*
Top Slideshow
slide1.jpg slide5.jpg slide7.jpg slide8.jpg slide9.jpg slide10.jpg slide11.jpg slide13.jpg slide14.jpg slide15.jpg slide17.jpg slide18.jpg slide21.jpg slide23.jpg slide24.jpg
Menu
Menu
7. Reisehalbjahr 7. Reisehalbjahr
6. Reisehalbjahr 6. Reisehalbjahr
5. Reisehalbjahr 5. Reisehalbjahr
4. Reisehalbjahr 4. Reisehalbjahr
3. Reisehalbjahr 3. Reisehalbjahr
2. Reisehalbjahr 2. Reisehalbjahr
1. Reisehalbjahr 1. Reisehalbjahr

47 – Südperu                                             Gastbericht von Ruedi Kümin

15. Juli – 14. September 2016

Lima > Ayacucho > Cusco > Machu Picchu > Rainbow Mountain > Puna > Colca Canyon > Arequipa > Lima

Unsere Reise durch den Süden von Peru verdanken wir unseren Freunden Iris und Stefan Zehnder. Seit zwei Jahren sind sie unterwegs in Südamerika mit ihrer Randulina (Schwalbe). Sie haben uns eingeladen, sie in einem gemieteten Allradcamper eine Zeitlang zu begleiten, und nach einiger Bedenkzeit haben Brigitte und ich uns auf das Abenteuer, den Spuren der Inkas zu folgen, eingelassen.

Am Abend des 15. Juli landeten wir in Lima und wurden dort von unseren sprachgewandten Profireisefreunden herzlich empfangen. Auf der 50 km langen Taxifahrt zum Hotel in Miraflores machten wir zum 1. Mal Bekanntschaft mit der Fahrweise der Peruaner. Wer die stärksten Nerven hat, hat Vortritt, ob bei Fussgängern, am Rotlicht oder an der Kreuzung. Ja, Prost habe ich gedacht, das kann ja heiter werden. Und es wurde heiter, weil ich fahrtechnisch sehr schnell zu einem Einheimischen geworden bin.

Nach 2 Tagen Aufenthalt in der 10 Millionen Metropole, deren Kolonialrestbestände in der Altstadt zum UNESCO Kulturerbe zählen, übernahmen wir unseren Camper in San Bartolo. Auf der Panamericana fuhren wir gen Süden nach Chincha Alta zum Grosseinkauf. Unser Camper war eher dürftig ausgestattet. Gut ausgerüstet mit Lebensmitteln, Wasser und den Hausratsergänzungen begann unsere Reise abseits der Hauptverkehrswege Richtung Ayacucho.

Die 1. Nacht verbrachten zum Akklimatisieren auf „nur“ 2000m über Meer. Schon am nächsten Tag fuhren wir in Höhen weit über 4000 Meter Höhe. Mit Schrecken stellten wir fest, dass unser Tank schon zu 2/3 leer war. Iris, das sprachgewandte Organisationstalent, beschaffte uns in einem kleinen Laden bei einer Indiofrau 30 lt Diesel.

Obwohl wir uns auf kalte Nächte eingestellt hatten, wurden sie zu einer echten Herausforderung für uns, ganz besonders für Brigitte. Minus 10 Grad, alles war jeweils am Morgen eingefroren. Nach fünf bitterkalten Nächten auf dem Altiplano kam uns Ayaccucho auf 2761 m fast vor wie das Tessin bei uns. Ein besonderes Erlebnis in dieser sehr schönen Kolonialstadt war der Besuch des riesigen Hallenmarktes. Für uns Westeuropäer ist es kaum zu fassen, was da alles verkauft wird. Und auch wie es verkauft wird, machte mir Eindruck. Scheinbar ohne jegliches Konkurrenzdenken.

In drei Tagesetappen fuhren wir weiter nach Cusco. Die fantastische, karge Landschaft mit unzähligen tiefblauen Seen, die abenteuerlichen Strassen mit Ausblick auf schneebedeckte 6000er Berge, die angenehmen Tagestemperaturen und die Gewissheit, dass uns Stefan jeden Abend an einen schönen Ruheplatz lotste, entschädigten uns reichlich für die Nächte, die auch unter der warmen Decke, die wir in Ayacucho gekauft hatten, kalt blieben. In der Mitte unserer Reise erreichten wir den Nabel der (Inka)Welt: Quosco, heute Cusco. Von hier aus regierten die Inkafürsten das zu seiner Blütezeit über 1 Million Quadratkilometer grosse „Reich der vier Regionen“. Unser Campingplatz befand sich in unmittelbarer Nähe von Sacsyhuaman. Das ist neben Machu Picchu die imposanteste Kultstätte der Inkas. Das massive Bauwerk besteht aus drei übereinanderliegenden Zickzackmauern. Diese symbolisierten die drei Welten im Inkaglauben: Kay Pacha, die Welt der Menschen, Hunan Pacha, die Welt der Götter und Ukhu Pacha, die Unterwelt. Wenn man bedenkt, dass die Inkas weder das Rad noch andere Fortbewegungsmittel gekannt haben, ist es fast unvorstellbar, wie sie es fertiggebracht haben, zum Teil übermannshohe Quader auf diese Anhöhe zu schaffen. Der Steinbruch dafür befindet sich in 20 km Entfernung. Diese Quader wurden kunstvoll behauen, bis sie fugenlos aufeinander geschichtet werden konnten. Ohne Mörtel.

Das Angebot an Souvenirs in Cusco ist riesig. Laden an Laden, Strassenhändler zu Hunderten, Boutiquen fast wie bei uns an der Zürcher Bahnhofstrasse machen es einem schwer, sich zu entscheiden. Unsere Frauen haben diese Herausforderung bravourös gemeistert, und am Schluss waren alle glücklich mit der getroffenen Wahl.

Von Cusco aus reisen täglich Heerscharen von Touristen mit dem Zug durchs Urubambatal nach Machu Picchu. Wir fuhren in unseren Campern durch das fruchtbare grüne Valle Sagrado, das Heilige Tal. Eindrücklich war auch der Abstecher zu den Salinas von Maras. Diese Salinen sind seit der Inkazeit in Betrieb. Siewerden von einer salzhaltigen Quelle gespeist. Ollantaytambo, eine gut erhaltene Inkafestung, stimmte uns nochmals auf den Höhepunkt jeder Perureise, den Besuch der sagenhaften „Stadt in den Wolken“ Machu Picchu, ein. Unsere Allradcamper ermöglichten uns eine weitere abenteuerliche Fahrt bis Santa Teresa, Hydro-Electrica. Hier mussten auch wir unsere Fahrzeuge stehen lassen, und mit dem Zug weiterfahren. Aber der Zug hatte an diesem Tag eine Panne, und so stoffelten wir zwei Stunden lang den Bahngeleisen entlang an den Fuss unserer Erwartung. Nachdem wir auch das Prozedere des Billetkaufs erledigt hatten, wurden wir in halsbrecherischer Fahrt zu den Toren dieses Wunderwerkes gefahren. Während des ganzen Rundganges, ungeachtet der vielen anderen Besucher - und auch noch Tage danach - nahm mich das Mysterium dieses Ortes gefangen. Was hatte diese Menschen bewogen, an so einem abgelegen Ort, diese Stadt zu bauen? Auf der Rückfahrt nach Cusco haben wir eine peruanische Hochlanddelikatesse probiert: Meerschweinchen gegrillt! Ein bisschen gewöhnungsbedürftig war der Geschmack schon. Aber nicht unleid.

