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37 – Brasiliens Norden und Nordosten

29. Dezember 2015 – 26. Januar 2016

Oiapoque > Macapá > Belém > Alcântara > São Luis > Fortaleza > Morro Branco

Eigentlich müssten wir laut den Bewohnern von Französisch Guyane schon lange unsere Eheringe, Ohrringe und die Fotoapparate losgeworden sein, besser noch, ein Überleben im nördlichen Teil Brasiliens ist praktisch ausgeschlossen, da geht man besser gar nicht erst hin. Auch der Aufseher im Schwimmbad von Remire-Montjoly, wo wir nochmals Trinkwasser auffüllten rollte mit den Augen und meinte, Nein, in Brasilien ist nichts, gibt’s nichts, hat’s nichts, nicht mal Trinkwasser, nur Gauner. Wir werden das austesten.

Die Goldgräberstadt Oiapoque ist für uns nur Einreisestation, wo unser 3-monatiger Aufenthalt in den Pass gestempelt wird, eine Sache von 10 Minuten. Bei tristem Regenwetter fahren wir los, die 600km lange Strasse nach Macapá hätte laut unserem Reisehandbuch asphaltiert sein müssen, aber der Traum ist schon nach 50km aus. Eine rotschmierige aufgeweichte Piste, Wellblech und Löcher erwarten uns. Das Auto rumpelt, das Besteck klimpert, die Eier purzeln durch den Kühlschrank und hätten wir Rahm, wäre der wohl steif. Mann und Frau verkneifen sich Pipi und erst als die Sonne güxlet und eine Schlange die Strasse kreuzt machen wir einen Stopp. Nach 150km endlich Asphalt. Wir übernachten auf einer Fazenda, 100 Büffel, einige Ferkel und ein Hund mit 7 Welpen, ein Dutzend Hühner und ein herziges Ehepaar. Wir dürften sogar das Haus des Fazendabesitzers benützen, wir wollen die Gastfreundschaft nicht ausnützen und schlafen im Auto, wie eigentlich immer.

Unser Ziel ist Macapá, genau auf dem Äquator liegend, wo wir einmal mehr (durch das Flussdelta des Amazonas führt keine Strasse) eine Fähre nach Belém organisieren müssen, jetzt am Jahresende drängt die Zeit, um nicht tagelang hier hängen zu bleiben. Doch irgendwie finden wir keinen Agenten, der unser Auto als Fracht und uns als Passagiere gleichzeitig mitnehmen will oder kann, es ist einfach nicht unser Tag, also geh ich zur Polizei, schildere das Problem und die lotsen uns freundlich durch das Gewirr von Santana und laden uns grad vor einer Agentur ab, die Frachtschiffe vermittelt. Perfekt, am 2. Januar werden wir verladen und dürfen während der Passage auch im Auto übernachten, was bequemer und luftiger ist, als in den stickigen Hängemattendocks. So verbringen wir das Jahresende in einem abgeholzten Waldstück, trotz der Wärme mit Lagerfeuerromantik.

Die Schifffahrt auf dem Amazonas, der zwischen Macapá und Belém sein riesiges Delta formt, ist ein gigantisches Erlebnis. Wellen wie auf dem offenen Meer, die Ufer zeitweise fast nicht zu sehen, Inseln, Meerschiffe, winzige Dörfer, grössere Städte, Passagiere steigen aus und ein, zeitweise während der Fahrt, Regen und Sturm peitschen auf uns nieder, dann brennt die Sonne wieder und nach zwei Nächten und einem Tag taucht im Dunst des zweiten Tages die Skyline von Belém auf. Es hält uns nur einen Vormittag in Belém, so toll finden wir es hier nicht, die Restaurants an den Docks sind geschlossen, den vielgerühmten Markt haben wir schnell gesehen und eigentlich lieben wir anonyme Grossstädte nicht. Da ist das kleine morbide Alcântara schon besser. Hier schlafen wir in kolonialer Atmosphäre in einer Pousada und entdecken zwischen den Ruinen hübsche Gassen mit portugiesischer Vergangenheit. Zwischen Alcântara und São Luis liegt wieder eine Wasserstrasse oder ein 600km langer Umweg, die Lösung liegt auf der Hand. Beim Warten auf die Fähre treffen wir Vladimir und Ladjana aus Brasilia, die uns beim komplizierten Fährticketkauf unterstützen und uns mit vielen interessanten Reisezielen füttern.

Auch in São Luis übernachten wir in einem Hotel, der Concierge hält ein Auge auf unser Auto, denn São Luis ist supergefährlich… da kommt einem alles abhanden. Wir strolchen durch die Stadt, fotografieren die Häuser mit den Azulejos. Die meist blauen Plättli schützen die Häuser bestens vor Hitze und Feuchtigkeit. Schade einfach, dass trotz Unesco Weltkulturerbe, die Altstadt etwas vor sich hinbröckelt. Wir haben unseren Spass in der Stadt mit den vielen Nachkommen schwarzer Sklaven, deren Musik und Rhythmus aus den vielen Bars dröhnt und die Bandas bereits bestens für den Carnavale gerüstet sind. Ein tolles Erlebnis ist die Bekanntschaft mit Nagib, der unser Auto in der Gasse parkiert sah, selber einen LandRover fährt und uns spontan einlädt, die neueröffnete LandRover Garage seines Freundes Fabrício zu besuchen. Dort werden wir befragt, bewirtet, fotografiert und beschenkt und am Abend noch von Nagib nach Hause zum Znacht eingeladen und selbstverständlich hat man uns die 500m von seinem Wohnort zu unserem Hotel im Auto gefahren, eben weil supergefährlich hier…… wir haben’s dann unterlassen zu berichten, in welchen Quartieren wir den grössten Spass hatten.

Aber nun raus aus der Stadt, ab in die Dünen von Lençoís Maranhenses. Sie wären zwar im April schöner, denn dann wären die Lagunen zwischen den Dünen mit Wasser gefüllt und im Sonnenlicht würden die Pools in allen erdenklichen Blautönen wie Topase und Aquamarine leuchten. Aber eben, die Regenzeit naht und man kann nicht immer zur perfekten Zeit am perfekten Ort sein um perfekte Fotos zu schiessen. So geniessen wir die Dünenlandschaft eben mit weniger Wasser. Aber bis wir sie geniessen können, ist es ein pudriger, weicher und auch matschiger Pfad. Nach 36km Sandpiste gelangen wir nach einer Flussdurchfahrt nach Santo Amaro. An der Tankstelle fragen wir nach einem Führer, der freundliche Tankwarts telefoniert erfolglos, aber er meint, bis zum Anfang der Dünenlandschaft sollten wir das mit unserem 4x4 auch alleine schaffen, wenn wir nur immer schön geradeaus fahren würden. Es kommt anders und wir versaufen bis zum Chassis im Match und Stefan bleibt nichts übrig als die die schwere lehmige Schicht abzuschaufeln, während ich mich auf die Suche nach einem Helfer mache. Der findet sich dann auch und nach anfänglichem Zögern, er ist grad mit dem Töff und Frau und Baby auf Sonntagsausflug, hilft uns der Jüngling indem er einen Traktor organisiert. Gegen 19 Uhr kommt der dann endlich, in völliger Dunkelheit, die Rettungsaktion wird zum Flopp! Meine Nerven sind etwas gespannt. Der Rettungstraktor buddelt sich beim dritten Versuch uns rauszuziehen gleich selber ein. Es muss ein zweiter Traktor her, mit breiteren Rädern und einem besseren Motor. Luíz organisiert gut und der zweite Traktor kommt gegen 22 Uhr, zieht zuerst den ersten Traktor raus und dann ganz sachte unsere Randulina, die nach der blitzsauberen Wäsche in Macapá wieder wie ein Ferkel ausschaut, vor allem unter der Gürtellinie. Und nein, es gibt keine Fotos der Rettungsaktion, erstens war mir nicht danach und dann musste ich zeitweise assistieren und zweitens meinten die Männer es wäre besser für mich während der entscheidenden Aktion weit wegzustehen, denn es bestünde das Risiko eines Stahlseilrisses. Und ja, es ist alles heil geblieben, nicht einen Kratzer, nicht ein Teilchen hat sich gelöst, sogar die Kotschutzlappen haben die Aktion überlebt, danke an Overlandtechnics und Camperwerkstatt für Swiss Quality!

Luíz begleitet uns um dann 23 Uhr zu den Dünen, wo er uns einen schönen Übernachtungsplatz zeigen will. Aber heute scheint der Wurm drin zu sein, sein Motorrad stottert und mangels Benzin geht gar nichts mehr. So fahren wir also nach Santo Amaro zurück, wo eine Tankstelle noch geöffnet hat, mit vollem Kanister wieder zurück, Töff auftanken und weiter in der sternenklaren Nacht zu den Dünen, mittlerweile Mitternacht will Luíz uns noch eine Lagune zeigen, also kraxelen wir müde die Dünen hoch und wieder runter bis wir am Wasser stehen. Uns ist nach Kaffee zumute und einen Schnaps bräuchten wir auch, Luíz tuckert zurück und wir höckeln uns in den Sand und freuen uns einmal mehr über die Hilfsbereitschaft der Menschen hier. Die Nacht ist kurz, um 9 Uhr steht unser Helfer schon vor dem Auto um uns als unser Führer auf der Wanderung durch die Dünen zu begleiten. Es ist eine sinnliche Wanderung, 5 Stunden barfuss durch den Sand, der manchmal kühl, lauwarm, grob oder fein war, manchmal windgepresst hart und manchmal weich zum Einsinken ist. Wir durchqueren matschige und trockene Lagunen und nehmen ein Bad in einem lauwarmen Tümpel. Wie sich beim Zvieri herausstellt, wurde Luíz vom Tankstellenwart kontaktiert, ob er für uns als Guide arbeiten wolle, er sagte aber ab, weil Sonntag war und er lieber mit seiner 16-jährigen Frau und dem 4-monatigen Baby in die Dünen wollte als mit uns. Der Zufall hat uns dann doch zusammengeführt. Nein, ich glaube, es gibt keine Zufälle. Die lehmige Erde wird übrigens für die Herstellung von sonnengetrockneten Ziegelsteinen verwendet, bei längerem Verweilen in der Grube wären wir also buchstäblich eingebacken worden.

