen Toiletten zu haben. Wir campen meist irgendwo in der Wildnis, Plätze sind nicht immer einfach zu finden, da die Weiden immer eingezäunt sind und wir nicht am Strassenrand stehen wollen, aber es findet sich immer irgendwo eine Lösung, die Pampa ist gross genug. Jetzt in der Vorsaison ist es auch kein Problem, manchmal sind aber auf Plätzen alle sanitären Einrichtungen geschlossen, manchmal hat es ein Campingverbot an einem Fluss, da haben wir dann auch schon bei der Polizei um Erlaubnis angefragt und sie grosszügig erhalten. Es weiss immer jemand Rat, wenn man fragt. Der freundliche Ranger im Parque Provincial Bosque Petrificado de Sarmiento hat gemeint, im Park sei campen verboten, aber 4km ausserhalb hätte es genug Platz. Bei Fuchs und Hase war das eine schöne Lösung und wir schlafen immer herrlich.

An dieser Stelle möchte ich euch mal ganz kurz unseren Tagesablauf erklären: Meist erwachen wir gegen 7.30 Uhr. Dann Morgentoilette und Zmorge. Dieses besteht aus frischen Früchten, wenn vorhanden Brot, meist Yoghurt oder Müesli, es folgt der Abwasch. All das benötigt seine Zeit. Denn wir sind ja auf so kleinem Raum oder tragen alles nach draussen, wenn es warm und einigermassen windstill ist. Viel Zeit benötigt vor allem das richtige Einräumen und Versorgen, denn auf den Schotterpisten wirbelts noch genug durcheinander. Jedes Ding an seinen Ort, damit man es auch immer findet. Kommen wir in ein Dorf mit einem Café oder einer Bar gibt’s mal Rast für einen Morgenkaffee, der kostet hier ja 2x nichts – vielleicht kurz Früchte oder Gemüse einkaufen, Milch und Brot und weiter geht’s. Am Nachmittag gibt’s eine Zvierirast und am Abend kochen wir uns etwas Feines.

Wir wollen nicht einfach Kilometer fressen, sondern auch noch was von der Umgebung sehen, deshalb planen wir wo möglich etwas Abwechslung ein (wo örtlich möglich). Wir nehmen uns genügend Zeit und bleiben auch mal 3-4 Tage am gleichen Ort.

Wer ist Gauchito Gil?

Immer wieder begegnen wir am Strassenrand einem roten Fahnenmeer. Die roten Wimpel und die kleinen Schreine gehören zu Gauchito Gil, dem Robin Hood von Argentinien. Der Gaucho hat im 19. Jahrhundert bei den Reichen gestohlen und das Diebesgut den Armen verteilt. Diese liebten den Gaucho mit dem roten Stirnband, dem blauen Hemd, dem roten Umhang und dem riesigen Schnauz. Als er von Oberst Velázquez geschnappt und hingerichtet werden sollte, soll er der Legende nach zu ihm gesagt haben, dass er seinen Sohn beim Nachhause kommen krank vorfinden werde, wenn er aber Gott mit seinem Namen um Hilfe bitte, würde das Kind gerettet. So war es tatsächlich. Der Oberst flehte Gott im Namen von Gauchito Gil an und der Sohn wurde gesund. Gil wurde begraben und ein grosses Kreuz ihm zu Ehren errichtet.

Wir waren noch nicht in Mercedes (Prov. Corrientes), aber dort soll eine richtige Wallfahrtsstätte zu Ehren des Volksheiligen entstanden sein, denn Gauchito Gil wird noch heute verehrt und die Lastwagenfahrer hupen an seinen vielen roten Gedenk- und Bittstätten. Die kleinen Schreine sind mit Bitt- oder Dankesgaben, wie Zigaretten, Bierdosen und anderem Nützlichen bestückt und oft noch mit einem kleinen Rastplatz versehen.

Uruguay - unbekanntes Land

4. Oktober - 21. Oktober 2014


Nueva Helvecia > Salto

Von Zweien, die auszogen und Uruguay kennen lernten.

