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USA – Mit Kulturschock vom Sommer in den Winter

San Isidro – Joshua Tree N.P. – Los Angeles – Sequoia N.F. – Death Valley N.P. – Valley of Fire St.P. – Zion N.P. – Grand Canyon N.P. – Glen Canyon N.R.A. – Monument Valley – Natural Bridges N.M. – Arches N.P. – Jackson – Togwotee Pass – Dubois – Devil’s Tower N.M. – Mount Rushmore N.M. – Badlands N.P. – Rapid City – Duluth – Grand Portage N.M.

11. November 2017

Der 43igste Grenzübergang auf unserer Reise führt uns ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. So unbegrenzt sind sie aber nicht mehr. Während hier alles verboten ist, was nicht ausschliesslich erlaubt ist, war es auf dem südlichen Kontinent gerade umgekehrt, daran müssen wir uns zuerst gewöhnen. Es gibt keine Souvenirverkäufer mehr, keine Fressstände, keine Schlaglöcher und keine Schwellen, dafür rasender Verkehr auf 5-spurigen (in eine Richtung) Autobahnen der bei mir als Beifahrerin Herzrasen auslöst. Die Wohnsiedlungen sehen aus wie Puppenstubenhäuser, die Vorgärten perfekt getrimmt, alles klinisch sauber, direkt am Rand des Highway, Lärm scheint nicht zu stören.

Wir suchen Ruhe in den Bergen und müssen uns zuerst an die Hektik gewöhnen, wir finden sie im San Bernardino State Forest. Idyllwild, nomen ist omen, wildromantische Ferienhäuser prospektgleich inmitten von alten Pinien hoch und alpin gelegen, die Schneepflüge sind geparkt, die Schneestangen gesteckt, die gehäkelten Schneesterne prangen hinter den Fensterscheiben. Wir blicken von einem windigen Aussichtspunkt auf den San Andreas Graben hinunter, Wüste nichts als Wüste, Palm Springs mit seinen Casinos, Dattelpalmen, Zitrusplantagen, den Bewässerungkanälen sei Dank. In Kalifornien liegen die Extreme in nächster Nähe.

Es ist heiss im Joshua Tree Nationalpark in der Mojave Wüste, aber daran sind wir gewohnt. Nur am Morgen ist es kühl – 7 Grad, nachmittags herrschen 38 Grad und Abendessen tun wir bei 21 Grad. Sicherheitshalber werden die dickeren Decken griffbereit platziert.

Ein Höhepunkt erfolgt gleich am Anfang unserer Reise in Los Angeles. Wir freuen uns sehr, mit unserer ehemaligen Austauschstudentin Abigail und ihrem Mann Chris einen wunderbaren Abend in ihrem Garten verbringen zu können und schöne Erinnerungen auszutauschen. Danke an dieser Stelle für dieses feine Nachtessen mit selbstgefischtem mexikanischen Fisch und dem Gartengemüse. Es war schön bei euch.

Stefan plant unsere Weiterreise, solange es geht wollen wir uns in Nationalparks aufhalten, Stateparks entdecken und möglichst ruhig übernachten. Die Natur ist grandios, wenn auch die Nationalparks mittlerweile extreme Besucherzahlen zu verkraften haben. Im Death Valley sind aus Personalmangel nur noch zwei Campingplätze geöffnet. Also reihen wir uns nach langen Diskussionen mit einem Parkranger zwischen die riesigen Campervehikel ein. Wild campen ist absolut verboten. Aber das Tal des Todes ist immer noch jeden einzelnen Kilometer wert. Wir wandern am Zabriskie Point, geniessen die fantastischen Landschaften auf 4x4 Tracks im Saline- und Hidden Valley. Was hier für erfahrende 4x4 Autolenker ausgeschrieben ist, sind die normalen Alltagsstrassen in den Anden. Doch im Zion geben wir kopfschüttelnd forfait. Campieren kann man nur noch mit Reservation ausser man reiht sich in aller Herrgottsfrühe in eine Warteschlange ein (mit dem Auto natürlich), der Park kann auch nur noch mit einem Shuttlebus erkundet werden… nicht unser Ding. Am North Rim des Grand Canyon geht es uns genauso. Haben sie eine Reservation, fragt die Parkrangerin. Nein. Gut, dann auch keine Übernachtung hier. Ich schildere ihr unsere Reisesituation uns sie meint, wir hätten ja vor unserer Abreise aus der Schweiz aus eine Reservation machen können…autsch…Nur gut ist der Park in einer Woche definitiv geschlossen. Es ist kalt, es sind nur noch wenige Camper da und so gibt es schliesslich auch für uns einen Platz. Es ist nicht besonders schön zur Zeit, denn es wurde ein Feuer zum Schutz vor Verbuschung und Verwaldung gelegt und der starke Rauch zieht sich in den Canyon hinein.

Im Monument Valley stellen wir zum erstenmal schon zum Zmörgele die Heizung an. 4 Grad sind doch etwas ungemütlich. Gemütlicher wird es aber am Nachmittag. Unseren Nachmittagskaffee trinken wir gemütlich zwischen den eindrücklichen Wildwest Formationen. Dabei kommen wir uns vor wie im Zoo. Elsässer umzingeln uns und stellen uns Fragen über Fragen zu unserer Reise, Randulina wird zum tausendsten mal abfotografiert. Die Felsen scheinen weniger Eindruck gemacht zu haben als wir. Hätten wir jedesmal eine Spendenbüchse aufgestellt, wenn einer unser Auto fötelt, käme mittlerweile ein kleines Vermögen zusammen.

Bauarbeiten im Arches Nationalpark zwingen uns wieder einmal zu einer improvisierten Übernachtung. Glücklicherweise reisen wir mit dem genialen „iOverlander App“, das für solche Zwecke immer tolle Lösungen bietet und glücklicherweise verfügen wir über starke Nerven, nicht zu verzweifeln, wenn einmal mehr improvisiert werden muss. Den heutigen Apéro nach den vielen Wanderungen zu den eindrücklichen Steinbögen haben wir uns verdient. Es wird wohl der letzte im Freien gewesen sein.

Irgendwann müssen wir ostwärts und das will heissen, die Ausläufer der Rocky Mountains sind zu überqueren. Doch das ist nicht mehr so ganz einfach. Hinter Jackson, das in der Zwischensaison erstarrt ist, hängen Schneewolken. Unsere Rechnung, via Grand Teton in den Yellowstone Nationalpark zu fahren, geht nicht auf. Die Strassen sind geschlossen, fest verbarikadiert. Am Togwotee Pass erleben wir einen Schneesturm und sind froh, diesen 2944m hohen Übergang heil zu überstehen. Innert kürzester Zeit liegen 50cm Schnee da und die Sicht ist wegen Nebel etwas getrübt. Nicht aber unsere Laune. Stefan passt die Route wieder an. Wir fahren in dieser eigenartigen Nebellandschaft weiter zum Devil’s Tower. Und wer morgens früh aufsteht, den belohnen die Götter mit Sonne…genauso wie am Mount Rushmore. Dort lachen uns die gemeisselten Präsidenten an und nachmittags im Custer Statepark schlecken uns die Bisons das Salz vom Auto. In der unendlichen Prärie Süd Dakotas erleben wir eine grandiose Tierwelt bei eisigen Temperaturen. Aufwärmen dürfen wir uns in Rapid City bei Andrea und Paul, die wir am Grand Canyon kennengelernt haben. Sie verwöhnen uns ebenfalls einen Abend lang mit einem delikaten Nachtessen. (Thank you so much.)

Nun ist es nur noch bitterkalt. Tag und Nacht im Minusbereich, einmal zweistellig, einmal einstellig. Wir können buchstäblich zusehen, wie die Seen Minnesotas zufrieren.