Anderntags bekommt unsere Randulina nochmals ein Wellnesspaket vom Feinsten mit Betonung auf Unterbodenwäsche.

Dann geht es wie geplant weiter, alles läuft am Schnürchen. Wir übernachten an menschenleeren Stränden, geniessen in den Bars der kleinen Ortschaften am Meer feine Fruchtsäfte oder abends mal einen Caipirinha, übernachten auf einem Fussballplatz mitten im Dorf. Die Menschen sind unkompliziert, freundlich, entschuldigen sich, weil das Dorf so klein ist, dass es nicht mal einen Laden gibt. Alle freuen sich, dass wir in diese entlegene Gegend kommen, wo sich selten ausländische Touristen blicken lassen.

Im Nationalpark Sete Cidades, Sieben Städte, bestaunen wir bizarre Erosionsformen und unser Führer beklagt sich, dass die Touristen ausblieben, denn wegen der Wirtschaftskrise sind die Werbegelder gestrichen worden. Auch bei der Höhle von Ubajara spürt man die Krise, das Geld für die neuen Seile der Seilbahn fehlt oder ist abhanden – sprich in den Sack irgendeines Funktionärs – gekommen, so wird die Höhle im Park nur noch von gut einem Dutzend Besuchern besucht. Der Weg ist steil und lang und Brasilianer sind keine Wandervögel. Sie machen lieber ein Selfie von sich und der Eingangstafel. So schnüren wir seit langem wieder unsere Wanderschuhe und wandern 5 Stunden im Wald herum mit Höhlenbesuch und Bad unterm Wasserfall. Herrlich, der Parkranger freut sich ab unserer Fitness und dem Wandertempo, denn nach unserer Rückkehr ist für ihn Arbeitsschluss und das mal ausnahmsweise schon um die Mittagszeit.

In Jericoacoara, dem Touristenmagnet der Gegend schmöckern wir etwas herum, genauer nehmen wir das dann mit unseren Freunden unter die Lupe, denn die nächsten Wochen sind wir zu Viert unterwegs.

Wir fahren in die 2.5 Mio. Einwohner zählende Stadt Fortaleza ein, ich lasse das Fenster runter wie immer in einem Dorf oder in einer Stadt und prompt lacht mich an einer Ampel ein Töfffahrer an: „Seja bem-vindo en Fortaleza“ (Willkommen in Fortaleza). In Fortaleza wollen wir zu Brunos LandRover Werkstatt, denn ein Service ist unbedingt nötig. Mit seiner Visitenkarte geht das fix, wir haben Bruno am Strand kennengelernt wo er sie uns für den Fall der Fälle zugesteckt hat. Leider ist die Garage geschlossen, weil Bruno eben auf 4x4 Dünen- und Strandtour ist. Die freundlichen Mitarbeiter einer nahegelegenen schiggi-miggi Fordgarage telefonieren für uns in bester Gastfreundschaft mit Bruno und finden eine Ersatzgarage, die uns mit einem Mototaxi abholen lässt – ein Freund von Bruno hat auch eine Ländi Werkstatt. Man ist eine Gemeinschaft und die Arbeiter freuen sich, an einem so aussergewöhnlichen Auto einen Service machen zu dürfen.

Warum wir nicht selber telefonieren? Gar nicht einfach wenn man die Sprache nicht beherrscht – persönlich ist das kein Problem, aber per Telefon – Prost. Und bevor ich’s noch vergesse, der CEO der Fordgarage beglückte uns freudestrahlend mit zwei Dächlikappen, zwar die falsche Marke, aber ich werde ein Brasilienwappen darüber nähen.

Und ja, ich habe meine 5 Ohrstecker noch und auch die Eheringe sind noch am Finger, Stefans Kamera ist auch vorhanden und die verlorengeglaubte Uhr ist unter meinem Autositz wieder hervorgekommen. Bis jetzt haben wir mehr erhalten als wir uns erträumten, nämlich Gastfreundschaft und Lebensfreude vom Feinsten. Wir hoffen, es bleibt so.


38 – Brasiliens Strände

27. Januar – 12. März 2016

Morro Branco > Fortaleza > Jericoacoara > Recife > Salvador de Bahia > Chapada Diamantina > Brasilia > Rio de Janeiro

Während fast 6 Wochen sind wir völlig anders gereist als üblich, denn wir hatten Besuch von unseren lieben Freunden Esthi und Ueli. Mit ihnen haben wir die Superstrände von Fortaleza bis Recife unsicher gemacht, einige Rettungsaktionen waren auch dabei. Beide sind zwar gute Schwimmer, aber ihr kleiner PW schaffte unsere genussreichen Fahrten den einsamen, kilometerlangen Sandstränden entlang, nur mühevoll. Da kam unsere Randulina einige Male in den Genuss, ihre Kraft zu zeigen, ja so ein LandRover ist halt schon was Gutes! Nicht nur die Strände sind toll, sondern auch das Wasser. Ueli drückte es so aus: „Noch nie habe ich in einem so grossen Thermalbad schwimmen können.“ Dazu grösstenteils menschenleer.

Ab und zu haben wir gemeinsam in wunderbaren Pousadas übernachtet, nach dem obligaten Caipirinha – Apéro immer fein gegessen und unzählige lustige und angeregte Gespräche geführt. Vom berühmten Karnevalstreiben haben wir mehr gehört als gesehen. Die Musik war nicht gerade schön, dafür ohrenbetäubend laut. Vielen Dank euch beiden, für die gemeinsame Zeit, sie war für uns eine gute Unterbrechung im Reisemodus.

Am gleichen Abend als Esthi und Ueli abflogen, kam unsere älteste Tochter Sarah in Recife an. Es reichte grad noch in Olinda zu fünft mit einem Caipi gemeinsam auf die gute Zeit anzustossen. Es sollte allerdings anders kommen. Sarah war vorher bei den Iguazú Fällen und hat uns vorgeschwärmt. Drei Tage später war die Freude vorbei, denn sie hat sich dort wahrscheinlich von einer Tigermücke mit Zika stechen lassen. So waren für sie die ersten Tage begleitet von Fieber, Ausschlag und Gelenkschmerzen. Ausgerechnet da, wo es ideal zum Sonnentanken gewesen wäre. Doch in der schönen Stadt Salvador war sie wieder fit und wir bummelten stundenlang durch die pitoresken Gassen und sahen den Capoeiratänzern und Musikern zu.

Durch endlose Vororte zog sich die Reiseroute aus Salvador hinaus und ging dann über ins gigantische Nichts. Ja einfach nichts, nur Gestrüpp, niedrige Bäume, struppige Wiesen und irgendwann waren wir in Lençois, dem Ausgangspunkt für viele Wandervögel in der Chapada Diamantina. Uralte abgetragene Tafelberge mit Wasserfällen lockten zum Wandern. Obwohl auf über 1000müM gelegen, war es immer noch sehr heiss. Nichts desto trotz haben wir die Wanderschuhe gebunden und sind mit einer schönen Aussicht entschädigt worden. Ein Kolibri surrte um Sarah herum, es war das einzige Geräusch nebst einem Bächlein, das die Ruhe unterbrach.

Unvorstellbar war die nächste Etappe. Über 1000km fuhren wir durch den Landwirtschaftsgürtel begleitet von Willie Nelsons „On the Road again“. In the middle oft the Nowhere, auf dem Reissbrett in einem Architekturbüro entstand Brasiliens Hauptstadt Brasilia. 8 spurige Strassen (die Fussgänger hat man in der Euphorie vergessen), architektonische Meisterwerke aus Beton und Glas von Oscar Niemeyer umrahmt von Gartenanlagen von Burle Marx. Wir liebten diese Stadt. Klar, Brasilia ist gewöhnungsbedürftig, die 3 Millionen Bewohner leben in den Superquadras in Wohnsilos, die Touristen in den Hoteltürmen der Hotelquadras und die Regierungsgebäude befinden sich entlang der Eixo Monumental, der Monumentalachse und aus der Vogelperspektive sähe die Stadt aus wie ein Flugzeug. Wir kommen wieder, denn wir sind mit Sarah’s Mietwagen hierher gefahren und haben unsere Randulina in Lençois auf dem Campingplatz stehen lassen, denn von Brasilia nehmen wir den Flieger nach Rio de Janeiro.

Rio = Copacabana und Ipanema, Hawaianas, Bikinis und durchtrainierte, braungebrannte schöne Menschen, alles überragt von Zuckerhut und Corcovado. Nun ja, bis auf die schönen Menschen haben wir alles gefunden, aber die Brasilianer sagen ja von sich selbst nicht ohne Stolz, sie seien neben den US Amerikanern das dickste Volk auf Erden und machen dem Spruch auch alle Ehre.

Eine tolle Stadt, die wir mit Sarah entdecken durften. Wir sind mit unserem Zeitbudget nicht so beschränkt wie sie und als wir sie mit Wehmut auf Rios Flughafen verabschiedeten, blieb uns noch fast eine Woche, um Rio noch weiter zu entdecken. Es war schön mit dir!