Eigentlich waren nur 10 Tage in Uruguay geplant. Aber es ist hier so schön, dass wir schon über 20 Tage da sind. Das liegt nicht an den Stränden von Punta del Este, wo sich die Reichen und Schönen treffen (als wir da waren, sah das so aus wie St. Moritz im Juni), sondern mehr daran, dass das Land mit seinen Menschen so herzlich ist.

Die Menschen sind wunderbar hier. Beim Einkauf im TaTa, das ist der Coop von Uruguay und einen anderen Grossverteiler haben wir bis jetzt nicht gefunden, zahlen wir immer mit dem Kärtchen. Da muss dann auch die ID vorgewiesen werden und da kommt dann schon die erste Frage: Nein, nicht nach Cumulus oder Superpunkten, sondern „ De donde son? - Oh Suiza, muy lindo, pero conozco solo del Tele.“. Und dann kommt man ins Gespräch mit einer Kassiererin und die ruft dann den Herrn vom Sicherheitsdienst, den hat‘s da immer und der findet es auch so schön, dass wir da sind und alle heissen uns herzlich willkommen und entschuldigen sich, dass es jetzt gerade ausgerechnet im Frühling, wenn wir da sind, so viel regnet.
In den Fruterias ist das auch so. Beim Einkauf von Früchten und Gemüsen in den kleinen Tante Emma Läden am Dorf- oder Stadteingang ist von Hektik und Stress nichts zu spüren. Ein Schwatz liegt immer drin und wenn wir irgendwo campen, kann es gut sein, dass man uns herzlich begrüsst und sich freut, dass wir da sind. Stefan wurde in Chuy, an der Grenze zu Brasilien von einer Frau so herzlich begrüsst, dass er gar nicht mehr wusste, wie ihm ist. Sie stieg von ihrem Velo ab, liess es samt Anhänger am Strassenrand stehen und küsste ihn einfach ab, während der Besitzer der Fruteria mir alle Säcke zum Auto trug.
Oder bei den Grutas del Palacio, wo man uns die Personaldusche und den Computer zur Verfügung stellte und uns gleich noch mit fritiertem Gebäck (Tartas fritas) beglückte. Und das alles gratis, weil es wieder regnete und nirgends ein trockenes Plätzchen zu finden war. Liebevolle Gastfreundschaft.
Oder die Motorradgäng, die genau neben uns auf dem Campingplatz ihren Feierabend feierte, zuerst mit lateinamerikanischem Heavy Metall und dann mit schnulzigen Schlagern. Sie teilten sich zu sechst eine Flasche Pepsi und schickten einen los, der dann mit uns plauderte. Sie verabschiedeten sich später ganz artig und wünschten uns viel Freude und viele schöne Erlebnisse und versicherten uns, in Uruguay sei es immer ganz ruhig und still und das sei doch das schöne hier. Einfach so tranquilo y no estres.

