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08 – Wanderungen mit perfekten Endzielen

09. Januar – 25. Januar 2015

Ushuaia > Puerto Natales (Chile) > Torres del Paine > El Calafate (Argentinien) > El Chalten

Nach unserer Antarktis-Cruise bleiben wir noch eine ganze Weile auf Feuerland und in Südpatagonien. Wir hatten immer herrliches Wetter und die Landschaft fasziniert uns sehr. Als erstes treffen wir uns nochmals mit Inge und Werner zum Abendessen in Ushuaia. Es ist ja nicht so, dass wir auf dem Schiff nicht gut abgefüttert worden wären, aber ganz so abrupt wollen wir dann auch nicht mit Schlemmen aufhören. Also ab gehts in ein uriges Restaurant am Pier und bei feinem Lachs mit „Kürbisstunggis“ frischen wir unsere Antarktiseindrücke auf und erzählen uns, wo es nun lang geht. Inge und Werner fahren nach Uruguay und anschliessend nach Guatemala, wo ihr Boot steht. Wir wollen auf Feuerland wandern und dann in die grossen Nationalparks weiter nördlich wechseln.

Als erstes besteigen wir den Cerro Guanako im Nationalpark „Tierra del Fuego“. Eigentlich keine grosse Sache, wären da nicht die vielen Moore. Dank gutem Schuhwerk und einigen Balanceübungen überwinden wir alle Hindernisse und nachdem wir die grosse Schutthalde unterm Gipfel durchquert haben, werden wir mit einer imposanten Aussicht auf Ushuaia, den Beagle Kanal und das Ende der Welt belohnt. Nach fünfeinhalbstündiger Wanderung können wir müde aber zufrieden, winddicht eingepackt sogar noch im Freien sitzen und den Apéro geniessen. Anderntags schliessen wir uns der Warteschlange an, die am letzten Postbüro der Welt den Pass gestempelt haben will und schicken an uns selbst eine Postkarte von da. Das tun wir ab und zu von vielen schönen Orten der Welt. Wenn wir dann wieder zu Hause sind, haben wir eine lustige Sammlung.

Dann gehts Richtung Norden. Das südliche Lands’End ist uns zwar schon richtig ans Herz gewachsen, aber immer wollen auch wir nicht da bleiben. Der Ruta 3 folgend, gibt’s nach ca. 100km schon den ersten Halt. Die Panaderia La Union in Tolhuin kann man wirklich nicht auslassen. Die Süssgebäcke in dieser grossen Konditorei sind einfach sagenhaft und das wifi funktioniert auch schnell und tadellos.

Die Weiterfahrt ist windig – halt richtig patagonisch und geschützte Plätze zum Übernachten sind rar. Also stellen wir uns in der Gegend vor Rio Grande ans Meer und kaum haben wir uns hingestellt, kurvt ein zweites Auto zu uns hin. Tatsächlich, zwei Appenzeller auf dem Weg in den Süden. Sogleich öffnen wir eine Flasche Wein und in geselliger Runde werden Reiseerfahrungen ausgetauscht. Zwei Autos übernachten nun also im Wind am Atlantik. Für uns das letzte Mal für lange Zeit, wir fahren nach Nordwesten Richtung Pazifik durch die Pampa und dann mal wieder nach Chile.

Hier blühen Margeriten und Lupinen um die Wette und wir haben schon 17 Grad. Juhui, der Sommer kommt. In Ushuaia hat’s doch eben noch vorgestern geschneit.

In Puerto Natales decken wir uns für die bevorstehenden Tage mit Lebensmitteln ein. Trockenfrüchte, Müeslistängel, Fertiggerichte – genau, wir wollen WANDERN aber richtig. Im Torres del Paine – zu allen Cerros und Torres und Cuernos – alles wollen wir sehen und bewegen wollen wir uns auch. Auf dem Campingplatz im Torres del Paine erschlägt uns die Hitze, wir haben mittlerweile 25 Grad, wir sind völlig kaputt und sitzen nur da und überlegen uns, wie wir die Wanderungen einteilen wollen. Es gibt da nämlich das O und das W, das man wandern kann – wir sind optimistisch, wir kombinieren beides in ¾ der angegebenen Zeit – schliesslich sind wir fit und zwäg und das Wetter perfekt.

Am andern Morgen sind die Rucksäcke mit Zelt, Mättelis und Schlafsäcken und dem ersten Teil der Verpflegung gepackt und wir wandern bei schönstem Wetter steil bergauf zum Campamento Torres, wo wir das Zelt aufstellen und die Rucksäcke deponieren. Mit leichtem Schritt geht’s nochmals 45 Minuten bergauf und da sind sie dann: die TORRES DEL PAINE in voller Grösse und wolkenlos im stahlblauen Himmel – praktisch eine Sicht der Unmöglichkeit, denn im Normalfall sind sie in den Wolken versteckt. Der Lago Torres glitzert und wir geniessen diese mystischen Berge den ganzen Nachmittag. Irgendwann folgt der steile Abstieg zum Camp und wir reissen den Altersdurchschnitt ziemlich in die Höhe – könnten wir doch die Eltern all jener sein, die hier das Zelt aufgeschlagen haben. Aber wir sind ja erfahrene Zeltler und haben auch das Kochen nicht verlernt… mit Fertiggerichten auch keine ernstzunehmende Sache.