Nun gings weiter Richtung Titicacasee. Die über 5000m hohen Rainbows Mountains haben Stefan und Iris alleine bestiegen. Brigitte und ich kapitulierten vor der Höhe. Bevor wir umkehrten, erlebten wir noch etwas ganz Spezielles: die Schlachtung von fünf Lamas zu einem bevorstehenden Hochzeitsfest.

Auf dem Parkplatz von Sillustani am Lago Umayo trafen wir uns wieder mit den Bergsteigern. Hier wurden schon vor der Inkazeit Fürsten und grosse Persönlichkeiten in Grabtürmen bestattet. Diese Grabtürme, Chullpas genannt, sind zylindrisch gebaut in der bekannten Inkabauweise und bis zu 12 m hoch. Als Grabbeilage wurden den Fürsten neben Schmuck und Esswaren oft auch lebende DienerInnen mitgegeben. Sehr beindruckend, in jeder Beziehung.

Auch wenn der Titicacasee in allen Peru Reiseführen gepriesen wird, hat er mich nicht besonders beeindruckt.

Die Fahrt nach Arequipa hingegen war für mich ein Supererlebnis. Schotter und Sandpisten, Pässe bis auf 4900 Meter abseits jegliche Zivilisation. Zuerst auf den Abra Patamna oder Mirador de los Andes Cordillera Vulcanica en los Andes Centrales, mit einer fantastischen Weitsicht zu 5 aktiven Vulkan die über 6000 Meter hoch sind. Weiter durch den Cañón del Colca zum Mirador Cruz del Condor. Schon bei der Ankunft am Abend haben wir vereinzelten Condoren auf dem Heimweg zugeschaut. Das Colca Tal ist eines der tiefsten Täler weltweit und da unten haben die Kondore ihre Nacht- und Brutstätten. Es war ein einmaliges Schauspiel wie sich die Kondore, nur mit Hilfe der Thermik, in die Lüfte schwangen und ohne einen Flügelschlag, Meter um Meter in die Höhe treiben liessen. Beeindruckend wie sich die grössten flugfähigen Vögel Amerikas wieder absetzten wenn der Auftrieb zu schwach war um dann wieder neuen Anlauf zu nehmen. Morgens um 8 Uhr fängt das Schauspiel an und um 11 Uhr ist alles vorbei und die riesigen Vögel, um Aas zu suchen in alle Himmelsrichtung, verschwunden.

Arequipa, die Perle des Südens, gilt als eine der schönsten Städte Perus. Das angenehme Klima auf 2350 Meter haben wir nach den vielen kalten Nächten genossen. Die weisse Stadt, wie Arequipa auch genannt wird, ist von den Spaniern in weissem Tuffstein erbaut worden. Arequipa hat es mir als Stadt angetan. Ich bin beeindruckt wie sich die Stadt erhalten hat mit den Palästen, mit der Stadt in der Stadt, das früher einmal ein Frauenkloster mit 300 Nonnen war, mit der Kathedrale, den unzähligen Kirchen und den verwinkelten Gassen und Gässchen.

Die Zeit wird langsam eng und wir müssen leider weiter. Es liegen noch 1000 Kilometer bis Lima vor uns und es ist schon der 11. August. Wir fahren auf der Hauptstrasse nach Lima. Lastwagen um Lastwagen kreuzen uns, oder wir überholen, da die schweren Brummer aufwärts nicht mehr als kriechen. Der Verkehr ist, im Vergleich zu dem was wir bis jetzt erlebt haben, enorm. Brigitte und ich sind jetzt zum zweiten Male am Pazifik, das erste Mal bei der Ankunft in Lima und jetzt wieder auf dem Rückweg nach Lima. Zum Baden ist der Pacific zu dieser Jahreszeit leider zu kalt. Auf der Panamericana geht’s zügig bis Nazca. Trotz der Einsamkeit dieser Landschaft, in der es so gut wie nie regnet, ist die Landschaft faszinierend. Erich von Däniken hat diesen Ort, mit seiner pseudowissenschaftlichen Forschung zur Prä-Astronautik, weltberühmt gemacht. Die bekannten Scharrbilder, Linien und Zeichnungen, bedecken eine Fläche von 350 km2. Unser Lagerplatz ist für heute einmal mitten in der Wüste. Es ist ein sehr intensives Erlebnis den Sonnenuntergang, und später den mit Millionen von Sternen bedeckten Nachthimmel, zu erleben.

Ja jetzt heisst es noch bis San Bartolo zu fahren und unser, nicht allzu komfortables Auto, nach 27 Tagen und 4000 Kilometer durch den Süden von Peru, abzugeben.

Liebe Iris, Lieber Stefan
Ohne eure Einladung, und ohne eure Reiseerfahrung hätten wir diese Reise nie machen können. Einen Monat mit euch unterwegs sein heisst intensive Reiseerfahrungen sammeln. Es gäbe noch viel zu erzählen, Besuch des Weingutes mit Degustation, die gemütlichen Abende bei feinem Essen und bestem Wein, auch unsere Eile mit Weile Spiele, die Flasche Whiskey, die Urs für euch mitgeben hat, die wir in dieser Zeit „bodigen“ konnten. Nicht vergessen deine liebevoll zubereiteten Aperitives mit allem was dazu gehört. Eure Navigationskünste ob in der Stadt oder wo auch immer haben wir bewundert. Einen Dank an dich Iris für deine Geduld beim Übersetzen von Speisekarten oder bei sonstigen Komplikationen wenn wir mit unserem Deutsch nicht mehr weiter kamen. Iris und Stefan, herzlichen Dank für die schöne Zeit.
Brigitte und Ruedi Kümin


48 – Nordperu

15. August – 18. September 2016

Lima > Laguna Junín > La Unión > P.N. Huascarán > Hatun Matchay > Chavín > Laguna Purhuay > Laguna Huachacocha > Punto Olímpico > Caraz (Laguna 69 / Laguna Parón) > Cañon del Pato > Cañon Tablachaca > Trujillo (Huaca de la Luna / Chan Chan / Sipán) > Cajamarca > Leymebamba > Kuelap > Karajia > Goctas Wasserfälle > Bagua Grande > Jaen > Namballe

Peru ist ein Land der Gegensätze – Pazifikküste-eisgepanzerte 6000er Traumberge – wüstenhafte Pazifikküste-fruchtbare Hochtäler auf 4000müM – moderne Städte – Vorinkakulturen, Businessanzüge-tradionellen Trachten – BMW’s-Eselgespanne-Mototaxis, das könnt ihr alles auf unseren Bildern sehen. In diesem Bericht möchte ich euch aber teilhaben lassen an all unseren aufregenden, anregenden, weltverbessernden, philosophischen Diskussionen während unserer langen Fahrten.

Jöö, so herzig, häsch gseh? Meist bezieht sich dieser Ausruf auf Kinder, die ihre Schweinchen auf die Weide treiben oder mit ihren Schuluniformen heimwärts spazieren.

Was diä eis schläcked, glaub scho gsehnd die Zäh so us. Vor jeder Schule und ist so noch so klein, stehen kleine Verkaufswägeli mit Schleckzeug, wir sehen kaum ein Kind ohne Schleckzeug auf dem Heimweg. Eiscrème ist der absolute Brüller, egal wie kalt es ist, irgendwer verkauft immer Glacé und Kundschaft gibt es dafür mehr als genug.