39 – Chapadada Diamantina

13. März – 22. März 2016

Lençois > Mucugé > Capão > Palmeiras > Ibotirama > Barreiras > Palmas

Wir haben Rio noch fast eine Woche weiter genossen, haben uns der modernen Architektur gewidmet, unsere Gasteltern Fiona und Robin zum Essen ausgeführt und bei Alison Caipirinha gemixt und dabei fantastische Sonnenuntergänge und Gewitterregen auf der Terrasse ihres Penthouses erlebt. Der Flieger brachte uns an einem Sonntagmorgen nach Brasilia zurück und dort sind wir in den Express Bus nach Lençois gestiegen, wo unsere Randulina auf dem Campingplatz brav auf uns wartete. Ihr deutsches Gspänli haben wir in Rio getroffen, ach wie ist die Welt so klein.

Jetzt zieht es uns vorwärts, so schön es ist in Hotelbetten mit makelloser Bettwäsche und funktionierenden Duschen zu residieren, so schön ist das eigene kleine Daheim wieder.

Der Nationalpark Chapada Diamantina ist riesig, mit Sarah machten wir eine Wanderung zu den Aguas Claras und auf den Morro do Pai Ignácio mit wunderbarer Aussicht, aber die Chapada bietet noch mehr. Im esoterisch angehauchten Valle do Capão unternehmen wir eine Tageswanderung Richtung Valle Pati. Die Tafelberge erinnern im Morgengewölk eher an die schottischen Highlands, doch sobald sich die Wolkenschleier lüften, wird es heiss und wir wissen genau wo wir uns befinden. Bei fast 40 Grad wandern wir die nächsten 4 Stunden über die Hochebene und freuen uns auf ein kühles Panaché unten im Tal. Abends im Restaurant erhöhen wir den Altersdurchschnitt um fast die Hälfte. Uns fehlt nebst langem Bart und Rastas auch der Schlabberlook. Also machen wir uns auf zu den Höhlen, von denen es in der Chapada Diamantina einige gibt, genauso wie Wasserfälle. Die Höhlensysteme sind einzigartig. Riesige Hallen versetzen uns ins Staunen. Trotzdem müssen wir ab und zu über Felsblöcke kraxeln und auf allen vieren kriechen, um in die nächste Halle zu gelangen. Spektakulär sind die Stalaktiten, die sich hier über Tausende von Jahren gebildet haben, nicht hallenfüllend, sondern klein und zart und fast zu übersehen. Entgegen der Schwerkraft wachsen filigrane Gipsblumen wunderkerzengleich aus den Höhlendecken, aus dem Boden spriessen spitzige Quarznadeln, 60m lange Tropfsteinvorhänge oder zweifarbige Stalagmiten sorgen für Ah und Oh. Und dass wir vor dem Höhleneingang mit unserem Auto campen dürfen ist das Pünktchen auf dem i.

Nebst den trockenen Höhlen sind da noch die Grutas, die Poços, das sind jene Höhlen, die mit kristallklarem Wasser gefüllt sind. Das Poço Encantado ist 60m tief, das Wasser ist fast blauer als der Himmel, wir sitzen ehrführchtig da und staunen, oder das Poço Azul, wo man mit einer Schwimmweste ausgerüstet wird und sich im Höhlenbad treiben lassen kann. Das Wasser ist so klar, die Augen müssen sich zuerst daran gewöhnen; ist es Spiegelung oder Höhlengrund?

Und nebst all dem, gibt es in der Chapada Diamantina auch noch das Feuchtgebiet Marimbus, das zwar nicht so tierreich ist, aber an den Pantanal erinnert. Hier gönnen wir uns am frühen Morgen eine Paddeltour mit Schwimmstopp, Wasser ist immer gut, denn die Strassen sind staubig und die Hitze gross. Sogar die Landschildkröte flüchtet sich unter die Kanus. Nur den Libellen scheint die Wärme nichts auszumachen, sie surren nervös um Wasserhyazinthen und Lotusblumen.

Ein Blick in unseren Pass zeigt, dass wir uns nun langsam auf den Weg in die Hauptstadt eines Estados machen müssen, denn unsere Aufenthaltsbewilligung läuft aus. So fahren wir also weiter in den Staat Tocantins nach Palmas. Der Weg dahin führt durch riesige Ackerflächen Bahias. Bis an den Horizont Bohnen, Soja und Baumwolle. Und kaum erreichen wir Tocantins findet ein abrupter Szenewechsel statt. Die Felder weichen Tafelbergen und Weideland. Palmas ist eine junge Stadt, 1988 nach dem Vorbild Brasilias auf dem Reissbrett entstanden und extrem weitläufig.

Bald finden wir uns im Gebäude der Polícia Federal im Büro der Immigration ein. Die sympathische Dame meint, die Verlängerung unserer Aufenthaltsbewilligung um weitere 90 Tage sei ein kleiner Klecks. Sie interessiert sich sehr für unsere Reise und bei etwas Smalltalk geben wir im Büro unser Visitenkärtchen ab. Die Formulare sind schnell ausgefüllt und wir erhalten den Auftrag, auf der Post pro Person 110 Riais (ca. 30.-- CHF) einzuzahlen, was wir postwendend erledigen. Aber als wir wieder zurückkommen, sitzt unsere Gabriella stirnerunzelnd vor dem Computer und erklärt uns, dass am 25. November 2015 neue Aufenthaltsbestimmungen erlassen worden seien, die auch uns betreffen. Für Schweizer gilt neu: 90 Tage Aufenthalt halbjährlich. Ihr Chef habe ihr mitgeteilt, es gebe keinen Tag länger für uns. Wir müssten sofort ausreisen. Da machen wir lange Gesichter, wir brauchen doch auch einige Tage zum Ausreisen. Nein, sie könne leider nichts machen, und dass die Behörde in Oiapoque, wo wir eingereist sind, das nicht gewusst habe, sei unser Pech. Gut, dann wollen wir wenigstens unser Geld wieder zurück, denn wir können die Einzahlung nicht als vorbezahlte Busse verwenden. Für die Behörde wäre es das Einfachste wenn wir jetzt abzotteln würden, uns illegal im Land aufhielten, und bei Strassenkontrollen etwas Bussengeld abliefern würden. Bei der Ausreise müssten wir aber nochmals in die Tasche greifen. Gabriella zeigt uns das Bussenreglement, die Bussen sind lächerlich, aber wir wollen in diesem korrupten Land nicht einfach einem Polizisten Geld in die Hand drücken, denn es findet die richtige Kasse nie. Dann ruft sie die Post an, damit uns das Geld zurückerstattet wird. Wir sausen also wieder zur Post wo es ewig dauert, bis wir drankommen und selbstverständlich hat noch nie jemand einen Storno gemacht. Etwas kafkaesk ist die Situation dann, als der Postchef uns mitteilt, dass die Polícia Federal soeben angerufen habe um den Storno zu annullieren. Wir sausen in die andere Richtung zurück, wo Gabriella lachend hinter dem Computer sitzt. Sie habe unterdessen nochmals unsere Pässe studiert und wir wären ja zum ersten Mal schon im September 2015 nach Brasilien eingereist und darum gelte für uns noch die alte Regelung. Sie stellt eine komplizierte Rechnung auf, der wir nicht ganz folgen können, die auch überhaupt nicht logisch ist, aber für uns springen immerhin 63 zusätzliche Tage heraus. Das entlockt uns ein Schmunzeln, wir bedanken uns und machen, dass wir fortkommen, bevor der Chef herausfindet, dass die Rechnung falsch ist. Die andere Sekretärin hat sich in der Zwischenzeit das Visitenkärtchen unter den Nagel gerissen und ist hin und weg von den Fotos ihres schönen Landes. Es ist wirklich schön, sonst hätten wir ja nicht noch länger hierbleiben wollen.


40 – Jalapão – Parque Estadual Terra Ronca – PN da Chapada dos Veadeiros

23. März – 02. April 2016

Palmas > Mateiros > Dianópolis > Luís Eduardo Magalhães > Sao Domingos > São João > Nova Roma > Alto Paraiso de Goias

Wir verbringen viel Zeit in Nationalparks, schlafen auf Grund und Boden des Drogenbarons Pablo Escobar und feiern Ostern in einem ausgetrockneten Bachbett. In kurzer Zeit war viel los und während Stefan die Weiterreise plant, lasse ich die vergangenen Tage Revue passieren und versuche eure Aufmerksamkeit zu erheischen.

Allen die sich fürs Wetter interessieren ist zu sagen, dass die Sonne täglich am blauen Himmel steht, auf dem fast immer Schäfchenwolken spazieren. Tagsüber heiss, nachts nehmen wir schon mal die Decke hervor, denn es herrscht ausgeprägtes Kontinentalklima.