Anderntags wollen wir uns den Sonnenaufgang nicht entgehen lassen und nach einer schier schlaflosen Nacht (das Bett im Landi ist um einiges bequemer) sind wir froh, um 4 Uhr morgens auf Wanderschaft gehen zu dürfen. Die vielen Lichtpunkte der Taschen- und Stirnlampen der Wanderer vor und hinter uns ergeben einen langen Tatzelwurm, der nach oben kriecht. Der Lago Torres ist spiegelblank, es ist eiskalt und der erste Turm kommt langsam in die Sonne und dann der zweite und kurz bevor ich glaube erfrieren zu müssen, wird auch der dritte Turm angestrahlt. Zurück im Camp wird das Zelt abgebaut und dann ein warmer Tee gebraut. Ein leichtes Zmorge und im Galopp sind wir wieder Richtung Tal unterwegs. Dort packen wir um, denn die erste Etappe ist geschafft, nun geht’s an die Weiteren. Also packen wir für 5 Tage Verpflegung ein, noch ein T-Shirt mehr und für alle Fälle noch etwas Warmes. Und los geht’s um 12h30 – 17km über Stock und Stein dem Lago Nordenskjöld entlang, über Wiesen und durch schattige Wälder, aber nicht wie bei uns bergauf und dann ist man oben, nein immer wieder mal 200 m hinauf und dann 150m hinunter und dann wieder hinauf und wieder hinunter…Um 18h30 erreichen wir das Campamento Italiano. Im eiskalten Fluss kühlen wir unsere Füsse, die Rucksäcke wiegen schwer. Anderntags wandern wir ins Valle Frances, vom grossen Gletscher brechen mit grossem Krachen immer wieder riesige Eismassen ab und stürzen ins Tal wie ein Wasserfall. Beim Aussichtspunkt Britanico sitzen wir auf einem Felsblock und bewundern die Cerros Castillos und Cathedral und viele weitere Zacken und Spitzen im blauen Himmel. Die nächste Etappe wird gleich angehängt nachdem wir im Campamento unsere Sachen wieder zusammengepackt haben, wandern wir bei 27 Grad weiter zum Campamento Paine Grande. Wir sind nicht mehr 20 und spüren unseren Körper. Die schweren Rucksäcke, die Hitze und auch die langen Etappen hinterlassen Spuren. Das Campamento Paine Grande ist eine riesige Zeltstadt am Lago Pehoé. Hier kommen auch Schiffe mit weiteren Wanderlustigen an. Die Aussicht auf die Cuernos del Paine ist spektakulär, aber die Aussicht auf ein kühles Bier ebenfalls. Zum Glück kann man hier beides miteinander geniessen, denn vor Ort befindet sich auch ein Restaurant. Und wen treffen wir denn noch an? Richtig, Nick und Jodie aus Australien, die mit uns auf der Antarktistour waren. Wie ist doch die Welt klein. Sie kommen gerade vom Grey Glacier, diese Wanderung haben wir für morgen auf dem Programm. Das ist eine leichte Wandertour, denn wir können wiederum alles stehen lassen und nur mit einem Tagesrucksack losziehen. So, nun haben wir die W-Route gelaufen, alles bei traumhaftem Wetter. Wir brechen unser Zelt ab und nehmen das Schiff zurück. Zwei klapprige Busse bringen uns zurück zum Anfangspunkt, wo wir müde aber glücklich und etwas stolz zu unserer Randulina zurückkehren.

Hier lernen wir Pablo und seine Familie aus Puerto Natales kennen, der ebenfalls einen Defender fährt und uns gleich viele gute Tipps gibt, wo wir einen Service machen können. Denn unser Landi quietscht und zwitschert mittlerweile ziemlich. Mit seiner Drohne macht er auch gleich ein Foto vom schönen Campingplatz mit unserem Auto drauf. An der Laguna Azul erleben wir gegen 6 Uhr einen wunderbaren Sonnenaufgang mit den rot angeleuchteten Torres – es hat sich gelohnt, den Wecker zu stellen.

Das perfekte Wetter nutzend, machen wir uns dann auf die Reise nach El Chaltén via El Calafate. Hier versuchen wir dem Zwitschern unseres Autos auf die Spur zu kommen, doch in 3 Garagen wo Oel kontrolliert und unseren Rädern der Sand ausgeblasen wird heisst es, das ist typisch Landrover. Also geht’s weiterhin pfeifend und zwitschernd durch die Pampa nach El Chaltén, wo wir unbedingt Fitzroy und Cerro Torre sehen wollen. Wir entscheiden uns für zwei Tageswanderungen zu eben diesen faszinierenden Türmen. Da sitzt man dann staunend davor und kommt sich so klein vor. Viele sind unterwegs, bei diesem Wetter und der Kulisse kann man ja nicht auf dem Stühlchen sitzen. Das tun wir dann im Biergarten nach dem Wandern und geniessen noch eine Pizza. Abends, auf einem kleinen Bummel durch El Chaltén, das eigentlich nur aus Unterkünften und diversen Verpflegungsmöglichkeiten besteht, treffen wir auf Stan und Alaida, die auch mit uns in der Antarktis waren. Sie kommen zu uns auf einen Kaffee und wir staunen immer wieder, wie gemütlich unser kleines Auto auch für vier Personen sein kann.


09 – Carretera Austral

ein strassenbautechnisches Wunderwerk mit Ausblicken

26. Januar – 09. Februar 2015

El Chalten > Los Antiguos > RN Lago Jeinemeni (Chile) > Valle Exploradores > Chaiten

Die Fahrt durch die Pampa kann durchaus auch ihre Reize haben. Nandus und Guanakos führen ihre Jungtiere spazieren, ein minzegrüner Fluss mäandriert durch Hügel, die in allen Brauntönen schillern, wo Wasser ist, hat es sattgrüne Bäume oder Sträucher, es geht auf und ab. In Gobernador Gregores, einem kleinen Strassendorf ist eine Chilbi aufgestellt und ab irgendwann ist sogar die Strasse asphaltiert.