Lueg, diä sind uf em Sunntigsspaziergang! Familien spazieren mit der gesamten Viehabe durch die Strassen, dabei halten die Kühe den Verkehr auf, der Esel trägt das Lastgepäck und knabbert Gras am Strassenbord, die Mutter trägt das kleinste Kind im Tragetuch und schwingt die Spindel mit der Lama- oder Schafwolle oder strickt, der Vater schwatzt mit dem Nachbarn und der Hund springt bellend hinter unserm Auto her derweil die Kinder uns bestaunen und winken.

Halt aa!! Wärum, was isch? Da gibt es schöne Fotomotive, lenken und schauen ist oftmals schwierig, also fällt mir die Aufgabe zu, manchmal ist der Platz um anzuhalten beschränkt, oder es sind grosse Manöver nötig.

Wärum hebsch di am Griff? Ja, weil die tiefsten Abgründe immer auf meiner Seite sind!

Pass uf, en Drempel! Drempel ist das holländische Wort für Schwelle, wir haben es uns in Surinam angeeignet. Die Strassen sind überall gespickt mit diesen ekligen Dingern, 99 sieht man und den hundersten nicht, das geht in den Rücken und im wahrsten Sinn des Wortes an die Eier, deren Inhalt sich aus den Schalen pult und uns zum Reinemachen zwingt.

Wettsch echli Wasser? Wir trinken während dem Fahren gegen 2l Wasser, nicht nur um einen kühlen Kopf zu bewahren sondern damit der Höhenkoller nicht eintritt (wichtig auf über 3000müM).

Wäh, da stinkt’s, mach d‘ Fänschter zue! Vielerorts wird der Abfall am Strassenrand verbrannt, nicht unbedingt das, was man als Wohlgeruch definieren würde; andernorts wird Kulturland gebraucht, also wird munter Wald abgefackelt; auch von abgeernteten Feldern steigen Rauchfahnen auf.

Also ich begriif nöd, wiä me so cha wohne?! Wohnhäuser werden meist mit traditionellen Lehmziegeln aufgemauert, ein gutes einheimisches Produkt, das schon in der Präinkazeit verwendet wurde – aber: es gibt ein Gesetz demzufolge ein Haus weniger besteuert wird, solange es nicht fertig ist, die Armierungseisen schauen aus dem oberen Stock, die Häuser sind nicht verputzt, vor allem in den Vorstädten sieht das alles ziemlich trist und erbärmlich aus. Modern sind verspiegelte Fenster, was dem ganzen einen eigenartigen Charakter gibt. Auf dem Land sind die Häuser hübscher, gepflegter, aber oft herrscht auch hier eine furchtbare Ordnung um’s Gehütt.

Wettsch en Kafi? Ja gärn, haltisch bim nächschte hübsche Cafi a, gäll. Wir lachen beide, es gibt keine nächste hübsche Cafeteria, allenfalls in einem Dorf an der Plaza de Armas eine Verkäuferin von Zuckerrohrsirup, ein Restaurant mit einem vollen Mittagsmenu bis um 15h, einen Markt mit öffentlichen Toiletten; so stoppen wir oft an einer Ausbuchtung am Strassenrand, an einem Stausee… und brauen unseren Kaffee selber mit unserem italienischen MokkaExpress. Falls es doch einmal einen Kaffee in einem Restauräntli gibt, bekommen wir eine Tasse heisses Wasser und ein Känntchen starkes Kaffeekonzentrat und Kondensmilch. Das Kaffeekonzentrat schüttet man in die Tasse und streckt mit Belieben mit Kondensmilch.

Was wettisch zum Znacht? Was chasch mache? Ja also mmh… Spaghetti Carbonara, Spaghetti napoli, Spaghetti mit Pesto, Risotto, Quinoa. Häsch kei Linse? Spinnst du, auf 4200m kann ich keine Linsen kochen, das dauert 3-4h, die muss ich zuerst einweichen. Nach Möglichkeit haben wir immer Frischgemüse und Obst im Haus und ich bin sehr darauf bedacht, Abwechslung auf den Teller zu bringen, nur hängt das oft auch von der Höhe ab. Das Wasser siedet bereits bei 85 Grad, es dauert aber umso länger, bis etwas weich ist. Rösti, auch aus Camote (Süsskartoffeln) mit Käse überbacken das geht schnell und die Camote sind nicht wirklich süss!

Was häsch dänn do kauft? Neben Zitrusfrüchten, die auch hier in Unmengen reifen, kaufen wir Bananen in allen Varianten bei den Verkäuferinnen am Strassenrand. Ab und zu gibt es Lúcuma, Chirimoyas oder Guiaba. Letzteres sind lange grüne Schoten, die man aufbricht. Darin verbirgt sich ein etwas schwammiges Fruchtfleisch, das süss und saftig schmeckt und mit vielen grossen Kernen durchsetzt ist. Bei den Lúcumas sitzen zwei kastanienartige Kerne im braunen, an Marroni erinnernden Fruchtfleisch und die Chirimoyas sind etwas glitschig und erinnern an überreife Birnen. Jetzt grad duftet eine riesige süsse Ananas im Auto vor sich hin. Die Avocados sind vom Feinsten, nie hatten wir eine ungeniessbare wie daheim, es gibt auch da unzählige Sorten, von denen uns die Palta Hassa, die mit der schrumpligen Schale am besten schmeckt.

Söllemer Fleisch poschte? Nein, danke, auf dem Markt geht das gar nicht, da hängt alles meist ohne Kühlung. Fleisch kaufen wir im Supermercado, schön abgepackt…

Da ischer, jeh, so schön, das mir etz das dörfed erläbe! Dabei handelt es sich meist um irgendwelche schönen Naturerlebnisse, tiefblaue Lagunen, Berge ohne Wolkenhauben, Gletscher an die man wandern kann, oder auch Tiere, Vögel. Am meisten beeindruckt hat uns grad die Wundersylphe, eine Kolibriart mit einem ganz speziellen Schwanz. Diese Art ist extrem selten und galt als ausgestorben. Wir haben ihn gesehen, doch die Kerlchen sind winzig und nervös und nur schwierig zu fotografieren.

Hey, da une isch es Auto mit eme Schwiizerchrüüz parkiert! Reisende aus der Schweiz sind meist mit einem eher kleinen Schweizerkreuz dekoriert, in Südamerika wird das Schweizerkreuz mit dem Roten Kreuz verwechselt und nicht alle mit Schweizerkreuzen sind auch Schweizer… in den meisten Fällen handelt es sich um Ambulanzfahrzeuge. Aber Schweizer kennen das Schweizerkreuz und treffen sich auf den abgelegensten Campings, so wie wir Anita und Roger auf Kuelap trafen und die wie wir mit einem SZ Nummernschild unterwegs sind (Hey, wir sind schon 4 aus dem Kanton SZ hier, ist noch jemand daheim?) (www.nichtswieweg.ch / www.ch-on-tour.ch / www.viaje.ch).

Los emal, ghörsch das au? Im Hochland ist es abends und nachts totenstill, hier im Einzugsgebiet des Amazonas geht mit der Dämmerung ein Surren und Klirren los. Es sind grosse und kleine Grillen oder Zikaden, die ihren „Gesang“ lautstark vollführen, dazu kommt ein eigenartiges Klirren von Fröschen, das in keiner Art und Weise an ein Gequake mahnt, zusammen mit dem aufgehenden Sternenhimmel ist es eine grandiose Inszenierung der Natur.