Das bedingt auch, unseren Wasserhaushalt gut zu organisieren. Abends muss unbedingt die Wasserleitung entleert werden, der Grauwassertank wird mit Enteiser befüllt, der WC Tank ist leer, zum Glück, sonst gäbe es dort ein gelbgefrorenes Problem. Wir haben etwa 12 Liter Wasser in zwei Bidons, Flüssiges für alle Fälle. Noch ist es nicht soweit, dass wir alles was nicht gefrieren darf, in den Kühlschrank legen müssen.

Alle Campingplätze sind saisonal geschlossen, wir schlagen uns irgendwo ins Gebüsch, an einen See, werfen die Heizung an und geniessen ein Glas sonnengereiften mexikanischen Wein. Und jetzt haben wir endlich die Musse einmal einen unserer Filme zu schauen, die uns jemand in Bolivien auf den Computer geladen hat (Danke Claudia und Martin.) Nachts kuscheln wir uns in die Daunenschlafsäcke und mit unseren Muotathaler Schafwollduvets finden wir es mollig warm. So wie wir uns an die Amazonashitze gewöhnt haben, so gewöhnen wir uns an die Winterkälte und eigentlich macht es uns gar nichts aus.

  

México – Baja California oder Wieviel Abenteuer ertragen wir.

La Paz – Playa Norte – Cabo San Lucas – Todos Santos – La Paz – Punta Conejo – Poza Grande – San José Comondú – Playa San Basilió – Loreto – Santo Domingo – San Juanico – San Ignacio – Vizcaina – Valle de los Cirios – Bahia de los Angeles – San Felipe – Ensenada (Valle de Guadalupe) – Popotla – Tijuana

14. Oktober 2017

Am Samstag, 14. Oktober 2017 verlassen wir México am Grenzort Tijuana und fahren in die USA. Wir heulen wie die Schlosshunde, es war so schön…

Unser Aufenthalt auf der Baja California liegt völlig in der Nebensaison, die grossen Touristenorte wirken ausgestorben wie unsere Skiorte im Mai. Vom Dezember bis März kommen die Grauwale zum Gebären und sich wieder vermählen und mit ihnen sind Tausende Touristen, die dem nordamerikanischen oder kanadischen Winter entfliehen, die Snowbirds, hier. Wir verpassen beide Spektakel, bekommen aber genügend andere.

Was uns an der Baja als erstes auffällt, sie ist nicht mehr das wahre México, das Farbige, das Fröhliche, sie ist bereits das Vorzimmer zu Nordamerika. Man kommt mit Englisch durch und bezahlt mit Dollar. Wir nicht, wir wollen noch etwas México, sprechen Spanisch und zahlen mit Peso, wo sind wir denn?

Wir wählen für unser letztes Abenteuer nochmals richtige 4x4 Pisten aus. Wir fahren eine abenteuerliche Route nach Cabo San Lucas. Die Gewitter im September haben nicht nur die Strände verwüstet, sondern auch ganze Stücke aus den Pisten herausgefressen. Arbeiter stehen in den Löchern, wir sehen nur die Köpfe, und buddeln die Strassen von unten nach oben wieder zu. Da heisst es vorsichtig fahren. Man könnte unsere ganze Randulina in einem Loch versenken, glücklicherweise gibt es genügend off-road- Umfahrungen.

Auf der Strecke von San Miguel nach San Xavier Comondú ist die Strasse weggewaschen. Umkehren wollen wir nicht, also nehmen wir die Strecke über die Berge. Kindskopfgrosse Steine, breite Längs- und Quergräben, das Gewitter hat ganze Arbeit geleistet. Ein Auto kommt uns entgegen, der Fahrer erklärt uns, er käme nicht mehr weiter und kehre wieder um. Für uns kein Problem, da wir genügend Bodenfreiheit haben. Auf Umwegen gelangen wir trotzdem noch zur alten Kirche von San Xavier und fahren auch hier wieder auf Umwegen weiter. Viele Bachdurchquerungen mit wenig Wasser aber vielen Steinen. Der „Strassendienst“ hat viel zu flicken bevor sich das nächste grosse Gewitter entleert. Irgendwo sind wir unsicher, die Einfahrt in den Bach ist etwas eigenartig, ich frage einen Bauer: Claro que sí! Tienen que cruzar el río, meint er. Ja aber 100m weiter, das sagt er nicht… so kommt es, dass wir am falschen Ort reinfahren, schon mit einem schlechten Gefühl. Stefan sagt noch, rückwärts geht’s dann nicht mehr. Aber wir wollen ja auch vorwärts, sage ich. Und dann geht gar nichts mehr, denn ein riesiger Steinblock liegt genau vor dem vorderen Differenzial und blockiert. Stefan schaufelt, der Bauer und sein Vater schaufeln auch, alle schaufeln fast 2 Stunden, bis der Steinblock entfernt werden kann. Dann ist es ein Kinderspiel und unser letzter Victorinox Hegel hat einen neuen Besitzer.

Zwei Abende später nerve ich mich über die vielen Wespen während ich einen Hefeteig knete. Ich lass den Teig gehen und bummle zu Stefan, der mit dem Fotoapparat ganz gebannt am Strand steht. Mich schüttelts, mich frierts, mich schauderts, ich sehe nur ein Gewirr, einen Knäuel. Zwei Schlangen kämpfen um Leben und Tod. Es sind keine Giftschlangen, keine stirbt, aber die Siegerin frisst ihre Gegnerin bei lebendigem Leib. Wir stehen da und schauen dem Treiben zu. Fast zwei Stunden und dann, als noch 30cm der gefressenen Schlange aus dem Maul der Fresserin heraus“lampen“, wir fassen es kaum, geht ein nervöses Zucken durch die Schlange und die Gefressene entschlüpft dem Maul ihrer Rivalin und ist im wahrsten Sinne des Wortes wiedergeboren. Was für ein seltenes Schauspiel wir miterleben durften.

Oh, mein Hefeteig ist in der Zwischenzeit wahrscheinlich ganz toll aufgegangen nur kann ich nicht ins Auto zurück. An unserem Auto hat sich ein Wespennest gebildet. Wir haben vergessen, den äusseren Wasserablaufhahn zu schliessen, nun feiern die Wespen zu Hunderten an unserem Süsswasser Happy Hour. Stefan klettert über die Fensterscheibe ins Auto um Chlor ins Spülbecken zu kippen. Vielleicht verschwinden die Wespen dann. Nein, nützt nichts… ich schreie: „Hol den Feuerlöscher“! Stefan spritzt die Wespen mit dem Feuerlöscher ab, das nützt für den Moment, so dass wir umparkieren können, denn sie haben sich auch unter dem Auto in die Erde gegraben und schwärmen von da immer wieder aus. Wir versuchen es nochmals mit Chlor, ich tränke einen Lappen und binde ihn um den Ablaufstutzen. Die Wespen werden definitiv aus ihrer Bar vertrieben. Das war ein gestrichenes Mass an Abenteuer und unseren feinen Hefeapfelstollen genossen wir völlig k.o. Was hatte der Muschelsammler vorher zu uns gesagt? „Está muy tranquilo por aquí, disfruten la noche!“ (Hier ist es sehr ruhig, geniesst den Abend).

Immer wieder begegnen wir Muschelsammlern, das Fleisch der Muscheln dient als Köder für die Lobsterfischer. Überall liegen Abfallberge mit Muschelschalen, überall fischelt es etwas. Doch irgendwann dünkt es uns, dass es auch bei uns im Auto fischelt. Anhalten, alles checken, nein wir finden weder Fisch noch Vogel. Den Ameisen haben wir uns doch schon entledigt und deren Leichen würden sicher nicht so stinken. Draussen kommt ein Salzsee, aha, der Geruch kommt wohl von da. Doch abends beim Übernachten stinkt es immer noch so grässlich. Der Kühlschrank, nein, der funktioniert tadellos. Wie Spürhunde schnüffeln wir herum. Stefan findet die Stinkquelle unter dem Fahrersitz, wo zwei Batterien verstaut sind. Eine davon leckt und ist heiss. Das hätte bald Feuer unterm Hintern gegeben. Nachts um 10 Uhr baut er die lecke Batterie aus, hängt alles wieder notdürftig zusammen, damit wir Strom haben und am nächsten Morgen wird dann die dritte Batterie aus der Kabine unter dem Sitz montiert und alles wieder richtig verkabelt. Das Solarpanel lädt, der Strom wird gespeichert, der Kühlschrank kühlt unsere Eiswürfel für den täglichen Caipi, alles wieder tadellos. Für die nächste Zeit bitte etwas weniger Aufregung!