In Los Antiguos sind die Kirschen reif, wir schlagen uns den Bauch voll, mitnehmen nach Chile dürfen wir keine. Aber wir sind inzwischen Profis und schaffen den Grenzübertritt von Antiguos nach Chile Chico spielend. Der Zöllner ist von unserer Dusche und dem WC angetan und vergisst, dass er unsere Lebensmittel hätte kontrollieren sollen. So kommt unser argentinischer Honig wieder einmal mehr über die Grenze. Aber irgendwann werden wir in Chile Honig kaufen und nachdem dieses Glas leer ist, jeweils den Argentinischen darin abfüllen.

Ab Chile Chico ist die Strasse Schotterpiste. In Chile Chico befindet sich das Reserva Nacional Lago Jeinimeni. Das dortige Valle Lunar wird im Reiseführer gross als kleine Ausgabe des Valle de la Luna bei San Pedro in der Atacama Wüste beschrieben. Wir waren noch nicht dort, aber die kleine Ausgabe ist auf jeden Fall schon sehr spektakulär. Verwitterte Felsformationen in allen Pastellfarben, Fabelwesen, Steinsäulen. Wind und Wasser sind als perfekte Bildhauer und Maler in Aktion. Der Lago Jeinimeni dann als tiefblauer Edelstein inmitten von Bergen. Der Parkranger erlaubt uns, mit unserer Randulina ausserhalb des offiziellen Campings direkt am See zu übernachten. So geniessen wir also unseren Privatstrand – Baden verboten! Aber es wäre sowieso zu kalt. Anderntags entdecken wir für uns auf einer Wanderung die Laguna Esmeralda und den Lago Verde. Müssen dabei aber einige Male reissende Bäche durchqueren. Glücklicherweise ist Stefan standhaft, er hat den Rucksack mit dem Fotoapparat, mich spült es grad weg und so überquere ich die meisten Bäche halb schwimmend, halb kriechend. (Und ja, wir haben uns vorher ausgezogen und nein, davon gibt es keine Fotos!)

Von Chile Chico zuckeln wir nun auf der Schotterpiste dem Lago Carrera, oder arg. Lago Buenos Aires entlang. Er ist nach dem Titicacasee Südamerikas zweitgrösstes Binnengewässer. Im Hintergrund glitzern die Gletscher des Campo Hielo Norte oder des Campo San Valentin, die Inseln im See erinnern an schlafende Dinosaurier, am Wegrand blühen Hagebutten und Fuchsien. Ab Cruce el Maiten befahren wir die „Carretera Longitudinal Austral Presidente Pinochet“ kurz Carretera Austral oder Ruta 7 genannt. Diktator Pinochet gab den Auftrag, der argentinischen Grenze entlang in Chile eine Nord-Süd Verbindung zu bauen. Und so wurde also eine schlangenartige Strasse in den Urwald hineingehauen. Heute teilweise asphaltiert aber das Meiste noch als staubige Schotterpiste. Wir begegnen vielen Velofahrern, die oftmals mit Mund- und Nasenschutz auf dieser Staubstrasse nach Süden radeln. Man könnte seine Nase auch direkt in einen Mehlsack stecken und tief einatmen, nur die Aussicht wäre nicht so perfekt. Unser Auto sieht auch dementsprechend aus. Innen und aussen – überall feinster Staubpuder.

Eigentlich könnte man den Fotoapparat auf Autopilot stellen. Die Strecke ist so schön und abwechslungsreich und die Natur wirklich spektakulär. Kurz vor Puerto Tranquilo, einem winzigen Dorf, das nur aus Minimercados, einer Copec Tankstelle (wo wir endlich das Atlaswerk Chiletur 2015 kaufen können), Cafés und Touranbietern zu bestehen scheint, besuchen wir die Catedrales de Marmol. Hier lassen wir die Bilder sprechen.

Die Fahrt ins Valle Exploradores war ein MUSS. Auf ca. 70 km durchfährt man eine Landschaft bestehend aus Seen, gewaltigen Auen mit türkisblauen Flüssen, tosende Wasserfälle, Gletscher und die Vegetation des kalten Regenwaldes: Fuchsien, Lianen, Riesenfarne, Bambus, alle Arten der Südbuche mit ihren winzigen Blättern, Riesennalcas, eine Art Rhabarber mit Durchmessern von mehr als einem Meter und halbmeterhohen Blütenständen. Um den Urwald zu durchwandern, müsste man eine Machete mitbringen, es gibt sonst kein Durchkommen. Je weiter wir in diese Landschaft hineinfahren, je mehr verdichtet sich der Dschungel, es beginnt zu regnen und wird merklich kühler. Eine oder zwei Brücken fehlen noch um den Rio Exploradores zu überqueren. Die Lagune San Rafael mit ihrem imposanten Gletscher muss noch per Boot angefahren werden. Aber immerhin gibt es mitten im Nirwana eine Flugpiste.

Auf der Carretera Austral gibt es auch Streckenabschnitte die auf über 1000müM hinauf führen. Die Landschaft ändert sich drastisch. Basalttürme, pastellfarbene Geröllhalden, abgestorbene Bäume wie Mahnmale, hier ist alles vulkanischen Ursprungs. Teilweise noch ganz frisch. 1991 spuckte der Hudson seine Asche aus. Dann wieder kleinräumige Landschaft mit Viehzucht und es wird „gheuet“ und siliert. Und zur Abwechslung mal wieder Asphalt. In Coihaique plündern wir die Fruteria.

Speziell ist die Wanderung durch den kalten Regenwald im Nationalpark Queulat. Durch den Märchenwald geht’s steil hinauf zu einem Ventisquero, einem Hängegletscher, der sich in zwei prächtigen Wasserfällen ergiesst. Immer wieder brechen Eisblöcke ab, ein faszinierendes Schauspiel, wenn sich der Wasserfall verbreitert und es donnert und kracht.