Iris, wach uf-öpper rüttlet a üsem Auto. Ich spüre nichts, es wird wohl der Wind sein, nein es ist windstill, Stefan du hast geträumt, schlaf weiter. Anderntags erfahren wir, dass ein Erdbeben unser Auto gegen den Morgen gerüttelt hat – nix passiert.

Stefan, wach uf!! Was isch das näbed eus? Das ist ein Lastwagen; der steht aber schon lange neben uns und es ist ein Uhr nachts. Wir stehen so abgelegen, ja was macht der Laster da? Nichts, vielleicht das Holz aufladen, das tagsüber geholzt wurde, vielleicht stehen wir aber auch in seiner „Schlafnische“. Er fährt weiter und wir schlafen ebenfalls weiter.

Ui, häd dä e langi Leitig! Meist an der Grenze, wir wollen doch nur einen Ausreisestempel. Nein, der Grenzer will Kopien von allem; wir wollen aber ausreisen!! Er stempelt uns einen Einreisestempel… ja Sachen gibt’s. Wir sind geduldig und freundlich, er macht auch nur seinen Job. Einmal darf ich sogar an die Schreibmaschine und unsere Einreiseformalitäten ausfüllen.

Wau, häm miers schöön! Das ist unser Spruch, hochphilosophisch, er beinhaltet ALLES! Wenn wir abends bei unserem Apéro sitzen und an euch denken!

Das chunnt eu Spanisch vor? So geht es uns auch, nicht immer verstehen wir den hiesigen Dialekt, vor allem sind ältere, zahnlose Damen und Herren schwer zu verstehen, aber alle sind immer freundlich und herzlich.


49 – Ecuador – Galapagos

02. Oktober – 16. Oktober 2016

Route A

Isla Baltra > Isla Seymour Norte > Isla Sombrero Chino > Isla Bartolomé > Isla Genovesa (Bahia Darwin / Phillip’s Steps) > Isla Santiago (Puerto Egas) > Isla Rábida > Isla Santa Cruz (Puerto Ayora / Highland) > Isla Española (Punta Suarez / Bahia Gardner) > Isla Santa Fé > Isla Plaza Sur > Isla Santa Cruz (Caleta Tortuga Negra) > Isla Baltra

Route B

Isla Baltra > Isla Santa Cruz (Las Bachas) > Isla Mosquera > Isla Santa Cruz (Cerro Dragon) > Isla Isabela (Tagus Cove) > Isla Fernandina (Punta Espinosa) > Isla Isabela (Bahia Urbina / Bahia Elisabeth / Punta Morena / Puerto Villamil / Volcan Sierra Negra) > Isla Floreana (Punta Cormorant / Corona del Diablo / Post Office Bay) > Isla Santa Cruz (Puerto Ayora) > Isla Daphne Mayor > Isla Baltra

Ecuador ohne Galapagos ist wie eine Reise durch die Schweiz ohne das Matterhorn gesehen zu haben. Wir gehören zu den Glücklichen, die beides gesehen und vor allem erleben dürfen.

Unsere Randulina steht in der Nähe des Flughafens Quito auf einem bewachten Parkplatz was uns ermöglicht, sorglos eine Woche wegzufliegen und unsere Auszeit zu geniessen. Morgens um 5.15 Uhr stehen wir voller Vorfreude auf dem Flughafen und werden von Toni von Cometa Travel mit den nötigen Unterlagen versorgt. Wir kommen uns vor wie VIP’s, er hilft beim Check-In ..… sehr ungewohnt für uns, dass uns jemand das Organisieren abnimmt. Nach der Zwischenlandung in Guayaquil fliegen wir nach Baltra, dem ehemals amerikanischen Luftwaffenstützpunkt im zweiten Weltkrieg. Wegen späterem Nichtgebraucht wurde der Flugplatz grosszügigerweise Ecuador „geschenkt“. Ein Glück, weil keine Bodenschätze in und um Galapagos vorhanden sind. Dafür gibt es andere Schätze, die wir hier an Bord der Angelito entdecken. Nicht nur die einmalige Tierwelt, die uns andächtig werden lässt, sondern auch die einzigartige Landschaft. Der Inselarchipel im Pazifik, 1000km von Ecuadors Küste entfernt, bietet praktisch alles: aktive und inaktive Vulkane, Sandstrände in allen Farben, Wälder, Lagunen, Agrarland, Dörfer mit touristischer Infrastruktur, wilde Geschichten und Legenden und natürlich Tiere, die andernorts ausgestorben sind oder noch im Zoo vorkommen und einfach ohne Scheu in ihrem natürlichen Habitat leben und uns daran teilhaben lassen. Zu einem Galapagosbesuch gehört auch das Schnorcheln und obwohl das Wasser kalt ist, geht die Zeit unter Wasser vorbei wie im Flug, unter uns schwimmen Weissspitzenhaie, neben uns knabbern Schildkröten Algen ab, ein Seelöwe beschnuppert uns, farbige Seesterne kleben an den Felsen, Regenbogenfische schweben wie Schmetterlinge durchs Wasser und Stachelrochen vergraben sich im Sand. Mit dem Zodiac, dem Panga, dem Beiboot entdecken wir das Leben in den Mangrovenwäldern. Langweilig wird es nie.

Die gebuchten 8 Tage sind zu schnell vorbei. Unser Schiff wird am Samstag mit Lebensmitteln für die neuankommenden Gäste versorgt. Auf Stefan’s Frage, wieviele Gäste denn am Sonntag kommen werden, meint der Koch, nur 11. Wir schauen uns an und rechnen nach?! Die Angelito ist ein 16 Personen Schiff, d.h. es gibt 8 Kabinen, bei 11 Personen müsste also sicher noch 1 Kabine frei sein, so viele Einzelreisende wird es ja wohl nicht geben. Wir schauen uns nochmals an und ich renne schnell zu Omar, dem Barmann. Er vermittelt mir ein Telefongespräch mit Maja auf dem Festland, die das Boot vermietet. Fünf Minuten später steht fest, dass wir nochmals eine Woche bleiben können. Eine völlig andere Tour erwartet uns. Vielen Dank Maja, dass du uns dieses Erlebnis ermöglicht hast! Vielen Dank an die Crew, die uns so verwöhnt hat!

Galapagos ist definitiv eine Reise wert und wird uns in ewiger Erinnerung bleiben. Jetzt lassen wir Bilder sprechen, denn viele Worte sind eigentlich fehl am Platz.

Dank an Yves/Sabrina und Gian/Irene für die Unterwasser Aufnahmen.


50 – Ecuador - Amazonía

02. November – 06. November 2016

PN Cuyabeno, Tapir Lodge

Mückenstiche – Hitze – Feuchte – Wanderungen über den Äquator – Regengüsse und Kanutouren. Wer mehr von unserem Amazonasabenteuer wissen möchte, kann sich unsere Fotos ansehen und erfährt im Text noch etwas mehr dazu.