In Palmas füllen wir nach erfolgreichem Abschluss der Aufenthaltsbewilligung unseren Kühlschrank auf und fahren aus der Stadt heraus. Wir zuckeln durch eine einsame Gegend, keine Dörfer einfach nichts und finden einen wunderschönen Übernachtungsplatz hinter verwitterten Felsen. Zwei türkisfarbene Grosspapageien begrüssen uns mit lautem Gekrächze. Ich koche zur Abwechslung wieder einmal Thailändisch und backe anschliessend Stefans Geburtstagskuchen. Ihm setzt sich eine Tarantel auf den Fuss und wir wuseln jetzt etwas vorsichtiger auf unserem Plätzchen herum. Tocantins ist ein junger Staat, dessen heutiges Gebiet aus unerfindlichen Gründen 1988 vom Staate Goias abgetrennt wurde. Bei der Staatsgründung wird ein bisschen besser hingeschaut und ein Anwesen des kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar kommt zum Vorschein. Escobar wird enteignet und das Anwesen geht in den Besitz des Staates Tocantins über. Heute ist es das Eingangstor zu einem Wasserfall mit gigantischen Wassermassen und einem kleinen Sandstrand am Fluss. Landschaftlich könnt ihr euch ein afrikanisches Savannengebiet vorstellen, selbstverständlich ohne Elefanten und Giraffen. Dieses weitläufige Grasland mitten im Amazonasbecken ist extrem abgelegen, dazu unfruchtbar und lange praktisch unzugänglich. Dazwischen folgt eine Dünenlandschaft, die zwar nicht so spektakulär ist, wie das was wir bisher an Dünen gesehen haben aber wir finden einen spektakulär schönen Übernachtungsplatz in einem ausgetrockneten Flussbett. Gerade richtig um hier die Ostereier zu tütschen. Wir halten an unseren Traditionen fest, sie unterbrechen den Reisealltag, reisen wir doch kalenderlos und praktisch ohne Termindruck. Nach dem Morgenritual fahren wir weiter, wenn wir Hunger haben halten wir an, wenn es was zu entdecken gibt, bleiben wir eine oder mehrere Nächte in der Gegend. So einfach ist unser Leben. Der Jalapão bietet neben Savanne und alten Tafelbergen einige angenehme Nebensächlichkeiten, die für uns bald zur Hauptsache werden: „Fervedouros“. Der Reiseführer beschreibt dieses Phänomen als blubbernde Thermalquelle, was aber so nicht stimmt. Thermal wäre ja warm, aber die Blubberquelle ist kalt, sehr kalt und eigentlich eine Topfquelle, die durch den Sandboden nach oben blubbert. Es gibt einige Fervedouros in der Gegend und sie werden gut gepflegt von Nachfahren ehemaliger entlaufener afrikanischer Sklaven, die sich in diesem afrikaähnlichen Gebiet äusserst heimisch fühlten. Wir bezahlen gerne die kleinen Eintrittsgebühren und finden überall fast kreisrunde türkisfarbene kristallklare mehr oder weniger sprudelnde Wasserbecken vor, umwachsen von Bananenstauden, Heliconias und anderen tropischen Pflanzen. Kolibris surren durch die Luft, Schmetterlinge jagen sich und die kleinen grünen Papageien vollführen ein Geschrei. Wir fühlen uns paradiesisch.

Da winkt uns doch tatsächlich jemand, es sind Overlander. Also schnell hin, denn ein kleiner Schwatz unter Gleichgesinnten tut immer gut. Die Overlander kommen aber nicht aus USA oder Europa, für einmal sind es Brasilianer, die ihr eigenes Land mit einem Pickup mit Kabinenaufsatz bereisen. Sie erzählen uns von ihrem Abenteuer bis hinauf nach Alaska und zurück. Diese Reise liegt noch vor uns. Bald verschiffen die Beiden ihr Gefährt nach Asien. Wir wünschen Amandio und Joselle dazu viel Glück. Gemeinsam fahren wir zu einem kleinen Wasserfall und kehren zum Übernachten wieder an das schöne Fervedouro zurück. Natürlich gibt es einen langen Abend mit Infoaustausch und Insidertipps. Am nächsten Tag besuchen wir miteinander eine Kunsthandwerkerkooperative, welche Korbwaren aus Savannengras verkauft. Erstaunlich was flinke Hände aus dem trockenen goldgelben Gras herstellen.

Zum Abschied wollen wir noch eine Glacé aus örtlichen Früchten degustieren, aber die Eisbar ist leider geschlossen. So geht es uns immer wieder, wir möchten gerne irgendwo einkehren, aber entweder ist nur zum Mittag- oder zum Nachtessen geöffnet. Finden wir mal mit viel Glück ein hübsches Café in einem Touristenort, wird sicher nur Frühstück serviert, die Kaffeemaschine gereinigt, es gibt ein Wasserproblem oder man öffnet nicht vor 18 Uhr. Aber wer will schon um 18 Uhr Kaffee und Kuchen! Nein, dann geht man auf ein Bier oder einen Caipirinha, wenigstens in touristisch attraktiven Orten, nicht auf dem Land. Da gibt’s nichts dergleichen. Man bleibt daheim und hängt in der Hängematte ab, denn Geld für den Ausgang ist nicht vorhanden und Arbeit schon gar nicht.

Also dann weiter auf der Rumpelpiste mit Löchern und rotem Staub, hunderte von Kilometern haben wir schon so zurückgelegt. Aber Asphalt ist oft auch nicht besser, Stefan fährt zick-zack Kurs um die riesigen Löcher herum, vor jedem Dorf heisst’s aufgepasst: Schwelle, da gibt es ganz heftige mit Löchern davor und danach, hinten rumpelt das Geschirr und die Eier hüpfen im Kühlschrank, neben den Schwellen steht schon grad die Autowerkstätte, oder ist es umgekehrt? Meist steht da noch eine Bar, wo heiss diskutiert wird, welcher Lenker die üble Verkehrsbehinderung am elegantesten überwunden hat.

Auf unserer Strecke folgen nach der Savanne wieder einmal die riesigen Felder der wenigen Fazendas. Keine Frage, wir sind wieder eine kurze Weile im extrem fruchtbaren Staat Bahia. Mehr als 300km kein Dorf, keine Stadt nur ab und zu Fazendas mit den phantasievollen Namen wie Bonanza, High Chaparal, California, South Fork, Espirito Santo zum hundertsten und Santa Clara zum zweihundertsten Mal. Die Mähdrescher kämpfen GPS gesteuert gegen Bohnen, die Lastwagen stehen für deren Abtransport am Feldrand bereit, die riesigen Traktoren bearbeiten das Land gleich weiter, es riecht nach Unkrautvertilger und die Welt wird ernährt. Dass Luís Eduardo Magalhães das landwirtschaftliche Zentrum ist sieht man vor allem an den Vertretungen landwirtschaftlicher Fahrzeuge. Ein Traum für kleine und grosse Traktorenfans. Ein Restaurant mit funktionierendem Wifi zu finden ist kein Kinderspiel und am Ende landen wir in einer Burgerbude und verspeisen bei gut funktionierendem Internet einen Burger „LandRover“.

Die Weiterfahrt Richtung São Domingos erinnert landschaftlich an das vorher beschriebene – Felder und dann Szenewechsel an der Grenze zu Goias – NICHTS ausser etwas Weidewirtschaft und grossartiger Natur und Staubpisten, wir fahren eine Alternativroute nach Brasilia, die ihren Namen redlich verdient.

Der „Parque Estadual Terra Ronca“ lockt mit riesigen Höhlen, wo Bäche für einmal in die Höhlen hinein fliessen, meist ist es ja umgekehrt. Die Holperfahrt geht weiter via Nova Roma, teils fahren wir auf schierem Fels oder Pisten mit kindskopfgrossen Bollensteinen, Brücken gibt es keine, doch da die Regenzeit vorbei ist, sind diese Bachüberquerungen nicht wirklich abenteuerlich. Erst nach 70 km für die wir etwa 4 Stunden benötigen, kommen wir zur Asphaltstrasse bei Teresina da Goias. Es ist merklich kühler, wir befinden uns in einem Hochmoor auf 1500müM. Wir freuen uns auf den schönen Campingplatz Pacha Mama ausserhalb des Kleinstädtchens Alto Paraíso de Goias. Hier quartieren wir uns für die nächsten 3 Tage gemütlich ein und besuchen den „Parque Nacional da Chapada dos Veadeiros“, der zum UNESCO Naturerbe gehört, die meisten Attraktionen, vorwiegend Wasserfälle, liegen allerdings ausserhalb. Die einfachen Wanderwege zu Wasserfällen und Canyons sind eindrücklich und die Badepools erfrischend. Im „Vale da Lua“ fühlen wir uns weniger in einem Mondtal sondern vielmehr im Verzasca- oder Maggiatal im Tessin und am spektakulärsten sind wohl die Wasserfälle des „Reserva da Piedra“, wo sich etwa 6 Wasserfälle auf einer Länge von 1800 m in die Tiefe stürzen und wiederum erfrischende Badebecken füllen.

Abends sitzen wir fröstelnd unter dem Sternenmeer, Orion, Sirius, Stier und Kreuz des Südens schauen auf uns herab und es ist uns sogar gegönnt, einen Satelliten auszumachen. Ob es „Lisa Pathfinder“ ist, deren Start wir in Französisch Guyana miterleben konnten?


41 – Brasília – Eine Hauptstadt des 3. Jahrtausends

03. April – 06. April 2016

Wir sind bereits zweimal in einer Stadt, die wir ursprünglich gar nicht besuchen wollten, sie zog und zieht uns immer noch in ihren Bann. Die ganze Stadt ist ein Kunstwerk und nach viel Natur tut das der Seele ebenfalls gut.

John Bosco, italienischer Priester und Stadtheiliger Brasílias sagte 1883 voraus, dass zwischen dem 15. und 16. Breitengrad eine Stadt gebaut werde, die an einem künstlichen See liege und eine neue Zivilisation entstehen würde. Genau so geschah es. Eine neue Zivilisation ist zwar nicht entstanden, wenn man davon absieht, dass die Einöde bevölkert wurde, Land an Sekten günstig abgegeben wurde, damit mehr Menschen hierher ziehen und Rio de Janeiro als Hauptstadt abgelöst wurde.

Brasília entstand 1955 als neue Hauptstadt des Riesenstaates Brasilien mitten im Landesinnern. Initiator war der damalige Staatspräsident Juscelino Kubitschek sowie Städteplaner Lucio Costa, Landschaftsarchitekt Roberto Burle Marx und Architekt Oscar Niemeyer. Als Künstlerin, für viele wunderschöne Glasarbeiten in den Regierungsgebäuden kam später Marianne Peretti als einzige Frau ins Team, von der wir im Museo Nacional eine schöne Ausstellung ansehen konnten.