Rüttelnd und schüttelnd geht es holpernd und staubig auf der Carretera Austral nach Chaiten. Auch hier hat ein Vulkan 2008 gewirkt. Das Städtchen an der Pazifikküste wurde völlig unerwartet von einem Vulkanausbruch heimgesucht. Aschewolken überzogen die Gegend die Menschen wurden evakuiert aber sie kamen zurück und sind immer noch am Wiederaufbau ihrer Heimat beschäftigt. Sie kommen mir vor wie der Urwald, das Abgestorbene dient als Basis für neues Leben. Natürlich besteigen wir den Vulkan Chaiten, eine strenge Angelegenheit für kurze Beine da der Weg steil ist und hohe Stufen aufweist. Oben dann nur noch rutschige Asche, aber was für ein Ausblick auch im doppelten Sinn des Wortes.

Denn wir treffen in Chaiten an der Caleta Santa Barbara nicht nur herzige Seelöwen und Delfine sondern auch unsere lieben Freunde Frizzi, Christoph, Julia und Andreas. Das gibt lange Abende mit Erzählen und gemeinsamem Kochen…und einem nächsten Treffpunkt: Mendoza inklusive Winetasting. Oh, wir freuen uns darauf. Doch vorher spazieren wir noch durch einen Alercenwald. Die Alerce (Fitzroya cupressoides) ist eine Zedernart, aus der traditionell Schindeln gemacht wurden. Das Holz ist praktisch wasserdicht und witterungsbeständig. Nur wurde Raubbau betrieben und die Alercen fast alle abgeholzt und die Restbestände müssen daher unter strengen Schutz gestellt werden. Die Bäume erreichen Höhen von bis zu 70 m und Durchmesser von bis zu 4 m. Sie können mehrere tausend Jahre alt werden.

Nun verlassen wir das Festland und schippern zur Insel Chiloe.


10 – Besuch der Pazifikinsel Chiloe

10. Februar – 15. Februar 2015

Quellon > Castro > Quinchao > Ancud

Im Spanischunterricht habe ich mal mitbekommen, dass es in Puerto Montt und auf der vorgelagerten Insel Chiloe praktisch nur regnet. Wir haben es anders erlebt, zum Glück, denn Regen im Pazifik bedeutet auch KALT. Es ist zwar regnerisch an unseren ersten beiden Tagen, aber am ersten Tag stört’s nicht weil wir ohnehin den ganzen Tag auf der Fähre verbringen. Unsere Fähre läuft pünktlich nach chilenischer oder südamerikanischer Sicht aus. Wir müssen um 9 Uhr morgens am Embarcadero sein, also am Pier. Als Schweizer sind wir natürlich pünktlich da. Das Schiff ist am Einlaufen, perfekt. Gegen 9.30 Uhr sichten wir jemanden von der administrativen Seite an Land. Zuerst werden unsere Autoräder desinfiziert und dann geht nichts mehr. Gegen 10.45 Uhr (11 Uhr offizielle Abfahrtszeit des Schiffes) Kontrolle des Tickets und dann dürfen wir auf die Fähre verladen. Abfahrt um 12 Uhr. Hier hat niemand Stress und niemand holt sich vom Arbeiten einen Herzinfarkt. Alles geht immer schön mit der Ruhe.

Unsere Fährpassage von Chaiten nach Quellon dauert 4 Stunden und 30 Minuten und verläuft völlig ruhig. Chiloe ist 9322 km2 gross, das heisst ca. 180 km lang und 50 km breit. Dazu gehören noch mehrere Dutzend kleinere Inseln. Jährlich werden ca. 2200-3000 mm Niederschlag gemessen. Wir geniessen diesen Niederschlag glücklicherweise nur auf der Überfahrt und eben noch am zweiten Tag, marschieren aber trotzdem durch den kalten Regenwald im Nationalpark Chiloe. Was uns aber nicht besonders toll dünkt, haben wir doch auf dem Festland schon Regenwald zur Genüge gehabt.

Was uns dann mehr erstaunt, ist die dichte Besiedlung und die kleinräumigen Strukturen. Wir fühlen uns an daheim erinnert. Chiloe ist auch sehr hügelig, Berge hat es keine, dafür spezielle Holzkirchen, von denen viele auf der Unesco Weltkulturerbe Liste stehen.

Bei schönstem Wetter besuchen wir in Chonchi die erste Kirche mit ihrer blauen Sternlidecke.

Castro mit seinen farbigen Palafittos, den Häusern auf Stelzen, weil für viele arme Fischer das Geld nicht reicht am Festland ein Haus zu bauen, bauen sie ihre Häuser am Ufer und wegen der Gezeiten auf Stelzen, hat seinen eigenen Charme. Heute sind diese Palafittos natürlich das Aushängeschild und haben mit Armut nichts mehr zu tun. Castros Kirche ist riesig und farbig und weil die Stadt grad heute ihren Geburtstag feiert, findet auch gleich ein Gottesdienst mit Musik und Gesang und Geklatsche statt. Echt südamerikanisch halt. Dann gibt’s Feuerwehr, Polizei und der Navy Paraden und das ist für uns der Grund, uns in ein Café zu verziehen.

Chiloe und ganz Südchile lebt von der Lachszucht. So hat es auch überall Fischmärkte, die wahrscheinlich die zweite Qualität des Lachses verkaufen, die beste Qualität wird nach Brasilien, USA und Japan exportiert. Wir drücken beide Augen zu und kaufen ein halbes Kilo Lachs zum Znacht. Für grade mal 4 Franken, Antibiotika inklusive. Was uns sicherlich Hals- und Ohrenweh für eine Zeitlang fernhält. Nicht dass wir das je hätten, aber wer weiss, wogegen wir sonst noch immun werden. 50‘000 Fische befinden sich in einem Bottich im Meer draussen, eine Farm hat gut und gerne 20 dieser Bottiche. Während zwei Jahren werden die Fische von anfänglich 100g auf 2kg hochgemästet bis sie schlachtreif sind. Da kann man keinen Fisch gebrauchen, der mal kurz niest.