Hektik kennen die Uruguayer nicht. Um 12 Uhr werden die kleinen Geschäfte geschlossen und bis ca. 16h ist Siesta. Diejenigen, die nicht nach Hause gehen, essen ein Milanesa (Paniertes Plätzli), oder ein Hamburguesa oder ein Chivito (Plätzli zwischen Brot analog zum Hamburger). Zum Salat gibt’s einfach Essig und Öl. Die Küche ist italienisch geprägt. Pizzas und Pasta sind überall erhältlich.
Am Wochenende werden riesige Grills, die sogenannten Parillas angezündet, worauf dann das Asado gebraten wird. Das heisst, da wird ein halbes Rind gebraten, zerschnitten und verwurstet zwar, aber nicht so, dass wir uns das wirklich zu Gemüte führen mögen. Blutwurst, Innereien und die guten Stücke sind zäh, weil durchgebraten und von saignant hat noch niemand was gehört. Aber es wird alles gegessen und was bei uns in der Schweiz aus Uruguay an Fleisch eingeführt wird, ist etwas völlig anderes, als das was hier auf den Teller kommt. Gewürzt wird praktisch nicht, es stehen Mayonnaise, ohne die geht gar nichts, Ketchup und eine Chimichurri Mischung zur Verfügung. Damit würzt man selber. Aber das Chimichurri ist auch nicht wirklich würzig, eher knoblauchlastig.
Süss sind die Uruguayer. Was am Salz gespart wird, wird mit Zucker kompensiert. Bis jetzt war es unmöglich, ein Naturejoghurt ohne Zuckerzusatz zu finden. In den Panaderias, den Bäckereien, ist Brot der kleinste Teil. Da gibt es grosse Auslagen von Buttercrèmetorten, allerlei Stückli und Gipfeli, die hier Medialunes heissen, das südamerikanische Nationalgebäck Alfajores - ein Doppeldeckerguetzli mit einer Füllung aus Dulce di Leche und Schoggiüberzug. Dulce die Leche ist DIE Süssigkeit, ohne die gar nichts geht. Alles ist gefüllt mit dieser dicken Caramelcrème. Auch auf dem Butterbrot ist sie köstlich und es wundert mich, dass die Unesco dieses Produkt nicht schon auf die Liste der „schützenswerten Nahrungsmittel“ aufgenommen hat.
    Aber vielleicht ändert das ja bald, denn es wird ein neuer Präsident gewählt, die Wahlpropaganda ist riesig und in der hintersten Ecke sind die beiden Kandidaten aufgehängt und strahlen um die Wette. „Uruguay no se detiene“ - „Avanzamos Uruguay“ sind die Leitsprüche „Uruguay bleibt nicht stehen“- „Wir gehen mit Uruguay voran“.

Auf den Strassen geht es ruhig und unspektakulär her. Die 3.3 Millionen Einwohner verteilen sich auf das 4x so grosse Land wie die Schweiz. Im Landesinnern gibt es keine grösseren Städte als die jeweiligen Hauptorte der Departemente mit je ca. 50‘000 Bewohner. Unterwegs ist man entweder mit einem immer noch fahrtüchtigen „Oldtimer“ oder mit einem Kleinwagen oder noch besser mit einem Pickup (@ Manuel: Ich weiss jetzt wie ein Amarok aussieht J), oder mit dem Roller, aber v.a. hat das Pferd noch nicht ausgedient. Es gibt immer noch Einspänner mit Anhänger. Und das viele Vieh und die Schafe werden selbstverständlich mit dem Pferd zusammengetrieben. Die meist traditionell gekleideten Reiter, die heute zwar keine richtigen Gauchos mehr sind, aber noch so heissen, sind eine Augenweide. Weite Pluderhosen mit einem breiten Gurt, in dem je nach Witterung der Poncho zusammengefaltet und über die Schultern geworfen eingesteckt wird, ein Hemd, ein Beret oder ein schöner Hut, geschmeidige Lederstiefel.
Einen richtigen Uruguayer erkennt man übrigens an einer unter den Arm geklemmten Thermoskanne. In der Hand hält er einen Becher in dem eine Bombilla steckt. Die Thermoskanne ist mit heissem Wasser gefüllt, das auch am Strassenrand verkauft wird; der Becher meist ein ausgehöhlter und reich mit Silber verzierter Kürbis enthält das Teekraut „Yerba Mate“ und durch die Bombilla, dem Silberlöffel mit einem Sieb, wird das Gebräu eingesogen. Mate wird immer und überall mitgenommen, es gibt extra Taschen dafür und sogar wer ins Ausland reist, nimmt seine Utensilien mit. Alle trinken Mate den ganzen Tag, der Schalterbeamte auf der Bank hat seinen Matebecher neben seinem Arbeitsplatz, die Gemüseverkäuferin hat ihn neben der Kasse, die Serviertochter hat ihn auf dem Tresen, der Lehrer auf dem Schulausflug mit dabei, auf dem Spaziergang und sogar während dem Autofahren wird Mate geschlürft. Drum fahren sie ja auch so langsam.
Der Bildungsstand in Uruguay ist hoch. Auf dem Land gibt es überall die sogenannten Escuelas Rurales, die alle nummeriert sind. Meist sind es Gesamtschulen. Die Kinder und die Lehrkräfte tragen weisse Ärztekittel. Uniformen haben nur Privatschulen. Alle Schüler verfügen über einen kleinen Laptop, mit denen sieht man sie dann auf dem Heimweg. In grösseren Dörfern gibt es Sekundarschulen und Gymnasien. Und überall gibt es auch Landwirtschaftsschulen. Viele Gemeinden verfügen über Sportkomplexe, mit Fussballplätzen, tw. Schwimmbädern, Grill- und Campingmöglichkeiten.
Hasta luego - bis zum nächsten Mal aus Argentinien!