Mit mehr Genuss ist der baldige Abschied aus México verbunden. Im Valle de Guadalupe kutschieren wir von Weingut zu Weingut und degustieren Malbec und Zinfandel und diverse weitere. Unser kleiner „Weinkeller“ im Auto ist nach dem Besuch wieder gut gefüllt. Auch wenn wir wissen, dass Kalifornien guten Wein produziert, so haben wir doch viele gute Erinnerungen mit an Board.

  

México – Von Acapulco in den Norden

Acapulco – Nexpa – Vulkan Colima – Tequila – Guadalajara – Zacatecas – Parque Nacional Sierra de Órganos – Durango – Mazatlán

11. Oktober 2017

Wie uns Elvis Presley und Wildwestfilme in unserer weiteren Reiseplanung beeinflussen…

Unsere Reiseplanung ist weder rollend noch fixiert, die Grobziele und die uns zur Verfügung stehenden Daten sind einigermassen festgesteckt. Es soll einfach dem schönen Wetter nachgehen, denn Regen und zu grosse Kälte sind nicht die einfachsten Reisebegleiter. Aufgrund von Tipps anderer Reisenden oder Einheimischen, weil das Wetter nicht stimmt oder wir ein Übermass an Wärme oder Kälte obenauf haben, wird die Route angepasst.

Acapulco liegt überhaupt nicht auf unserem Pfad, doch weil ich da schon als Teenie unbedingt hinwollte, machen wir einen langen Umweg. Im Hochland wird es uns zu kühl und zu unstabil, die Sonne lacht nur morgens und nachmittags ist es regnerisch. Also ab an den Pazifik, wo es heiss und klebrig feucht ist.

Acapulco, dessen Boomzeiten seit langem vorbei sind und erst seit 10 Jahren wieder etwas Aufschwung erlebt, da die Militärpolizei den Drogenumschlagplatz und die damit verbundene Kriminalität rigoros aufgeräumt hat und immer noch mit einem Übermass an Präsenz vertreten ist, wirkt ausgestorben-Nebensaison. Leere Hotelburgen säumen die endlosen Strände, die Lage der Stadt ist traumhaft, wir kurven der Panoramastrasse entlang, eine Bucht an der anderen mit Millionärsvillen an Toplagen. Wir beziehen mitten im Kuchen ein kleines Hotel mit einem grosssen Parkplatz für unser Auto. Doch wir sind nicht wegen Stränden und Happy Hour Lokalen hierher gekommen sondern wegen Elvis Presley. Er hatte im Film „Fun in Acapulco“ die Hauptrolle inne und nebst der obligaten Liebesgeschichte mit Ursi National (Ursula Andress) spielen da die ´Clavadistas´ die Hauptrolle. Das sind jene kühnen Männer, die von einer 35m -45m hohen Klippe in die Quebrada hineinspringen. Die 7m breite Bucht ist nur 4m tief. Der legendäre Schweizer Swingmusiker Teddy Stauffer verhalf dem damals noch unorganisierten Haufen zu Weltruhm indem er sie professionalisierte. Wir stehen auf der Zuschauerplattform, der Schweiss rinnt in Bächlein an uns herunter, pralle Sonne 40Grad und 90% Luftfeuchtigkeit. Dazu sorgen die kühnen Springer für einen Adrenalinschub, sie hüpfen behende an uns vorbei, springen lässig ins kochend wirkende Wasser, klettern wie Ziegen auf der anderen Seite die Klippe hinauf, verrichten ihr Gebet bei der Virgen de Guadalupe und stürzen sich bei Ankunft einer grossen Welle in die schmale Runse hinunter. Je höher die Welle umso tiefer das Wasser. Mit gekonnten Köpflern, Saltos und am Schluss mit einem Rückwärtssalto. Unglaublich. Und das Schönste, abends in der Dunkelheit das ganze Spektakel mit brennenden Fackeln. Der absolute Wahnsinn der seit 1934 täglich bei guter Witterung stattfindet, hat noch nie Tote gefordert. Nach vollendeten Sprüngen geht jeder seinem Beruf nach und gibt die Technik an jüngere Familienmitglieder weiter, ab 7-jährig wird trainiert, die jüngsten Springer sind zwischen 12-15 jährig. Wir lernen wenig später einen jungen Kerl kennen der zwar nicht springt, aber Bus fährt. Und wie der dem Malecon nachfährt ist wahrscheinlich lebensgefährlicher als jeder Sprung eines Clavadistas. Die Kapuze hochgezogen, die Zigarette lässig im Mundwinkel, die Technomusik auf Stufe 11 von 12, der Flachbildschirm liefert die Raverparty in die hinteren Sitzreihen und verdeckt gefühlte 50% der Frontscheiben. Ich würde unserem kleinen Buspiloten gerne ein Kissen unter den A**** schieben, damit er mehr sehen könnte, aber er macht das ganz locker, malträtiert den Gangstock so, dass unsere Randulina uns wegen Missbrauchs verklagen würde, legt den alten Schulbus in die Kurve, jagt wie bei einer Verfolgungsjagd auf der leeren Strasse der Hotelmeile entgegen. Und doch vermag er bei jeder Haltestelle zu stoppen, die Musik leiser zu stellen und den Wartenden freundlichst zu fragen, wohin er wolle und dass dies der falsche Bus sei, doch der nächste komme in 5min. Uns lädt er am richtigen Ort aus und fragt, ob die Fahrt angenehm war. Sicher doch, soviel Spass hatten wir lange nicht mehr an einem Abend. Das Überleben begiessen wir mit einem Schluck Tequila im Hotelgärtli.

Tja, was wäre México ohne Tequila? Das wollen wir in der Stadt Tequila selber sehen. Hier gibt es alles rund um den mexikanischen Schnaps, sogar Glacé. Im Gegensatz zum Mezcal darf nur Tequila genannt werden, was in einem genau definierten Gebiet angebaut und gebrannt wird. Das Ausgangsprodukt und der Verarbeitungsprozess sind dieselben, nur dass der Tequilaprozess weitgehend industrialisert ist. Wir nehmen’s gemütlich und nehmen an einer organisierten Führung teil. Es geht durch Plantagen wo die Agaven hellgrau-grünlich aus der roten Erde schimmern und durch eine Distillerie, unsere Führerin weiss anekdotenreich zu berichten und nach der Degustation ohne Salz, mit Salz, ohne Zitrone, mit Zitrone und schliesslich einer Kombination aus allem, sind wir eine sehr lustige Gesellschaft auf dem Wagen.

Weniger lustig ist dann der 19. September als Mexico City und Puebla von einem schweres Erdbeben erschüttert werden. Die Fahnen stehen auf Halbmast und während wir unser 3-jähriges Reiseabenteuer mit einer Flasche Rotwein und einem Cordon-Bleu bei Charly feiern, zeigt das Fernsehen die Bilder der Zerstörung. Zu allem Unglück hätten an diesem Tag in Mexico City theoretische Evakuationen im Falle eines Erdbebens geübt werden sollen. Aus der Übung wird Ernstfall und das Datum scheint es in sich zu haben; das letzte verheerende Beben war am 19. September 1985.

In Zacatecas feiern wir unseren 33sten Hochzeitstag und schlendern gemütlich durch die alte Kolonialstadt, wo früher Silber abgebaut wurde, bevor ich in der Sierra de Órganos beim Wandern durch die bizarre Landschaft fast auf eine Klapperschlange getreten wäre.