Amazonía – Landschaft der Superlative. Über 10% aller Spezien auf Erden sind hier zu finden, schätzungsweise 7 Millionen Menschen leben hier, etwa 100 verschiedene Ethnien sind in einen Gebiet heimisch welches von Flüssen, Wäldern, Auen durchzogen ist. Wo Erdölfirmen und Holzfäller negativ auf sich aufmerksam machen sowie legale und illegale Goldwäscher am Werk sind und jede zweite Sekunde ein Baum fällt, ein Gebiet von dem in 150 Jahren nichts mehr sein wird wie es heute ist, wenn so weitergewirtschaftet wird – genau dieses Amazonía, das uns schon in Brasilien, Guyana, Suriname und Französisch Guyana in seinen Bann zog, genau hierhin wollen wir nochmals.

In Ecuador ist der Zugang zum Amazonasgebiet relativ einfach, einfacher als in Peru oder Bolivien.

Einer Ölpipeline wegen führt eine asphaltierte Strasse direkt in die grüne Hölle hinein. Von dieser Hölle ist allerdings bis Lago Agrio nicht viel zu spüren.

Vom erstaunlich sauberen Städtchen Lago Agrio führt ein 2-stündiger Bus- und ein anschliessend gleich langer Bootstransfer zu unserer Lodge. Diese gehört einem Deutschen, dessen Vater nach Ecuador auswanderte, Grund und Boden sind allerdings im Besitz einer indigenen Familie aus der Gruppe der Siona, die hier im Cuyabeno Gebiet ansässig sind. Das ist Teil einer ökologischen Form des Tourismus, was nicht heisst, dass man nur Solarstrom und Abfalltrennung betreibt, sondern das ganze Gebiet und die dazugehörigen Ethnien einbezieht. So kauft unser Guide auf dem Weg Früchte und Gemüse ein, um die relativ arme Bevölkerung in den Tourismus miteinzubeziehen. Wenn Touristen also einen Besuch in einem traditionellen Dorf machen und die traditionelle Jagd mit dem Blasrohr, die Herstellung von Yucca-Brot oder die Vorführung eines Rituals mit einem Schamanen erklärt bekommen, ist das ein Dorf, das mit einem Bein in der westlichen Zivilisation lebt und mit dem anderen Bein seiner eigenen Tradition verpflichtet ist, aber keineswegs Baströcklein trägt. Jeans und T-Shirt haben auch hier Einzug gehalten. Wir bekommen als Touristen einen Einblick in die Traditionen und gleichzeitig werden Ethnien geschützt, die sich nicht für den Tourismus öffnen wollen und in ihrem Stammesgebiet traditionell weiterleben möchten.

Amazonas, die grüne Hölle, von Bäumen hängende Boas, Flüsse bevölkert von Riesenanakondas, Piranias und Kaimanen, blutrünstige Moskitos, die uns Malaria anhängen wollen, nachts ein Gekrabbel im Bett, feucht-heisses Klima, nirgends ein Durchkommen. Kann wohl stimmen, wir haben es ganz anders erlebt. Wir gehen mit zerstochenen Beinen in den Amazonas und kommen ohne einen einzigen neuen Stich zurück. Wie viele Flüsse in Amazonía ist auch der Rio Cuyabeno ein Schwarzwasserfluss, das heisst, sein Wasser ist sauer, Moskitolarven sterben ab, ausserdem geben Bäume weiteres Tanin ab welches eine Ausbreitung von Malaria praktisch verhindert. Einzig der Aufenthalt in trockenen Gebieten kann problematisch werden, hier schützen wir uns mit einem normalen im Supermercado erhältlichen Moskitomittel. Allerdings auch gut geschützt mit langen Hosen, Gummistiefeln und einem Regenponcho, denn am dritten Tag unseres Trips, als wir wie der Abenteurer Mike Horn mit dem Kanu auf dem Cuyabeno Fluss paddeln und eine Nachtwanderung durch den Dschungel unternehmen, giesst es aus vollem Rohr. Es ist nicht nur ein bisschen Regen das da runterfällt, nein der ganze Himmel scheint sich zu öffnen und prasselt auf uns nieder. Die Stiefel stecken im Matsch fest, gut hab ich kein Übergewicht, wie die Amerikanerinnen in unserer Gruppe, mich trägt der Morast während er bei den anderen ob hinein- und unten eben nicht wieder hinausläuft. Hier ein Fröschlein, da eine Spinne in ihrem schönen Netz. Und jetzt überqueren wir den Äquator, mitten im Dschungel steht ein Monument – also doch nicht so richtig Dschungel. Ohne Taschenlampe fühlen wir uns wie Jonas im Bauch des Wals – die Geräuschepalette ist gewaltig. Regengeprassel, Froschgequake, Zirpen und Surren der Grillen, Vogelgekreische – ein richtiger Lärm. Jeder lauter als der andere. Bei einer Riesenpfütze müssen wir umkehren, das Wasser würde uns bis zur Brust reichen, da hat niemand mehr Lust durchzuwaten, wir sind eben doch keine Mike Horns.

Unglaublich schön sind die Lagunen mit den versunkenen Bäumen, als wir am ersten Abend zum Abendrot hintuckern stehen sie majestätisch im Wasser, eine kleine weisse Schlange – eine Baum Boa – schaut auf uns herunter, nach zwei Regentagen gucken nur noch die Kronen aus dem Wasser. Unglaublich dieser Wasserstand, zwei Regentage reichen, um ihn um 1-1.5m ansteigen zu lassen, regnet es weniger bis gar nicht, trocknet die riesige Lagune sogar völlig aus.

Ein Ausflug führt uns mit unserem Paddelboot in die Laguna Canangueno, Motorboote sind hier nicht erlaubt. Ein Reiher gleitet über uns hinweg, zwei blaugelbe Aras flattern kreischend davon, in den Bäumen turnen Totenkopfäffchen mit Riesensprüngen von Ast zu Ast, ein Specht hämmert an einem toten Baum herum, Tukane hüpfen von Ast zu Ast und immer wieder schweben kleine und grosse Schmetterlinge in schillernden Farben über den Fluss. Bäume voller Bromelien und Philodendren, Moose, Bärte, Lianen und hätte unser Führer keine Machete mit dabei, könnten wir unseren anschliessenden Spaziergang durch den Wald nicht machen. Schnell knüpft er einige Lianen zusammen, markiert hier und da einen Baum, wir wollen ja den Rückweg wieder finden. Hier gibt es nämlich keinen Weg. An einem Baum bauen winzige Ameisen ein Riesennest, hält man die Hand in die Ameisen hinein und verreibt die, welche einem sofort über die Hand krabbeln, gibt es einen Duft, der als natürliches Antimoskitomittel funktioniert, bei anderen Ameisenarten müssen wir die Larven zerdrücken um den gleichen Effekt zu haben. Da ein Chinarindenbaum, ebenfalls ein Antimalariamittel wenn man aus der Rinde einen Tee kocht. Die Früchte einer bestimmten Palme kann man ausgekocht als Shampoo verwenden, die grossen zapfenartigen Nüsse der Moretto Palme ist des Tapirs Lieblingsfrucht. Die Rinde eines anderen Baumes ist gegen Menstruationsschmerzen, der ganze Wald eine einzige Apotheke. Wir erfahren, aus welchen Fasern Hängematten geknüpft werden oder Reusen um Fische zu fangen, der Wald ein Bau- und HobbyCenter.