Samstag, 4.Oktober 2014

Start in Buenos Aires und erste Schritte in Uruguay

19. September – 3. Oktober 2014

Schweiz > Rom > Buenos Aires > Colonia di Sacramento (Uruguay) > Nueva Helvecia > Trinidad

Als wir am 19. September 2014 von Kloten nach Buenos Aires abflogen, war das schon ein eigenartiger Moment. Einige Planungsmomente sind dieser Reise vorausgegangen und nun wurde sie endlich Wirklichkeit. Die Spannung ist gross. Dass man aber doch nicht alles vorbereiten und planen kann, zeigt sich schon bald.

In Rom 6-stündiger Aufenthalt im Flughafen Fiumicino. Wir essen, trinken, lesen, stimmen uns bereits auf südamerikanische Verhältnisse ein – alles ein wenig leichter nehmen und einfach das Warten aushalten. Bis es auch uns spanisch vorkommt, dass unser Flug weder auf der Abflugliste ist, noch ausgerufen wird. AerolíneasArgentina hat uns zu informierenvergessen, unser Flug wurde storniert– er geht statt am Freitagabend erst am Samstagabend. Wir werden auf deren Kosten im Flughafenhotel Hilton einquartiert und können uns einen Tag in Rom gönnen. Ein heisser Samstag im besten Sinn des Wortes – stahlblauer Himmel während wir die schönsten Touristenziele anlaufen. Nur den Trevibrunnen hat man zwecks Renovation eingepackt – ein Münzenwerfen erübrigt sich, dass es funktioniert und man wieder kommt, hat sich heute gezeigt.

Ein langer ruhiger Nachtflug nach Buenos Aires, das Lichtermeer der Riesenmetropole sehen wir schon von hoch oben. Zoll- und Einreiseformalitäten sind im Nu erledigt. Wir erhalten eine Aufenthaltsdauer von max. 30 Tagen. Mit dem Bus und dem Bustaxi weiter in die City zum Hotel. Das „Gran Hispano“ www.hhispano.com.ar an der Avenida de Mayo strotzt zwar nicht vor Sauberkeit aber mit wunderbar liebenswürdigem Personal und es ist ein herrliches Hotel im Kolonialstil und perfekt gelegen. Das Casa Rosada, von dessen Balkon die legendäre Evita Peron gewinkt hat am einen Ende und die Avenida de 9 Júlio am anderen Ende und wir mitten drin, grad neben dem Sprüngli von Buenos Aires, dem Café Tortoni.

Was man in Buenos Aires alles unternehmen kann, lest ihr besser im Internet oder in einem Reiserführer. Das würde hier zu weit führen. Wir haben viel gesehen und vor allem viel gehört. Der Lärm in dieser Stadt ist nicht zu toppen. Glücklicherweise gibt es an jeder Ecke ein Café, in das man sich flüchten kann – eins hübscher als das andere.