Den Abschluss auf dem „Festland“ feiern wir in Durango mit einem Banküberfall. Bereits die Sierra de Órganos war perfekte Kulisse für zahlreiche Westernfilme und in Durango wurden einige Wildweststädtchen als weitere Kulissen aufgebaut. Da sitzen wir also im Saloon und vor unseren Augen wird die Bank ausgeraubt und die Postkutsche jagt vorbei. Zeit für uns, diese rauhe Gegend zu verlassen und in Mazatlán nach La Paz auf die Baja California zu verschiffen.

  

México – Prähispanische Kultur

Monte Albán – Mitla – Teotihuacán – El Tajín

07. Oktober 2017

Eigentlich wollten wir nicht alle prähispanischen Steinhaufen besichtigen… doch sie haben uns mehr in den Bann gezogen, als wir uns ursprünglich vorgestellt haben. Wer sich für die genauen Details interessiert, schaue doch bitte unter Wikipedia nach. Ich möchte hier keinen Detailbericht schreiben, sondern mehr unsere Eindrücke festhalten und Fotos sprechen lassen.

Die grossen präshispanischen Hochkulturen sind teilweise bereits vor den Spaniern untergegangen. Über den Untergang kann, wie bei vielen Kulturen, nur spekuliert werden – Überbevölkerung, Dürren die zu Ernteausfällen führten und letztlich Machtverlust der Priester und Abwanderung der Bevölkerung. Einige wurden von den Spaniern niedergemetzelt, unterdrückt und letztlich zur Machtdemonstration zerstört oder überbaut. Gold- und Silberschmuck wurde eingeschmolzen, der Gier der spanischen Krone und der Konquistadoren war nichts heilig, man schmückte die Kirchen in Neuspanien mit prunkvollen goldenen Altaren und Spanien finanzierte sich mit den Edelmetallen der Neuen Welt. Und doch gibt es immer noch Neues zu entdecken. Einmal waren wir gerade dabei, als Archäologen ein Skelett freilegten (Fotografieren war nicht gestattet). Unter den bewachsenen Hügeln liegt immer noch viel verborgen. Ein grosses Tummelfeld für Jungarchäologen und Ethnologen.

Etwas ausserhalb von Oaxaca liegt Monte Albán. Während der Blütezeit zwischen 500-600nChr. lebten hier etwa 25‘000 Menschen. Wir waren von der schieren Grösse erschlagen. Die Plaza misst 200x300m und wird flankiert von religiösen Plattformen. Die Aussicht von den Tempelgebäuden ist phänomenal: Oaxaca und weitere moderne Siedlungsgebiete. Ein weiteres Detail, das uns fasziniert sind Flachreliefs, die kastrierte und unter Drogen stehende Gefangene darstellen. Den Grabschmuck bewundern wir später im Museum Santo Domingo in Oaxaca.

In Mitla fühlen wir uns irgendwie in Griechenland. Die zahlreichen Mäanderverzierungen sind in erstaunlich schönem Zustand, obwohl die Spanier hier gute Abrissarbeit leisteten, um mit den Steinen die katholische Kirche aufzubauen.

Ausserhalb von Mexico City liegt die Stätte Teotihuacán. Bis 600nChr. war diese Stadt das einflussreichste politische und religiöse Machtzentrum Mittelamerikas. Hier gilt es früh aufzustehen. Die Sonne brennt unerbittlich und Schatten gibt es nirgends. Eine 2km lange und 45m breite Prachtsstrasse führt durch die Stadt, die marschieren wir ab um zum imposanten Quetzalcóatl Tempel zu kommen. Eindrücklich diese gefiederte Schlange aus dem Quetzalvogel und der Klapperschlange. Bevor die Menschenmassen kommen, besteigen wir die Mond- und später die Sonnenpyramide. Der Steinhaufen misst in der Grundfläche 220x225m und ist 63m hoch. Unvorstellbar, wieviele Steine hier übereinandergeschichtet wurden. Die meisten Pyramiden sind vollauf gefüllt und weisen keine Kammern auf. Doch was uns hier am meisten beeindruckt, sind die Wohnungen der Menschen. Alle verfügten über frisches fliessendes Wasser und über ein Abwassersystem. Etwas, wovon viele Mexikaner auch heute noch nur träumen können.

Nach Möglichkeit besuchen wir sonntags weder Museen noch archäologische Anlagen, dank Gratiseintritt für alle Mexicaner ist nämlich an diesem Wochentag das Besucheraufkommen extrem. In Tula geht es nicht anders. Zu allem Unglück liegt Tula auch noch in guter Erreichbarkeit der Hauptstadt. Hier trugen fast 5m hohe Atlanten ein Tempeldach. Doch Sonntag bedeutet eben auch Familienausflug. Ein Grossaufgebot an Souvenirverkäufern schwirrt herum. Sie blasen uns auf Teufel komm raus auf ihren Jaguarpfeifen die Ohren wund, Verkäuferinnen bieten ihr Kunsthandwerk aus allerlei Perlen, Stickereien und aufwändigen Handarbeiten zu Ausverkaufspreisen an. Mädchen posieren wie Models vor den Ruinen während die Buben mit stolz geschwellter Brust, die bereits vom Bauch übertroffen wird, kunstvoll verzierte Pfeilbogen durch die Ruinen tragen. Die Selfiesticks sind das wohl am meisten gefragte Souvenir. Wenn das Familienfoto im Telefon gespeichert und somit der Ausflug für die Mitwelt dokumentiert ist, geht’s ab zur Imbissbude. Hier heisst es Hauptsache frittiert, also Chips in Varianten (Bananen / Kochbananen / Kartoffel), das obligate Chicharron (frittierter Tierhaut / Rücken- oder Bauchspeck), zum Dessert eine Glacé oder Fruchtsalat pikant gewürzt mit Salz, Chili und Zitrone. Gespült wird von Erwachsenen mit Michelada, Bier, das mit Tomatensaft, Maggi und weiteren Gewürzen aufgemotzt wird und natürlich Coca-Cola. Ohne dieses Überlebensgetränk geht gar nichts. Wen wunderts, dass der Staat riesige Anstrengungen gegen Fettleibigkeit, Diabetes und Bluthochdruck unternimmt.

Im tropischen Vanilleanbaugebiet von Papantla, am Golf von Mexico, geht’s gemütlich zu. Hier befindet sich die kleine aber feine Anlage El Tajín, die mit ihren Nischenpyramiden zu verzaubern weiss. Avocadobäume vermögen etwas Schatten zu spenden, Frauen verkaufen Vanille und ein betörender Duft liegt in der Luft.

Dies war von allen unsere Lieblingsstätte, denn sie ist so völlig anders als alle anderen, übersichtlich und ruhig.

  

México – Natur

Sima de las Cotorras – Cascada Aguacero - Bahia San Agustín – Hierve el Agua – San José del Chilar (Reserva Guacamayas verdes) – Vulcan Malinche – Paso de Cortés - Santa Maria Regla (Prismas Basalticos) – Costa Esmeralda – Sótano de las Golondrinas – Sótano del Barro – Bernal – Grutas de Tolantongo – Angahuan (Vulcan Paricutín)

07. Oktober 2017

In diesem Bericht sind wir sportlich unterwegs, daheim wollen wir skifahren, doch in Mexico machen wir das Oberschenkeltraining dazu. Soviel gewandert und Treppen gestiegen sind wir schon lange nicht mehr. Die Natur hat viel interessantes zu bieten.