Dalcahue ist ebenfalls hübsch mit vielen bunten, geschindelten Häusern, die Kirche wird grad renoviert, also schlendern wir durch’s lebendige Dörfli, wo auch wieder Fest ist und geniessen die Sonne und das Nichtstun. Hier nehmen wir die 5 Minutenfähre zur Insel Quinchao. Als wir in Curaco de Velez ankommen, herrscht hier auch schon wieder Feststimmung. Hier versammeln sich aber nicht nur Festlustige, sondern auch Zugvögel von ihrer Reise von Nord- nach Süd resp. umgekehrt. Einige legen 16‘000km zurück, bis sie hier sind um zu überwintern. Wir finden einen hübschen Übernachtungsplatz am Strand und braten unseren Lachs, der uns gut schmeckt, in Ergänzung mit den herzigen länglichen violetten chilotischen Kartoffeln und ein wenig chilotischem Knoblauch ein perfektes Essen. Knoblauch scheint in Chiloe gut zu wachsen. Man kauft hier keine Knollen nur Zehen, denn eine Zehe ist so gross wie bei uns eine ganze Knolle. Dafür sind die Kartoffeln klein.

In Chullec am Strand legen Frauen am Morgen Tang aus. Sie erklären mir, dass das Algen seien, die in der Schönheitsindustrie in Cremen, Shampoos und Seifen Verwendung finden. Die Frauen haben aber nicht ausgesehen, als würden sie sich diese Kosmetik kaufen können.

In Achao am äussersten Zipfel Quinchaos wieder eine Unesco Kirche. Aber spannender ist der Markt am Meer und der Einkauf im Unimarc(Coop/Migros). Da kommen wir grad zu einer Zeit, als viele Chiloten umliegender Inseln per Boot ihre Einkäufe tätigen. Ganze Wägeliladungen voller Lebensmittel werden an der Kasse in grosse Kartonschachteln verpackt, verschnürt, mit dem Namen des Bootes vermerkt und dann in den Hafen geliefert, wo die Eigentümer alles auf ihre Boote laden. Wir mit unseren 2 Milchpackungen, 1 Päckli Kaffee und einem Bidon Wasser sind grad Waisenkinder dagegen.

Eine weitere schöne Holzkirche gibts in Quinchao. Den Geiern gefällt es hier ebenfalls, sie finden einen angeschwemmten toten Pinguin am Strand, der ihren Speiseplan aufmöbelt. Am nächsten Strand an der Playa Traiguen holen Kinder einer Fischerhütte mit Bidons und Leiterwagen Wasser beim Wasserfall. Uns gefällt es hier ebenfalls und wir beschliessen hier zu bleiben. Wir sehen bis auf’s Festland: Die Vulkane Michinmahuida, Chaiten und Corcovado erheben sich majestätisch.

Anderntags in Lliuco, wieder auf der Hauptinsel, haben wir den perfekten Übernachtungsplatz mit Delfinshow und Pelikanen und einem perfekten Sonnenuntergang. Am Morgen grasen dann die Schafe auf dem Friedhof und als sie vertrieben werden, grasen sie halt vor der Kirche.

Chiloe ist bekannt für seine schönen Holzboote. Diese Tradition wird in San Juan immer noch weitergeführt und wir können diese imposanten Skelette bewundern. Viele Chiloten mussten sich aus Armut in früherer Zeit auf den grossen Schafestanzien im Süden Patagoniens verdingen. Viele auch in der Fischindustrie auf Wal- und Robbenfangschiffen, andere wurden für den Schiffbau von deutschen Auswanderern angestellt.

Überall an den Strassenrändern blühen die orangefarbenen Monbrezien und die grossen weissen Blüten der Ulmen (Eucryphia cordifolia) leuchten aus dem dicken grünen Laub hervor. Zu guter Letzt kommen wir in Ancud an. Auch hier Feststimmung, es ist die zweitletzte Ferienwoche. Es findet eine Flugshow statt und die Piloten in ihren Propellermaschinen holen die Emotionen aus dem Publikum heraus: mira mira, que lindo, impresionante, mira un corazon, mira una estrella. Und wirklich zaubern die Piloten Herzen und Sterne an den Himmel. Ich weiss nicht, was mich mehr fasziniert, das Schauspiel in der Luft oder die fröhlichen Menschen.

Wir haben unsere Fahrt von Süd nach Nord auf der Insel Chiloe abgeschlossen und nehmen nun wieder die Fähre von Chacao nach Pargua auf dem Festland und reisen nach Puerto Montt.


11 – Besteigung des Vulkanes Osorno

20. Februar 2015

Wo immer man in Chile reist begegnet man Vulkanen. Die Menschen leben hier mit ihnen, werden ab und zu von ihnen überrascht, was Auswirkungen auf Tourismus, Industrie und die momentane Lebensqualität hat und manchmal grenzübergreifend auch Argentiniens oder Uruguays Flugverkehr lahmlegt. Aber niemand lässt sich von den Vulkanen beherrschen. Was wir bis jetzt an Vulkanen gesehen haben spuckte auch nicht Lava, da waren keine grossen Lavaströme zu erkennen, sondern vor allem Asche, die als gröbere Bimssteine oder kleinere Kiesel oder eben als Feinstaub herabgeregnet wurden. Ganz eindrücklich der letzte Ausbruch des Vulkanes Puyehue der 2011 eruptierte. Ganze Seen wurden mit Bimssteinen, die sind sehr leicht und schwimmen, zugedeckt. Strassen, Wälder, Dörfer wurden mit der Bimssteinasche wie mit Schnee überzogen und mussten freigeschaufelt werden. Die Asche wurde kilometerweit getragen und hat alle Berge rundherum eingepudert. Der Regenwald veränderte sich teilweise in einen Skulpturenwald mit Sanddünen. Aber die Pflanzen sind stark, überall treibt junges Grün, Bambus und Johannisbeersträucher, Farne und einzelne Bäume schlagen aus.