Und dann lösen wir natürlich noch unser geheimnisvolles Schreiben ein, das wir im Hotelzimmer gefunden haben. Was ich vermute, lässt Stefan das Blut in den Adern gefrieren. Unsere lieben Freunde vom BBZP-Team haben uns einen Tangokurs geschenkt. Vielen Dank, ich hab mich gern von einem echten Porteño einführen lassen. Und wer von den Lesenden Interesse hat, meldet sich am Besten in Zürich unter www.elsocial.ch an. Julio und Anneke bringen es euch bei.

Einer der Höhepunkte in Buenos Aires war der 2-tägige Aufenthalt im Tigre Delta, wo der Rio Paraná mit dem Rio Uruguay den Rio de la Plata bildet. Sergio erzählt uns einiges über das Delta und dem Leben darin. www.hosteriaatelier.com.ar

Und natürlich mussten wir noch administrativen Kram erledigen, z.B. Geld wechseln:

„Cambio – Cambio“, tönt es an jeder Ecke der Avenida Florida. Aus wirtschaftlichen Gründen müssen Devisen ins Land geholt werden – aus eigenartigen Gründen sind den Banken dabei die Hände gebunden, so läuft das Geschäft semi-legal auf der Strasse ab. Man wird angemacht, ob man wechseln möchte – US$, €, und erhält für sein Geld fast das Doppelte an Argentinischen Pesos wie auf der Bank. Man muss nicht handeln, man wird nicht übers Ohr gehauen und kann vorher sogar die Website mit dem aktuellen Kurs einsehen: www.preciodolarblue.com.ar

Die Haftpflichtversicherung für unseren LandRover bei Seguro Speiser wurde in Windeseile und mit einer Freundlichkeit erledigt, dass wir meinten, wir befänden uns in der Schweiz. Vielen Dank den beiden Vorzimmerdamen und Robi Speiser, die auch deutsch sprechen, was vieles erleichtert. www.speiserseguros.com.ar

Auch die Einführung unserer Randulina und die Auslösung aus dem Zoll war perfekt durch Weber International Buenos Aires erledigt worden. Ebenfalls nochmals herzlichen Dank.

Und endlich kann es losgehen.

Am Dienstagmorgen starten wir mit dem Buquebus, der Schnellfähre von Buenos Aires nach Colonia di Sacramento in Uruguay. Ausser dass die Zöllner mit einem Hund nach irgendwas suchen und überall doppelte Böden wittern, geht eigentlich alles gut.

Die Einführung und Anmeldung des Autos in Uruguay läuft schnell und freundlich ab. „You are free now to go wherever you want“, meinte der Beamte.

Also fahren wir zuerst an eine Tankstelle und füttern Randulina mit Diesel auf. Anschliessend füllen wir unseren Kühlschrank im Supermarkt und suchen einen Campingplatz, wo wir uns einrichten können.

Anderntags müssen wir unser Gas anschliessen und werden auch sehr schnell fündig. Unsere schweizerischen Anschlüsse werden gekappt und mit hiesigen ersetzt.

Nun haben wir also alles und die Entdeckungsreise kann beginnen.

Als erstes steht ein Besuch im historischen Colonia de Sacramento an und als wir was trinken wollten, mussten wir vorher noch Geld wechseln. Jeder Staat hat seine eigene Währung. Nichts einfacher als das, schliesslich haben wir doch Kärtli. Doch nein, so einfach geht das nicht. Entweder nur Bares ist Wahres und das direkt umtauschen oder eine Bank finden, die unsere Kärtli schluckt und Geld ausspuckt. Mit Hilfe eines Securitas Mannes geht auch das. Wir stellen uns schön in die Reihe ein, im Schlange stehen, stellen die Südamerikaner jeden Engländer in den Schatten und irgendwann ist es an uns – und wirklich, jetzt sind auch wir stolze Besitzer von uruguayischen Pesos.

Grosse Kuhherden wechseln sich mit Weizenfeldern ab – alles flach aber doch ein wenig „wellig“ hügelig ist es aber nicht – und schon kommen wir in NuevaHelvecia an. Eigenartig die Schweizer Kantonswappen an den Häusern zu finden und bekannte Namen zu lesen. Im Hotel Suiza gibt’s eine feine Apfelwähe und Ländler und wenn man nicht so weit von zu Hause weg wäre, wähnte man sich gleich irgendwo im Alpenraum.