Für’s erste können wir aber direkt zum Naturspektakel hinfahren und dort auch übernachten. Bis das Programm beginnt, spazieren wir einmal um eine Einsturzdoline, von denen es in diesem Karstgebiet einige gibt. Im Biosphärenreservat El Ocote, das wir via steile Passstrassen erreichen, läuft ein witziges Abend- und Morgenprogramm ab. Kurz vor der Dämmerung stürzen sich mit lautem Gekreisch hunderte kleiner grüner Papageien (Aratinga holochlora) in eine 140m tiefe Einsturzdoline, verbringen dort die Nacht um sich morgens nach Sonnenaufgang mit der Thermik wieder nach oben zu schrauben und den Tag mit Nahrungssuche verbringen. Die senkrechten Felswände ermöglichen ihnen, eine praktisch gefahrlose Aufzucht der Jungvögel. Die Umrundung der Doline ist ein beschaulicher Spaziergang, der nichts am Hut hat dem kommenden Erlebnis, das 728 Treppenstufen hinunter zum Wasserfall Aguacero führt. Mich faszinieren mehr die senkrechten Felswände, der Fluss steht hoch und braun vom Regen und der Wasserfall ist nicht so einfach zu bewundern. Stefan geht einige Risiken ein und trägt den Fotoapparat durchs Wasser und die spritzende Gischt, während ich ein Sonnenbad geniesse.

Das Treppenstufensteigen geht bereits als erstes Skitraining durch, von dem wir uns am Pazifik an der Bahia San Agustín prächtig erholen. Schwimmen ist undenkbar, denn das Mar de fondo, eine Naturerscheinung, die im Zusammenhang mit Temperatur und bedecktem Himmel steht, beschert uns zu hohe Wellen. Aber weil El Capi so delikates Essen kocht, bleiben wir hängen. Es gibt Fisch im Bananenblatt und Shrimps an Guajillo Chilli Rotweinsauce.

Aber ja, ich wollte von unserern Skivorbereitungen erzählen. In einem winzigen Dorf, das sich dem Ökotourismus verschrieben hat, starten wir unsere nächste Wanderung. Schweisstreibend aber gemütlich wandern wir von San José del Chilar mit einem Führer durch Mesquite- und Kakteenwälder bergan und dann bergab zu einer Schlucht, wo sich wiederum Papageien zum Schlafen einfinden. Diesmal sind es aber die grossen Guacamayas verdes mit ihren unglaublichen Farben. Da wir höher sind als die Flugkünstler, die pünktlich um 18.30 Uhr eintreffen, können wir die Farbpalette von Flügel- und Schwanzfedern perfekt beobachten. Ara militaris mexicanas bleiben einander ein Leben lang treu und ziehen ihre Jungen, meist eins höchstens zwei, gemeinsam auf. Tagsüber fliegen sie aus um abends in ihre geschützten Schlafplätze zurückzukehren. Sie in den Bäumen tagsüber auszumachen ist ein Ding der schieren Unmöglichkeit, sie sind perfekt getarnt. Mit farbigen Erinnerungen kehren wir in der Dunkelheit ins Dorf zurück, wo man uns mit Tacos an einer delikaten Chilisauce erwartet.

Eine Wanderung um 4Uhr morgens zur zweitgrössten Doline der Welt, dem Sótano del Barro mit 455m Tiefe, beglückt uns nebst einem Sonnenaufgang nochmals mit farbenfrohen Ara militaris und ist wiederum ein einzigartiges Erlebnis.

Viele Vögel suchen sich solche spezielle Nist- oder Schlafplätze aus. Wir erleben nochmal etwas ähnliches beim Sótano de las Golondrinas (512 m tief) , tausende Schwalben schwärzen den Abendhimmel. Mit lautem Gezwitscher formieren sie sich für den spektakulären Sturzflug in den engen Dolinentrichter, in den sie sich mit halsbrecherischer Geschwindigkeit hineinstürzen. Uns bleibt ein zischendes Geräusch und der Eindruck, Frau Holle würde Pech verschütten. Bei Sonnenaufgang wiederholt sich die Flugshow in umgekehrter Richtung während wir flügellahm durch den Wald hinaufsteigen um an der Sonne Kaffee zu trinken.

Aber es geht auch ohne Vögel. Unsere Reisefreunde Mirjam und Abraham haben uns vom Vulkan Malinche vorgeschwärmt, so dass wir es ihnen nachmachen wollen.Um 6Uhr früh starten wir steil in die Dunkelheit hinaus. Allmählich beginnt das Leben, Eichhörnchen huschen vorbei, Vögel trällern, die Sonne geht auf, wir wandern im dichten Wald dessen Grenze wir zwei Stunden später erreichen. Um 10 Uhr erreichen wir den Gipfel, der uns eine unglaubliche Sicht über Landschaft und den in der Ferne rauchenden Popocatépetl ermöglicht. Vergessen sind die Strapazen des Geröllfeldes und der Felsblockzone. Wir stehen auf 4436müM und fast 1500 Höhenmeter unter uns liegen riesige Hochebenen und unser Campingplatz. Ab 11 Uhr ziehen Wolken auf, schnell das Picknick in den Rucksack packen und den steilen Abstieg unter die Füsse nehmen und die Landschaft, die uns stark an die Mythenregion erinnert geniessen. Zwei Stunden später stehen wir unter der wohl heissesten Dusche, die wir in diesen drei Jahren je gehabt haben, angenehm, denn es ist bitterkalt obwohl die Sonne scheint.

Auf dem Paso de Cortés (3692müM) erleben wir unsere kälteste Nacht in Mexico. Wir heizen und bald stellt sich ein heimeliges SAC Hüttengefühl ein. Der Popocatéptl (5436müM) raucht draussen vor sich hin, doch trotz seiner Wärme hat er sich über Nacht mit einem weissen Leinentuch zugedeckt. Seine schlafende Freundin Iztaccíhuatl (5230müM) sieht ebenfalls sehr verfroren aus.

Dann wandeln wir ein wenig auf Alexander von Humboldts Spuren und steigen wieder Treppen um die bis zu 40m hohen Basaltsäulen in Santa Maria Regla zu bewundern. Basaltsäulen dieser Höhe sind extrem rar und Prismaformationen entstehen nur, wenn flüssige Lava im Wasser erkaltet. Die Vulkane lassen uns nicht so schnell los. Während des grossen Erdbebens von Oaxaca und Chiapas klettern wir über das Lavafeld des Vulkanes Paricutín, der in den 1940er Jahren sehr aktiv war und 1943 zwei Dörfer unter sich begrub. Alle Bewohner konnten vorher umgesiedelt werden und deren Nachkommen leben heute nicht schlecht vom Vulkantourismus.

Nach einem erneuten Erdbeben das diesmal Mexico City und Puebla trifft, wollen wir uns das Szenario eines Ausbruchs des Popocatéptl lieber nicht vorstellen.

  

México – Kolonialstädte

San Cristóbal de las Casas – Oaxaca – Puebla – Cholula – Querétaro – San Miguel de Allende – Guanajuato – Morelia

19. September 2017 (heute bebt die Erde in Puebla und Mexico City mit 7.1)

Mexico bietet barocke Kolonialstädte ohne Ende. Schachbrettartige Grundrisse, prunkvolle Kirchen, herrschaftliche Häuser und rund um die Hauptplätze repräsentative Regierungspaläste, Brunnen, schattige Plätzchen, Laubengänge und Zierrat je nach Reichtum der jeweiligen Orte sind allen gemeinsam. Jede Stadt hat ihren eigenen Charme. Das Klima in diesen Städten ist dank der Höhenlage zwischen 1500 und 2200 Metern sehr angenehm, obwohl wir uns immer noch in den Tropen befinden. Ich will mich nicht lange darüber auslassen, Wikipedia bietet alle nötigen Informationen für jene unter euch, die es genauer interessiert. Viel mehr gibt es kleine Geschichten und viele Bilder.