Es sind nicht die grossen Tiere, die die Faszination Amazonías ausmachen, es ist das Zusammenspiel von klein und gross, es ist die stufenartige Vegetation, lichthungrige Bäume mit riesigen Brettwurzeln, Farne und Bromelien als alles überwuchernde Aufsitzerpflanzen und Heim für kleinste Frösche und Eidechsen. Moose und Pilze in der unteren dunklen Etage, Orchideen direkt am Flussufer. Während wir am Staunen sind läuft unser Kanu auf einen umgestürzten Baumstamm auf, aussteigen, Gewicht verlagern, wir meistern die Situation, jemand fällt ins Wasser, nein die Anakonda hat Veronika nicht gefressen, auch keine Piranias haben sie zerfleischt, einzig den Rücken hat sie sich am Kanu aufgeschürft. Müde schlafen wir am Abend ein. Morgens um fünf Uhr in der Dämmerung wirkt der natürliche Wecker des Dschungels – Vogelgekreische, Grillengezirpe und Insektengesurr. Schnell verfliegen die Tage in der Lodge. Der Koch präsentiert uns als Abschiedsgeschenk einen schwarzen Skorpion, gut haben wir Stiefel und Kleider vor dem Anziehen immer gut ausgeschüttelt und die Hängematte auf allfällige Mitbewohner kontrolliert. Wäre ja schade gewesen, wenn sich Stefan auf den kleinen Frosch gesetzt hätte. Die fünf Tage sind zu schnell vorbei, ein letztes Abenteuer wartet auf uns, wegen der heftigen Regenfälle liegen zwei umgestürzte Bäume quer über den Fluss. Die Amerikanerinnen wollen schnellstmöglich zurück in die Zivilisation, uns wäre es egal wenn wir umkehren müssten , denn die Frage ist: waren wir in unserer Lodge (ausgestattet mit Dusche, WC, Strom und verwöhnt mit feinstem Essen) wirklich abseits der Zivilisation nur weil wir einige Male durch den Matsch gewatet sind und am Ende alles etwas feucht und dreckig ist. Wir meinen, da bräuchte es doch noch etwas mehr, etwas mehr Abenteuer à la Mike Horn.

Der Bootsführer findet schliesslich einen Weg durch die im Wasser liegenden Baumkronen und der Guide steht mit einer Machete vorne im Kanu. So erreichen die Amerikanerinnen ihren Flug noch rechtzeitig und auch für uns endet der kurze Ausflug im Cuyabeno Reservat.


51 – Ecuador

16. September – 06. November 2016

Vilcabamba > Cuenca > P.N. Cajas > Sucúa > P.N. Sangay > Quilotoa > P.N. Cotopaxi > Quito > Galapagos > Mitad del Mundo > Mindo > Pedernales > Esmeraldas > Las Peñas > Ibarra > Termas Papallacta > Lago Agrio > Amazonas, PN Cuyabeno

Von nebulösen Vulkanen, wie wir auf den legendären Paja Toquila kommen, vom Mittelpunkt der Erde der gar nicht der Mittelpunkt ist und einer Reise mit dem Möchte-Gern-Orient-Express in den Regenwald.

Die Wetterfee ist uns in Ecuador nicht so wohlgesinnt, immer wieder lässt sie es regnen, was sich in tieferen Lagen in üppigem Grün und feuchter Wärme, in höheren Lagen in üppig grünen kühlen Regenwäldern oder in andinen Höhen in feuchtkalter Páramovegetation widerspiegelt. Die Vulkane sind mit Schnee und Eisschildern bedeckt und von ständigen Nebelschwaden umgeben. Steter Tenuewechsel ist angesagt. Das ärmellose Top, die kurze Hose und die FlipFlops werden immer wieder durch Faserpelzjacke lange Hose und Wanderschuhen ausgetauscht. Wir passen uns an! Im Podocarpus Nationalpark regnet es so stark, dass wir das gute Internet nutzen und unsere Website aufarbeiten, die geplanten Wanderungen fallen buchstäblich ins Wasser.

Dafür ist es im Cuenca sonnig und warm und wir geniessen die schöne Stadt flanierend. Wir haben uns fast ein wenig in sie verliebt. Schöne Cafés, wunderbare Restaurants und dann die Museen, wirklich toll. Was uns aber in Cuenca auch in den Bann gezogen hat, ist der Paja Toquila. Was das ist, wollt ihr wissen? Für einmal kein Berg und kein Vulkan – ganz einfach der legendäre Panamahut. Der wird nämlich seit ewig in Montecristi an der Küste Manabís und in Cuenca geflochten. Panama hat mit diesem Hut eigentlich nichts am Hut, ausser dass er von den Bauarbeitern des Panamakanals als Sonnenschutz getragen wurde und so zu seinem Namen kam. Die ganze Geschichte dazu könnt ihr auf wikipedia nachlesen. Selbstverständlich haben wir eine Fabrikation besucht, keinen Superfino gekauft aber doch zwei Finos. Wenn ich den Hut trage, fühle ich mich grad wie Julia Roberts in „Pretty Woman“, nicht so schön aber doch etwas mondän, ihr Hut stammte vom gleichen Hersteller und was Stefans Haupt ziert, war auch für Brad Pitt gut genug. Humphrey Bogart, Sean Connery und viele amerikanische Präsidenten verhalfen dem Hut zu seinem Status.

Die Hüte werden bald wieder gegen warme Kappen getauscht denn im Nationalpark Cajas ist es kalt. Wir wandern den ganzen Nachmittag in einer Höhe von 4000müM während es nieselt und Nebelschwaden über die Lagunen und die eigenartig schöne Páramovegetation ziehen. Und weil heute unser 32. Hochzeitstags ist, kuscheln wir uns bei 4 Grad im fahrbaren Hüsli schön warm ein und geniessen eine Flasche Wein.

Unsere Körper werden strapaziert, anderntags geht’s hinunter ins Amazonasgebiet, auch hier regnet es Bindfäden und die Strassen werden von Hangrutschen stark in Mittleidenschaft gezogen. Wir haben Glück, alles ist freigeschaufelt und passierbar. Orchideen, Heliconien und Bananen lieben dieses feuchtheisse Klima und gedeihen prächtig.

Die Vulkane, die im P.N. Sangay zu sehen wären, verstecken sich hinter dicken Wolken. Schade. Es ist Sonntag und wir treffen im Touristenort Baños ein, Kurgäste, Mountainbiker, Adrenalinjunkies (angesagt ist Bungee Jumping und Riverrafting) und Aussteiger geben sich hier ein Stelldichein und wir mitten drin. Da auch hier das Wetter unbeständig ist, lassen wir das ganze Spektakel hinter uns und verziehen uns auf einen kleinen Camping mit Aussicht auf die Vulkane Tunguruha und Chimborazo. Die Vulkane verstecken sich auch diesmal und der gastfreundliche Wirt zündet uns ein Cheminéefeuer an. Durch eine landwirtschaftlich intensiv genutzte Gegend mit buntgescheckten Feldern voller Lupinen, Quinoa und Kartoffeln erreichen wir Quilotoa. Und hier scheint endlich die Sonne!

Das ermöglicht uns, anderntags die Wanderung um den Quilotoa Krater mit seiner grün glitzernden Lagune und der prächtigen Panoramasicht unter die Füsse zu nehmen. Hoffen wir, dass das Wetter hält, als nächstes besuchen wir den P.N. Cotopaxi. Die Wanderung hinauf auf den aktiven Vulkan ist geschlossen, aber bis zur Hütte auf 4870m ist sie möglich. Auch hier Aprilwetter – 10min. schön und warm – 20min. kühl und trüb, Jacke an, Jacke aus, die Wolken jagen sich und huch, für 2min. sehen wir den Cotopaxi.