Entstanden ist eine Hauptstadt, die wirklich visionär ist, aus der Luft aussieht wie ein Flugzeug, der Verkehr auf 8 spurigen Strassen sorgfältig gelenkt wird und mittels riesigen Kleeblättern in andere Richtungen geführt wird und ausserdem die Fussgänger vergessen gingen. Alle Prachtbauten von Niemeyer befinden sich an der Eixo Monumental, die den Rumpf des Flugzeugs bildet, die Seitenflügel, Asa Norte und Asa Sul beherbergen Büro-, Hotel- und Wohnkomplexe.

Brasília ist eine sehr grüne Stadt, riesige Parks mit Bäumen aus ganz Brasilien bilden die grüne Lunge. Wasser und Wassergärten bilden einen wichtigen Akzent bei der Gartenplanung um die Palacios.

Nur gerade 10km ausserhalb des Cityzentrums befindet sich ein Nationalpark wo Ameisenbären, Affen, Gürteltiere, Mähnenwölfe und viele Vögel leben.

Wir haben uns mit dem Auto die Stadt angesehen, sind trotzdem Kilometer weit in der sengenden Hitze gelaufen und wollen euch einige Bilder nicht vorenthalten. Uns hat die aussergewöhnliche Architektur gefallen, und drum sind wir auch ein zweites Mal hierher gereist. Wie sagt man so schön, es lag grad an der Strecke. Aber schaut selbst.


42 – Estrada Real

07. April – 21. April 2016

Brasília > Diamantina > Parque Nacional Serro do Cipó > Caraça > Ouro Preto > Tiradentes > Congonhas

Nachdem ich in Brasília auf dem Campingplatz der Jugendherberge unsere Wäsche in Schuss brachte (mit einer Waschmaschine ohne Spül- und Schleuderprogramm, ja das gibt’s) und gleichzeitig ein Buch las, dessen Hauptakteurin eine Waschfrau war, sind wir weitergereist und haben die architektonisch wertvolle Stadt definitiv hinter uns gelassen.

Wir übernachten zum ersten Mal an einer Tankstelle, nach 400 km haben wir keine Lust mehr, ein Schlafzimmer in der freien Wildbahn zu suchen. Es ist aber nicht irgendeine, sondern eine sehr schöne, wo wir Aussicht auf einen Stausee mit perfektem Sonnenuntergang haben und wo anschliessend ein Buffet aufgetischt wird, das sogar wir beide als Buffetverächter geniessen. Zig Salate und Gemüse, Kartoffeln, Süsskartoffeln und Maniok in Varianten, Bohnen und zartestes Fleisch von riesigen Spiessen, am Feuer grilliert. Die Kundschaft besteht vornehmlich aus Lastwagenfahrern, daher auch budgetfreundlich. Die Nacht ist nicht so ruhig, immer wieder fährt ein Laster ab und einer kommt neu dazu, morgens um 5 Uhr ist die Welt gar nicht mehr in Ordnung, alle fahren ab, nur wir bleiben stehen und sind wach. Trotz sauberen Gratis-Sanitäreinrichtungen ist das Tankstellencamping nicht unser Ding.

Minas Gerais, von diesem brasilianischen Bundesstaat habt ihr schon gehört, zumindest dass irgendwo in Brasilien Ende des letzten Jahres zwei Rückhaltedämme einer Mine gebrochen sind, sich das mit Schwermetallen angereicherte Wasser in den Atlantik ergoss und riesige Schäden an Fauna und Flora anrichtete. Kaum eingereist, sehen wir auch schon die erste grosse Mine und fotografieren. Die Securities sind gleich zur Stelle: Não fotografar, não permitido… ich drück schnell ab. Seit Jahrhunderten wird in Minas Gerais die Erde ausgebeutet – Gold, Metalle, Diamanten. Das Königreich Portugal erfreute sich lange an diesem Reichtum, afrikanische Sklaven bauten eine Strasse von Paraty und Rio de Janeiro nach Diamantina, die Estrada Real. Tropeiros, Maultiertreiber brachten Verpflegung für die Arbeiter ins Landesinnere. Zeitzeugen sind alte Sustdörfer auf der Strecke. Hübsch und gepflegt sind die kleinen Städte mit ihrer Kolonialarchitektur und ihrem Brauchtum. Der unermessliche Reichtum ermöglichte in diesem Gebiet eine aussergewöhnliche Architektur und der Tropenbarock zeigt sich in Minas Gerais von seiner schönsten Seite. In Diamantina treffen wir ein, als eine Vesperata, in Italien wäre das eine Serenata, stattfindet. Wir finden in Paul und Elsbeth zwei Begleiter. Sie sind wie wir unterwegs und offen für vieles. So macht es richtig Spass. Nach regem Austausch und grossem Plausch sitzen wir da und lauschen der Musik. Richtig schräg, sind wir an einer Guggenmusikveranstaltung? Die Stimmung ist wunderbar, die Musiker posaunen von den Balkonen herab, jeder beherrscht sein Instrument: Laut! Auf einem Podest fuchtelt der Dirigent, doch das Zusammenspiel als Orchester braucht noch Zeit. Wir geniessen zu viert Picadinha, knuspriges Filetgeschnetzeltes und Batatas fritas.

Die Estrada Real ist grösstenteils eine gebirgige Schotterstrasse, die uns viel Staub ins Auto bringt, teilweise gepflastert oder auch erholsam asphaltiert. Sie führt uns an viele Wasserfälle und in den Parque Nacional Serro do Cipó. Hier tauschen wir das Auto mit unseren Velos und fahren….. richtig, zu einem Wasserfall. Auf 8 km hab ich zweimal platt und Stefan muss flicken. Meine Stimmung ist auf dem Nullpunkt, hoffentlich hat der Wasserfall wenigstens Wasser und ein Badebecken. Wie schon hunderte Male mit dem Auto fahren wir jetzt mit den Velos durchs Wasser, radeln durchs hohe Gras und kommen dann doch noch dazu, unseren Zvieri beim „Cachoeira da Farofa“ zu verdrücken. Das Wasser im Pool ist herrlich erfrischend. Zurück auf dem Campingplatz genehmigen wir uns einen Caipirinha, der auch ordentlich einfährt, aber das haben wir uns verdient. Richtig gebirgig ist es auch in Caraça, wo ein altes Kloster liegt und viele einflussreiche Persönlichkeiten zur Schule gingen. Hier gibt es Mähnenwölfe (und Elsbeth und Paul). Die scheuen Tiere, eher hochgewachsene Füchse, werden von den Mönchen mit Fleisch angelockt. Wir schlafen in einer Klosterzelle, weil Camping nicht gestattet ist. Der Ort strahlt Ruhe und Kraft aus und die Stimmung hier ist mystisch. Es ist kalt in den Bergen und durchgefroren schlafen wir ein. Paul stand irgendwann nochmals auf und es gelang ihm, das seltene Tier zu fotografieren.

Gemeinsam erkunden wir Ouro Preto, die in Hügel eingeklemmte steile Stadt, schlendern durch die Gassen und erfreuen uns an den schönen Häusern, den Cafés und den Souvenirgeschäften. Das Mineralienmuseum mit seinen tausenden Edelsteinen verlangt uns fast zu viel ab, aber es sind sogar einige Steine aus der Schweiz ausgestellt. In der alten Goldmine müssen wir uns klein machen, das muss eine harte Arbeit gewesen sein, die Lebenserwartung betrug denn auch nur 30-35 Jahre. Arbeiter waren ebenfalls afrikanische Sklaven, ganze Stämme wurden per Schiff von Afrika direkt nach Südamerika „importiert“.

Immer wieder begegnet uns ‚Aleijadinho‘. Der kleine, von Lepra verkrüppelte Mann war Meister der barocken Bildhauerkunst. Jede Stadt, die es sich leisten konnte, verpflichtete ihn beim Kirchenbau. Seine in Speckstein gehauenen Figuren sind aussergewöhnlich ausdrucksstark. Ein Juwel diesbezüglich ist Congonhas.

Am Sonntag besichtigen wir Tiradentes. Wieder so ein Kleinod, für uns allerdings fast zu schön hergerichtet, es scheint nur für Touristen zu bestehen, die auch sehr zahlreich mit Kutschen durch die Strassen chauffiert werden. Wir setzen uns in eine Bar und schauen dem Treiben zu, bevor wir zu Hans auf seinen Camping João Mineiro zurückkehren.

Tags darauf verabschieden wir uns von dieser schönen Gegend. Vor uns liegen rund 1‘500 km zu den Wasserfällen von Iguaçu.


43 – Die Wasserfälle von Iguaçu

22. April – 28. April 2016

Foz do Iguazu

Einmal mehr stehen wir in unserem Leben staunend da und lassen die ungeheure Schönheit der Natur auf uns einwirken. Inmitten riesiger Wälder stürzen sich je nach Jahreszeit und Wasserstand des Rio Iguaçu, was in der Sprache der Tupi Indios ‘Grosse Wasser‘ bedeutet, 250 – 270 Wasserfälle in Kaskaden oder im freien Fall bis zu 90 m über Basaltfelsen um sich 20 km talauswärts mit dem Rio Paraná zu vereinigen, der die natürliche Grenze zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay bildet. Höhepunkt ist die Garganta del Diablo, der Teufelsschlund, wo wir auf argentinischer sowie auf brasilianischer Seite auf einem Steg mitten im nassen Geschehen stehen. Die Wassermassen donnern, brausen und spritzen an uns vorbei. Die Gischt verdeckt die Sicht, die Sonne zaubert Regenbogen und tausende Schmetterlinge verzaubern uns. Es ist schlicht unbeschreiblich, deshalb lassen wir Bilder sprechen…


44 – Südbrasilien

29. April – 13. Mai 2016

Foz do Iguaçu > Treze Tílias > Florianópolis > Gramado > Bento Gonçalvez > São Simão > Rio Grande > Chui

Temperatursturz in Südbrasilien, deutsches Brauchtum, Schuhplattler und italienischstämmige Weinkellereien in Verbindung mit atemberaubenden Fahrten direkt am Sandstrand bis in den Grenzort Chui. Ein letzter Erlebnisbericht aus einem Land, das wir liebgewonnen haben und mehr bietet als Karneval, Samba und Churrasco. Interesse geweckt, dann lies weiter.