In San Cristóbal muss ich zuerst meine Bauchgrippe auskurieren, ich fühle mich wie ein Waschlappen. Mein Bauch braucht einige Tage Ruhe und ich wahrscheinlich auch. Seit längerem sind wir nirgends mehr länger stehen geblieben. Die Neugier trieb uns immer weiter fort. Der erste grössere Ausflug führt uns nach San Juan Chamula, einer Wallfahrtsstätte der hier heimischen Urbevölkerung. Die Kirche ist klein, der Platz davor riesig. In der Kirche fehlen die Kirchenbänke, dafür duftet es nach den am Boden liegenden Piniennadeln. Hierauf sitzen und knien die Gläubigen mit grossen Picknickkörben und – mit einem Hahn oder einer Henne. Es werden Gebete gemurmelt, das Geflügeltier wird über ein krankes oder unglückliches Familienmitglied geschwenkt und irgendwann wird dem Vogel der Hals umgedreht, alles mit Weihrauch und Posh (Schnaps) besprenkelt und alles wird gut! Ein aberwitziges Schauspiel für uns, eine tief religiöse Zeremonie für die Indigenas.

Die mexikanische Küche besteht aus weit mehr als nur Tacos und Enchiladas. So geniessen wir in Oaxaca (vor dem Erdbeben) die legendäre Mole Poblano in Varianten. Eine pikante Sauce mit mehr als 20 Zutaten inklusive Cacaobohnen zu Poulet… Stefans neues Lieblingsgericht. Da sich in Oaxaca ein toller Platz zum Übernachten befindet, nutzen wir dies aus: Stadtbesichtigung, Reifenrotation und Spureinstellung bei Randulina, Auffüllen unserer Gasvorräte dank Calvins Kreativität, Ruinenbesuch auf Monte Alban und mit anderen Overlandern und den Gastgebern Leanne und Calvin Abendessen und diskutieren. Und das Beste zum Schluss, wir erleben eine mexikanische Maria Himmelfahrt. Die Marienverehrung ist gigantisch, die Feste ihr zu Ehren ebenfalls. Pappmachéfiguren mit Knallkörpern werden tanzend durch die Gassen getragen, eine bunte Kakophonie diverser Musikgesellschaften und gratis Mezcal für ALLE. Auf dem Zócalo wieder Tänze mit Chlöpfzeug, das sich mit unserern Sicherheitsvorschriften nie durchführen liesse. Das Finale besteht aus einem Riesenfeuerwerk auf einem Bambusturm, wie wir es auch schon in Peru gesehen haben. Hauptsache es knallt und am Schluss erscheint uns allen die Heilige Maria.

Gut gesegnet geht die Reise an den Agavenfeldern der Mezcal Orte vorbei, wo wir in den Genuss der handwerklichen Herstellung kommen. Doch Mezcal wird nicht unser Lieblingsgetränk; auch der nicht, in dessen Güte eine eingelegte Agavenraupe, zu Tode besoffen, schwimmt.

Puebla lockt mit seiner typischen blau-weissen Talaverakeramik und wieder einmal können wir nicht widerstehen und tragen schwere Fundstücke nach Hause. Immer wieder spielt die Stadt ihre Reize aus und Stefan muss die Tasche abstellen um die Zuckerbäckerhäuser abzulichten. Flohmärkte überall und ohne Grenzen, nebst Kitsch ein ein wenig Kunst, nebst Antiquitäten ein wenig Vintage. Puebla bietet allen etwas, vorallem samstags läuft das volle Leben. Die saisonale Spezialität ist Chile en Nogada. Eine süss-salzig gefüllte leicht pikante Chili mit einer Baumnussrahmsauce und Granatapfelkernen. Die Geschmacknerven werden gereizt wie bei der Mole, ich hab doch kein Dessert bestellt! Dieses Gericht ist eindeutig mein Favorit der mexikanischen Küche und unvergleichlich, gleichzeitig stellt es die Nationalfarben GRÜN-WEISS-ROT dar.

In Cholula, wo die barocke Kirche auf eine prähispanische Pyramide gebaut ist um die spanische Vormachtstellung zu beweisen und den Widerstand der einheimischen Bevölkerung zu brechen, ist sonntags der Teufel los. Voladeros kreisen in der Luft. Die 4 an Seilen festgebunden Flieger verkörpern die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde und mit 13 Umdrehungen fliegen sie dem Boden zu, begleitet von Pfeifen- und Trommelklängen des fünften Mannes, der die Sonne verkörpert. 4x 13 ergibt die 52 Jahreswochen des zapotekischen Kalenders.

Querétaro punktet mit riesigen Plätzen, die von kunstvoll geschnittenen schattenspendenden Hecken eingerahmt werden und einem Äquadukt, der im 18. Jahrhundert zur Wasserversorgung erstellt wurde und die vielen Stadtbrunnen bewässert.

In San Miguel de Allende fühlen wir uns in die Toskana versetzt, und die Preise bewegen sich im gleichen Segment. Die hier lebenden Kanadier und US-Amerikaner haben San Miguel zu einer lebenden Puppenstube renoviert. Das Klima ist herrlich, nicht zu heiss, nicht zu kalt, das Ambiente kunstvoll künstlich. Am Zócalo sitzend beobachten wir das pulsierende Leben.

Guanajuato, der Kontrapunkt zu San Miguel eine mexikanisch farbige Bergwerksstadt, lotst den Verkehr durch Tunnels, teilweise sind es ehemalige Stollen Wir schlendern in den engen Gassen bergauf und –ab und erleben eine der vielen Prozessionen irgend einer Seilschaft Jesú Christi. In Mexico lässt sich täglich ein Heiliger feiern und durch die Gassen tragen. Es wird getanzt, gelacht, gelebt. Der Ausblick vom Pipila Monument zeigt uns ein buntes Häuserkaleidoskop.

Und als letzte dieser hübschen architektonischen Juwelen vermag uns Morelia zu begeistern dessen breite Prachtsstrassen für den Unabhängigkeitstag beflaggt werden und in denen Studenten einen Sitzstreik durchziehen während die Polizei den Verkehr sorgsam in andere Strassen lenkt. Auch hier füllt ein Äquadukt die Stadtbrunnen und Ismael der Besitzer des Parkplatzes, wo wir nachts schlafen unseren Früchtekorb mit delikaten Avocados und als Start in den Tag bringt er uns das Zmorge praktisch ans Bett. Gelebte Gastfreundschaft!

Alle diese Städte bestehen natürlich nicht nur aus den touristisch interessanten historischen Zentren sondern aus grossen Vor- und Wohnstädten rundherum, die sich wie Krakenarme ausbreiten. Diese Quartiere meiden wir im Normalfall. Aber klar, mechanische Werkstätten befinden dort im Gewusel drin.

  

México – Halbinsel Yucatán und Südméxico

Chetumal – Kohunlich – Tulúm – Playa del Carmen – Cancún – Cuyo – Chichén Itzá – Homún – Celestún – Uxmal – Campeche – Villahermosa – Palenque – Aguas Azul – Cascada Golondrina – Reforma Agria – Tziscao

16. August 2017

Ich bin, während ich diesen Reisebericht schreibe, wahrscheinlich gefühlsmässig genau so weit von der Yucatán Halbinsel weg, wie ihr. In einem Jäckli, mit Socken und langen Hosen. So müsste man auf der Halbinsel nicht herumspazieren. Yucatán , ein Staat im Staatenbund Méxicos oder auch der Name der Halbinsel. Mein Bericht handelt von der Halbinsel. Yucatán, nur schon der Name rinnt wie Öl den Hals hinab. Wir befinden uns schon in Belize auf diesem „Erdteil“. Aber erst in México wird mir das so richtig bewusst. Unser 42ster Grenzübergang, der letzte in Lateinamerika. Unsere Mangos landen im Kühlschrank der Zollbehörde, dafür bekommen wir die Erlaubnis, unser fahrbares Häuschen 10 Jahre hier einzulösen, für uns gibt es 180 Tage Aufenthaltserlaubnis, nicht ganz gratis alles, aber insgesamt unbedeutende Beträge. Das Auto wird schlecht und recht äusserlich desinfiziert und der Entdeckungsreise steht nichts mehr im Weg.