Dienstag, 26. August 2014 - Es geht los

Unsere Randulina wird in einen Container verpackt

Heute ist es soweit. Iris und ich fahren am Morgen bei typisch schweizerischem Sommerwetter – strömender Regen – von Schwyz los Richtung Basel. Nach etwas Action am Vortag – die Starterbatterie hat ihren Geist aufgegeben und bei einem letzten Besuch bei Overlandtechnics in Dürnten haben wir gleich noch eine neue Batterie eingebaut – sind wir froh, dass nun alles funktioniert.

In Basel finden wir ohne Probleme die Firma Hänger, wo wir über die Verladerampe unsere Randulina für einige Wochen einsperren. Mit unserer Azalai-Kabine müssen wir genau zirkeln, oben bleibt lediglich etwa 2 cm Freiraum und auf den Seiten je gut 10 cm. Beim ersten Anlauf klappt alles wunderbar. Während ich noch die Batterien abhänge, fixieren Lademitarbeiter die Räder mit Keilen und Balken am Boden des Containers und verspannen alles. Wir müssen den Container robbend unter dem Fahrzeug hindurch verlassen, da seitlich und oben kein Durchkommen mehr ist.

Jetzt schliessen sich die Türen des Containers und werden verplombt. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, denn jetzt geht es richtig los. „Unser Container“ wird per Lastwagen, Bahn oder Schiff von Basel nach Antwerpen transportiert und sollte dort am 3. September mit der Cap San Artemissio von der Reederei Hamburg Süd Richtung Buenos Aires auslaufen. Wir werden am 19. September von Kloten über Rom nach Buenos Aires fliegen und wenn alles klappt wie wir uns das vorstellen, werden wir nach einem Aufenthalt von etwa einer Woche im Hafen der argentinischen Hauptstadt unser Reisemobil wieder in Empfang nehmen.

Fotos unter: Fotogalerie > Containerverlad

Buenos Aires

Unser Einfallstor in Südamerika.

Dienstag, 26. August 2014 - Es geht los

Unsere Randulina wird in einen Container verpackt

Heute ist es soweit. Iris und ich fahren am Morgen bei typisch schweizerischem Sommerwetter – strömender Regen – von Schwyz los Richtung Basel. Nach etwas Action am Vortag – die Starterbatterie hat ihren Geist aufgegeben und bei einem letzten Besuch bei Overlandtechnics in Dürnten haben wir gleich noch eine neue Batterie eingebaut – sind wir froh, dass nun alles funktioniert.

In Basel finden wir ohne Probleme die Firma Hänger, wo wir über die Verladerampe unsere Randulina für einige Wochen einsperren. Mit unserer Azalai-Kabine müssen wir genau zirkeln, oben bleibt lediglich etwa 2 cm Freiraum und auf den Seiten je gut 10 cm. Beim ersten Anlauf klappt alles wunderbar. Während ich noch die Batterien abhänge, fixieren Lademitarbeiter die Räder mit Keilen und Balken am Boden des Containers und verspannen alles. Wir müssen den Container robbend unter dem Fahrzeug hindurch verlassen, da seitlich und oben kein Durchkommen mehr ist.

Jetzt schliessen sich die Türen des Containers und werden verplombt. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, denn jetzt geht es richtig los. „Unser Container“ wird per Lastwagen, Bahn oder Schiff von Basel nach Antwerpen transportiert und sollte dort am 3. September mit der Cap San Artemissio von der Reederei Hamburg Süd Richtung Buenos Aires auslaufen. Wir werden am 19. September von Kloten über Rom nach Buenos Aires fliegen und wenn alles klappt wie wir uns das vorstellen, werden wir nach einem Aufenthalt von etwa einer Woche im Hafen der argentinischen Hauptstadt unser Reisemobil wieder in Empfang nehmen.

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