Sicher wäre der Puyehue auch eine Besteigung wert gewesen, uns hat es aber der imposante Kegel und die schöne Form des Vulkans Osorno angetan. Schon von weither sichtbar steht dieser perfekte Berg zwischen dem Lago Llanquihue und dem Lagos Todos Los Santos im Parque Nacional Vicente Perez Rosales. Er ist so vollkommen schön mit seiner Gletscherkappe, weil sich zu seinen Füssen etwa 40 Krater befinden, aus denen er sich jeweils entladen hat, so haben die Ausbrüche seiner Schönheit nichts anhaben können.

Im Conaf-Büro in Ensenada melden wir uns beim Parkranger und fragen nach dem Wetter. Er bestätigt uns für Freitag 20.2.2015 wolkenlos und windstill. Perfekte Bedingungen für eine Besteigung. Wir haben unser gesamtes Bergsteigerequipment mitgebracht. Das ermöglicht uns eine Besteigung ohne Führung. Der Ranger meint, wir sollen uns noch bei seinem Kollegen auf dem Berg melden. Auf dem Berg meint: Wir fahren die asphaltierte Strasse hoch bis zur Talstation des Wintersportgebiets Osorno. Hier ähnlich wie bei uns, einfach völlig veraltet: Sesselliftanlagen, einzelne Wanderwege und natürlich Hotels und Restaurants. Der freundliche Parkranger spricht sogar Französisch und bestätigt die Wetterprognose für den Berg für den morgigen Tag. Wir richten unsere Rucksäcke und dürfen vor dem Bergbüro des Parkrangers übernachten, nachdem wir ein Formular mit unseren Ausrüstungsgegenständen, einer Notfalltelefonnummer in der Schweiz sowie mit unseren alpinen Leistungsausweisen ausgefüllt hatten. Den schönsten Berg scheint das nicht zu kümmern, er versteckt sich in dichten Wolken. Erst beim Sonnenuntergang zeigt er sich in seiner vollen Schönheit, wir haben ihn ja schon einige Male vorher gesehen, aber nie von so ganz nah. Die Spalten, die perfekte Kappe, der rutschige Wanderweg in der groben Asche.

Tagwache um 5.15 Uhr, Abmarsch eine Stunde später mit Stirnlampen. 2 Dreierseilschaften hörten wir schon um 5 Uhr abmarschieren, eine Zweierseilschaft wanderte am Abend vorher ab und biwakierte. Wir nehmen es gemütlich.

Anfänglich steil und über das Aschefeld ziemlich rutschig, ich fluche, weil ich wieder keine Stöcke gekauft habe, das wird mein letzter Vulkan ohne Wanderstöcke sein. Allmählich etwas gemütlicher auf dem normalen Wanderweg, kein Mensch wandert unten, weil da zu normaler Zeit eine Seilbahn hochfährt. Die Aussicht ins Tal perfekt, vor uns geht die Sonne auf, direkt hinter dem Osorno, der Lago Llanquihue glitzert, die anderen Seilschaften werden wir bald eingeholt haben. Wir sehen sie vor uns. Dann klingelt mein Telefon, oh Schreck ich habe hier Empfang. Oh Jubel, unser Sohn hat seine Abschlussprüfungen bestanden, das ist es wert und beschwingt wandern wir noch eine Stunde weiter, bis wir in den Klettergurt steigen, die Steigeisen montieren und uns anseilen. Mit dem Pickel in der Hand geht es nun gemütlich bergauf, bis zu der Stelle, wo es eine etwa 60 m hohe Eiswand zu erklettern gilt. Die erste Zweierseilschaft arbeitet sich die Wand hoch, wir ziehen unsere Helme an, ja wir haben nur Velohelme, aber für alles haben auch wir keinen Platz im Auto gefunden. Die eine Seilschaft mit Bergführer geht los, wir gleich nebenan setzen auch zum Aufstieg an, die Wand ist breit genug. Stefan geht voraus, sichert mich und ich steige nach. Das Eis ist gut, nicht glasig wie anscheinend am Tag davor sondern schön griffig. Wir durchklettern die teils fast senkrechte Wand im Sauseschritt und es ist nur noch ein Spaziergang auf den 2652m hohen Gipfel des Osorno, weil wir die Höhe erreicht haben und der Gipfel flach und gross wie mehrere Fussballfelder ist. Die Sicht ist atemberaubend. Ein riesiges Nebelmeer unter uns.

Wir wissen, dass es eine Kaverne gibt, aber nicht genau wo. Der chilenische Bergführer, der mit der nächsten Seilschaft kommt, erklärt uns den Weg. Nach dem etwas frühen Zmittag, wir erreichten den Gipfel um 10.45 Uhr, suchen wir also die begehbare Eishöhle. Eine unscheinbare Spalte, recht klein, 2 m tief, man könnte also nicht mal wirklich reinfallen. Wir klettern hinunter und vor uns tut sich der Eingang zum Palast der Schneekönigin auf. Uns verschlägt es die Sprache. Eis in allen Blau-, Weiss- und Grautönen, filigrane Eiszapfen, ein See aus Eis. Formen wie vom Glasbläser. Zauberhaft und wunderbar. Dass wir das Sehen dürfen, dieses Erlebnis werden wir nicht so schnell vergessen.