Wir beratschlagen, dass wir nicht alle Trümmerhaufen der Mayas, Azteken, Mixteken und anderen –eken besichtigen werden. Aber, jeder Trümmerhaufen bietet Spannendes. Und Yucatán ist voll mit unwiderstehlicher prähispanischer Kultur. Ausserdem gibt es trotz sengender Hitze und grosser Luftfeuchtigkeit genügend Erfrischungsmöglichkeiten. Bei täglich 40 Grad und mehr und nächtlichem Temperatursturz auf „erfrischende“ 30 Grad nicht verachtenswert. Gerne geniessen wir nach der nächtlichen Garung im eigenen Saft ein kühlendes Bad. Die Cenoten wählen wir aber extrem wählerisch aus. Die mit glasklarem Wasser gefüllten Trichterdolinen, welche den Mayas oft als Kultplatz dienten, sind heute die ganz grosse Touristenattraktion und während den Sommerferien (Touristen aus USA und Europa erstürmen gerade México) überbelebt.

Die Bilderbuchstrände zwischen Tulúm und Cancún sind in Hotelbesitz und für Nicht-Pauschaltouristen praktisch unerreichbar, der Tourismus ist die grösste Geldmaschine. In diversen Vergnügungsparks kann sich verlustieren wer genug vom Hotelstrand an der Costa Maya hat, von Ziplining bis Schwimmen mit Delfinen im Aquarium ist alles im Angebot. Die ganze Küste gleicht einer riesigen Vergnügungsmaschinerie. Mögliche Campingspots sind meist laut und überteuert. Zum Glück gibt es da noch die Biosphären Reservate, wo wir uns zurückziehen können. Einen grossen Vorteil hat diese standardisierte Welt, das Einkaufen in den riesigen Lebensmittelgeschäften macht Spass: internationale Angebote von Gerber Fondue, französischem Brie bis zu argentinischem Wein und alles zu einem sensationellen Preisniveau.

Bei Cancún, am äussersten Zipfel werden wir nach unserer „Happy Hour“, (Stefan mixt perfekte Caipirinhas und serviert sie superfreundlich) und dem Znacht, bei Sternenlicht Zeugen, wie eine Karettschildkröte an Land krabbelt und ihre Eier ablegt. Ein eindrückliches Erlebnis, v.a. wenn man weiss, dass von 1000 gelegten Eiern ein einziges Schildkrötli das Erwachsenenalter erreicht um wieder an demselben Strand Eier abzulegen.

Im Biosphärengebiet Rio Lagartos, nicht mehr an der türkisblauen Karibik sondern am Golf von México gelegen, erwarten uns Flamingos, weitere Schildkröten und wir erwarten das Militär, weil wir in einem Sand-Salz-Schlick-Gemisch steckenbleiben. Das Militär versenkt dabei seinen Hummer und gräbt ihn mit unserer Schaufel wieder aus, während wir deren nichtfunktionierende Seilwinde bestaunen, wir alle stehen dabei im knöchel- bis knietiefen Matsch, doch nachts um 2 Uhr ist auch dieses Spektakel vorbei und das Militär wird wohl des Hummers Seilwinde auf Vordermann bringen müssen.

Apropos Seil erhalten wir in Sotuta de Peón eine schöne Lektion. Weit ab vom Schuss besuchen wir eine alte Seilerei. Hier werden aus Sisalagaven, die eigentlich Henequén heissen, nach alter Manier Seile gedreht. Die Henequén Seile wurden im Hafen von Sisal in die weite Welt verschifft und weil auf den Verpackungskisten „Sisal“ stand und niemand wusste was oder wo Sisal ist, erhielt die Ware den Namen des Verschiffungshafens. Die Geschichte der Agavenseile erinnert uns an die des Kautschuks. Reich wurde damit nur der Plantagenbesitzer, die Arbeiter standen in grösster Abhängigkeit zu ihrem Arbeitgeber. 1950 wurde die Produktion praktisch eingestellt, denn der Weltmarktpreis fiel zusammen, Brasilien produzierte günstiger und die Fasern des „grünen Goldes“ wurden durch Synthetik ersetzt.

Weiter geht die Fahrt über Hunderte von Topes (Schwellen), meine Leinsamen haben sich verselbständigt und ich darf sie abends bei schönster Sonnenuntergangsstimmung zusammenwischen. Als Aufmunterung schlägt Stefan einen Spaziergang durch Celestún vor, meine Stimmung bessert sich aber nicht, denn es gibt kein anständiges Lokal für einen Apéero und die ganze Erinnerung an dieses Kaff sind nach Fischabfällen riechende Abfallkübel. Dafür beginnt es wie aus Kübeln zu giessen, was bei dieser Hitze höchst unangenehm ist.

Freude herrscht dafür in Uxmal. Diese antike Anlage stellt alle bisherigen in den Schatten. Nebst Chichen Itzá gefällt sie uns am Besten. Die opulenten Verzierungen sind bis heute sichtbar. Wasserkanäle und Zisternen, welche bis zu 35‘000l Wasser fassten (Grundwasser war keines vorhanden) stellen eine logistische Meisterleistung für die bis zu 20‘000 Einwohner dar. Abends sitzen wir verzückt im Nonnenviereck, wo eine Licht- und Tonschau das Leben der Mayas widergibt. Nach Anrufung des Wassergottes Chaak spüre ich doch tatsächlich einige Regentropfen.

Nach soviel Kultur ist uns wieder vermehrt nach Natur. Auf dem Weg zu den Blauen Wassern, Agua azul, werden wir einige Male von einem gespannten Seil gestoppt. Indiofrauen versuchen sich etwas vom Touristenkuchen abzuschneiden indem sie für 10 Pesos Bananen verkaufen. Wir zeigen immer wieder den zuerst gekauften Bananenbund und werden ohne weitere Käufe durchgelassen. Dass wir nicht immer das Gleiche kaufen können ist wohl einleuchtend. In Agua azul kämpfen wir uns durch Souvenir- und Fressstände bevor wir zu den pittoresken Wasserfällen gelangen. Das Wasser rinnt fotogen milchig über die Kalkfelsen. Dies dank ausgelöstem Kalziumkarbonat und Magnesium. Am nächsten Morgen gönnen wir uns ein erfrischendes Bad, ganz allein, vor Ankunft aller Touristenbüssli.

Ebenso malerisch finden wir die Cascadas Golondrinas, die Schwalbenwasserfälle. Da gibt es doch tatsächlich am Abend das verblüffende Spektakel der zurückkehrenden Schwalben. Wo liegen deren Nester? Genau! In den Höhlen hinter dem Wasserfallvorhang. Wir sitzen still da und beobachten diese fulminante Leistung der Vögel. Ab und zu verpasst einer den Eingang zwischen den stürzenden Wassermassen und muss einen neuen Landeanflug einlegen. Das laute Gezwitscher übertönt sogar das Tosen des Wassers, über uns sind noch Hunderte, die ihre Rückkehr in der Dämmerung antreten.

Unsere Route entlang der guatemaltekischen Grenze in der Selva lacandona bietet reichlich Abwechslung. Der Regenwald wird aber auch hier immer lichter. Zu Gunsten von Ackerbau, Viehwirtschaft und vorallem Ölpalmen wird die Selva stark abgeholz. Die Strasse leidet unter den mit Ölnüssen schwerbeladenen Lastwagen. Stefan fährt zickzack um alle Löcher und Strassenabbruchkanten. Heil erreichen wir das kleine Dorf Reforma Agraria. Eine kleine Dorfgemeinschaft hat hier ein vor einigen Jahren zugunsten der Hellroten Aras (Guacamayas rojas) ein Naturschutzprojekt gestartet. Die Selva wird geschützt, den Aras werden ihre Lieblingsnahrungsbäume gepflanzt und die riesigen Vögel sagen danke, indem sie zahlreich im Dorf nisten. Wir spazieren mehr als 2 Stunden im Dorf herum und beobachten diese farbenfrohen kreischenden Papageien. Beim Schlummertrunk hangeln sich Klammeraffen über uns hinweg, sie sind auf der Suche nach Avocados und auf der anderen Uferseite des braunen Rio Lacantún schreien sich die Brüllaffen die Seele aus dem Leib. Alles in allem ein fragiles Gleichgewicht. Sind die Bäume weg, sind die Tiere weg…

Den Klimaschock erleben wir auf unserer nächsten Etappe. Während wir immer noch täglich bei 35 Grad schwitzen, fällt das Thermometer jetzt mit jedem steigenden kurvigen Kilometer, bereits gibt es Kaffeeeplantagen. Auf 1400müM ziehen wir den Faserpelz an. Tziscao lebt von seinem kühlen Klima und seinen Seen, wir fühlen uns wie auf einer Alp. Einheimische Touristen fotografieren den Nebel während wir unser Kabhäuschen geniessen. 20 Grad ist perfekt für einen Risottoschmaus.