Wir nehmen die Wanderung unter die Füsse, es ist mehr ein Spaziergang, wir sind gut akklimatisiert, im Refugio José Rivas trinken wir eine heisse Schoggi und fühlen uns wie in einer SAC-Hütte. Anschliessend wandern wir weiter auf 5000m hinauf, bis der Gletscher den Weg versperrt, diesmal haben wir etwas mehr Wetterglück. Wenn es nicht regnet und es was zu sehen gibt, stört auch die Kälte nicht. Aber trotzdem freuen wir uns auf Galápagos (siehe separater Bericht).

Zurück von unserer Inseltour besichtigen wir bei strahlendem Wetter Quito. Hut- und Sonnenschirmverkäufer wechseln sich mit Schreihälsen, die von Esswaren bis zum Schuhbändel alles im fahrbaren Karren verkaufen, ab. Jeden Montag findet der grosse Fahnenaufzug beim Regierungspalast statt, ein Spektakel der besonderern Art, die Musik spielt, die Pferde marschieren mit mittelalterlich gekleideten Reitern um den Platz und das Wichtigste: die Minister stehen stramm und regieren in dieser Zeit nicht.

Quito liegt in Äquatornähe und da wollen wir auch hin, wir haben den Äquator schon einige Male überschritten, mit und ohne Museum, aber dieses „Mitad del Mundo“ ist besonders spektakulär, es liegt wegen eines Rechnungsfehlers der französischen Vermessertruppe etwas neben der exakten Äquatorlinie. Uns stört’s nicht, mich amüsiert eher, dass ich auf der Sonne etwa 2000kg wiegen würde. Aber solange ich in die ewig gleichen Hosen passe, erschreckt mich das nicht wirklich und Stefan muss seine Hosen mit dem Gurt festzurren (gell Jürg!!). Mit weiteren Regenschauern fahren wir dem Küstennebelwald entgegen wo sich bunte Vögel ein Stelldichein geben. Kolibris saugen Zuckerwasser aus Futtertränken, Tukane, Spechte bunte Trogons und Jumbos geben sich ein Stelldichein. Delikate Schmetterlinge und Abends grosse Nachtfalter umschwirren uns.

Am Pazifik lassen wir für 3 Tage die Seele hängen, zuviele Eindrücke der letzten Zeit müssen aufgearbeitet werden bevor die Reise mit Jeannine und Oliver und Hans von der Finca Sommerwind weitergeht. Wir treffen die drei bei einer Mariscoplatte in Las Peñas und reisen gemeinsam mit einigen abenteuerlichen Unterbrechungen nach Ibarra. Wir finden auf einer Mangroventour uralte Scherben einer längst vergangenen Kultur und sehen einem Köhler zu, wie Holzkohle gemacht wird, die dann als Heizmaterial dient um die Cocada herzustellen. Cocada wird aus eingedicktem Zuckerrohrsaft, Kokosraspeln und Erdnussstücken gekocht und dann zu einer Art Pralinemasse verarbeitet. 9 Familien sind daran beteiligt und sichern sich ein Einkommen. In den Mangroven sind ausser uns Schmuggler zwischen Ecuador und Kolumbien unterwegs, das Gebiet ist schwierig zu kontrollieren. Anderntags besichtigen wir eine Cacao- und Palmölplantage, aber der Höhepunkt ist die Fahrt von Alto Tambo mit einem nicht ganz artgerechten Orientexpress in den Regenwald hinein. Von einer alten Zuglinie bestehen noch 20km, die ein Dorf ohne Strasse mit Alto Tambo verbindet, die Gleise sind sooo verbogen, die Brücken sooo morsch, der Schienentraktor sooo alt, die Weiche wird mit einigen Fusstritten gestellt, wären wir direkt aus dem perfekten Bahnland Schweiz gekommen, hätte uns diese Zugfahrt das Grausen gelehrt. Da wir aber nur 10km fahren, muss der Traktor auf der halben Strecke mittels eines Wagenhebers gedreht werden. Sache git’s! Wenn ihr daheim also von einer Stellwerkstörung der SBB betroffen seid, denkt an Südamerika, wo alles funktioniert, wenn auch etwas anders. Der anschliessende Spaziergang in Gummistiefeln durch den Matsch des Regenwaldes wird für uns mit einem erfrischenden Bad in einem Wasserfallbecken gekrönt.

In Papallacta, auf fast 4000m sind wir einige Tage später froh, ein Thermalwasserbad nehmen zu können. Doch schon einige Stunden danach, finden wir uns im Amazonasgebiet, wo wir uns über den Swimmingpool freuen. So schnell ändern sich hier am Äquator die klimatischen Bedingungen.

Meinen Geburtstag feiern wir wieder im Sommerkleidchen und einer Flasche Chlöpfmost zusammen mit unserer liebenswürdigen Gastgeberin Marie-Sol vom Hotel Kuri Allpa, wo wir unser Auto während unserer Amazonastour (siehe separater Bericht Ecuador Amazonas) sorgenfrei parkieren können.


52 – Kolumbien – wo Extreme sich treffen

07. November 2016 – 27. Januar 2017

La Hormiga > Mocoa > San Agustín > Manizales > Cartagena > Minca > Santuario Flora y Fauna Los Flamencos > Manaure > Cabo de la Vela > Bogotá > Cartagena

Wir sind aktuell 11‘000km von Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt entfernt. Dort waren wir ebenfalls im November aber vor 2 Jahren. Jetzt sitzen wir am Cabo de la Vela, fast am nördlichsten Punkt des südamerikanischen Festlandes. Wir wollen hinauf nach Punta Gallinas, das wäre dann definitiv der nördlichste Punkt. Extrem!

Doch wir können lange wollen, die Wetterkapriolen lassen unsere Pläne buchstäblich ins Wasser fallen. Die Pisten sind meterhoch überschwemmt, hätten wir keinen 4x4 wären wir nicht mal bis zum Pilón de Azúcar gekommen. Extrem!

Wir geniessen einen Rundumblick auf Dünen, Meer und das weite Hinterland und lassen unsere Gedanken schweifen und schauen auf die Kohlefrachter, die weit im Meer draussen auf ihre schwarze Fracht im Hafen Puerto Bolívar warten. Unsere Gedanken sind bei den letzten Tagen. Die Erlebnisse haben sich überhäuft, wir können sie fast nicht Verdauen. Wir erleben ein Extrem nach dem anderen. Nicht das erste Mal, aber das erste Mal so ausgeprägt extrem!

Nach den kühlen nebligen Kaffeelandschaften erschlagen uns die karibischen Temperaturen und die enorme Luftfeuchtigkeit fast. Extrem!