Wir kommen an einem Freitag in Foz do Iguaçu an, es ist heiss und wir nutzen den Swimmingpool bis am Samstag intensiv. Doch nach einem starken Gewitter am Sonntag kühlt es um fast 20 Grad ab. Nachts zeigt das Thermometer 7 Grad, wir rollen die warmen Decken wieder aus und tagsüber suchen wir die Sonne, mehr als auch schon. Ungewohnt für uns, denn mehr als 8 Monate lebten wir mit Temperaturen um die 35 Grad oder mehr (und wir lebten gut damit)! Den tollen Nebeneffekt des Regens habt ihr schon zu sehen bekommen, die Fälle von Iguaçu führen gigantisch viel Wasser den Bach, respektive den Rio Iguaçu runter. Nach diesem Gewitter will die Wärme nicht mehr so richtig kommen, es wird auch in Südbrasilien Herbst, und hie und da sehen wir ihn auch – farbige Bäume und fallende Blätter wie daheim. Im übertragenen Sinne befinden wir uns ebenfalls im Herbst, die Zeit in Brasilien läuft langsam aus. Unsere Visa sind bis 31. Mai gültig, doch wir wollen vorher ausreisen, da wir Mitte Juni von lieben Freunden in Bolivien und Mitte Juli von lieben Schweizerfreunden in Lima erwartet werden. Das nennt sich im Leben A Terminkalender! Doch zurück nach Südbrasilien, wo wir die Zeit intensiv geniessen.

Südbrasilien bietet dauergewellte Landschaft mit Araukarien als bis zu 50m hohe Blickfänger. Die stolzen Bäume, die erst im Alter von etwa 100 Jahren die unteren Äste abwerfen, haben wir schon in Chile bewundert, allerdings unterscheidet sich die brasilianische Art sehr von der chilenischen. Am Strassenrand werden wir bald auf die Pinhão-Verkäufer aufmerksam. In ihren kleinen Verschlägen kochen sie die Araukarienkerne weich und verkaufen sie für wenig Geld. Die nahrhaften Kerne erinnern uns geschmacklich an Marroni und sorgen für Abwechslung auf dem Speiseplan. Über Schotterstrassen, weil wir dem dichten Verkehr ausweichen wollen, gelangen wir immer tiefer ins Hügelland, dort wo es schliesslich aussieht wie daheim und unser Navi 1000müM anzeigt, dort wo die Gärtnereien Stiefmütterchen verkaufen, dort wo statt Zebu-Rinder, Holsteinisches Fleckvieh grast und die Molkerei „Tirol“ heisst, dort steht das Dorf „Dreizehnlinden“ oder Treze Tílias. Ein aussergewöhnlicher Ort mit Häusern, wie sie sonst nur im Tirol oder im deutschen Alpenraum stehen, Geranien vor den Fenstern, Gems- und Hirschgeweihe über dem Hauseingang, einem Maibaum und Holzschnitzern wie eben im Tirol. Da es kein Touristenbüro gibt, fragen wir im Hotel Tirol nach einem Campingplatz und siehe da, der freundliche Herr aus dem Trento, der in Lederhosen und Filzhut die Reception führt meint, wir dürften gratis auf dem Parkplatz des Hotels übernachten. Perfekt, es ist kalt und wir freuen uns, dass die Wellnessanlage auch uns zur Verfügung steht. Frisch gebadet und eingekleidet geht’s ab in die gute Stube mit dem offenen Feuer wo nach dem Abendessen die grosse Tirolershow stattfindet. Jungs und Mädels, blond und schmal, eingekleidet in Tirolertrachten tanzen zum Zillertaler Hochzeitsmarsch und zum Kufsteinerlied und ihr Schuhplattler ist nicht vom echten Tirolerplatteln zu unterscheiden. Die meisten haben Tiroler- oder Südtiroler Wurzeln, einige sprechen noch fliessend Deutsch. Treze Tílias ist für uns das typischste aller deutschsprachigen Dörfer. Eben auch hübsch gelegen.

Wir treffen uns mit Paul und Elsbeth in Blumenau, das als deutsche Hochburg gilt, eigentlich ist es nur am Oktoberfest einen Besuch wert und wird völlig überbewertet. Die Fassade ist lustig, das Eisbein saftig, das Kasseler trocken, nachspülen tun wir mit Bier, das die Deutschen hier in Varianten nach dem Reinheitsgebot brauen.

Gemeinsam verschlägt es uns in Pomerode an einen Seniorennachmittag, wo die ältere Generation zu deutscher Volksmusik das Tanzbein schwingt und wir eigentlich nur unseren Kaffeegutschein einlösen möchten. Aber gut deutsch organisiert, müssen wir bis 15Uhr warten, bevor wir uns in die Reihe stellen dürfen um unseren Cafe Colonial abzuholen. Der Teller biegt sich unter der Last von Sandwiches und Kuchen und erinnert stark an den englischen 5 O’Clock Tea.

Die Einwanderungsgeschichte aus dem deutschen Sprachraum, die im 19. Jahrhundert begann, teilweise eingeleitet von der damaligen Kaiserin Leopoldine, der Frau des brasilianischen Kaisers hat Spuren bis in die Gegenwart hinterlassen. Und darauf ist man in Brasilien mächtig stolz.

Uns zieht es ans Meer und so wir reisen alleine weiter. (@ P&E: Gute Fahrt und schöne Heimreise). Bei Florianópolis sind die Küstenstreifen stark überbaut, der Süden ist dicht bevölkert, ist Industriestandort, ist reicher als der Rest des Landes. Die mondänen Wolkenkratzer gefallen uns nicht, wir stehen lieber in einem Vorort bei den Fischern. Doch dann fällt auch hier das Wetter zusammen, eine erneute Kaltfront bricht herein und weil es in den Küstenorten in der Nachsaison aussieht wie bei uns in den Wintersportorten fahren wir zurück in die Hügel nach Gramado, einem Schauplatz der speziellen Art. Überall ein bisschen Kitsch und bald wird es zuviel, doch was Gramado bietet, das ist Superkitsch. Im brasilianischen nebelverhangenen „Sankt Moritz“ steht eine Fonduebeiz neben der anderen, es fehlen nur die Marronihäuschen, Samichläuse und Weihnachtsdeko gibt es zuhauf und eine Indoor Skianlage fehlt auch nicht. Den Brasilianern gefällt‘s und wir schmunzeln über das selbstverliebte Volk, das einmal mehr für ein Selfie posiert Das wird uns bald zu blöd und wir wenden uns den Italienern zu, welche ebenfalls in diese dauergewellte Landschaft auswanderten und ihre Weinkultur mitbrachten. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gründeten die Auswanderer aus dem Veneto ihre Weingüter in der Gegend von Bento Gonçalvez. Brasilianer trinken eher süssen Wein, wenn überhaupt, so sind wir sehr skeptisch, werden jedoch positiv überrascht. Beim ersten Weingut „Marco Luigi“ gibt’s einen sehr guten Rotwein aus der Portweintraube Touriga Nacional. Die Gegend ist aber vor allem für Schaumweine bekannt, und auch hier werden wir positiv überrascht. Stilecht übernachten wir auf dem Weingut Casa Valduga – auf dem Parkplatz im Auto weil wir nach der Degustation von 6 Rotweinen und 6 Champagnern nicht mehr fahrfähig sind. Als Dank kaufen wir eine Flasche Marselan. Diese Traubensorte, eine Kreuzung aus Cabernet-Sauvignon und Grenache ist eine echte Entdeckung. Sehr fein!

Und nun hält uns nichts mehr, wir wollen wieder an den Atlantik. Die Destination, die wir anstreben liegt am äussersten Südzipfel Brasiliens und bietet Strandfeeling vom Feinsten. Lagoa do Peixe, die fischreiche Lagune bietet dank ihrem Nahrungsreichtum tausenden Vögeln einen Überwinterungsplatz und uns dank ihrer Ausdehnung und Einsamkeit nochmals richtiges Strandfeeling. Stichstrassen führen von der BR 101 hinunter ans Meer, wo es möglich ist, direkt am Strand zu fahren und dort mutterseelenallein zu campen. Brasilien besitzt wundervolle Strände; auch wenn es jetzt kühl ist und wir den Friesennerz überziehen, geniessen wir es in vollen Zügen. Lange ausgedehnte Strandspaziergänge am Nachmittag und anschliessend einige Runden Yatzee in der warmen Kajüte unsere Randulina oder den letzten Caipirinha im Sonnenschein am Nachmittag nach 200 km Strandfahrt von Leuchtturm zu Leuchtturm entlang der Lagoa Mangueira runden die Tage ab. Ab und zu treffen wir auf Fischer, die ihre riesigen Netze einnehmen, Möven streiten sich um die Abfälle, streunende Hunde suchen ebenfalls nach Essbarem und lagern sich um unser Auto in der Hoffnung, etwas von unserem Filet abzukriegen. Nur einmal müssen wir wegen der Flut forfait erklären und für ein kurzes Stück zurück zur Teerstrasse. Für ein Bad im Atlantik samt Auto ist es uns doch zu kalt und wir wollen unser Häuschen auch nicht unnötig vermeidbaren Gefahren und Risiken aussetzen.

Wir erreichen Chui am 15. Mai 2016, wo wir 20 Monate vorher bereits einmal waren. Wir sind gespannt, wie wir diesen Grenzort heute empfinden werden. Letztes Mal, als Reiseanfänger kam er uns hässlich vor, und heute – immer noch! Es hat sich nichts geändert. Die Zollformalitäten sind in kurzer Zeit erledigt und wir reisen in Chuy Uruguay ein, wo ein freundlicher Zöllner uns mit „Willkommen in Uruguay“ begrüsst. Wir sehen mit Wehmut nach Brasilien zurück. Até logo!


45 – Uruguay – Argentinien – Paraguay

14. Mai – 10. Juni 2016

Chui > Termas do Arapey > Salto > Estado del Iberá > Corpus > Bella Vista > Altos > Asunción > Loma Plata > Rosaleda > Filadelfia

Erholung in den Thermen, von Jesuiten, Mennoniten, Auswanderern und Einwanderern, neuen Batterien und Autoreifen, von Tieren und Menschen…

Uruguay empfängt uns mit Wohlbekanntem, aber in den geistigen Hintergrund gerücktem: Geruch nach überfahrenem Stinktier auf der Landstrasse, lange Eukalyptusalleen, grasendem Vieh und schönen stolzen Gauchos. Es ist kühl, wir freuen uns auf eine Auszeit in den warmen Quellen von Arapey, wo wir einige schöne Tage verbringen, sogar die Sonne zeigt sich zwischendurch, so dass wir im Freien Kaffee trinken können. Wir füllen unsere Gas Tanks auf, mit unseren uruguayischen Gasflaschen ist das für einmal kein Spiessrutenlaufen nach Adaptern sondern geht ganz flott; wir leisten uns noch eine grosse 3kg Flasche zu unseren beiden 1,5 kg Flaschen, denn wenn die Tage kälter werden, kochen wir wieder vermehrt warme Gerichte. Nach einer Woche verlassen wir das friedliche Land und reisen problemlos in Argentinien ein. In Concordia stürmen wir den Carrefour Supermarkt und decken uns mit allem ein, was wir in Bolivien sicher nicht mehr kaufen können, vor allem mit gutem Wein, feinem Käse und delikatem Rohschinken. Unglaublich wie viel Stauraum unser kleines Auto hat.

Auch in Argentinien werden Erinnerungen wach, rote Schreine und wehende Fahnen am Strassenrand, Heimat von Gauchito Gil. Ausserhalb von Mercedes ist sein Hinrichtungsort und dem Beschützer aller Autofahrer wird hier gehuldigt wie einem Heiligen. Der Souvenirhandel blüht und zwei Stunden später sind auch wir stolze Besitzer eines kleinen Gummi Gil’s, dem Stefan sofort einen Ehrenplatz auf dem Armaturenbrett einräumt.

Auf unserer Weiterfahrt geht die schöne Asphaltstrasse in eine gröbere Sandpiste über und führt uns in den „Parque National Estado del Iberá“. Ein Storch mit einer zappelnden Schlange im Schnabel fliegt über uns hinweg, Caimane liegen träge neben dem Steg beim Visitor Center, Eisvögel tauchen nach Fischen und Carpinchos trippeln über die Strasse auf dem Weg zum Campingplatz. Am nächsten Tag um 10h startet unser Boot hinaus ins Feuchtgebiet mit Lagunen und schwimmenden Inseln, Höhepunkt ist eine gelbe Anakonda, die seit einer Woche am immer gleichen Ort liegt und ihren Verdauungsschlaf geniesst. Beim Nachmittagsspaziergang gibt’s für uns eine Peepshow bei den Carpinchos, die sich bei der schönsten Sache nicht durch uns stören lassen. Ein Gürteltier verzieht sich blitzgeschwind ins Dickicht und der Corzuelo (Rehbock) stellt sich für uns in bestes fotografisches Licht. Das Zwiegespräch, das Stefan mit dem Brüllaffenmännchen führt, hätten wir aufnehmen müssen, das war eine grosse Gaudi für alle Beteiligten.

Ein völlig anderes, wirklich mystisches Erlebnis ist der Besuch der Jesuitenreduktionen in Missiones. Es stehen zwar nur noch Ruinen der bis zu 7000 Menschen zählenden Städte, doch davon geht eine ungeheure Kraft aus. Kunstvolle Steinmetzarbeiten der Guaraní-Indios die unter Anleitung der Jesuiten gearbeitet wurden, versetzen uns ins Staunen. Als die Jesuiten 1764 vertrieben wurden, verliessen die Guaranís die als Protektion gegen Sklavenhändler eingerichteten Dörfer wieder in Richtung Selva-Urwald und die Natur überwucherte alles.

Wieder einmal erreichen wir ein neues Land auf dem Wasserweg. Die Einreise in Paraguay ist ein Kinderspiel; mit einer krakeligen Schrift füllt der Zollbeamte die nötigen Papiere aus und heisst uns Willkommen. Auf dem Campingplatz in Hohenau werden wir von Ruben in deutscher Sprache begrüsst, eine Familie aus Luxemburg und eine Schweizer Familie stehen mit ihren Wohnmobilen auch schon da. Das gibt ein grosses Hallo und lange Abende. Auf der paraguayischen Bank werden wir beim Bezug von Bargeld zu Millionären gemacht, nicht so heftig wie in Venezuela, aber auch gewöhnungsbedürftig. Die Paraguayer sind wie die Uruguayer dem Mate Getränk verfallen und wir sehen kaum einen ohne Teebecher, Bombilla und Thermoskanne. Bella Vista ist das Hauptanbaugebiet des Matestrauches, dessen Blätter getrocknet, fermentiert und zu Mate Tee verarbeitet werden. Der Besuch einer „Matefabrik“ drängt sich also auf und wird mit einer Mate Zeremonie abgeschlossen. Mate wird nicht zu unserem Lieblingsgetränk, aber interessant war es allemal. Auch Ostparaguay ist bekannt für seine Jesuitenreduktionen, ganz interessant ist jene von „San Cosme y Damián“ mit ihrem Planetarium und ihrer immer noch in Gebrauch stehenden Kirche, wo wir einen Sonntagsgottesdienst besuchen. Das Wetter ist allerdings grau in grau und die Anlage wirkt dementsprechend farblos.

Da in Paraguay die Einfuhrsteuern weniger hoch sind als in den meisten südamerikanischen Ländern und in Asunción gute Autoteile zu finden sind, steuern wir Altos an, wo wir uns in Renés und Marions Nudelparadies für eine Woche einparkieren und uns in aller Ruhe in der Hauptstadt nach neuen Reifen und Batterien umsehen können. Beides wird hier fachgerecht montiert, 6 Reifen zum Preis von 5 und 2 leistungsstarke Banner Batterien, die vom Solarpanel gespeist werden und uns Strom für Licht, Kühlschrank und Heizung liefern. Seit Monaten sind diese kaputt und wir abends ohne Strom. Ein gutes Gefühl bei der Rückfahrt von Asunción nach Altos, als die starke Unwucht bei 80km/h plötzlich weg ist. Die neuen Reifen, All Terrain statt Mud Terrain sehen zwar nicht mehr so expeditionsmässig aus, liefern aber einen tollen, viel leiseren Fahrkomfort. René und Marion verwöhnen uns nach Strich und Faden und als noch Sigo und Hilu mit ihrem Pummel eintreffen, gibt’s viel zu tratschen. Gemeinsam besuchen wir den Samstagsmarkt in Altos, trinken Glühwein und kaufen Würste und Vollkornbrot und sitzen lange an der tollen Feuerstelle. Was für ein Leben!

Asunción selbst fanden wir nicht so prickelnd, schäbige Bretterbuden wo wegen Hochwasser umgesiedelte Menschen leben, stehen direkt bei den Regierungspalästen und sehen eher nach Providurium denn Provisorium aus. Eine chaotische und abgewohnt wirkende Stadt. Wir sind eingeladen bei Alexandre, den wir vor Wochen in Südbrasilien kennengelernt haben. Als brasilianischer Militärattaché arbeitet er für die brasilianische Botschaft in Asunción und wohnt sehr edel. Seine Frau verwöhnt uns mit Kaffee und Kuchen und wir verbringen mit ihnen und ihren beiden Töchtern einen sehr schönen und diskussionsreichen Nachmittag.

Bei Paraguay denkt ihr sicherlich an die Nazischergen, die hier während der Militärdiktatur Unterschlupf gefunden haben. Der Naziarzt Mengele baute in Hohenau ein Kinderspital auf, das aber nie rechtfertigt, was er in Europa verbrochen hat. Ein trauriges Kapitel. Es gibt aber auch ein anderes Kapitel, das von ganz normalen Auswanderern geschrieben wird. Es sind Auswanderer, v.a. aus Deutschland und der Schweiz, die sich in Ostparaguay und Mennoniten, die sich im Chaco niedergelassen haben. In den 20iger Jahren trafen die ersten Wiedertäufer via Preussen, Russland, China, Frankreich und Kanada in Paraguay ein. Mennoniten, ihr Ursprung war die Schweiz, verweigern Kindertaufe, Wehrdienst und den Schwureid und waren nirgends gerne oder lange gerne gesehen. Ein arbeitsames Volk, welches eben in Westparaguay, im Chaco unter widrigsten Umständen Paraguays Landwirtschaft aufgebaut hat wo vorher nichts war ausser Einöde. Man hört Plattdeutsch, die Ortsnamen tragen die Namen der verlassenen Heimatorte. In den Heimatmuseen von Loma Plata und Filadelfia wird die tragische Geschichte „Bis hierher hat uns der Herr geholfen“ aufgearbeitet. (siehe Wikipedia).

Wir besuchen die beiden Schweizer Ricardo und Susanne, die uns viel vom Leben in dieser trockenen Savanne erzählen, und besuchen mit ihnen einen Spital und eine Schule für Indios, die von Mennoniten aufgebaut und grösstenteils finanziert werden.

Die staubige Transchaco Piste führt uns nach Rosaleda, wo sich 1992 Schweizer im tiefsten Chaco niedergelassen haben. Seit 3 Monaten gibt es Strom, vorher gab’s den nur per Generator. Wir lassen uns von Ernst, der einen wunderschönen Garten mitten in der Wildnis angepflanzt hat seine Lebensgeschichte und die Geschichte von Rosaleda erzählen. 400mm Regen pro Jahr, eine der wasserärmsten Regionen der Welt, bis zu 45 Grad im Sommer, eiskalte Winternächte, Sandstürme und Einsamkeit, ein Dickicht aus Dornengebüsch, hier muss man mit sich im Reinen sein, sonst wird das Überleben zur Qual.

Und trotz allem ist Paraguay auch heute noch ein klassisches Auswandererland für Deutschsprachige, die Freiheit scheint fast grenzenlos zu sein.

Der pudrig feine Staub der Piste sitzt einmal mehr in allen Ritzen und wir sind froh, dass die Transchaco ab La Patria zur bolivianischen Grenze hin asphaltiert ist. In flottem Tempo geht es weiter, begleitet von den typischen Flaschenbäumen. Wir denken zurück an jene, die uns so freundlich aufgenommen haben, herzlichen DANK!


46 – Bolivien

11. Juni – 05. Juli 2016

Camiri > Santa Cruz > Samaipata > Sucre > Potosí > Salar de Uyuni > La Paz > Coroico > Mapiri > Sorata > Copacabana

Zum dritten Mal Bolivien, was hat uns geritten, dieses Land das von Bloqueos, komplizierten Tankstellen und dazu von sehr verschlossenen Menschen beherrscht wird, nochmals zu besuchen? Ihr erfahrt es gleich im nachstehenden Bericht.

Ein grimmiger Zollbeamter, der uns inmitten von Hühnern und Unrat in seinem Hüttenbüro unfreundlich empfängt ist der Anfang der Geschichte. Bolivien wie es leibt und lebt. Die keifenden Geldwechslerinnen sind enttäuscht, dass wir paraguayische Guaranís wechseln statt US-Dollars. Das bringt ihnen nicht viel ein. Auch der Kurs ist so unfair; nicht mit uns; nein danke! In Camiri in einer Wechselstube sieht das etwas besser aus. Am Sonntag ist Markt, wie lange haben wir keine solchen Märkte mehr gesehen, sehr exotisch, dafür lieben wir Bolivien. Die Frauen sitzen auf dem Boden und verkaufen Früchte und Gemüse. Zitrusfrüchte sind aktuell der Renner.

Der Verkehr ist chaotisch, nie weiss man wann eine Strassenblockade stattfindet und die Tankstellen sind es auch. Nein, Ausländern verkaufen sie weder Diesel noch Benzin. Es ist zu kompliziert. Mit einer ausländischen Nummer bezahlt man mehr als doppelt so viel wie als Einheimischer, das ist Gesetz, doch die Rechnungsstellung ist kompliziert. Wir werden mehrmals abgewiesen. Irgendwann versuche ich’s mit einem Trick: Nein, wir brauchen keine Rechnung und ja, wir bezahlen den Ausländerpreis. Oh, Wunder, es klappt! In wessen Tasche das Geld fliesst ist wohl klar. So hätten wir Dutzende Stories zu erzählen…… Die Leute sind verschlossen, unfreundlich und abweisend, warum also zieht es uns nochmals nach Bolivien?

Bolivien ist exotisch und nichts für Reiseanfänger, die Herausforderung lockt und auch die grossen Märkte wie anfangs erwähnt, unglaublich schöne koloniale Architektur und eine ausserordentliche Landschaft reizen uns. Wir verzichten diesmal auf Strassenküche und dergleichen, die Folgen von unhygienischen Zubereitungsarten sitzen mir noch zu fest im Nacken.

Auf schlechten Staubpisten geht es durch farbige Landschaften Richtung Sucre. Doch was seh ich da? Das ist doch ein Schweizer Lastwagen. Die Kabine ist ganz deutlich angeschrieben. Wir irren uns nicht, ein ausgedienter Laster der Transportfirma Bieli aus Laufen karrt hier Ware herum und wirbelt Staub auf. Alles wird fotografisch festgehalten und wir schicken die Fotos per Mail nach Laufen, wo sich jemand herzlich bei uns bedankt.

Nochmals in Sucre herumschlendern und im „Chocolate Para-ti“ eine heisse Schoggi mit Cacao aus dem Beni Tiefland geniessen, auf dem gemütlichen Camping von Alberto und Felicidad Gleichgesinnte treffen und im grossen Markt baumfrische Papaya, Avocado und Chirimoya einkaufen. Welch ein Genuss!

Wir besichtigen Potosí, die einst dank Silberfunden im Cerro Rico reichste Stadt der Welt. Die Minenstadt ist ein Juwel auf über 4000müM. Ein architektonisches Füllhorn im Mestizenbarock. Dass mehr als 6 Millionen Indigenas unter der Silbergier der spanischen Konquistadoren bei unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Minen umkamen ist die Kehrseite der Medaille. Mit atemberaubenden Aussichten fahren wir dem Salar de Uyuni entgegen. Bitterkalte Nächte erwarten uns auf 3660müM, das ist es allemal wert. Wir feiern ein kleines Fest: Unsere Randulina hat bei einer kleinen Insel ihren hunderttausendsten Kilometer. Stefan mixt uns einen Caipi und anschliessend grillieren wir unser mittlerweile gut abgehangenes Rindsentrecôte aus Paraguay. Randulina bekommt in Uyuni eine Autowäsche mit Süsswasser und führt uns anschliessend durch einen Sandsturm nach Oruro. Der Sturm ist so heftig, dass wir manchmal wie blind im Auto sitzen, doch abends lockt ein Bad in einer Therme, wo wir als weisse Ausländer unter lauter Indigenas DIE Attraktion sind. Das Bad war nötig, denn unterwegs mussten wir mitten im Sandsturm eine Rettungsaktion starten und eine mit ihrem Auto steckengebliebene Frau samt zwei Kleinkindern aus einem Graben ziehen. Wir bemühen uns, das Bild des Gringos aufzubessern und hoffen, dass es für andere Reisende Früchte trägt. Südamerikaner fahren meist ohne Abschleppseil in der Gegend rum und staunen Bauklötze, wenn wir unsere Schäkel und das Seil auspacken und sie aus misslichen Situationen befreien. Für uns ist die „Bergung“ ein Kinderspiel, doch haben wir manchmal Angst, die zu rettenden Klapperkisten entzwei zu reissen.

La Paz, eine Stadt, die sich über 1000 Höhenmeter erstreckt und ihre Tentakel bis weit auf 4000müM ausstreckt ist zwar kein architektonisches Juwel, doch wir finden auch hier kleine Gassen und Sehenswertes. Interessant ist es, mit den Doppelmeyer/CWA Gondelbahnen über die Stadt zu schweben und dabei in Villengärten und Slumquartiere zu blicken. Der Camping im Schweizer Hotel Oberland ist DER Treffpunkt für Reisende und so treffen wir uns mit Schwyzern aus Reichenburg und Schweizern aus Luzern sowie Deutschen, Holländern und einem Esten. Das gibt ausführliche Gespräche bei „Zürigschnätzlets und Rösti“. Um aus dem Moloch wieder herauszufinden, brauchten wir eine Stunde und schon lockten Berge in der 6000er Dimension. Die berühmte „Death Road“ ist auch nicht mehr das was sie mal war, es gibt heute eine Alternative und die Todesstrasse ist heute eine Bike-Downhill Strasse. Doch sie ist immer noch gut genug für einige schöne Fotosujets. Da ist die Strasse entlang der Goldgräbersiedlungen von Coroico nach Mapiri und Sorata schon eher eine Todesstrecke. Weder Leitplanken noch Auffangnetze gibt es da. Nur Serpentinen, Geröllhalden, Matsch, engste Kurven und viel Verkehr. Dazu am späten Nachmittag Nebel, der uns zwingt, die Nacht auf der Passhöhe zu verbringen, ganz schön kühl auf fast 4000m.

In Sorata bei Stefan und Petra im Café Illampu mit Ausblick auf vereiste Bergriesen gleichen Namens ist es merklich wärmer. Nach einer heissen Dusche geniessen wir ein Bier auf dem Dorfplatz und beobachten das sonntägliche, an uns vorbeiziehende Landleben. Frauen sind Lasttiere, alles tragen sie in ihren Tüchern auf dem Rücken, Baby, Feuerholz, Einkäufe. Heute ist Markttag und so tragen sie auch ihre Waren zum Verkauf auf den Markt während die Männer sich ein Maisbier gönnen. Nach erledigten Geschäften steigen die Familien wieder ins Trufi (Colectivo-Minibus) und lassen sich in ihre Dörfer fahren. Mamas steifer Hut bleibt dabei immer auf!

Ja und dann ist da noch das Original, das wir sehen wollten: Copacabana! Nicht die Copacabana von Rio de Janeiro, sondern den Ort am Titicacasee, der dem Strand in Rio seinen Namen ausgeliehen hat. Ein Touristenort, Rummel, Souvenirshops und die berühmte Sonneninsel mit den Inka Ruinen, die uns nicht sonderlich beeindrucken.

Dann ein wieder mürrischer Zöllner, der durch einen Bus und uns beim Zeitunglesen gestört wird. Dabei wollen wir doch bloss ausreisen und benötigen einen klitzekleinen Ausreisestempel, einfach damit der Polizist die Barriere für uns heben kann. Bolivien, wie es leibt und lebt. Doch schön war es allemal.

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