Ein kurzer Regenspaziergang führt uns an den Lago Internacional. Die Grenze zwischen México und Guatemala verläuft exakt mittig durch den kleinen Tümpel und wird grossartig mit Bojen markiert.

Auch im Parque Nacional Lagunas de Montebello herrscht trübe Stimmung die vielen Lagunen leuchten nicht in ihren schönen Farben.

Nach soviel Natur zieht es uns wieder in eine Stadt. Voller Elan fahren wir der malerischen Kolonialstadt San Cristóbal de las Casas entgegen. Hasta pronto amigos!

 

999 Tage unterwegs – und was jetzt?

13. Juni 2017

Vor 999 Tagen, am 21. September 2014 sind wir in Buenos Aires gelandet, mit zittrigen Knien und einem Herz voller Vorfreude und auch Respekt vor dem, was auf uns zukommt und von dem wir noch völlig ahnungslos sind. Was haben die 999 Tage aus uns gemacht?

Vor zweimal 999 Tagen fassen wir den Entschluss, eine „grosse Reise“ zu machen, wohin steht noch in den Sternen. Die Vorbereitungsphase umfasst einiges – Spanischunterricht für mich, Länder- und Kartenstudium für Stefan. Für uns beide, Verkauf der Wohnung und für mich, die Suche nach etwas Kleinerem für alle Fälle. Die Zeit saust vorbei, eines Tages klopft Stefan mir auf die Schulter, he Frau – Zeit für die Kündigung, du bist 55. Uff, ein schwieriger Schritt, raus aus dem gemachten Nest, raus aus der Komfortzone, wo alles wie am Schnürchen läuft. Halte ich das durch, hält er das durch, halten wir das dauernde Zusammensein und die grosse Nähe im kleinen Auto so lange aus? Wie ist das für unsere Familien, Eltern, Kinder, Freunde?

Auf die Frage meiner diversen Spanischlehrer, welches die Motivation sei, eine neue Fremdsprache zu lernen, antworte ich wahrheitsgemäss, dass wir vorhätten irgendwann 3 Jahre Lateinamerika zu bereisen. Jeder korrigierte mich: No tres años, pero tres meses o tres semanas. Seguro, tres años con nuestro Land Rover. Unvorstellbar nicht nur für mich sondern auch für andere!

Wir gehen nicht, weil es uns daheim nicht gefällt, Probleme kommen mit. Wir gehen, weil es uns daheim gefällt aber weil wir noch etwas hinter den Horizont sehen wollen. Auswandern ist nicht das Ziel! Ganz klar, wir wollen wieder nach Hause, wir wollen ein Projekt durchziehen und wenn es fertig ist, ein Neues starten. Die Welt verbessern ist auch nicht das Ziel, wir sind Gäste, sehen, staunen, machen uns unsere Meinung.

Ja, der ganze Aufwand hat sich gelohnt. Noch sind wir nicht in Mexico, schon gar nicht in Alaska wie ursprünglich geplant. Pläne kann man ändern, von Vorgaben kann man abweichen, das ist das Salz in der Suppe.

Der grosse Schritt ins Ungewisse ist uns gelungen, wir schätzen unsere Flexibilität und Spontanität und freuen uns nach über 36 Jahren Gemeinsamkeit immer noch so viel Nähe zu ertragen, an einem Strand in entgegengesetzte Richtungen zu spazieren um uns bei einem Apéro wieder in die Arme zu fallen.

Wir können es aushalten: Immer wieder die glunkte. Das muss nicht negativ sein, unsere Langzeitreiserei gibt uns den Vorteil, auswählen zu können, das kann ein Kurzzeitreisender nicht. Er will Höhepunkte, wir auch, aber etwas anders gelagert. Manchmal sind für uns an touristischen Höhepunkten ganz andere Dinge interessant. Es braucht Zeit, zuzulassen, dass bei einer Mayaruine nicht die Hauptpyramide den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt, sondern die alles überwuchernde Natur, die sich einen Deut drum schert, wie archäologisch wertvoll die Stätte eigentlich ist.

Und was vermissen wir? Natürlich unsere Kinder, die sich daheim so herzlich um alles kümmern, was während unserer Abwesenheit anfällt; die mit grosser Liebe unseren zwei Müttern die Reiseberichte vorlesen und sich rührend um sie kümmern. Und unsere vielen Freunde, dazu gehören auch viele neue Freundschaften, die wir während unserer Reise machen durften. Mit den Meisten stehen wir in virtuellem Kontakt, aber ein gemeinsames Glas Wein ist immer noch das Schönste.

Und unsere Fitness? Wir üben täglich, wir spulen ein grosses Fitnessprogramm ab. Wir sind topfit in Geduld. „Manãna, mañana“, stresst uns schon lange nicht mehr. Die Arbeitsmentalität- und das Zeitempfinden sind völlig anders, hat man daheim ein Problem geht man nicht zur Arbeit, das Geschäft bleibt geschlossen, die Arbeit bleibt unerledigt obwohl sie uns versprochen ist. Soviel Geduld kann ein Kurzzeitreisender nicht aufbringen, die Ferien sind zu schnell vorbei. Ich bin für eine Briefmarke schon 45 Minuten angestanden, ohne zu lesen, ohne in ein Handy zu gucken – in einer Schlange mit anderen geduldig Wartenden. Wir haben 1 Woche auf neue Bremsbeläge gewartet (glücklicherweise in einem Weinbaugebiet in Argentinien in netter Begleitung). Das Schwierigste für mich: das l.a.n.g.s.a.m.e Internet. Da bin ich noch immer ungeduldig und kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Das Schwierigste für Stefan alle Schwellen, Lomos, Lombadas, Tumulos, Drempel, Löcher im Asphalt im richtigen Moment zu sehen, zu bremsen, zu umfahren und sich nicht über das nichtgesehene Objekt zu ärgern.

Doch in zweimal 99 Tagen wird auch diese Ungeduld ein Ende haben und die Nerven werden dem Glasfaserkabel und den sauber asphaltierten Strassen (vielen Dank, Guido!) dankbar sein. Alaska muss warten auf ein andermal, wir haben es bereits vor 30 Jahren bereist, der Verzicht hält sich also in Grenzen. Nach der Rundreise in Mexico wird unsere Randulina nach Hamburg verschifft… das Internet war zumindest einmal schnell genug um diesbezüglich Informationen einzuholen. Wir werden ganz gemütlich heimtuckern und unterwegs bei einigen Reisefreunden in deren Gärten übernachten und bei einem Glas Wein von vergangenen Zeiten schwärmen und über neue Traumländer diskutieren, die nur auf schlaglochübersäten, wellblechartigen Pisten erreichbar sind, wo fliessendes Wasser Luxus ist und schnelles Internet ein Wunschgedanke, wo Pferdestärken Karren vorwärtsbringen, wo das Abenteuer lockt und der Sternenhimmel endlos ist.

 

Ältere Berichte findet ihr im Archiv: Reiseberichte 2014, 2015, 2016 und 2017

 

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