In Cartagena, der hübschen Kolonialstadt, einst grösster spanischer Hafen, grösster Sklavenumschlagplatz, umtost von der Karibik und angegriffen von Sir Francis Drake, von einer fast noch intakten, uneinehmbaren Stadtmauer umgeben, treffen wir im Frachthafen Manga liebe Freunde, die auf dem Weg von Havanna nach Papete genau einen Tag hier Rast machen. Nein, sie sind nicht mit dem Container gekommen, sie sind mit dem Luxuskreuzfahrtschiff MS Europa ll auf Cruise. Wir verbringen mit ihnen einen Tag, wie wir ihn nicht in den kühnsten Träumen gewagt hätten zu träumen. Etwas underdressed geniessen wir nicht nur das Ambiente, sondern dürfen uns mit Champagner, exquisitem perfekt gereiften Käse und wunderbaren Rotweinen verwöhnen lassen. DANKE!! Während wir im französischen Restaurant mittagessen, werden Container mit Esswaren geladen, um die halbe Welt geschifft, nichts dem Zufall überlassen. Die Qualität muss stimmen auf diesem Niveau. Alle Wünsche werden schnellstmöglich erfüllt. Die Suiten sind vom Feinsten, mit und ohne Whirlpool. Kunst wohin wir schauen. Etwas über 400 Passagiere reisen auf diesem Schiff, das sich rühmen darf, am meisten Platz pro Passagier zu bieten. Extrem!

Anderntags, in den Gassen Cartagenas gibt es für uns wieder Arepas vom Grill, frische tropische Früchte, ausserhalb des Stadtkerns geht es hektisch zu und her, russende Lastwagen, schreiende Verkäufer, fertig mit der Ruhe. Unser schönes Hotelzimmer im Dachstock wird beim morgendlichen Gewitter geflutet, wir bekommen ein anderes – immerhin!

Und jetzt, im Norden kommt das nächste Extrem! Auf der nördlichen Halbinsel La Guajira übernachten wir bei den dort lebenden Wayúu. Sie konnten sich gegen die spanischen Konquistadoren geschickt abgrenzen, trieben Handel mit ihnen oder kämpften gegen sie. Sie sprechen nebst Spanisch ihr eigenes Idiom, arbeiten als Fischer, Ziegenbauern oder als Naturführer im Santuario Los Flamencos. Die Frauen sind geschickt und häkeln wunderschöne Beutel, Mochillas, knüpfen Chinchorros (netzartige Hängematten) oder weben Hamacas in aussergewöhnlichen Mustern und Farben. Die Wayúu leben traditionell in Rancheros, kleinen sippenmässigen Ansiedlungen in einer Rancho, einer Lehmhütte. Der äusserste Norden ist karg, ausser kurzgewachsenen Algarrobo Bäumen und einer Vielzahl Kakteen gibt das Land nicht viel her. Wir besuchen mit Ender, unserem Führer in einem „Segelboot“, das diesen Namen eigentlich nicht verdient hat (das Segel ist aus Futtersäcken zusammengenäht und hat mehr Löcher als Segelfläche). Wir bekommen Flamingos zu sehen, rote Ibisse und deren weisse Jungvögel. Pelikane schiessen ins Wasser, jeder Tauchgang ein voller Erfolg. Kormorane trocknen ihre Flügel und rosa Löffler stochern im seichten Wasser. Die Wayúus fischen hier ebenfalls, nicht nur im Meer, die Crevetten sind von ausgezeichneter Qualität und sicher mehr als bio. Bis eines Tages, vor einigen Jahren, kein Wasser mehr vom Fluss aus der Sierra Nevada in die Lagune kam und sie fast trocken lag. Ein listiger Viehzüchter hatte am Oberlauf das Wasser für seine Kühe und sich selber abgezweigt, da ist man eingeschritten, glücklicherweise bevor die Vögel verschwanden und die Menschen ihrer Nahrungsgrundlage beraubt wurden. Ender führt mich herum im Dorf. Fliessendes Wasser gibt es in den wenigsten Ranchos. Strom wird überall mit Generatoren und Schmuggelbenzin aus Venezuela hergestellt. Das WC ist hinter dem Gebüsch oder ein Plumsklo, als Badewanne dient die Lagune oder das Meer. Ich wage nicht zu fragen, woher das Trinkwasser kommt, der Kaffee war auf jeden Fall süss, heiss und gut und auch die Chicha, das verkochte Maisgetränk ist mir bekommen. Enders Tante zeigt mir ihre Häkelarbeit und ihren Webstuhl, dann setzt sie sich wieder in die Chinchorro und häkelt wortlos ihre kunstvollen Beutel.

Wir kehren zurück und essen in der Strandbeiz von Tschiggi einen wunderbar zubereiteten Red Snapper mit Kokosreis. Die Köchin erklärt mir in der Küche das Rezept für den Kokosreis; ich bin nur mit halber Sache dabei und denke an meine Küche daheim mit dem ganzen Schnickschnack. Tschiggi, der umsichtige Kellner umsorgt uns herzlich. Er will am Abend nach Riohacha, nein nicht in die Disco wie wir denken, er will sich an einem Colegio einschreiben weil er studieren möchte, doch die schicken ihn wieder heim. Wieso? Er braucht einen Götti, der ihn empfiehlt. Das hat er nicht und er kennt niemanden mit Einfluss oder Status, der für ihn einstehen könnte. Also ist der Traum für längere Zeit ausgeträumt und der 19-jährige Wayúu Bursche wird weiterhin servieren. Es sind eben doch nicht alle gleich.

Am Cabo de la Vela rattern abends die Generatoren. Ohrenbetäubend die halbe Nacht. Nichts von Romantik. Wir fragen nach, da gibt es doch einen Windpark und eine Stromleitung. Die Männer lachen laut. Eine Sauerei sei das, der Windpark und die Stromleitung seien eine Farce, noch nie sei Strom für ihre Hütten durch die Leitungen geflossen, der Windpark liefert nur Strom für die Kohleförderung.

Irgendwelche Backpackers aus Europa beklagen sich lautstark, dass es in den Hostals keine Betten gäbe, nur Hängematten, worin sie nicht schlafen könnten. Hier wie überall am Meer wo es feuchtheiss ist, ersetzt sie das Bett. Wir verlassen die Gegend, die Wetteraussichten sind trübe. Ausser Kitesurfen kann man hier nichts tun und die trostlose Aneinanderreihung von Hütten sind wohl Lokalkolorit und authentisch aber nicht wirklich anmächelig. Da ist das Nichtschlafenkönnen wohl noch das kleinere Übel.

Aus dem Nieselregen ist mittlerweile eine Sintflut geworden. Die Sandpiste nach Uribia ist teilweise ein Bachbett oder rutschig wie Schmierseife. In Riohacha lassen wir einige Stunden später bei heissem Sonnenschein unser Auto waschen. Ein junger Mann in zerissenen Hosen und schäbigem T-Shirt erklärt mir freudestrahlend, er werde unser tolles Auto wieder weiss waschen. Vor zwei Wochen hat er Venezuela verlassen können um sich in Kolumbien als Fremdarbeiter zu verdingen. Er ist nicht allein, zu Hunderten kommen sie, es wird geschafft, angeschafft (Prostitution ist für Frauen oft die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen), eingeschafft (Schmuggelgüter wie gestohlene Autos und Benzin) und ausgeschafft (Nahrungsmittel und Hygieneartikel, die in Venezuela schon lange nicht mehr erhältlich sind). Eine ganze Generation wird durch die sozialistische Regierung ihrer Zukunft beraubt und eine Lösung ist vorderhand nicht in Sicht. Extrem!

(Für 1 US Dollar werden heute 2.7 Mio Bolívares bezahlt. Die jährliche Inflation kann nicht mehr in Prozenten ausgedrückt werden. In den 1980er Jahren waren die Kolumbianer als Fremdarbeiter in Venezuela, dem einst durch enormen Erdölvorkommen reichsten und bestentwickelten Land Südamerikas).

Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail