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26 – Von Lagunen zum Salar

15. Juli – 22. Juli 2015

Calama > San Pedro de Atacama > Hito Cajones (Bolivien) > Salar de Uyuni > Uyuni

Die Zollformalitäten in San Pedro de Atacama sind schnell erledigt, wir reisen ja auch nach Bolivien aus. Kühlschrank und Vorratskasten sind gut gefüllt mit Käse, Fleisch und frischem Obst und Gemüse. Wir werden tagelang nicht einkaufen können.

Schon lange haben wir uns auf diese Strecke gefreut – die Lagunenroute in Bolivien, die ihr Ende am Salar de Uyuni findet. Abenteuer pur, grosse Höhen, Schotterpisten für 4x4 Geländewagen mit hoher Bodenfreiheit und einmal mehr spektakuläre Landschaften.

Die Einreise in Bolivien findet auf 4488müM auf Hito Cajones statt. Die Migration ist nur ein kleines Haus. Nach dem Ausfüllen des Einreiseformulares wird der Pass gestempelt, der Schlagbalken wird für uns geöffnet, wir sind in Bolivien. Kurz darauf folgt das Campamento des „Reserva Natural de Fauna Andina Eduardo Avaroa“. Es scheint, der Nationalpark habe die grössere Bedeutung als die Zollstation, die nicht einmal eine Abfertigung für die Einfuhr des Autos hat. Diese Formalitäten erledigen wir in der 80km entfernten Aduana, die sich bei einer Mine auf 5033müM befindet. Die Luft ist dünn, 2 Zollbeamte begutachten unser Auto, checken Chassis-Nummer und Autonummer mit dem Fahrzeugausweis und füllen im Adlersystem aber immerhin auf dem Computer ein Formular aus, welches uns erlaubt, unsere Randulina einzuführen. Dauer der ganzen Prozedur: 50 Minuten. Aber wir haben Zeit, auf dieser Höhe stresst mich nur mein Kopfweh.

Die 80 km zwischen Migration und Aduana sind gespickt mit landschaftlichen Höhepunkten. Die beiden Lagunen Blanca und Verde verdienen ihren Namen zu Recht. Gegen Mittag leuchtet die „Laguna Verde“ smaragdgrün, Kupfer, Arsen und Blei sind für die Farbgebung verantwortlich; während die „Laguna Blanca“ weissschimmernd daliegt. Im Hintergrund erhebt sich der Vulkan Licancábur. Endlose Weiten wechseln sich mit Vulkanen ab, Wüste im Hochland mit heissen Quellen, die wir natürlich sofort für ein Bad nutzen. Immer mehr bergauf geht es zum Geysirfeld „Sol de Mañana“. Das lassen wir noch links liegen und fahren eben zur Aduana.

Zu meinem Kopfweh hin fühle ich mich auch etwas grippemässig. Auf dieser Höhe, nein, das geht gar nicht. Wir fahren wieder zurück zu den Termas de Polques. Immerhin 600m tiefer. Am nächsten Morgen sind wir aber nicht allein, Dutzende von Land-Cruisern mit Ausflüglern sind ebenfalls da. Nun ja, wir geniessen unser Morgenbad trotzdem. Und dann nichts wie los zu den Geysiren. Ich fühle mich wie neugeboren, ob es wegen dem heissen Bad oder den Medikamenten ist sei dahingestellt. In diesem 1km2 grossen Geysirfeld, welches als das höchstgelegene der Welt gilt, sprudelts und dampfts und riechts wie in Teufels Küche. Je nach Mineraliengehalt sind die kochenden Lehmtümpel weiss rosa, orange, hell- oder dunkelgrau gefärbt. Auch der Geysir sprüht seine Dampffontäne in die Luft und der Wind treibt sein Spiel damit. Irgendwann müssen wir uns losreissen und uns wieder auf die Wellblechpiste begeben. Wie im Schüttelbecher tuckern wir zur „Laguna Colorada“, einem orangefarbigen See inmitten der Wüste. Thermalwasser verhindert das Gefrieren der Lagune und eine spezielle Algenart färbt diese nur 45cm tiefe Lagune so intensiv. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir Hunderte von intensiv rosa gefärbten Flamingos, zusammen mit den weissen Boraxinseln der Hingucker.

Wind und Wetter formten dann die nächsten Highlights, wie wir sie zwar schon einige Male gesehen haben, aber immer wieder faszinierend finden – in der Siloli Wüste steht der „Arbol de Piedra“, der Steinbaum und viele andere Skulpturen aus vulkanischem Gestein. Heute wird wieder endlos fotografiert.

Nach der „Lagunenroute“ folgt die „Ruta de la Joya“, die Route der Juwelen. Und wirklich liegen weitere kleinere und grössere Lagunen wie Juwelen auf der Strecke. Die Meisten sind gefroren. Nachts ist es jeweils bitterkalt, trotz nächtlicher Windstille geniessen wir 20 Grad im Minusbereich. Den Flamingos in der Laguna Hedionda scheint das nichts auszumachen, nur beim Abfliegen auf Glatteis sollten sogar sie Spikes montieren. Aber wir hätten dann nichts mehr zu schmunzeln.

Nach der letzten Lagune geht’s steil bergauf und die Strasse gleicht eher einem Bachbett. Dazu haben wir einiges an Gegenverkehr, man spürt die Sommerferienzeit in Europa und Nordamerika. Alle scheinen sich in Bolivien in Land-Cruisern zu vergnügen.

Irgendwann erreichen wir die Erdstrasse und werden vom rauchenden Vulkan Ollagüe begrüsst. Unter alten Lavafelsen gibt es Mittagsrast. Doch die Freude über die Erdstrasse, die zu fahren ist wie eine Asphaltstrasse (jeder zieht einfach eine immense Staubfahne hinter sich her) hält nicht lange. Denn Richtung Salar de Uyuni geht’s anfänglich wieder über Wellblechpisten zum Salar de Chiguana. Welche Erholung eine Fahrt auf dem Salar bietet, kann sich nur vorstellen, wer Hunderte von Kilometern Rüttelpiste gefahren ist. In San Juan ist nicht viel los, vielleicht weil es Sonntag ist, vielleicht weil es Siestazeit ist. Lamas stehen friedlich zwischen den Häusern in den Strassen und auch im Dorf Villa Martin Colcha K scheint die Zeit still gestanden zu sein. Kakteen ragen auf, die Quinoa Felder sind abgeerntet, ein etwas trostloser Anblick. Aber immerhin ist hier schon wieder Landwirtschaft möglich. Wir befinden uns immer noch auf über 3500müM.

Und dann sehen wir ihn – den Salar. Wieder eine Superlative. Der Salar de Uyuni ist die grösste Salzpfanne der Welt, fast ein Viertel der Oberfläche der Schweiz, ca 160 km lang und 135 km breit mit 72 Koralleninseln, bewachsen mit Gebüsch und bis zu 10 m hohen Kandelaberkakteen. Auf der Insel Incahuasi leben Vögel und eine Chinchilla Art. Etwa 75% des Weltvorrates an Lithium sollen im Salz enthalten sein, bis heute wird noch fast nichts ausgebeutet. Für Batterien und Mikroprozessoren ist also noch lange nicht aus. Ist der Salar ausgetrocknet, was er jetzt ist, ist er befahrbar und steinhart, von Dezember bis Juni soll es eine matschige Angelegenheit sein mit der Gewissheit steckenzubleiben.

Wir finden für uns eine kleine Privatinsel. Da es praktisch windstill ist, geniessen wir die Aussicht von unserem Inselchen über das Weisse Meer. Und dann packt es uns. Stefan holt die Velos aus dem Auto und wir radeln wie die Verrückten über den Salar. Die Distanzen täuschen, aber was soll‘s, wir machen keine Höhenmeter, es ist einfach flach. Wir erkunden und umrunden weitere Inseln und bestaunen die Salzausblühungen, die Strukturen, die verschiedenen Farben – je näher am Ufer einer Insel umso brauner das Salz, je weiter draussen desto weisser, und wir geniessen abends den Sonnenuntergang der alles in ein rosa Licht taucht und später das endlose Sternenmeer mit der Milchstrasse. Wir geniessen unsere Robinsonade ausgiebig bevor wir ins Städtchen Uyuni fahren, wo es scheint, dass Touristen in der Überzahl sind. Auf dem Markt kaufen wir Brot, Trinkwasser und eine riesige Avocado. Geldwechseln steht ebenfalls an, alle Bancomaten sind ausser Betrieb. Dann zur Post, und welche Überraschung, die 7 Briefmarken in die Schweiz kosten mehr als unser Mittagessen.

Unser heutiger Übernachtungsplatz ist so völlig anders als in den letzten Tagen. Wir stehen zwischen alten ausgedienten Lokomotiven, die friedlich vor sich hinrosten. Hier heisst es romantisch „Cementerio de Trenes“, bei uns wäre es ein Schrottplatz. Und wenn dann noch ein wirklicher Zug vorbeifährt wirkt die Szenerie etwas gespenstisch, eben wie ein Geisterzug.


27 – Strassenblockade in Bolivien

25. Juli 2015

Nach erlebnisreichen Tagen auf dem Salar de Uyuni fahren wir auf dem Altiplano im Westen Boliviens südwärts und freuen uns an der schönen Landschaft. Dann, hinter einer Kurve parkieren Lastwagen entlang der Strasse. Was ist denn da los? Ein Volksfest? Eher nicht, die Chauffeure winken uns, wir sollen das Tempo drosseln und anhalten. Wir quetschen uns in eine „Parklücke“ zwischen zwei Lastern. Jemand kommt zu uns und erklärt uns, dass die Strasse nach Oruro seit 3 Tagen hier blockiert sei, gleich rennt dieser jemand wieder weg. Wir steigen aus. Und wirklich, die Strasse ist mit Steinen, Schutt, sitzenden Indiofrauen und quergestellten Lastwagen regelrecht abgeriegelt. Eine Gruppe ruft uns zu, wir sollen zu unserer eigenen Sicherheit nach Rio Mulatos zurückfahren. Was wir denn auch versuchen. Aber das ist aussichtslos, denn mittlerweile wird die Strasse von beiden Seiten abgeriegelt. Man empfängt uns mit Schlagstöcken und Steinen. Wir halten an, denn die Windschutzscheibe sollen sie uns nicht einwerfen und versuchen in einem Gespräch eine Durchfahrt zu erreichen. Nützt natürlich nichts, sie sind engstirnig, es sei halt unser Fehler, dass wir zur falschen Zeit am falschen Ort seien. Wenn es uns gelänge, vom Anführer eine schriftliche Genehmigung zu erhalten, liessen sie uns durchfahren. Die Blockade dieser 5 Männer wollen wir nicht einfach durchbrechen, sie wirken aggressiv und zu allem bereit. Und ich bin sicher, die Geschosse der Steinschleudern hätten unserer Randulina nicht gut bekommen. Wir können beobachten, wie ein gelber Lastwagen auf einem Feldweg die Blockade zu umgehen versucht. Aber die Männer sind schneller und hängen sich an den Laster und zwingen ihn auf die Strasse zurück. So geschieht es ebenfalls mit einem Pickup. Die Männer schwingen sich blitzgeschwind auf die Ladebrücke und zwingen den Pickup sich ganz nach vorne einzureihen. Er wird gleich auch dazu benützt, die Strasse zu blockieren. Bei uns kann sich glücklicherweise niemand ans Auto krallen, wir kehren um und reihen uns wieder zwischen die Lastwagen ein. Sicher ist sicher.

Irgendein Typ, wir wissen nicht, ob er zu den Lastwagenfahrern oder zum Blockierertrupp gehört, kommt zu uns ans Auto und erklärt uns die Situation. Boliviens Präsident Evo Morales habe dieser Region einige Projekte zum wirtschaftlichen Aufschwung versprochen, bis heute wurde in der ärmsten Provinz aber nichts realisiert. Nun ist der Bevölkerung der Kragen geplatzt und mittels dieser und einer anderen Strassenblockade nahe Potosí soll der Bau einer staatlichen Zementfabrik erzwungen werden.

Einige Stunden später hat sich die Situation etwas entschärft. Wir suchen gemeinsam den Chef der Blockade auf, der uns natürlich keine schriftliche Erlaubnis gibt, aus der Blockade herauszukommen. Jegliches Gespräch mit uns lehnt er strikte ab und erklärt uns, wir müssten Geduld haben, andere sitzen schon seit 3 Tagen fest. Um 16 Uhr gäbe es Neuigkeiten, wir würden dann informiert. Jetzt ist es 11 Uhr. Also vertreiben wir uns die Zeit mit lesen und spielen. In der Zwischenzeit wird uns langsam klar, wer zu welchem Trupp gehört. Die Lastwagenfahrer haben ebenfalls einen Anführer, Julio. Er entschuldigt sich bei uns, weil wir als Touristen so etwas erleben müssten und nun über Bolivien schlecht denken würden. Aber er würde dafür sorgen, dass uns nichts passiert. Er nimmt auch an der Diskussion um 16 Uhr teil, wo entschieden wird, wie lange die Blockade noch dauern soll. Er kommt dann auch mit der Nachricht zu uns, dass vorläufig nichts zu machen sei und wir die Nacht hier auf der Strasse verbringen müssten. Es gesellen sich weitere Chauffeure zu uns und nehmen unseren Land-Rover in Augenschein. Alle sind sich einig, dass wir wohl das beste Fahrzeug hätten, um hier zu übernachten. Ich brutzle uns eine feine Rösti, Stefan öffnet eine Flasche Wein, wir heizen tüchtig ein und überstehen die eiskalte Nacht auf 3‘800 müM problemlos. Ab und zu einen knallt ein Feuerwerkskörper und wir hören lautes Geschrei, sind aber weit vom Geschütz entfernt und stören uns nicht weiter daran.

Wie immer scheint am Morgen die Sonne und draussen ist es wärmer als im Auto. Also machen wir einen Spaziergang nach vorne, da kommt uns gleich Julio mit Marina und Denis aus Deutschland entgegen. Die beiden mussten die Nacht ganz vorne im Pulk verbringen. Ihr Pickup wurde ebenfalls als Strassensperre missbraucht und als sie nachts den Motor laufen liessen, um die Standheizung zu aktivieren, schlug man ihnen mit Schlagstöcken aufs Auto und rammte gleich noch einen Nagel in den Pneu, damit sie mit dem Plattfuss nicht wegfahren konnten. Man stellt sich eine Hochzeitsreise nicht so vor, oder?

Einer der Rädelsführer entschuldigt sich dann doch bei ihnen für den Übereifer der Blockierer, während die Lastwagenchauffeure das Rad wechseln. Wir machen dann mal Kaffee und Brötchen bei uns im Auto damit Marina und Denis sich in der Randulina aufwärmen und verpflegen können.

Ob wir das denn nicht auch bei uns hätten, wollen die Blockierer wissen, das sei doch normal, wenn man die Regierung unter Druck setzen wolle um seine Ziele zu erreichen. Sie staunen nicht schlecht, als wir ihnen erklären, dass das in unseren Ländern nicht so gehandhabt werde und wir Konflikte mit demokratischen Regeln lösen. Unverständlich für die Bolivianer.

Gegen Mittag werden wir von den Lastwagenfahrern zum Zmittag eingeladen. Die Lastwagen transportieren ja auch Lebensmittel, so ist Hunger kein Problem. Und auch bei den Blockierern kann man sich mit Essen eindecken. Einige Indiofrauen kochen Suppe, Eintöpfe und dicke Bohnen andere sind im Sitzstreik. Die Situation wirkt irgendwie komisch und grotesk.

Und dann die Wende. Der Alcalde, Bürgermeister, trifft ein und wir 4 Touristen werden zu ihm gebeten. Man bietet uns quasi ein Friedensmahl an und er macht mit uns Smalltalk, will vieles über und von uns wissen, über unsere Länder… und pünktlich um 14 Uhr schickt er uns wieder weg. Wir würden weiteres später erfahren. Gegen halb drei Uhr werden wir vom anderen Rädelsführer „empfangen“ und er erlaubt Marina und Denis jetzt loszufahren. Wir beide dürften 2 Stunden später die Blockade verlassen. Wir können natürlich um 16 Uhr nicht einfach losbrausen, denn wir wissen nicht, ob der Mob vom Entscheid des Anführers weiss. Während Stefan langsam aus der Kolonne herausfährt, suche ich nochmals den Chef, damit er die Situation klar regelt. Natürlich ist er nirgends zu finden, und niemand kennt den Chef oder weiss wo er ist. Mit einer Gringofrau will niemand sprechen.

Gegen halb fünf erhebt sich der Chef aus seiner Siesta und um 17 Uhr dürfen dann auch wir die Blockade verlassen. Schön langsam, damit keiner der Blockierer meint, wir seien auf einer unerlaubten Flucht fahren wir im Zickzack durch die Sperren.

Nach diesem etwas besonderen Reiseerlebnis sind wir froh, wieder in Freiheit zu sein. Leid tun uns einerseits die vielen Lastwagenchauffeure, die noch eine oder zwei weitere Nächte auf der Strasse verbringen müssen und andererseits auch die hoffnungslosen Blockierer, die zwar mit dieser Aktion etwas Aufmerksamkeit erreichen konnten, aber kaum mehr.


28 – Von Ritualdörfern und einem Eisberg auf dem Altiplano

26. Juli – 02. August 2015

Uyuni > Oruro > PN Sajama > Putre (Chile) > Salar de Surire > Puchuldiza > Salar de Huasco > Pica

Daheim schauen wir ab und zu im Fernsehen Dokumentarfilme über fremde Länder. Genauso ist das jetzt bei uns. Nur zieht die Landschaft nicht im TV an uns vorbei sondern wir an ihr. Hauptakteure sind Wellblechpisten, Salare, Flamingos, Nandus, Vicuñas, Lamas und Alpacas sowie rauchende Vulkane und Geysire und eben ein Eisberg. Regisseur: die Natur, Drehort: Bolivien und Chile. Statisten und Zuschauer: Wir beide.

Nach dem Exkurs in der bolivianischen Strassenblockade ist die Freiheit grenzenlos! Über die hässliche Stadt Oruro, die im eigenen Müll zu versinken droht (Kehrrichtverbrennungsanlagen oder saubere Mülldepots sind hier ein Fremdwort, der Unrat ist um die Stadt herum verteilt) tuckern wir zum Nationalpark „Sajama“. Der höchste Berg Boliviens, eben der Sajama mit 6542m, ist schon lange sichtbar. Zum Besteigen scheint er schwierig und der Parkranger meinte denn auch, 3 Tage müsste man für die Tour schon einplanen, wir lassen‘s bleiben. Stattdessen füllen wir unsere Wasservorräte auf dem Hauptplatz auf, strolchen durch das hübsche Örtchen, picknicken an der Laguna Huanakuta mit Flamingos und geniessen den Blick auf die Vulkane Sajama, Pomerape und Parinacota, alle drei wunderschöne Gipfel. Der Parinacota hätte auch eine tolle Flanke um mit den Skis hinunterzuwedeln. Wir übernachten mausbeinallein bei den bolivianischen Geysiren und geniessen am Morgen ein Bad im warmen Bächlein. Der Abwasch ist schnell erledigt, dank dem heissen Wasser, das die Natur uns zur Verfügung stellt. Als die ersten Touristen kommen machen wir uns davon und bereiten uns schon mal seelisch für den Grenzübertritt nach Chile vor. Haben wir alles aufgegessen oder gut versteckt? Das Ei habe ich vorsichtshalber im heissen Geysirwasser hart gekocht. So darf ich es über die Grenze nehmen. Ein kleines Picknick mit den letzten Rüebli, Chile wir kommen wahrscheinlich zum letzten Mal. Der Grenzübertritt in Chungará verläuft etwas kompliziert, aber nach eineinhalb Stunden haben wir es geschafft. Die Bolivianer haben eine etwas chaotische Reihenfolge, die Chilenen wollen wieder mal unsere Koffer röntgen, und werden rot, als wir ihnen sagen, unser Auto sei ein kleines Wohnmobil, wir hätten keine Koffer. So wird der Ordnung halber mein halbleerer Rucksack durchleuchtet.

In Putre gibt’s nach langem wieder Einkaufsmöglichkeiten, wifi und ein Restaurant, wo wir Alpacafleisch mit Quinoa geniessen. So erübrigt sich das grosse Gekoche am Abend.

Anderntags fahren wir im Staub Dutzender Lastwagen, den rauchenden Vulkan „Guallatire“ immer im Blickfeld, Richtung „Salar de Surire“. Leider beruft sich eine private Minengesellschaft auf alte Schürfrechte und baut mitten im Salar und im Nationalpark Borax ab. Dieses weisse Mineral entsteht, wenn Salzseen austrocknen, ausserdem kommt es in Vulkanschloten vor. Man verwendet es für Glasuren, zur Glas- und Emailproduktion und im Haushalt wird es in Seife, Wasserenthärtern und in Waschmitteln (PerBORat), in Putz- und Bleichmittel und in Desifektionsmitteln verwendet.

Dass hier in dieser Abgeschiedenheit auch noch Menschen leben, zeigt sich an den grossen Lama- und Alpacaherden. Statt Mustangs wie im wilden Westen, rennen diese Tiere am Abend durch das Bachbett, während wir unseren Apéro geniessen. Ein faszinierendes Schauspiel. Überhaupt sind diese „Bofedales“ die Sümpfe das Herz der Region. Den Enten, Gänsen, Nandus, Vicuñas, Lamas und Alpacas dienen die Sümpfe als Nahrungsgrundlage. Viel Futter ist da vorhanden und für den Mensch auch Trinkwasser.

Im Gegensatz zum „Salar de Uyuni“ ist der „Salar de Surire“ für Private nicht befahrbar. Wir fahren also um den Salar herum und bestaunen die Natur. Die zahlreichen Flamingos, die sich anscheinend an den Lärm der Lastwagen gewöhnt haben, sind mehr als nur rosa, sie sind fast bordeauxrot. Die Landschaft ist mehr als grandios. Bald schon sehen wir Dampfwolken. Das müssen die „Termas de Polloquere“ auf der anderen Seite des Salars sein. Das Wasser tritt mit ca. 66oC aus dem Untergrund aus, füllt verschiedene Naturbecken und erinnert uns an die „Blue Lagoon“ in Island. Die Temperatur in den Badebecken mit den kleinen Inseln beträgt etwa 45-50oC. Ziemlich heiss also, aber hat man sich daran gewöhnt, hält man es gut und gerne 20min aus. Die Sonne scheint zwar, aber auf über 4000m ist es etwas kühl, also ideal für den umgekehrten Saunaeffekt, genauso wie wir es in Island kennengelernt haben. Man wärmt sich im Wasser auf und kühlt sich am Land ab. Ein junger, brauner Flamingo gesellt sich zu uns, entweder will er seine Füsse wärmen oder die kleinen Krebsli sind hier besonders fein. Nach diversen „Saunagängen“ riechen wir etwas schweflig, sind aber porentief rein.

Vorbei an ausgestorbenen Dörfern mit hübschen Kirchen geht’s nach Enquelga. Die meisten Dörfer werden von den „Aymaras“ einer ethnischen Gruppe der Ureinwohner nur noch als Ritualdörfer zu verschiedenen Festen aufgesucht und sind grösstenteils ausgestorben. Die Festtage der Aymara fallen oft mit den katholischen Festlichkeiten zusammen, nur ist der Ursprung ganz anders. Die spanischen Missionare haben das Christentum nach Südamerika gebracht und die indigenen Völker haben auf deren Druck christliche Bräuche übernommen ohne ihre eigenen aufzugeben. Neben den Kirchen findet sich meist ein grosser Platz auf dem die Aymara ihre Rituale und Festlichkeiten abhalten. Die Missionare bauten die Kirchen nämlich gleich neben den Ritualplatz der Indios.

Auch hier im Nationalpark „Volcán Isluga“ wo der Vulkan kräftig raucht, gibt es „Aguas Calientes“. Nach den nachmittäglichen heissen Wassertemperaturen erscheint uns 28oC aber doch etwas sehr kühl. Also lassen wir das Baden bleiben und sehen lieber der Schäferin zu, die ihre Schafherde mit Pfiffen über die Weide dirigiert. In einem Gespräch erklärt sie mir, dass die Schafmilch zu Käse verarbeitet werde und die Lamas und Alpacas im November geschoren werden wie die Schafe. Den zierlichen wilden Vicuñas wird etwa alle 1-2 Jahre das feine Fell gekämmt um an die weiche Wolle zu kommen. Im Frühling, also in unserem Herbst, sei das ganze Land grün und sie würden hier auf dieser Höhe Kartoffeln und Quinoa anbauen.

Am anderen Morgen reizt uns das „Agua caliente“ aber doch, in einem Hallenbad bei uns ist das Wasser meist von gleicher Temperatur. Also vorsichtig reinsteigen und siehe da, nach kalter, klarer Vollmondnacht ist es doch genau das richtige, eine Runde zu schwimmen und dass wir heute wieder staubig werden ist doch klar denn uns lockt das Geysirfeld „Puchuldiza“ ebenfalls im Nationalpark „Volcán Isluga“. Unzählige kleine und grosse kochende Wassertümpel (das Wasser kocht auf dieser Höhe bereits mit 85oC) sind hier zu finden und als grosser Akteur in diesem Dokumentarfilm auch ein Geysir, der unablässig sein heisses Wasser ca. 10m hoch in die Luft bläst. Da es nachts eiskalt ist, entsteht ein Eisberg, der in dieser Szenerie etwas seltsam anmutet. Wir können uns nicht sattsehen, spazieren auf dem Geysirfeld herum und entschliessen uns, hier zu übernachten. Neben uns ein trockenes Loch, während wir Kaffee trinken gurgelt und sprudelt es dort. Das trockene Loch ist zum Leben erwacht, Wasser kocht, steigt und füllt das ganze Becken, nach 5min ist der Spass vorbei, das Wasser zieht sich zurück und übrig bleibt das trockene Loch im Boden, das Schauspiel wiederholt sich nach etwa einer Stunde. Einen anderen Geysir sehen wir ganz zufällig aufsteigen, ein Spiel das der Zufall bestimmt. Ein irres Spiel am Abend, beim Sonnenuntergang scheint die ganze Erdkruste aufzubrechen und das ganze Feld in Dampf zu hüllen.

Und dann geht’s weiter über den „Paso Alto Chaviri“, dessen gute Strasse uns auf 5081m hinaufführt. Einige Stunden später spazieren wir am „Salar de Huasco“ auf weissem Borax herum, bewundern Nandus, Lamas und vor allem Flamingos. Einträglich waten grosse Andenflamingos, Chilenische Flamingos und die kleinen James Flamingo im feuchten Teil des Salars herum, immer auf der Suche nach ihrem Lieblingsfutter, kleinsten Krebschen mit viel Carotin, dass das Gefieder so schön rosa färbt. Einige Nandus springen mit langen Schritten davon und Lamas grasen friedlich das harte Gras ab.

Unsere grosse Altiplano Rundfahrt ist nun abgeschlossen. Wir fahren weiter nach Pica, wo ein gänzlich anderes Klima herrscht. Hier werden die kleinen Limonen, die in den Pisco Sour gemixt werden und viele andere tropische Früchte angebaut.


29 – Mit den Jesuiten in die Tropen

03. Aulgust – 03. September 2015

Pica > Iquique > Salar de Coipasa (Bolivien) > Oruro > Sucre > Samaipata > Santa Cruz > San Javier > San Ignacio de Velasco > San Miguel > San Rafael > Santa Ana > San Jose de Chiquitos > Puerto Suarez

Die eiskalten Nächte auf den Salaren und dem Altiplano sind definitiv Vergangenheit, unser Aufenthalt in der Kolonialstadt Sucre ebenfalls. Die „Ruta del Che“ regt uns zum Denken und Philosophieren an. Che Guevarra ist hier allgegenwärtig. La Higuera wurde sein Sterbeort und gleichzeitig starb auch der Revolutionsgedanke.

Die Menschen werden offener und fröhlicher, das macht auch das Klima. Das Thermometer zeigt tagsüber 40 Grad und nachts etwa die Hälfte an.

Flora und Fauna haben gewechselt. Wir sitzen unter Palmen, die Orchideen oder Philodendronartigen als Wirtspflanze dienen. Die Vogelwelt ist farbig und stimmgewaltig in der Dämmerung. Beim Morgenessen fliegen drei Tucane über unseren Tisch.

Vorbei sind ebenfalls die Ferien in Samaipata bei Inge und Werner, die wir auf unserer Antarktistour kennengelernt haben. Es war eine tolle Zeit mit Wanderungen, Gesprächen und schönen Abenden Werners gemixte Sundowner mit Zuckerrohrschnaps haben unsere Vorfreude auf Brasilien geweckt. In Santa Cruz ist Reifenwechsel angesagt, der Reifenhändler ist so fasziniert von unseren Reifen, dass der Service gratis ist. Dann steigt auch noch unser Navi aus und per Zufall gibt’s gerade in der Nähe ein Geschäft mit dem gewünschten Ding und man lädt uns gleich die ganzen Karten Südamerikas auf’s Gerät. Superservice ebenfalls. Im wunderschönen Parque Güembe übernachten wir dann auch sicher auf dem Parkplatz. Wir staunen auf der Hinfahrt durch die modernen Villenquartiere einmal mehr über die gewaltigen Unterschiede in Bolivien. Oel- und Gasvorkommen sowie Drogenschmuggel haben Santa Cruz zur reichsten Stadt und dem reichsten Departament Boliviens gemacht.

Die Chiquitania ist aber auch kulturell reich – überreich sogar. Das hat sie den Jesuiten, von denen nicht wenige Schweizer waren, zu verdanken. Im 17. Jahrhundert christianisierten die Jesuiten die indigene Bevölkerung, machten die teilweise nomadisierenden Menschen sesshaft und retteten sie so vor der Sklaverei durch die spanischen Eroberer. Statt in der Sklaverei zu darben, erhielten die Chiquitanos Unterricht in Musik und Kunsthandwerk, beides Dinge, die bereits zu ihrem Kulturgut gehörten, aber durch die Mönche verfeinert wurde. Ab dem 18. Jahrhundert entstanden in Zusammenarbeit mit der indigenen Bevölkerung wunderbare Kirchen mit herausragenden Schnitzkunstwerken. Die Jesuiten wurden den Spaniern aber irgendwann zu einflussreich und wurden, wie anderswo auch, aus dem Land gejagt.

Als man sich 1970 dran machte, die Kirchen zu renovieren, wurde der Schweizer Jesuit und Architekt Hans Roth dazu berufen. Roth machte seine Arbeit so gut, dass die Kirchen ins UNESCO – Weltkulturerbe aufgenommen wurden. Ausserdem fand er bei Restaurationsarbeiten viel Notenmaterial aus der Barockzeit, seinem Kollegen Walter Neuwirth verdanken wir, dass diese Musik heute wieder gespielt wird. In allen Dörfern der Chiquitania erhalten Kinder Musikunterricht. Es gibt in jedem Dorf ein Orchester und Chöre und überall sieht und hört man Kinder Geige spielen. Wir kommen am Sonntagmorgen nach der Messe in San Javier in den Genuss eines Konzertes, das ist kein Gefiedel, nein das ist schlicht und ergreifend Meisterklasse. Es werden nationale und internationale Barockmusikfestivals durchgeführt, die Kinder- und Jungendorchester sind auf Tournee in Europa und erhalten eine unvorstellbare Chance für ihr weiteres Leben. Ein Spaziergang in einem einfachen Dorf, 250km von der nächsten Grossstadt entfernt – und es ertönt von irgendwo her eine Geige – eindrücklich. Roth gestaltete auch moderne Kirchen, unter anderem in Chochís, einem kleinen Ort, wo 1972 ein Unwetter das Brückentrassee unterspülte und der Zug abzustürzen drohte. Dank Gebeten der Reisenden stürzte die Brücke erst ein, nachdem der letzte Waggon die Brücke überquert hatte. Viele Menschen in diesem kleinen Dorf überlebten die Katastrophe aber nicht und werden bis heute vermisst, die Fluten müssen unvorstellbar gewesen sein.

Wir erleben die Menschen in der Chiquitania als ausserordentlich freundlich, überall sind wir herzlich willkommen. In Santa Ana, wo die älteste Orgel steht, verbringen wir einen wunderbaren Abend in einem kleinen Restaurant von Dona Emma und übernachten grad auf dem Dorfplatz.

Auf der Fahrt fallen Bäume mit Blüten in den knalligsten Farben auf – knallgelb und pink leuchtet es immer wieder. Die aufgeplatzten Samen der Kapokbäume hängen wie Christbaumkugeln an den Ästen. Unterwegs gibt es Bäche mit warmem Wasser, die trotz der Hitze zum Baden einladen – Wasser ist immer gut, aber der kühle Swimmingpool im Hotel Villa Chiquitana mit angeschlossenen Campingplatz war doch etwas angenehmer.

Bis zum Grenzübertritt in Puerto Suarez nach Corumbá in Brasilien ist es nicht mehr weit und schön asphaltiert. Welch ein Luxus.

Eigentlich wollen wir ganz zackig nach Brasilien, denn unsere Aufenthaltsbewilligung für Bolivien gilt nur noch einen Tag. Aber so schnell können wir Bolivien nicht verlassen. Auf dem Migrationsamt gibt es zwar viele Reisende in einer Warteschlange, aber kein Zöllner für die Abfertigung. Ich frage mich mal durch und der Polizist meint, wir müssten halt warten. Eine halbe Stunde später bemüht sich dann ein Zöllner und nach weiteren 45 Minuten sind wir dann ausgestempelt. Für das Auto müssen wir zur Aduana. Aber die ist geschlossen, weil der Zollbeamte bis 14.30 Uhr Mittagspause hat. „Illegal“ steigen wir ins Auto und fahren wieder in den Ort zurück um etwas zu trinken. Es ist schliesslich erst 13 Uhr.

Da wir die Pünktlichkeit der Südamerikaner mittlerweile gut kennen und uns auch denken können, dass sich auch wieder eine Warteschlange gebildet hat, fahren wir erst um 15 Uhr bei der Aduana vorbei. Vor uns stehen 4 Reisende, die ihr Auto ein- oder ausführen möchten. Super, doch weit gefehlt, für diese vier braucht der Zöllner fast eineinhalb Stunden. Um halb fünf Uhr wird dann endlich unser Auto ausgestempelt. Fazit: Geduld bringt Rosen und vom Arbeiten bekommt man in Bolivien definitiv keinen Herzinfarkt. Brasilien wir kommen.


30 – Pantanal – ein Gefühl wie im Zoo

04. September – 10. September 2015

Corumba (Brasilien) > Santa Clara > Mireanda > Piraputanga

Die Einreise in Brasilien ist in 5 Minuten erledigt. In Corumbá stempelt man unsere beiden Reisepässe ab, wir dürfen 90 Tage im Land bleiben – 3 erwartungsvolle Monate liegen vor uns. Wir erwarten einen ausführlichen Check unseres Autos durch Drogenbehörden, Lebensmittelkontrolle usw. aber nichts dergleichen findet statt. Schön für uns und unsere feinen Vorräte im Kühlschrank.

Corumbá selbst ist eine Kleinstadt - mit etwas über 100‘000 Einwohnern - am Rio Paraguay mit vielen Häusern aus der Kolonialzeit. Der Unterschied zur bolivianischen Schwesterstadt Puerto Suarez könnte nicht augenfälliger sein. Sauber, gepflegt, keine streunenden Hunde, ansprechende Geschäfte, Bankautomaten, die mit unseren Kreditkarten auch wieder Geld ausspucken und Tankstellen an denen mit sämtlichen Kreditkarten bezahlt werden kann. Wie einfach das Leben auf einmal ist. (Brasilien ist das reichste Land Südamerikas, Bolivien das Ärmste!)

Nur die Sprache ist etwas umständlich, ich kann zwar Spanisch reden, erhalte aber immer eine portugiesische Antwort und verstehe noch fast nichts. Es wird schon werden, wir haben noch viel Lernzeit vor uns. Die erste Nacht stehen wir auf einer etwas in die Jahre gekommenen Pousada. Jenny, die alte Lady, umsorgt uns mit köstlichem Kaffee, der uns die ganze Nacht nicht schlafen lässt. Zum Zmorge serviert sie uns frische Brötchen, kalten Melonensaft und Früchte aus dem Garten – Bananen und Papayas.

Corumbá ist auch das Tor zum Pantanal, dem grössten Feuchtgebiet der Welt, dagegen sind Floridas Everglades ein Klacks. Nebst Savanne und Urwaldinseln gibt es Weideflächen für Rinder und ein Gewimmel an Wasserwegen, Tümpeln sowie grösseren und kleineren Seen. Während der Regenzeit ist es nahezu unmöglich, den Pantanal zu bereisen, da das Land 1-2m hoch überschwemmt ist. Viele Gebäude der Fazendas / Farmen stehen auf Holzpfählen, sind auf Stegen erreichbar oder liegen etwas höher und sind während der Regenzeit Inseln. Während der Trockenzeit suchen die Tiere die Wasserlöcher auf und es ist einfacher, sie zu beobachten. Ausserdem halten sich jetzt die Moskitos in Grenzen. Unzählige Vögel in allen Grössen und Arten gibt es hier zu beobachten. Von den vielen Brücken aus beobachten wir Angler, die Piranhas fischen, eine heikle Sache, sind doch die Zähne messerscharf. Damit sie die Angelschnur nicht durchbeissen, muss ein Spezialhaken mit einem Metallfortsatz verwendet werden. Stolz präsentieren die Jungs uns ihre Fische. Die Brücken sind auch gute Aussichtspunkte um das offene Land und die Wasserläufe zu beobachten. Ups, was ist denn das? Unsere ersten Kaimane bei Ponte 58. Mit offenen Mäulern liegen sie da um sich abzukühlen, bewegen sich träge ins Wasser um sich dann lautlos mit einem Schwanzschlag davon zu machen. Wir müssen anfangs gut hinschauen, ob es sich um einen Baumstamm oder um einen Kaiman, einen Jacaré handelt. Baden geht in diesen Gewässern gar nicht. Da benützen wir besser die Duschen der vielen Fazendas, die hier Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Capibaras liegen träge im Schatten und krächzend fliegen blaue Aras ins Geäst. Die blauen Hyazinth Aras sind mittlerweile selten geworden, wird doch von Wilderern auf dem Schwarzmarkt ein Preis von mehreren Zehntausend Dollars erzielt. Auf den Fazendas werden sie deshalb mit Palmfrüchten angefüttert, dank einfach auffindbarem Futter gelingt eine bessere Brut, was für das Überleben der Tiere wichtig ist.

Auf der Fazenda Santa Clara, einer Ökolodge mit schönem Campingplatz buchen wir eine Wander- und eine Böötlitour. Schweisstriefend beobachten wir Brüllaffen und Kapuzineräffchen, die elegant in den Bäumen herumturnen, ab und zu raschelt ein Pantanalwildschwein durchs Unterholz und auch ein Pudu, einen kleinen Hirsch bekommen wir zu sehen. Interessant sind die grossen Pfotenabdrücke des Pumas, doch der bleibt uns verborgen. Nachmittags geht’s dann mit dem Böötli auf den Rio Abobral. Bereits nach 5m Fahrt stoppt das Boot und unser Führer William zeigt uns 2 Echsen, perfekt getarnt im Geäst der Bäume liegend. Kaimane gehören schon zum Beigemüse und sind keine Foto mehr wert. Eisvögel und die Jabirús, die riesigen Störche ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Bald ist es Zeit zum Umkehren. War’s das schon? Nein, gerade im richtigen Moment, wo alle vor sich hindösen, es ist heiss und feucht und die Sonne steht knallrot am Himmel, kurz vor dem Sonnenuntergang wird das Boot nochmals gewendet. Piedro der Bootsführer flüstert nur: Jaguar. Alle sind hellwach. Da liegt er also und posiert für uns, ein ausgewachsenes Männchen, etwas kleiner als eine Löwin. Würde er nicht ab und zu blinzeln könnte man meinen, er sei ausgestopft und als Touristenattraktion platziert. Als alle ihre Fotos geknipst haben, steht er langsam auf und verschwindet im Dickicht. Stefan ist dann der Star, weil er als einziger einen Fotoapparat mit einem grossen Objektiv hat, alle anderen auf dem Boot haben nur ihre Smartphones mit dabei. Die Freude ist dann umso grösser, als wir unsere Fotos mit allen teilen. Normalerweise bekommen die Führer ein Trinkgeld, doch diesmal bekommen wir eines und dürfen als Dank für die tollen Fotos mit dem Führer noch auf eine Nachtsafari. Dort sehen wir zwar keine Ameisenbären aber dafür 30 Tage alte Kaimane. Ganz herzig die Kleinen. Obwohl Kaimane weniger aggressiv sind als ihre grossen Brüder Alligator und Krokodil möchte ich nachts nicht irgendwo spazierengehen. Die Zähne sehen furchterregend aus und die Augen leuchten im Schein der Taschenlampe grauselig. Ausserdem liegen sie auch auf der Strasse herum und werden so nicht selten Opfer von Autos.

Ein spannender Tag, vor allem weil auf dem Campingplatz auch noch ein junger Kolumbianer ist, der seine Masterarbeit in Zoologie schreibt und uns viel Wissenswertes über das Verhalten der Tiere im Pantanal erzählen kann. Mit Hintergrundwissen macht das Ganze noch viel mehr Spass. So wissen wir jetzt, dass der Riesenotter, der hier auch vorkommt, im Rudel Kaimane jagt und frisst. Was für die Riesenotter ein Spiel ist, ist für den Kaiman meist der Anfang vom Ende.

Die Brüllaffen heulen immer noch in den Bäumen herum, laut den Einheimischen ein Zeichen für Wetterwechsel. Und wirklich, nach Monaten strahlender Sonne regnet es anderntags wie aus Kübeln und die Temperatur fällt um nahezu die Hälfte. Da ziehen wir abends die Faserpelzjacken wieder aus dem Schrank. Heute ist alles feuchtkühl, aber glücklicherweise halten sich die Moskitos in Grenzen.

In Miranda werden wir im Supermercado auf Schweizerdeutsch angesprochen, wir sind auch nur unschwer von den Brasilianern zu unterscheiden. Mirjam, eine Schweizerin, die hier lebt, hat unser Auto gesehen. Sie hat eine schöne Farm – Meia Luna, Halbmond – mit 3 Stellplätzen für Overlander. Das trifft sich gut. Eine kurze Erklärung wo wir die Farm finden werden und bevor wir in den Nordpantanal zu weiteren tierischen Abenteuern starten, bleiben wir etwas hier.


31 – Wiedersehen macht Freude

11. September – 28. September 2015

Aquidauana > Pocone > Caceres > Porto Velho

In Aquidauana bleiben wir hängen. Wir müssen mal wieder Gas auffüllen, eine Flasche ist leer und die andere so gut wie. Gas auffüllen ist immer so eine Sache. Mittlerweile besitzen wir diverse Adapter aber natürlich funktioniert keiner für Brasilien. Nach einigem hin und her stehen wir in einer Schlosserei, die uns ein neues Gewinde in den argentinischen Adapter schneiden sollen, den wir ja nicht mehr brauchen. Das sei keine grosse Sache, wir sollen in vier Stunden wiederkommen. Diese Zeit vertrödeln wir im regnerischen Aquidauana, wo nicht viel los ist. Die freundlichen Damen der Touristeninformation helfen uns, eine schöne Bleibe im Nordpantanal zu finden, wo wir unsere einjährige Reise feiern wollen. Leider ohne Erfolg, in der Hochsaison ist alles ausgebucht und einfach campieren ist in den Luxuslodges nicht erlaubt. Unser Gewinde ist natürlich nicht fertig und wir werden auf den Samstagmorgen vertröstet. Wir verbringen die Nacht auf Anraten unserer brasilianischen Velofreunde auf einem Fischercamping in Piraputanga. Es giesst in Strömen, der sonst glasklare Fluss ist eine braune Brühe, es ist kalt, wir sind gezwungen, die Heizung anzumachen, wir haben grad noch knapp 10 Grad. Anderntags ist das Gewinde aber fertig und wir beschliessen, trotzdem Richtung dieser schönen Lodges zu fahren, auf eigene Faust, irgendwo wird es schon einen Stellplatz in der freien Natur geben. Die Strassen sind nicht so schlecht, wie man uns am Telefon gesagt hat. Nur, als es durch eine tiefgründige, grüne Wiese geht, und das Wasser über unserer Motorhaube zusammenschlägt, die Oellampe auch noch aufleuchtet, beschliessen wir umzukehren. So viel Action muss heute nicht sein und da alles so durchnässt ist, wäre es auch zum Übernachten ungemütlich geworden. Also wieder zurück nach Aquidauana und auf der Asphaltstrasse Richtung Nordpantanal. Die Sonne scheint wieder, wir übernachten auf tollen Fischercampingplätzen und geniessen zum Znacht frische Fischknusperli. Einmal werden sie uns gleich ins Auto geliefert. Brasilianischer Service – Muchissima Obrigada (vielen Dank)! Ein andermal wollen sie uns Fische schenken, ich musste ablehnen, die Fische haben so viele Gräte, dass man sie nur fritiert essen kann. Filetieren ist unmöglich, da ist nachher nichts mehr am Fisch. Also wird für uns ein Sashimi zubereitet und der nächste Gang besteht dann aus den obligaten Fischknusperli. Nichts ölig oder fettig, wirklich fein, da bin ich heikel. Nach meiner Magenschleimhautentzündung in Bolivien sowieso.

Bis wir die Transpantaneira, die Strasse durch den Nordpantanal erreichen, fahren wir hunderte Kilometer Asphaltstrasse. Heiss und heisser wird es, die Landschaft ist hügelig, mal abwechselnd Getreidefelder, Mais, Soja oder Viehwirtschaft. Am Strassenrand hängen die grossen Plakattafeln internationaler Chemiekonzerne für Spritz- und Düngemittel. Es sind die gleichen, die man auch in Europa kennt. Eine Straussenfarm bietet willkommene Abwechslung. Eingeklemmt zwischen 9-achsigen Lastwagen mit einer Länge zwischen 25,5 und 30m Länge geht die Fahrt weiter.

Endlich sind wir in Poconé, dem Tor zum nördlichen Tierparadies. Einkaufen, vor allem einen neuen Trinkwasserbidon und dann los. Das obligate Foto unter dem Eingangstor „Transpantaneira“. Wieder Kaimane, tausende Vögel, unser erster Sumpfhirsch, Echsen, wir kommen gar nicht aus dem Staunen heraus. Auf der Fazenda Vitória finden wir eine tolle Campingunterkunft. Jean-Louis empfängt uns herzlich. Sein Vater war Schweizer, er ist in Brasilien aufgewachsen und Verwalter des schönen Ortes. Hopp in den Swimmingpool. Das wifi ist ebenfalls super schnell. So können wir mal abchecken, wo unsere Reisebekannten sind. Von Reinhard und Ingrid haben wir in Sucre erfahren, dass die Einsiedler Michael und Pirmin, die wir in Argentinien und Chile trafen, etwa unsere Route fahren. Auf ihrer Website haben sie einen GPS Tracker und so können wir beobachten wo sie gerade fahren. Huch, die sind ganz in der Nähe und anderntags stehe ich früh an der Strasse. Die Wiedersehensfreude ist gross, vor allem weil auch noch Nathalie und Flavio, mit denen wir schon Filet in Argentinien gebrätelt haben, dabei sind. Schnell sind wir alle am Tratschen und Erfahrungen austauschen, der Nachmittag vergeht wie im Flug. Wir alle haben unser erstes Reisejahr mit vielen schönen Erlebnissen zu feiern. Gemeinsam unternehmen wir eine Bootstour, Otter und Jaguare locken, doch das Boot scheint Probleme mit den Wasserpflanzen zu haben und verheddert sich mehrmals. Aus dem Bootstrip wird ein eher peinlich amüsanter Bootstrip, bei dem wir die Mannschaft anfeuern, die mitten im Fluss das Boot wieder fit machen muss. Unsereiner hätte sich wohl nicht in diesen Fluss reingetraut. Aber die Kaimane wären ja nicht aggressiv, meint unser Führer. Ein Coati, so etwas wie ein Waschbär und ein Pudu, ein ganz kleiner Hirsch sind uns dann aber doch noch über den Weg getrippelt.

Unsere Wege trennen sich anderntags, wir fahren Richtung Porto Jofre, die anderen kamen mit der Fähre dort an und fahren Richtung Poconé. Wir werden uns wohl eher nicht mehr treffen. Die Reiserouten sind zu verschieden.

Kurz vor Porto Jofre windet sich eine kleinere Anakonda über die Strasse. Statt auf den Campingplatz fahren wir zum Hotel Pantanal Norte und dürfen dort kostenlos einige Tage stehen und ebenfalls wie auf der Estancia Vitória sämtliche Hoteleinrichtungen benützen. Wir nutzen das Angebot bei dieser Wärme gern und buchen für den Samstag eine Bootstour. Morgens um halb sieben geht es James Bond mässig mit einem 115 PS Boot auf dem Rio Paraná zur Tierschau. Nebst den allgegenwärtigen Kaimanen ist es uns gegönnt, 5 Jaguare und eine Riesenotterfamilie zu beobachten. Nie mehr werden wir das Knurren der Jaguare vergessen, nie mehr die putzigen Riesenotter, die trotz aller Verspieltheit ein rasiermesserscharfes Gebiss haben. Unser zweites Jahr beginnt aufregend und überglücklich über so viel aussergewöhnliche Tierbegegnungen fahren wir zurück zu Jean-Louis. Als wir dann dort auch noch einen kleinen Ameisenbären beobachten können, sind wir hin und weg. Nun geht’s definitiv weiter Richtung Amazonas.

Die Savannenlandschaft wird baumreicher, wir sind im Staate Rondônia, dem jüngsten Staat Brasiliens, erst in den 1920er Jahren erschlossen, wird immer noch Urwald abgeholzt um Land zu gewinnen. Mehr als einmal müssen wir mit Licht fahren, weil der Rauch der abgefackelten Wälder so dick ist wie Nebel. Auch hier wächst Mais und Soja. Ab und zu wirbt eine Werbetafel an einer Fazenda, für Kälber-Embrionen und Transfer. Es mutet komisch an, Zeburinder unter Palmen grasen zu sehen, wenn sie dann noch braune dicke Kälber säugen, bei denen ein Blinder sieht, dass die Jungen nicht von dieser Mutter stammen können, haut’s einem fast vom Autositz. Wir fahren am grössten weltgrössten Fleischverarbeitungskonzern JBS vorbei, der für die meisten Tiere bedeutet, tiefgefroren ebenfalls eine Weltreise anzutreten.

Kurz vor Cacaulândia muss die Aufhängung unseres Stossdämpfers neu geschweisst werden. Eine Reparaturwerkstätte am Strassenrand erledigt das für 50 Reales, ca. 12 CHF. Wahrscheinlich hält diese Schweissarbeit ewig. Die Strassen sind zwar asphaltiert, doch mit freier Fahrt ist da nichts zu machen. Um die Geschwindigkeit der Lastwagen zu drosseln sind alle paar Kilometer hohe Schwellen eingebaut, (wehe dem der sie nicht sieht), oder Radarkästen aufgestellt. In Dorfnähe sowie in der Nähe von Schulen sind die Schikanen ausserordentlich dicht. Die Autos leiden vor allem unter den Schwellen.

Cacaulândia, ein Wort, das mir auf der Zunge zergeht. Wir übernachten auf der Ecoposada Rancho Grande, wo wir wiederum die Hoteleinrichtungen nutzen dürfen und mit einem Pfau Bocchia spielen. Anderntags unternehmen wir mit dem Verwalter einen Urwaldspaziergang. Hier geht es aber nicht um Tiere sondern um die vielfältige Pflanzenwelt. Wir erfahren, dass heute praktisch kein Kakao mehr angebaut wird, Handarbeit ist in Brasilien teurer als in Kolumbien und Venezuela und vor allem teurer als in Afrika. Der angebaute Kakao war von minderer Qualität und nach einem Preiszerfall lohnte sich der Aufwand nicht mehr. Auf abgeholzten Urwaldflächen wird jetzt Teakholz FSC angebaut. Wir diskutieren mehr als einmal über Nachhaltigkeit. Giuseppe öffnet für uns mit seiner Machete eine Paranuss, die eigentlich Nuez do Brasil heisst. In einer grossen hartschaligen Nuss sind 15 bis 20 Paranüsse wie Apfelkerne eingebettet. Aber ohne Machete könnte man neben einer Paranuss verhungern, die einzelne Nuss steckt nochmals in einer hartschaligen Ummantelung. Wir lutschen an der bitteren Rinde des Chininbaumes, die in Wasser eingelegt von den Indios bei Malaria angewendet wird. Uns schmeckt die englische Art besser – Gin Tonic. (In einem guten Tonic ist Chinin der Bitterstoff, prost Rahel).

Blaue Riesenschmetterlinge segeln uns um die Ohren. Rondônia ist das Gebiet mit dem weltweit höchsten Artenreichtum an Sommervögeln. Jeden Abend funkeln auch die Glühfalter um die Wette. Tagsüber sind sie hässliche Falter, ihre Eier legen sie in eine kleine Palmfrucht, wo sich die Larven entwicklen, die von den Indios als proteinhaltige Delikatesse verspeist werden. Auf der Ranch gibt’s zum Znacht Fleisch vom Brahma Rind – und zum Zmorge gibt es Eier – so lieben wir die Proteine eher. Dann ist da noch die Würgfeige, die andere Pflanzen umschlingen muss, damit sie selber einen Stamm bilden kann. Aber genug Botanik für heute.

Heute sind wir in Porto Velho angelangt, dem Ausgangspunkt nach Manaus, dem Tor zum Staate Amazonia.

Im Kautschukboom 1907 wurde mit dem Bau einer Eisenbahnlinie nach Riberalta Bolivien begonnen, durch den Urwald, alles andere als menschenfreundlich. Gelbfieber und Malaria rafften die Arbeiter dahin. 1912 brach der Kautschukmarkt zusammen und das letzte Stück der Eisenbahnlinie wurde nie fertiggestellt. Porto Velho und Manaus fristeten trübe Tage, denn ein listiger Engländer schmuggelte Kautschukpflanzen nach Asien und läutete dort die Kautschukboomzeit ein.

Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit, in einer Stadt nie ganz einfach denn bei Tankstellen stehen mögen wir nicht, haben wir im Internet einen tollen Campingplatz gefunden. Wir peilen diese Adresse an, da ist nichts, nada, nur eine riesige Halle und ein Swimmingpool. Ein Bursche führt uns zur Sekretärin, die sich unsere Geschichte mit dem Internet anhört und findet, okay, nun seid ihr mal da, dann dürft ihr hier auch übernachten. Nun stehen wir auf dem privaten Fest- und Turngelände einer Firma oder einer Gewerkschaft und dürfen einmal mehr dankbar die tolle Gastfreundschaft annehmen.

Nachmittags haben wir in Porto Velho zwei Optionen für unsere Schiffsreise nach Manaus geprüft. Wir könnten mit einem Lastkahn voller Containern oder auf einem Lastkahn mit Sackgut und Passagieren reisen. Da beide Offerten gleich viel kosten, werden wir morgen mit der zweiten Option nach Manaus verschiffen. Alle bestätigen uns zwar, dass die 850km Reise durch den Dschungel jetzt in der Trockenzeit für unsere Randulina kein Problem wäre, doch wir ziehen es vor, gemütlich den Rio Madeira hinunter nach Norden zu tuckern und den Urwald einmal vom Fluss her zu betrachten.


32 – Amazonas

29. September – 12. Oktober 2015

Porto Velho > Manaus > Boa Vista

Wir müssen mit unserer Randulina bereits um 12 Uhr auf den Kahn fahren obwohl wir erst anderntags um 18 Uhr lostuckern werden. Das heisst für uns, eine Nacht im Hafen auf dem Schiff zu verbringen. Es ist uns bald klar weshalb. Die „Vieira lll“ bleibt nur kurze Zeit an der Verladerampe liegen. Nachdem Stefan das Auto auf’s Deck parkierte, wird abgelegt und das Schiff am Pier festgemacht. Dann gibt’s Action! Ein Lastwagen mit grünen Bananen wird abgeladen, alles von Hand, ohne Förderband, dann ein Lastwagen voller Maiskörner, Bohnen, Soja, ein weiterer mit Zucker. Die schweissttriefenden Dockarbeiter mit ihren gestählten Körpern tragen jeweils 90 kg Säcke vom Lastwagen ins Schiff, welches immer schwerer wird und bald tief im Wasser liegt. So geht das bis anderntags am Abend. Passagiere kommen und hängen ihre Hängematten im Mitteldeck auf. Ein Gewusel wie im Bienenhaus.

Derweil richten wir uns auf dem Frachtdeck gemütlich ein. Meine Hängematte ist auch auf dem Mitteldeck aufgehängt, das ist lustig bis die Zahl der Passagiere zunimmt, aber ich mich wie eine Sardine in der Dose fühle, der Motorenlärm ist dort oben auch sehr laut, unten beim Auto isoliert die Fracht den Lärm und wir haben eine prima Aussicht und Wind.

Glücklicherweise haben wir unsere eigenen Vorräte mit dabei und müssen uns nicht unbedingt ans Buffet stellen, schwarze Bohnen, Spaghetti, Reis und Huhn ist das Mittags- und gleichzeitig das Abendmenu für die nächsten 3 Tage. Die Abwechslung besteht darin, die Schüsseln in wechselnder Reihenfolge hinzustellen, so heisst das Menu anderntags Huhn, Spaghetti, schwarze Bohnen und Reis.

Der Pegelstand des Rio Madeira mit seinem weiss-beigem Wasser ist niedrig. Gut für die vielen Goldbaggerschiffe, die wir kreuzen, kauzige Gesellen leben auf diesen und waschen Gold aus dem Sand. Ein Motorschiff kommt uns legt an unserem Schiff an, Frachtgut wird umgeladen, ein Fischerboot hängt sich an, die Männer wollen ihre Fische verkaufen, nein, zuwenig Fisch für soviele Passagiere, es gibt weiterhin Poulet. Zwei grosse Tanker sind auf eine Sandbank aufgelaufen und werden abgepumpt. Es ist immer etwas zu sehen. Statt mit dem Schulbus werden die Kinder mit dem Schulschiff abgeholt und zur Schule gebracht. Der Fluss ist die Lebensader im Amazonas. Die Wälder sind zwar in Ufernähe abgeholzt und wir sind erstaunt, wieviele kleine Dörfer es gibt, Kühe weiden, Bananen- und Papayaplantagen sind sichtbar. Hin und wieder fliegen Papageien davon und wir werden immer wieder von Schmetterlingen besucht. Kleine Flussdelfine springen elegant aus dem Wasser, hin und wieder sehen wir auch die rosa Botos – rosarote Flussdelfine.

Man sieht gut, wie der Pegelstand sich bei Hochwasser verändert. Dann stehen die Uferbäume meterhoch im Wasser und die Menschen können direkt vom Haus ins Boot einsteigen. Wir riechen aber auch Rauch, der Amazonas brennt, wir erfahren später, dass es allein um Manaus herum über 6000 Brandherde gibt. Es ist ein „El Niño Jahr“, das beschert Mittel- und Nordbrasilien Hitze, in Südbrasilien sind ganze Landstriche unter Wasser. Wir haben uns gut an die Hitze gewöhnt, weil wir dachten, das sei normal. Die Brasilianer stöhnen. Doch dann schaut es aus, als gäb’s ein Gewitter, schnell alles festzurren, der Sturm naht, die Matrosen sichern die Fracht ebenfalls nochmals ab und ein heftiges Gewitter fegt über uns hinweg. Die Wellen schlagen auf unser Deck. Wir höckeln gemütlich im Auto und geniessen einen Pisco. Bald ist der Spuk vorbei und wir treffen uns mit Anne-Sophie und Rémi, zwei junge Franzosen zum Kaffee. Es geht einfach nichts über unsere Kaffeemaschine – das Bialetti Krüglein ist immer mit dabei.

Am letzten Tag wiederum etwas Abwechslung. Nachts sind wir in den Amazonas eingefahren. Der Fluss ist so breit, dass wir das andere Ufer kaum sehen können, die Uferlandschaft hat sich geändert, farbige Stein- und Sandbänke erwarten uns. Und dann kommt das spezielle Naturphänomen: „Encontro das Aguas“ das Zusammentreffen des Rio Negro (schwarzes Wasser) mit dem Rio Solimões (weisses Wasser). Unglaublich, über mehrere Kilometer vermischen sich die beiden Wasserarten nicht und fliessen quasi nebeneinander her. Das hat mit der Zusammensetzung der beiden Flüsse zu tun, der Erste ist sauer, warm und quasi ohne Sedimente, der Zweite bringt viel Sediment aus den Anden mit und ist auch viel kälter. Da wo Schwarzwasserflüsse fliessen hat es auch praktisch keine Moskitos, denn das saure Wasser tötet die Moskitolarven ab.

Und schwupps sind wir in Manaus. Für uns fährt der Kapitän extra an die Rampe. Mit Anne-Sophie und Rémi gibt’s noch ein Bier aus Ermangelung an was anderem und die Wege trennen sich wieder. Wir fahren sofort aus der Millionenstadt raus. Vom Dschungel ist nicht mehr viel übrig – eher Grossstadtdschungel.

In Novo Airão, einem kleinen Dorf am Rio Negro ist es uns wohler. Wir beziehen auf der Posada „Bella Vista“ ein hübsches Zimmer und geniessen vor dem Zimmer unseren Lesenachmittag zusammen mit einer kleinen Vogelspinne. Später fahren wir wieder einmal Boot. Die Landschaft wirkt hier intakt, der Wald ist dicht und unser Führer bringt uns zu wunderschönen Stellen im Anavilhanes Nationalpark.

Anderntags statten wir den eigenartigen rosa Flussdelfinen einen Besuch ab. Fast blind, das Wasser ist auch zu dunkel um etwas zu sehen, haben sie ein ausgeprägtes Sonarsystem zur Orientierung. Eine private Institution kümmert sich in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark um die Erforschung und den Schutz dieser Tiere. Abends mixt uns Frank einen Caipirinha, wir könnten uns daran gewöhnen. Wir setzen uns mit Alison zusammen, die uns ihre brasilianischen Geheimtipps offenbart. Schnell zeichnen wir alles auf der Karte ein um ja nichts zu vergessen, der Alkohol zeigt nämlich Wirkung.

Anderntags lernen wir Pamela und Andi aus Chile kennen, die uns wie Sabine und Olaf von Venezuela vorschwärmen. Uns surrt der Kopf, das muss alles zuerst verdaut werden.

Jetzt sind wir bereit für den Grossstadtdschungel Manaus – wir kommen. Schliesslich möchten wir uns dort einen weiteren grossen Traum erfüllen. Eine Oper oder zumindest ein Konzert im berühmtesten Opernhaus der Welt mitten im Dschungel. Es klappt alles wie am Schnürchen, unsere Randulina ist schnell und sicher in einem bewachten Parkplatz abgestellt, wir kriegen mitten im Kuchen neben dem Opernhaus ein Zimmer und es gibt sogar Konzerte, gratis. Davon wollen wir profitieren. Und so hören wir dann „Finlandia“ von Sibelius im Dschungel sowie Bossa Nova Jazz. Manaus erlebte seinen Höhepunkt um die Jahrhundertwende mit dem Kautschukboom. Im Bundesstaat Acre wurde zwar mehr Kautschuk produziert, aber die Vermarktung lief über Manaus. Die Kautschukbarone bauten sich hier ihre schmucken Stadtvillen, von denen einige renoviert sind, andere baufällig vor sich hin gammeln.

Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen des damaligen Reichtums und fahren wieder einmal Boot. Eine interessante Flussfahrt mit einem „Flussbus“. Wir besichtigen das Kautschukmuseum Seringal, wo ein kleiner Kautschukbaron lebte. Die Führerin erklärte uns anekdotenreich die tragische Geschichte der Menschen, die hier arbeiteten, die zarten Liebesgeschichten, die sich zwischen dem Verwalter und der Dame des Hauses abspielten. Wir hätten stundenlang zuhören können, zumal sie aus eigenem Erfahrungsschatz berichtete, denn ihre Vorfahren arbeiteten auf dieser Kautschukplantage. Es gäbe noch viele Galerien und Museen, aber irgendwann ist Schluss. Nur noch in die Markthalle, die den Les Halles von Paris nachempfunden ist. Hier erstehen wir einen Tukan aus Holz, der wird der neue Freund unserer Randulina. Dann verlassen wir Manaus, fahren am Fussballstadion vorbei und denken an die Schweizer Fussballnati die hier an der WM spielte. Heute wird nicht gespielt, aber es muss schon wieder renoviert werden....

Einen tollen Übernachtungsplatz finden wir am Balbina Stausee, wo sich rosa Delfine und Otter tummeln. Das Wasser ladet zum Bade, doch es fühlt sich an wie in einer Badewanne, keine Abkühlung. Die BR 174, alles asphaltiert führt nach Boa Vista. Wo eine Strasse ist, siedeln sich Menschen an, was bedeutet, dass Urwald abgeholzt wird. Wir durchqueren das Stammesgebiet der „Waimiri Atroari“ Indianer, die für ihre Flechtarbeiten aus Plamblättern bekannt sind. Schade haben wir so wenig Platz, immerhin reicht es für ein Armband. Im Reservat, das nur von 6 Uhr morgens bis 18 Uhr abends durchfahren werden darf, herrscht Urwald bis an den Strassenrand. Die Bäume hängen tief und es kommt ein wenig ein Urwaldgefühl auf. Kaum ausserhalb, wird das Land wieder intensiver genutzt. Wir kommen in Boa Vista an, das aus der Luft sicher interessant wäre. Die Stadt ist halbkreisartig mit sternförmig auseinanderlaufenden Strassen, breiten Alleen und riesigen meist schattenlosen Plätzen gebaut worden.


33 – Venezuela – ein anderes Südamerika

13. Oktober – 28. Oktober 2015

Boa Vista > Santa Elena de Uiarén > El Dorado > Boa Vista

Venezuela – Traum- und Alptraumland in einem. Es war das einzige Land, das wir nicht auf unserer Reiseliste hatten. Attribute wie Korruption, Armut, Verbrecherhochburg, Schmuggel und die weltweit höchste Mordrate lasten diesem Land an. Andererseits gibt es einzigartige Natur, mystische Landschaften mit Tafelbergen und die höchsten Wasserfälle der Erde. Dazu die schönsten Frauen, manche Venezolanerin war schon Miss Universe.

Mehrere Male sind wir auf Reisende gestossen, die uns von Venezuela vorgeschwärmt hatten, Sabine und Olaf sowie Pamela und Andi sei Dank, dass wir uns auch hierher gewagt haben. Wir haben es nicht bereut. Weit sind wir nicht gekommen, aber das was wir gesehen haben, war mehr als interessant. Allein die Gran Sabana – die grosse Savanne ist eine Reise wert.

Am 13. Oktober 2015 sind wir mit gemischten Gefühlen in Venezuela eingereist. Der brasilianische Zöllner fragte uns noch, ob wir das wirklich wollen, ja und schwupps sind wir ausgestempelt. Venezuela empfängt uns mit einem monumentalen Zollgebäude und einer riesigen Autoschlange. Noch wissen wir nicht warum, aber das wird sich bald ändern. Für die Einreise benötigen wir alle Ausweise in Original und Kopie und dasselbe von der Versicherung. Kein Problem, haben wir alles. Nein, vom Fahrausweis und der Versicherung nicht, also wieder zurück, ich habe auf der brasilianischen Seite so ein rotes „Xerox“ Bretterhüttchen gesehen, der Brasilianer macht uns fast gratis die gewünschten Kopien, ich werde aber halb wahnsinnig denn uns läuft die Zeit davon (Der Zoll schliesst um 16.30 Uhr, und es ist 16 Uhr.) und der Typ hat seinen Kopierjob nicht im Griff, statt die Vorderseiten kopiert er die Hinterseiten und den Bostich verklemmt’s auch noch. Ich erkläre ihm seinen Apparat und er macht grosse Augen.

An der venezolanischen Immigration geht’s ruckzuck, wir werden eingestemmpelt, ohne Kopien. Dann zur Aduana wegen dem Auto. Wir haben grad noch 10 Minuten, der Zöllner liest alles haargenau mit unserer Versicherung durch und diskutiert wegen unserer Versicherung mit seinem Chef. UNGÜLTIG! Wir müssen also mit dem Auto erlaubterweise „schwarz und unversichert“ einreisen, um in Santa Elena de Uairén eine Haftpflichtversicherung abzuschliessen und dann mit den Dokumenten zurückkehren. Falls wir keine Versicherung haben, kann das an den vielen Strassenkontrollen zu Ärger führen, den wollen wir hier tunlichst vermeiden.

In Santa Elena, etwa 20 km vom Zoll entfernt, hat die Versicherung natürlich schon zu. Geld haben wir auch keines, also nichts wie hin und US Dollar tauschen, die man eigentlich gar nicht einführen darf, die aber jeder Tourist mitbringt. Auf dem Schwarzmarkt gibt’s zur Zeit 100x mehr als auf der Bank. Wir staunen Bauklötze, als wir für 100 US Dollar einen 20cm Stapel Venezolanische Bolívares bekommen. Wegen Falschgeld muss man keine Angst haben, das Papier ist teurer als der aufgedruckte Geldwert. Nachzählen muss man auch nicht, die Mühe lohnt sich nicht. Die Kreditkarten werden weggepackt, das Portemonnaie ist definitiv zu klein, aha, drum haben hier alle ein Bauchtäschlein umgeschnallt. Kaum aus dem schummrigen Büro raus, werden wir angerempelt. Fängt gut an, die wissen sicher, dass wir viel Geld haben. Nein, der Kerl will nur wissen, ob wir die Besitzer des tollen Land Rovers seien, er hätte drum auch einen und sein Freund mit der Posada „L’Auberge“ sei ein Franzose und hätte auch einen. Keine Frage wo wir parkieren und ein Zimmer beziehen. Wir nehmen gleich das teuerste Zimmer, man gönnt sich ja sonst nix, zum Preis von umgerechnet 17 Schweizer Franken. Abends gehen wir essen, das beste Lomito (Filet) Südamerikas liegt auf unserem Teller, das Abendessen kostet uns inklusive Caipirinha 12 Franken. Selber kochen ist definitiv aufwändiger und teurer.

Anderntags machen wir uns auf die Suche nach einem Touranbieter für den Tafelberg Roraima. Diesen Tepuy zu besteigen lockt uns. Wir werden schnell fündig, Claude unser Wirt arbeitet mit backpacker-tours.com zusammen und die bieten ein tolles 6 Tages Trekking mit Führer und Trägern an. Es ist nicht erlaubt, ohne Führung einen Tepuy zu besteigen.

Wir packen unsere Rucksäcke mit Ersatzwäsche, Schlafmatte und Schlafsack sowie Getränk. Zelte, Verpflegung und sogar ein Toilettenzelt wird vom Touranbieter geliefert und von unseren Trägern mitgenommen. Unser sympathische Führer Roger ist ein Pemón Indio und der erste Indigene der die Zulassung als Touristenführer erhalten hat und schon seit 24 Jahren Touristen auf den Roraima führt. Er erzählt und erklärt uns vieles aus seiner Kinder- und Jugendzeit und aus der Kultur der Pemón. Das macht diese Tour so einzigartig. Da er aus dem Grenzgebiet zum ehemals britischen Guyana stammt, spricht er fliessend Englisch, obwohl er nie eine Schule besucht hat. Seine beiden Söhne Roger Junior und Martin sind unsere Begleiter als Träger. Zusammen mit Claudia und Carsten aus Chile und zwei Girls aus Brasilien werden wir die nächsten Tage unterwegs sein.

Die Besteigung erfolgt in 3 Etappen, von denen die ersten beiden wenig anstrengend sind, es geht gemächlich hügelauf und -ab über die heisse Gran Sabana, am zweiten Tag werden zwei Flüsse durchquert, wo wir von Puri-Puri, kleinsten Beissfliegen, in die Waden gebissen werden. Rot gepunktet und verbissen geht’s weiter zum BaseCamp am Fuss der 500m hohen Roraima Wand. Wir werden von Roger jun. und Martin kulinarisch verwöhnt und bevor wir die Steilstufe mit der Rampe auf den Gipfel nehmen, zaubern die beiden ein typisches venezolanisches Frühstück mit Arepas (Fladenbrot aus Maismehl mit Käse gefüllt). 800 Höhenmeter und 4km heisst es heute zu bezwingen, was wir in 4 Stunden schaffen. Es geht steil, manchmal auf allen Vieren, bergauf durch Dschungel und der Wand entlang an der über 1000 jährige Farnbäume wachsen. Eine schräge „Rampe“, der einzige Weg auf den Tepuy Roraima, führt auf den Gipfel. Wir haben Wetterglück, schon der dritte Sonnentag, obwohl der Gipfel im Normalfall eingenebelt und Regen alltäglich ist. Deshalb auch der dichte Dschungel, der Nebelwald. Kurz nach 11 Uhr haben wir es geschafft. Jetzt sind wir gespannt auf dieses riesige 60km2 grosse Gipfelfeld. Unsere Zelte stehen gut geschützt unter einem Felsvorsprung. Nach dem Zmittag geht es auf Entdeckungstour. Man könnte sich ohne Führer glatt verirren. Wir wackeln über natürliche Steinbrücken, sehen verwitterte Fantasiefiguren, Kristallbänder ziehen sich durch das Gestein, schliesslich sind diese Tepuys uralt. Es sind die Überreste des alten Gondwana Kontinentes, als Afrika und der ganze amerikanische Kontinent einen riesigen Superkontinent bildeten. Der ehemals rosa Sandstein ist mit schwarzen Flechten überzogen, wir gehen über rosa Sandflächen, 1,800 Millionnen Jahre alt. Wir staunen über fleischfressende Pflanzen und schwarze Frösche. Alles ist endemisch, hat sich nie mit anderem vermischt. Anderntags grandiose Aussicht. Wieder ein Wetterglück, das es laut Roger nur einmal jährlich gibt. Wir blicken über den dichten Dschungel nach Guyana, sehen die Steilwand des Nachbartepuy Kukenan und dessen Wasserfälle, das Morgenbad nehmen wir in den sogenannten Jacuzzis, kleinen Pools, die wegen der enthaltenen Bergkristallen glitzern. Am Nachmittag überblicken wir vom höchsten Punkt (2793müM) unseren Anmarschweg und die Gran Sabana und warten unter einem Felsunterstand einen leichten Regenschauer ab. Eine Nebelschlange windet sich auf uns zu. Abends dann ein Gewitter. Doch zum Abstieg am Morgen scheint die Sonne. Mit Muskelkater in den Beinen kommen wir nach 6 Wandertagen wieder in Paraitepuy an, wo uns ein Jeep nach Santa Elena zurückbringt.

In Santa Elena lassen wir unsere Wäsche waschen, hier zu günstigeren Konditionen als in Brasilien und bezahlen wieder mit Zentimeter hohen Notenbündeln. Bei einem Bummel durchs staubige Dorf staunen wir über die Vielfalt von Artikeln, die niemand braucht und über deren Preise, sowie über die einseitig aufgefüllten Lebensmittelregale. Man kauft was es hat und richtet den Menuplan danach. Lebensmittel sind teuer, der Mindestlohn liegt bei etwa 7000 Bolívares, etwa 14 CHF. Man verdient sich einen Zustupf, indem man seinen Tank mit Gratisbenzin füllt, ja richtig gelesen Benzin ist gratis, und dieses v.a. in der Grenzregion ins Ausland verkauft, deshalb diese Warteschlangen. Auch wir brauchen mal Diesel. Wir versuchen es im Dorf „Kilometer 88“, die Schlange ist lang und drum geh ich zu den Militärs und frage, ob sie nebst Benzin auch Diesel hätten und wir volltanken könnten, sicher meinen die, aber „nur“ 60 Liter. Als ich zahlen will, winken alle ab und wir staunen.

Ein grösseres Schmuggelnest ist El Dorado. In der Minenstadt wo Gold und Diamanten gefördert werden geht es aber nicht nur um Benzin, sondern auch um Lebensmittel für die Mineure in jenem Zipfel von Britisch Guyana, welcher nur von Venezuela aus per Boot erreichbar ist.

Wir verbringen ein Wochenende in El Dorado und werden von Bruno, einem Schweizerisch-venezolanischen Doppelbürger und Ausbildner in der hiesigen Armee in die Gepflogenheiten der rauhen Region eingeführt. Bruno ist hier eine graue Eminenz, die jeder kennt. Und wirklich, als wir am Sonntag zur Tankstelle fahren, und die diensthabenden Militärs Bruno sehen, werden unsere Tanks superfreundlich mit Gratisdiesel betankt. Mit Ramon haben wir Früchte und Joghurt eingekauft, für uns spottbillig, für Venezolaner Luxusprodukte. Vielen Dank Bruno und Ramon, ihr habt uns prächtig unterhalten und uns viel über dieses spannende Land mitgegeben.

Da die Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien vorderhand geschlossen ist, fahren wir wieder zurück in die Gran Sabana Region. Diese gefällt uns auch besser als das tropische Dschungelgebiet. Bei prächtigstem Wetter gucken wir Wasserfall um Wasserfall. Alle mit tosenden Wassermassen aber den unterschiedlichsten Formen, einige auf ruppigen 4x4 Pisten erreichbar, andere bequem mit dem Boot. Alle Wasserfälle befinden sich wie auch die Tepuys im Nationalpark Canaima, wo es auch landschaftlich reizvolle Campingplätze hat. Für ruhige Nächte ist hier gesorgt, es rauscht nur das Wassser, Schmugglerboote gibt’s hier keine.


34 – Guyana – Britisches Erbe

29. Oktober – 16. November 2015

Boa Vista > Bomfin > Lethem > Georgetown

Wir fahren links (eine irrwitzige Brücke leitet den Verkehr von rechts nach links um) und sprechen Englisch, es gibt Supermärkte und Restaurants sind in indischer Hand. Hindutempel, Moscheen und christliche Kirchen wechseln sich ab. Häuser wie in Bollywood Filmen, dann wieder schönste Holzhäuser aus der Kolonialzeit. Wo sind wir bloss. Richtig, in Guyana, dem einzigen englischsprachigen Land in Südamerika, einer ehemalig holländischen, später britischen Kolonie. Die Savanne erinnert an Afrika und der Regenwald deckt 75% des Landes ab. Guyana (Fläche 214‘970 km2) grenzt im Westen an Venezuela, im Süden an Brasilien und im Osten an Surinam. Nur mit den letzten beiden gibt es Grenzübergänge. Im Norden befindet sich die Atlantikküste, die aber wegen der beiden Riesenflüsse Essequibo und Demerara keine weissen Strände generiert. Das Sedimentgeschiebe welches die Flüsse mitbringen bildet eine lehmig, schmierige Schicht, das Wasser ist braun und ladet nicht zum Bade. Die meisten Küstenabschnitte sind wegen der Mangroven unzugänglich, da wo keine Mangroven mehr wachsen, sind Deiche und Dämme wie in Holland aufgeschüttet, Guyana liegt 2m unter dem Meeresspiegel. In Küstennähe ist ein dichtes Entwässerungsnetz aufgebaut worden, dort befindet sich auch der fruchtbare Landwirtschaftsgürtel mit den Exportschlagern Zuckerrohr, Reis, Kokosnüsse und Zitrusfrüchte. Das Land verfügt aber auch über reichhaltige Bodenschätze wie Öl, Bauxit, Gold und Diamanten.

Das Landesinnere ist bis auf einige kleine Amerindiodörfer nahezu unbewohnt, die 735‘000 Einwohner leben praktisch alle an der Küste.

1834 schaffte Guyana die Sklaverei ab, die Schwarzen wurden frei und verliessen die Plantagen; vier Jahre später wurden Vertragsarbeiter aus Britisch-Indien als Arbeitskräfte hergeholt. So entstand ein buntes Völkergemisch. Die weisse Bevölkerung macht nicht mal 1% aus.

Wir sind von Brasilien her an einem Samstagmorgen in Lethem eingereist. Zuerst gilt es ein Gesundheitsformular auszufüllen, die Gelbfieberimpfung wird kontrolliert und dann werden wir an der Immigration richtiggehend in die Zange genommen, was wir denn in Guyana wollten, da gäbe es nichts, wohin wir denn wollten, da wohnen nur Amerindios (Guyanas indigene Bevölkerung), wir müssten eine Bewilligung haben um diese Dörfer zu besichtigen. Am Schluss kriegen wir eine Aufenthaltsgenehmigung für 30 Tage. Na, geht doch! Da am Wochenende alles geschlossen ist, müssen wir am Montag zum Zoll zurück und unsere Autoversicherung vorweisen, dann erst gibt’s den Stempel für unsere Randulina. Wir wissen im Voraus, dass es schwierig ist ein Auto einzuführen, andere Reisende haben 3 Tage für’s Auto bekommen, mit der Möglichkeit, diese Aufenthaltsdauer im 600km entfernten Georgetown zu verlängern. So begeben wir uns schnurstracks zum kleinen Flugfeld, wo Shirley einen Souvenirladen betreibt. Sie ist eine Institution, kennt das Land wie ihre Handtasche und hat Verbindungen zu den höchsten Regierungskreisen. Sie empfiehlt uns, das Wochenende nicht in Lethem zu verbringen. So fahren wir also in ein Amerindio Dorf, wo die indigene Bevölkerung eine Ökolodge betreibt. Eine Bewilligung brauchten wir keine, man meldet sich beim Gemeindepräsidenten und bezahlt eine Art Kurtaxe. Fast alle Amerindio Dörfer haben neben der Jagd und dem Fischfang ein drittes Tourismus Standbein aufgezogen. Es gibt Dschungel Führungen, Vogelbeobachtungen, Dorfspaziergänge und eben diese im typischen Indiostil erbauten Hotels. Yupukari liegt mitten in der Rupununi Savanne, wo es eigenartige Termitenthügel im Christbaumstil hat. Im „Caiman House“ werden Mohrenkaimane, zu Forschungszwecken eingefangen, vermessen und mit GPS-Trackern versehen. Mohrenkaimane können bis zu 8m lang werden und sind somit die grössten Kaimane weltweit. An meinem Geburtstag halte ich einen zweijährigen Babykaiman im Arm, leider zu klein für den teuren Tracker, der Kleine könnte von gierigen Ottern noch am Schwanz angeknabbert oder schlimmstenfalls ganz aufgefressen werden und der ganze Aufwand wäre umsonst gewesen. Grosse Fledermäuse fischen sich derweil Fische aus dem nachtschwarzen Wasser während sich die Moskitos an uns gütlich tun. Eine Baum-Boa jagt im Geäst nach Vögeln. Sie sondert einen übel riechenden Duft und Schleim ab, als unser Führer sie geschickt vom Baum nimmt, ich bin froh, als er sie wieder zurücksetzt.

Eine Bootsfahrt im Einbaum auf dem See am frühen Morgen ist meditativ. Im Blattgewirr der bis zu 3m grossen Victoria Amazonica, einer Art Riesenseerose, dem Gezwitscher der Vögel zu lauschen, dem still daliegenden Kaiman in die Augen zu schauen, die pfeilschnellen Eisvögel zu beobachten, ist sehr speziell. Ab und zu kreuzt uns ein anderer Einbaum, Kinder sind geschickt im Fischen, in den Untiefen waschen Frauen Wäsche. Der Kaiman lässt sich derweil nicht stören, die Frauen auch nicht. (Wie lieb ich meine Waschmaschine daheim!).

Wir spazieren mit unserem Führer durch Yupukari. Es gibt eine grosse schöne Schule, ein kleines medizinisches Zentrum und eine Kirche; die traditionell mit Palmzweigen gedeckten Hütten sind schön luftig. Ein Palmdach muss alle 3 Jahre frisch gedeckt werden werden, das ist kostspielig und mit viel Aufwand verbunden deshalb sind mittlerweile viele mit Wellblech gedeckt. Die Dorfbewohner leben in Einheit mit der Natur, bauen Früchte und Gemüse vor allem Maniok an. Aus Maniok werden Cassavabrot, Cassavabier sowie Farinha oder Farofa hergestellt. Das „Paniermehl“ Farofa fehlt bei keinem Essen. Eine mühselige Arbeit, denn die Maniokwurzel muss zuerst gewässert und gewaschen werden um die Blausäure auszuschwemmen; anschliessend wird die Wurzeknolle gerieben und ausgepresst bevor sie weiterverarbeitet werden kann.

Am Montagmorgen verabschieden wir uns und fahren zurück nach Lethem. Auch wir bekommen nur 3 Tage für unser Auto. Das verheisst Stress. Die Strasse durch die Savanne und den Regenwald nach Georgetown am Meer ist die wohl schlimmste Piste, die wir je gefahren sind. Bei Regen absolut unfahrbar. Durch die Savanne Wellblech vom Gröbsten, es schüttelt und holpert und stiebt. Durch den Regenwald metertiefe Löcher und feinster Sand. Landschaftlich wunderschön, kurz vor Ende der Savanne gibt es Hügel, wir dürfen die Nacht bei Colin Edwards auf der Annai Rock View Lodge verbringen. Zusammen mit Amerindios hat er hier ein kleines Paradies geschaffen. Wir versuchen aus den 3 Tagen so viel herauszuholen wie möglich, er wie Shirley nehmen die 3 Aufenthaltstage zum Anlass, beim Tourismusdepartement zu intervenieren. In 3 Tagen ist es unmöglich, das Rupununigebiet und den Regenwald ausgiebig zu entdecken. Und genau hier liegen die Reize Guyanas. Wir hoffen für die nächste Reisegeneration, dass sich die Einfuhrbestimmungen ändern.

Im Iwokrama Rainforest, einem riesigen Regenwaldnationalpark legen wir einen weiteren Stopp ein und spazieren mit einem jungen Amerindio durch und auf dem Canopy-Weg, einem Weg mit Seilen und Hängebrücken, über den Wald. Fantastisch auf über 30m Höhe die verschiedenen Stufen des Waldes zu betrachten. Die Bevölkerung ist stolz auf ihr Wissen, welches von Generation zu Generation weitergegeben wird und der junge Bursche erklärt uns geduldig die verschiedenen Bäume. In bester Erinnerung wird mir der allergiftigste Baum bleiben, mit dessen Saft die Speerspitzen für die Jagd eingerieben werden. Absolut tödlich. Sogar der Rauch des verbrannten Holzes ist giftig und eignet sich nicht für das Räuchern von Fischen, die typischerweise mit Pfeil und Bogen erlegt werden. Die Einstichstelle muss grosszügig weggeschnitten werden um Vergiftungen vorzubeugen.

Anderntags kreuzen wir den Essequibo River mit der Pontonfähre. Etwas später treffen wir auf Guadelupe und Alejandro, die seit 13 Jahren mit dem Motorrad unterwegs sind. Würden wir den Abzweiger nach Mahdia nehmen, kämen wir zu den Goldgräberminen, dafür reicht die Zeit nicht. Der Verkehr nimmt etwas zu. Wir übernachten in einem Holzfällerdorf, 58 Miles. Die schweren Laster tun der Strasse auch nichts Gutes. In der Regenzeit sind sie mit Schneeketten unterwegs und wühlen sich durch den Matsch. Dem ehemaligen Viehtreck bekommt das nur schlecht. Wir müssen hier unseren hinteren Stossdämpfer wieder montieren, durch das ewige Gerüttel ist seine Verankerung geborsten und muss geschweisst werden.

Ab Linden ist die Strasse asphaltiert, welche Erholung. Aber Asphalt bedeutet auch mehr Verkehr. Bis Georgetown ist Dorf an Dorf gebaut. Die Autos fahren mit horrender Geschwindigkeit und bei jedem Überholmanöver wird kräftig gehupt. Eselkarren, tausende Roller, Velos, Schafe, Ziegen, Pferde, alles was sich bewegen kann, bewegt sich auf der Strasse. Es ist höchste Konzentration erforderlich.

Das Amt in Georgetown, welches uns die Aufenthaltsbewilligung für unser Auto erteilen kann, ist schnell gefunden, aber Einlass kriegen wir erst, als wir uns in Jäckli und lange Hosen stürzen, Dresscode ist angesagt. Nach etwa 2 Stunden Wartezeit dürfen wir beim zuständigen Beamten vorsprechen und wieder gibt’s ein Interview. Irgendwann platzt mir der Kragen, ich werde etwas laut und sage, wir seien Professoren für Agronomie und Biologie und wären hier um die Viehzucht (die weltweite grösste Viehranch liegt in Guyana) sowie die Resultate der Caiman und Schildkrötenforschung näher kennenzulernen. Na dann macht er grosse Augen und wir bekommen den Stempel für 30 Tage. Huch geht doch. Es dauert dann nochmals 1 Stunde, bis wir die Bescheinigung schriftlich in den Händen halten.

Anderntags gehen wir in Georgetown auf Entdeckungstour, schöne koloniale Holzgebäude, weisse und rosa Lotusblüten blühen in den vielen Kanälen, kleine Cafes und indische Roti Shops riechen verlockend. Die Mangos auf dem Markt sind klein und zuckersüss und wir entdecken Früchte, von denen wir gar nicht wussten, dass es sie gibt.

Auf dem Spaziergang dem Deich entlang spricht uns eine junge Dame an und meint, sie hätte uns gestern schon gesehen. Wir hätten ihr Interesse geweckt und sie würde uns gern in ihr Haus einladen. So sassen wir dann wenig später mit ihrer Familie am Frühstückstisch am Plaudern und genossen Gastfreundschaft pur in einem dieser wunderschönen kolonialen Holzhäuser. Dass ihr Vater ein ehemaliges Mitglied der Regierung war, entdecken wir auf einer Gedenktafel bei der Verabschiedung. Drei ihrer Geschwister leben im Ausland (USA und Grossbritannien), was typisch ist für Guyana. Man sagt, Es leben mehr Guyaner im Ausland als daheim und reinvestieren in ihr Land.

Ein weiteres Highlight ist der Flug zum Kaieteur Wasserfall. Die Welt von oben zu bestaunen ist reizvoll, Goldminen, durch den Dschungel schlängelnde Flüsse und dann diese geballte Kraft des Wassers, das 226m in die Tiefe stürzt. Wir schlendern zu 3 Aussichtspunkten und bestaunen den Fall aus verschiedenen Perspektiven, entdecken den winzigen Goldfrosch, der sein ganzes Leben in einer Riesenbromelie verbringt. Nachmittags fliegen wir vom Regenwald in die Savanne und nehmen ein Bad im Becken des Orinduik Wasserfalles.

Zurück auf unserem Stellplatz im Ausstellungsgelände von Georgetown erwarten uns Karin und Coen. Wir verbringen mit den beiden sympathischen Holländern, die seit 2003 mit ihrem Landcruiser (landcruisingadventure.com) unterwegs sind einen weiteren netten Abend. Rum Tasting macht zu Viert mehr Spass als zu Zweit.

Und nein, wir sind nicht mehr zurück in die Rupununi Savanne gefahren, die Strasse ist einfach nicht danach, trotz der sehenswerten Natur.


35 – Suriname – Land mit holländischen Vorfahren

17. November – 30. November 2015

Nieuw Nickerie > Paramaribo > Brownsberg Nature Park > Atjoni > Groningen > Albina

Suriname, Paramaribo, Namen die auf der Zunge vergehen wie Schokolade, süsse Träume wecken und nach Kaffee riechen. Namen, die auch an ferne Länder erinnern, an Sklaverei. Eine holländische Vergangenheit, die sich immer noch in der Amtssprache zeigt: Niederländisch. Die Sklaverei zeigt sich in der Bevölkerungszusammensetzung: 37% sind afrikanischer Herkunft, Menschen, die aus dem relativ nahen Afrika als Arbeitskräfte eingeführt wurden. Davon sind etwas über 22% Maroons, Nachkommen jener schwarzen Sklaven, die vor 1863, also vor der Abschaffung der Sklaverei in die surinamesischen Regenwälder geflüchtet sind. Gegen 16% sind ehemalige schwarzafrikanische Sklaven, Kreolen, die nach 1863 noch 10 Jahre als bezahlte Kontraktarbeiter auf den Plantagen gearbeitet haben, sich mit anderen Bevölkerungsgruppen gemischt haben und meist in der Hauptstadt Paramaribo leben. Etwa 27% sind indischer, 13% javanischer Abstammung und nur gerade 7% sind Europäer, Chinesen oder anderer Abstammung. So bunt wie dieses Völkergemisch ist, so bunt sind die Sprachen, der Kulturmix und die religiöse Vielfalt. 550‘000 Einwohner leben auf einer Fläche, die 4x grösser ist als die Schweiz, da herrscht kein Dichtestress, oder doch? Fast alle Einwohner leben am schmalen Küstenstreifen, der Rest ist Regenwald.

Am 1. Juli 1863 wird die Sklaverei abgeschafft, 35‘000 ehemaligen Sklaven erhalten einen Namen und jeder Haushalt einen Nachnamen Das erklärt, weshalb die Fussballnationalmannschaft Hollands so viele schwarze Spieler mit holländischen Nachnamen hat. Nach 1873 werden Vertragsarbeiter für die Plantagen aus Britisch Indien, China und Indonesien, damals Niederländisch-Indien ins Land geholt. Gearbeitet wurde auf Zuckerrohr-, Kaffee-, Baumwoll- sowie Kakaoplantagen. Heute besteht noch eine einzige Kaffeeplantage, das Zuckerrohr und die Melasse für die Rumdestillation wird eingeführt und der Kakaoanbau wird auch eher hobbymässig betrieben.

Am 25. November 1975 wurde Suriname unabhängig, wir erlebten in Paramaribo den 40. Jahrestag, der mit Paraden und vielen Imbissbuden gefeiert wurde. Allerdings sehr südamerikanisch und ohne fixes Programm, was unsere Geduld etwas strapazierte und wir der Hitze wegen wieder auf unseren Campingplatz zurückkehrten und auf den Srefidensi verzichten.

Auf unserem perfekten Standplatz im Domburg Harbor Resort, einem Treffpunkt aller Weltumsegler, fanden wir alles was das Herz begehrt: spannende Menschen und interessante Gesprächsthemen beim Nachtessen, saubere sanitäre Anlagen, Swimmingpool und Waschmaschine.

Wie in Holland bewegen sich viele Menschen mit dem Velo fort, so auch wir. Wir entdeckten die alte Zuckerplantage und ehemalige Rumdistillerie Marienburg, heute nur noch eine Industriebrache mit marodem Charme. Ganz schön war die Führung durch die Kaffeeplantage Kattwijk. Doch leider fehlen hier Arbeitskräfte um eine volle Produktion aufrechtzuerhalten. 4 Arbeiter hegen, pflegen und ernten ca. 5 Tonnen Kaffee pro Jahr. Die Arbeit in den Plantagen ist hart, spezielle Stiefel gegen hochgiftige Schlangen, Millionen von Moskitos, tropische Hitze und Feuchtigkeit, da reisst sich niemand drum. Wir kaufen 1kg Kaffee und sind erstaunt wie gut er schmeckt. Das Geheimnis liegt nicht nur bei den Bohnensorten Arabica und Robusta sondern vorallem im Röstprozess.

Weil wir nur zu Zweit sind, bekommen wir eine aussergewöhnliche Führung mit vielen Kindheitserinnerungen des Managers. Die Zeit vergeht wie im Flug und kurz bevor wir wieder zu unserem Auto kommen, werden wir von einem tropischen Gewitterregen überrascht und abgeduscht. Herrlich.

Auf dem Heimweg noch schnell im Supermarkt vorbei-hier wären chinesische Sprachkenntnisse von Vorteil. Es gibt eine tolle Auswahl an holländischen Produkten, aber die Supermärkte werden alle von Chinesen geführt, die teilweise weder Holländisch noch Englisch sprechen und obwohl wir in Südamerika sind, geht auch mit Spanisch gar nichts. Dafür muss ich die fehlenden 30 Cents nicht bezahlen, die Kassierin hat ein spezielles Portemonnaie für solche Fälle. Ein andermal werde ich auf meine paar Cents Rückgeld verzichten, so geht es immer wieder auf. Nur eines geht in Surinam nicht, mit Kreditkarte bezahlen! Da gilt: Nur Bares ist Wahres.

Ein Bummel durch Paramaribo am Sonntagmorgen ist sehr interessant, nicht nur wegen der wunderschönen Kolonialhäusern, den Kirchen, Moscheen und Hindutempeln sondern wegen des Vogelsingwettbewerbs auf dem Onafhankelijkheidsplein (zu Deutsch: Unabhängigkeitsplatz). Gefühlsmässig besitzt jeder surinamesische Mann einen oder mehrere Vogelkäfige mit Piepmätzen, die er täglich ausführt. Statt mit dem Hund geht man in Surinam mit dem Vogelkäftig spazieren oder Velo- oder Töfffahren. Man trainiert den Vogel. Die Ausfahrt soll ihn zum Pfeifen stimulieren. Das Training ist hart für Vogel und Mann und voller Stolz wird der Käfig samt Inhalt am Sonntagmorgen auf dem obengenannten Platz präsentiert. Ein männlicher Vogel im Käfig beträllert ein Weibchen im Käfig und umgekehrt, ein Schiedsgericht misst das Gezwitscher, der Bessere schaffts eine Runde weiter. Ein interessanter Zeitvertreib. Zum Zmittag geniessen wir indische Roti mit scharfer Curryfüllung.

Die Segler aus Innsbruck, der Schweiz und Deutschland segeln weiter nach Trinidad Tobago und wir tuckern in den Brokopondo Nationalpark, wo die Wasserfälle kleine Rinnsale sind, die Brüllaffen heftig in den Bäumen turnen, die Giftschlangen gegen Abend auf Jagd gehen und wir eine sensationelle Aussicht auf den riesigen Stausee haben. Nachts frischt es auf 450müM stark auf, was uns ein angenehmes Schlafen beschert.

Ein lustiges Abenteuer ist die Flussfahrt auf dem Surinam River. Von Atjoni aus, wo wir uns mehr in Afrika als in Südamerika fühlen, fahren Pirogen den Fluss hinauf. Wir fragen uns durch welches Boot denn wann zur Menimi Lodge abfährt. Bald werden wir fündig und verbringen den Rest des Nachmittages mit warten, denn das Boot geht erst um 16 Uhr. Die Boote werden mit Fracht beladen, in den Dörfern gibt es nur beschränkte Einkaufsmöglichkeiten, nebst Alltäglichem wird auch eine Matratze auf unser Schiff geladen. Rechts und links Regenwald, Dörfer der Saramacca, eben den Maroons, (entlaufenen Sklaven) ziehen vorbei. Frauen sind am Kleiderwaschen, Mädchen spülen das Geschirr, Buben baden, Männer fischen, das Leben spielt sich am und im Fluss ab. Bei der ersten von drei Stromschnellen müssen wir aussteigen, die Fracht bleibt auf dem Boot, die Matratze ist feucht, wir steigen wieder ein, die nächste Stromschnelle kommt, wir wieder raus und zu Fuss weiter, die Matratze ist nass, bei der dritten Stromschnelle tropft die Matratze. Immer wieder wird Fracht gelöscht, der Mann am Ruder beherrscht seinen Motor und das Boot auch im Dunkeln und bringt uns sicher ins Paradies. Da sind wir nun so weit im Dschungel und unser „Hotelier“ meint ganz salopp zu unserem Erstaunen, wir sollen unbedingt vom schnellen wifi und dem Internet profitieren. Im grossen LED Flachbildfernseher kommt eine Reklame für ein Geschirrspülmittel in einer Designerküche. Was war das was wir am Fluss gesehen haben? Der Zusammenprall von verschiedenen Welten könnte nicht grösser sein. Bei der Rückfahrt dürfen wir über die Stromschnellen im Boot bleiben und hoffen, dass der Spass nicht im Wasser endet, kalt ist es nicht, tief auch nicht, aber es wäre schade um unsere elektronischen Spielzeuge und die Fotoapparate.

Zurück in Atjoni holen wir unser Auto ab, ein Mädchen, nicht älter als 14 und hochschwanger hat für wenig Geld darauf aufgepasst. Das Mädchen ist kein Einzelfall, überall laufen grosse Aufklärungskampagnen über AIDS.

Wir fahren nach Groningen und verbringen unser letztes Wochenende mit Karin-Marijke und Coen, die ihren Landcruiser vor dem Verschiffen nach Asien hier auf Vordermann bringen. Für uns geht’s nicht so weit. Nur mit der Fähre über den Maroni Fluss nach Französisch Guyane.


36 – Französisch Guyane und Martinique

01. Dezember – 28. Dezember 2015

Saint-Laurant-du-Maroni > Kourou > Cayenne > Martinique > Trois Ilets > Saint Georges de Oiapoque

Eine halbe Stunde Fährfahrt und wir kommen in Saint-Laurant-du-Maroni in einer völlig neuen Welt an. Die Einreise im Departement Outre-mer verläuft völlig problemlos. Es gibt zwar einen Stempel in den Pass mit unbeschränkter Aufenthaltsdauer, die Grenzbeamtin will die grüne Autoversicherungskarte sowie den Fahrzeugausweis sehen und in 5 Minuten ist die Prozedur erledigt. Ab jetzt sprechen wir Französisch, bezahlen mit Euro, kaufen im Super U französische Produkte und spüren den Pariser Zentralisierungswahn bis nach Südamerika. Es gibt nichts, was darauf hindeutet, nicht in Frankreich zu sein ausser dem Klima und der Bevölkerungsstruktur: heiss und dunkel – Indigene und Nachfahren der ehemaligen Sklaven.

Übernachtet haben wir am Hafen, wo wir auch ein Schweizer Segelschiff entdeckten. Madelyne und Rémy sind mit ihrer Alubis auch seit 2014 unterwegs und wir verbrachten einen wunderbaren Abend auf dem schönen Schiff.

Doch Saint-Laurant-du-Maroni war lange Zeit nicht der bevorzugte Ankunftsort für Fremde. Ein dunkles Kapitel französischer Geschichte wurde hier geschrieben. Napoleon lll liess zehntausende Gefangene, von kleineren Delinquenten bis zu politisch Gefangenen hier und auf den umliegenden Inseln ihre Strafen verbüssen. Man setzte sie nach der Abschaffung der Sklaverei als Arbeitskräfte ein und erhoffte sich eine Schonung des Staatshaushaltes. Die Gefangenen wurden unter unmenschlichsten Bedingungen gehalten. Tagelange Einzelhaft in Dunkelzellen, unzureichende Ernährung, das ungewohnte Klima verbunden mit Krankheiten zermürbte oder reizte manchen zur Flucht, wobei das meist den sicheren Tod bedeutete. Wer mehr darüber wissen will, siehe „Papillon“ von Henry Charrière, der hier eingesessen hat. Unser Tagesausflug auf die Îles du Salut mit einem Segelboot war denn auch geprägt von diesen historischen Tagen. Wir haben uns allerdings gefragt, ob es nicht auch eine Strafe für die Wärter und ihre Familien war, hier wohnen zu müssen. Romantisch war es damals nicht wirklich und Moskitos haben keine Dünkel und stechen kunterbunt.

Heute ist Französisch Guyane besser bekannt als europäische Satelittenabschussbasis. Bereits Wochen zuvor haben wir uns für den Abschuss der Vega 06 mit dem Projekt „Lisa Pathfinder“ angemeldet. Ariane 5 und Sojus standen grad nicht auf dem Programm. Tatsächlich erhielten wir positiven Bescheid für ein Dabeisein und auch für die geführte Tour durch das Gelände. Alles in allem sehr spannend und gut aufgemacht und erst noch gratis. Kourou bietet sonst nicht viel, in der Kleinstadt leben nahezu alle Bewohner für oder von der Raketenbasis. Auffallend sind die vielen Villenquartiere und grossen Schulkomplexe und dazu wie in Frankreich üblich, Wohnsilos für die weniger gut betuchten.

Hier gibt es im Gegensatz zu den anderen Ländern Guyana und Suriname tolle Wandermöglichkeiten in den ausgedehnten Wäldern, meist mit informativen Erklärungstafeln. Nach einigen diesen Spaziergängen beschlossen wir aber, uns nicht mehr freiwillig den ganztägig aktiven Moskitos zum Frass vorzuwerfen. Es war auch nicht lustig, dick eingepackt und mit Anti-Moskito-Crème eingestrichen in den tropisch feucht-heissen Wäldern herumzustiefeln. Deshalb waren wir sehr überrascht, als wir in der Nähe von Kaw, mitten in einem Sumpfgebiet keine Moskitos fanden, dafür ein tolles Wegnetz und eine wunderbare Sumpftour in einer Piroge. Anderntags entdeckten wir sogar einen der winzigen blauen Frösche. Aber wie die grossen blauen Morpho Schmetterlinge wollte auch er sich nicht fotografisch festhalten lassen und versteckte sich unter einem Baumstamm.

Zwei Sonntage standen in der Gunst von laotischen Märkten mit hervorragenden Garküchen. Der Markt in Cacao ist ein Muss. Nebst Früchten und Gemüsen gibt es auch eine riesige Anzahl an Stickereien und genähtem Handwerk. Schade ist unser Platz beschränkt. (@ Guido und Maria: Wir kommen gerne mit euch nach Laos, was dann noch viel authentischer ist.) Die Laoten des Nordens kämpften im Vietnamkrieg mit den Franzosen teilweise gegen ihre eigenen Landsleute. Die Franzosen boten ihnen Land und Arbeitsmöglichkeiten in Französisch Guyane, wo sie bis heute in der Landwirtschaft tätig sind. Praktisch sämtliches Gemüse und Obst das in Guyane verkauft wird, wurde Laoten angebaut. Sie haben viel von ihrer Kultur bewahrt, sprechen untereinander laotisch und leben eigentlich in einer Art Parallelgesellschaft, die erst sich jetzt mit der Jugend langsam auflöst. Übernachtet haben wir in Cacao äusserst stilvoll an einem Fluss unter einem riesigen Bambus.

In Cayenne, dem Hauptort war das etwas schwieriger, deshalb haben wir uns etwas ausserhalb an einen Strand gestellt. Ein Superstrand, wäre das Wasser vom Amazonasschlick nicht braun gefärbt. Hier bereiteten wir uns auch auf unsere Weihnachtsferien vor: Wäsche waschen, Weihnachtskarten schreiben, Koffer packen, und das Schwimmbad zum Duschen nutzen.

Und dann haben wir uns einen weiteren Traum erfüllt und sind von Cayenne aus in die Karibik geflogen, um dort die Weihnachtstage zu verbringen. Das bietet sich hier an, denn auch in der Karibik sind die Franzosen gut vertreten. Martinique, ebenfalls Outre-mer, war noch französischer als Guyane und wartete mit einem Verkehrschaos auf, wie wir es nie erwarteten. Auf 1000 Einwohner kommen 519 Autos während es in Guyane nur 255 sind. Das Leben ist hektisch hier, fast europäisch, alles blitzsauber und gut organisiert, die Strassen ähneln unseren Alpenpässen, ein stetiges auf und ab. Die Strände auf der Blumeninsel haben uns etwas enttäuscht, wir haben uns vielleicht auch falsche Vorstellungen unter „Karibik“ gemacht. Aber was soll’s. Martinique wartet mit Zuckerrohr- und Bananenplantagen auf und hat nebst kleinen Stränden also auch sonst noch was zu bieten. Wir wissen jetzt wie Rum hergestellt wird, nämlich gebrannt aus dem Saft des Zuckerrohrs und nicht wie andernorts aus Melasse. Wir haben ihn degustiert, wissen jetzt wie er schmeckt und wie er getrunken wird: Pur, gemixt oder als Punsch, der ganz schön einfährt. Wir wissen jetzt auch, dass Bananenstauden 36 Blätter treiben bevor sie eine Blüte hervorbringen und dass die grosse Blüte männlich ist und die weiblichen Blüten an den Spitzen der Bananen hängen. Ein ganzer Bananenbund besteht aus etwa 100 Früchten, die in Handarbeit geerntet werden. Eine wasserintensive Pflanze, die täglich 15-20 Liter benötigt. Wöchentlich werden 27 Millionen Bananen von Martinique und Guadeloupe nach Frankreich verschifft, bei der Rückreise bringen die Containerschiffe Lebensmittel und Waren aus Frankreich mit. Es gibt übrigens unzählige Bananensorten, viele süsse Früchtchen, die glücklich machen und den Blutdruck senken, aber auch viele, die sich nur gekocht essen lassen und dann ähnlich wie Kartoffeln schmecken.

Martinique, die Blumeninsel wird ihrem Namen gerecht, oftmals fühlten wir uns wie in einem botanischen Garten.

Weihnachten verbrachten wir ganz unspektakulär auf dem Balkon unseres Appartements im Örtchen Trois Ilets bei Rindsfiletspiessli und Salat. Dazu die Aussicht auf’s Meer und das Lichtermeer von Fort-de-France auf der gegenüberliegenden Seite. Selbstverständlich haben wir auch die kreolische Küche probiert, leckeren Fisch oder die typischen Accras, kleine frittierte Bällchen mit Stockfisch.

Fort-de-France, die Hauptstadt der Insel besuchten wir mit dem Taxischiff. Das Standbild von Joséphine de Beauharnais, der Frau Napoleons l und Kaiserin von Frankreich war mal wieder ohne Kopf. Kopflose Damen sind das Foto nicht wert, und allem Anschein nach haben die Nachkommen der ehemaligen Sklaven immer noch eine Wut auf die Ehrendame, welche die Sklaven nicht als Menschen betrachtete und ihr deshalb nach jeder Renovation den Kopf von neuem abschlagen. Das grosse Fort war bei unseren Besuchen geschlossen, so blieb noch der Markt mit den bunten Früchten, das war’s dann auch schon bald.

Eigentlich hatten wir fest vor, auf den Vulkan Mont Pelée zu steigen doch der Gipfel war 10 Tage lang mit Regenwolken verhüllt. An einem Sonntagmorgen 1902 brach der Vulkan aus und riss im Städtchen Saint Pierre mit einer glühenden Gaswolke 30‘000 Menschen in den Tod. Obwohl es Anzeichen gab, vermieden es die Stadtväter die ehemalige Hauptstadt zu evakuieren, es waren grad Wahlen angesagt. Wohlhabende Bürger schickten ihre Kinder weg und als Einziger überlebte der Gefangene hinter den dicken Gefängnismauern den verheerenden Ausbruch.

Die 10 Tage vergingen wie im Flug und schon bald hiess es Abschied nehmen. Müde kamen wir am späten Abend in Cayenne an, wo unsere Randulina auf dem Langzeitparkplatz des Flughafens auf uns wartete. Der Parkplatz war im Gegensatz zu unserer Abreise jetzt proppenvoll. Ob wohl viele Expats über die Weihnachtstage heim nach Frankreich gereist sind?

Statt noch lange im Dunkeln einen Übernachtungsplatz zu suchen, klappten wir unser Bett gleich auf dem Parkplatz auf und gönnten uns am nächsten Morgen unser letztes Café et Croissant im Flughafenbistro bevor die Reise weitergeht. Da wir uns hier noch besser verständigen können als in Brasilien, suchen wir eine Werkstatt auf um die Räder auswuchten zu lassen, dann wird der Kühlschrank mit Käse aufgefüllt und durch die einsamen Wälder, wo die kleinen schwarzen Äffchen mit den goldenen Pfötchen manchmal auf der Strasse spielen, tuckern wir nach Saint-Georges-de-Oiapoque, wo die Strasse am gleichnamigen Fluss endet. Von da weg geht’s nur noch mit dem Schiff weiter ins brasilianische Oiapoque. Eigentlich gäbe es seit 2011 eine Brücke über den Fluss, gebaut von den Franzosen, bezahlt mit EU Geldern, aber die Brasilianer sind das Zollhaus an der Brücke schuldig geblieben, es wird erstellt, sobald die Franzosen die letzte Rate beglichen haben, die zahlen aber erst, wenn das Zollgebäude steht… So gleicht das Bauwerk einem Schildbürgerstreich. Nutzniesser sind die brasilianischen Fährbetreiber, die horrende Preise für den Autotransport verlangen. Glücklicherweise waren wir am zweitletzten Tag des Jahres nicht das einzige Auto und konnten den Fährpreis teilen und erhielten auf der brasilianischen Seite vom Fährbetreiber auch gleich die Erlaubnis, die Nacht wohlbehütet auf seinem Grundstück zu verbringen. So quasi all inclusive.

Und zum Abschluss das Rezept zum typischen „Punch Planteur“ für 4 Personen:

4 dl weisser Rum
8 dl exotisch gemischter Fruchtsaft (Ananas, Mango, Maracuja, Orange…)
Zuckerrohrsirup zum Süssen nach Belieben
1 Zimtstange, etwas geriebener Muskat, Samen eines Vanillestängels

Alles mischen und gut gekühlt servieren

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