Anschliessend machen wir uns an den Abstieg. Da bin ich nicht so ein Hirsch, aber wir haben keine Eile. Stefan sichert mich wieder und die 60 m sind auch geschafft. Mehr Respekt habe ich mit meinen Knien vor dem losen Aschegeröll. Aber auch das meistern wir und sind um 14.45 Uhr wieder beim Auto. 1500 Höhenmeter haben wir geschafft, wir sind von diesem Erlebnis immer noch voller Adrenalin. Wir werden vom Parkranger empfangen, er habe uns mit dem Fernglas nachgeschaut, wir wären ja sehr fit, bestätigt er uns, so schnell unterwegs und wir sähen gar nicht müde aus. Wir nehmen das Kompliment gern entgegen. Das kalte Citro schmeckt auch ohne Bier herrlich erfrischend.

Wir hängen unsere nasse und staubige Ausrüstung am Geländer auf und verstauen danach alles wieder ins Auto. Jedes Ding hat seinen Ort, wir verabschieden uns und fahren zurück an den Lago Llanquihue, wo wir im See ein erfrischendes Bad nehmen.

Zu den klimatischen Bedingungen ist zu sagen, dass wir absolutes Glück hatten. Die Wettervorhersage wies 5 aufeinanderfolgende Tage mit bestem Bergwetter auf, aber wer in den Bergen unterwegs ist weiss, dass das Wetter innerhalb von Minuten ändern kann. Die beiden chilenischen Bergführer meinten, normalerweise könne man grad mal 5 Minuten auf dem Gipfel sitzen und viele Touren müssten wegen zu starkem Wind im Gipfelgebiet abgebrochen werden. Wir sassen sicher 30 Minuten auf dem Gipfel, konnten die Kaverne besuchen und langsam absteigen ohne dass wir uns ums Wetter hätten kümmern müssen.

Für alle, die den Osorno auch mal erklettern wollen, aber nicht ganz führungslos:
Sehr sympathisch: Mountain Guides in Southern Chile www.huellandina.com.


12 – Von den Preisen beim Reisen

oder

Die Bewältigung der Tücken des Geldwechselns

Bald sind wir ein halbes Jahr in Südamerika unterwegs und da fragt man sich vielleicht, wie es mit den Finanzen steht. Sowohl Argentinien als auch Chile sind keine Billig-Reiseländer, aber selbstverständlich immer noch einiges günstiger als Europa.

Bereits aus Buenos Aires haben wir über die Eigenheiten der argentinischen Währungs- und Finanzpolitik berichtet. Während der offizielle Wechselkurs zwischen 8.00 und 8.50 Argentinische Pesos für einen Schweizer Franken pendelt, ist der Kurs zum „Dollar Blue“, also zum Strassenkurs bei etwa 12.00 Argentinische Pesos für einen US-Dollar. Dieser halblegale Deal ist so offiziell, dass man sogar auf einer eigenen Webseite (preciodollarblue.com.ar) den aktuellen Kurs nachschauen kann. Und wenn wir 50% mehr Argentinische Pesos für gleich viele Schweizer Franken erhalten, wird das Leben natürlich gleich nochmals viel günstiger.

Nur, was machen wir nun, wenn uns nach einem halben Jahr die mitgenommenen Bargeldreserven an US-Dollars ausgehen? Auch hier gibt es eine, wenn auch etwas unkonventionelle, Lösung. Im Gegensatz zu Argentinien hat Chile eine recht stabile Währung ohne Schwarz- und Blaumarktkurse und weil wir ja öfters die Grenze überqueren, machen wir uns dies zunutze. Wir entlocken dem Bancomaten in Chile Chilenische Pesos und tauschen diese anschliessend in US-Dollar um. Mit diesen „neuen“ Dollars reisen wir nach Argentinien und tauschen sie dort zum Strassenkurs in Argentinische Pesos. Tönt etwas kompliziert, ist aber ziemlich rentabel wie die folgende Rechnung zeigt:

200‘000 Chilenische Pesos entsprechen ungefähr 310 Schweizer Franken. Diese haben wir zum Kurs von 635 in 315 US-Dollars umgetauscht und diese wiederum zum Kurs von 12 in Argentinische Pesos. Das ergibt 3780 Argentinische Pesos! Hätten wir am Bancomat in Argentinien für 310 Schweizer Franken Pesos bezogen, so hätten wir bloss etwa 2500 Argentinische Pesos erhalten. Also der Aufwand lohnt sich definitiv!

Das ist auch der Grund, dass wir wenn immer möglich keine Kreditkarten in Argentinien einsetzen, da uns zu Hause immer der offizielle Kurs verrechnet wird. Also sind wir wieder zum guten alten Bargeldhandel zurückgekehrt.

Zum Abschluss dieses kleinen Exkurses noch einige Preisbeispiele aus Argentinien (natürlich zum Dollar Blue Kurs) und Chile:

1 Liter Diesel                                     in Argentinien Fr. -.80                    in Chile Fr. 1.00

1 Liter Vollmilch                                 in Argentinien Fr. -.60                    in Chile Fr. 1.10

1 Kilogramm Rindsfilet                       in Argentinien Fr. 6.00                   in Chile Fr. 8.00

1 Flasche guter Rotwein                   in Argentinien Fr. 4.00                    in Chile Fr. 6.00


13 – Vulkane und Araukarien begleiten uns

16. Februar – 06. März 2015

Puerto Montt > Villa La Angostura (Argentinien) > San Martin de los Andes > Pucon (Chile) > PN Conguillio > Caviahue (Argentinien)

Die Fahrt nordwärts ist mit hunderten von Vulkanen gespickt und wo es Vulkane hat, gibt es meistens auch warme Quellen. Hier in der touristisch sehr erschlossenen Region der chilenischen und argentinischen Seenregion haben wir die Qual der Wahl bezüglich Thermen.

Sehr speziell sind die Termas Geometricas. In die enge Schlucht sind Badebecken zwischen 32 und 41 Grad eingebettet, kalte Wasserfälle sorgen für die nötige Abkühlung und abends wird alles mit Kerzen und Lichtbändern diskret beleuchtet. Eine einzigartige Stimmung tagsüber mit dem vielen Grün und nachts im Mondschein.

Im Nationalpark des Vulkans Villarica, der 4 Tage nach unserem Besuch ganz kräftig Asche gespuckt hat, bestaunen wir aber auch die riesigen, urzeitlichen Araukarienbäume, die man bei uns nur in Parkanlagen zu sehen bekommt. Wir wollen durch den Nationalpark nach Pucon fahren, aber die Rangerin meint, die Strasse sei muy muy muy malo und unbefahrbar. Wir wollen es trotzdem versuchen und meinen, wir könnten ja umkehren, wenn die Strasse wirklich unpassierbar sei. Sie rollt ihre Augen-wir werden sehen weshalb. Die ersten 4 km sind supertoll, die nächsten 7 km kann man nicht mal mehr als Schotterpiste bezeichnen, da gar kein Schotter vorhanden ist. Zeitweise ein erdiges, ausgewaschenes Bachbett mit 50 cm tiefen Gräben, das von Stefan einiges an Fahrkönnen abverlangt. Die Strasse ist glücklicherweise so schmal, dass das Auto aber auch nicht kippen kann, wenn es mal in allzugrosser Schieflage ist, das Strassenbord ist so hoch, dass es seitlich stützt. Mehr auf 3 Rädern, denn auf 4 holpern wir vorwärts, an umkehren ist nicht zu denken. Nun wissen wir, weshalb die Parkwächterin die Augen gerollt hat. Ich überlege mir, was passiert, wenn etwas passiert. Retten und abschleppen liegt nicht drin, Trinkwasser ist für die nächsten Tage vorhanden, Essen auch, zur nächsten Rangerstation sind es 5 steile Kilometer, also alles im grünen Bereich. An einem möglichen Autorettungsszenarium mag ich gar nicht rumstudieren, denn dann hängt ein Baum über die Strasse, da Stefan das Steuer hält, ist es an mir, den Baum zu hieven, damit unser Solarpanel nicht in Brüche geht. Ich wünsche mich in die Thermen zurück. Für die 7 km benötigen wir mehr als eine Stunde, aber wir kommen an und der Parkranger auf der anderen Seite wundert sich, schon wieder ein Landi. Später stellt sich heraus, dass auch Christoph und Frizzi diesen Höllenritt getan haben.

In Pucon zuerst ins Café, das haben wir uns verdient. Abends beobachten wir den Vulkan Villarica mit dem Fernglas wie er spuckt. Toll, wir wissen, die Alarmstufe ist mindestens auf orange, wenn nicht rot.

Vulkane begleiten uns auch in Argentinien. Den Lanin besteigen wir aber nicht, die Vorschriften sind uns einfach zu blöd und schöne Aussichten gibt es auch anderswo wie z.B. vom Batea Mahuida aus.

Die Vulkanlandschaft im Nationalpark Conguillio ist wieder ganz anders. Schwarze Lavafelder, schwarzsandige Asche mit silbrig glänzendem Pampagras, tiefgrüne Lagunen mit abgestorbenen Bäumen, die schneebedeckten Hügelketten der Sierra Nevada (eine Sierra Nevada von vielen), bis 1800 Jahre alte Araukarien, 50-60 Meter hohe Bäume mit einem Durchmesser von 2 m. An den weiblichen Bäumen bilden sich die typischen Cabezas, die Köpfe, eigentlich riesige Zapfen, die von den Mapuche mit Lassos oder Schleudern heruntergeholt werden, oder die einfach herunterfallen und dann ihre Nüsslis freigeben. Diese werden in Wasser gekocht oder auf dem Feuer gebraten und sind das Essen der Armen, wie die Maroni im Tessin in früheren Zeiten.

Über den Paso Pino Hachado gelangen wir wieder nach Argentinien. Dort treffen wir in Caviahue, einem idyllischen Skiort am gleichnamigen See mit Ramon el Suizo. Er nimmt uns anderntags gleich mit zur „Fiesta del Telar“, einem Mapuchefest mit Gauchos, Rodeos und Spezialitäten der Mapuche-Indianer.

Der einzig aktive Vulkan Argentiniens, der Copahue räuchelt in den blauen Himmel hinein. Die Thermen in Copahue reizen uns aber nicht wirklich. Und so fahren wir bald wieder los durch uralte verwitterte Vulkanlandschaften. Wir erfreuen uns am Wasserfall Salto de Agrio der sich mit seinen vulkanischen Mineralienablagerungen ein zauberhaft farbiges Bachbett geschaffen hat und über Basaltsäulen in ein hufeisenförmiges Becken stürzt.

Nach 180 km Schotterpiste mit Staub wie Puderzucker, nicht so süss aber so haftend, gelangen wir nach Chos Malal, einer Stadt im Niemandsland. Die Temperaturen sind im oberen 30 Grad Bereich und uns ist alles andere als kalt. Kinder planschen in einem Schwimmbad herum – wir gesellen uns dazu, herrlich diesem Staub zu entfliehen, wenigstens für 2 Stunden. Dann wieder nichts als goldene Grasbüschel im Wind. An der Brücke über den Rio Barrancas verlassen wir die Region Patagonien definitiv.

Nochmals etwa 40 km feinster Asphalt, wir geniessen es. Und dann erst diese spektakulären Farben.

Irgendwo ist ein Gewitter niedergegangen, der Rio Grande (ein Rio Grande von vielen) ist vom Erdreich orange gefärbt, was zu einem weiteren interessanten Farbenspiel wird.

Auf der fast 170 km langen Schotterpiste ab El Sosneado begegnen wir keiner Menschenseele, anfänglich gibt es noch einige Ölbohrpumpen, die Strassen sind entsprechend gut, dann werden sie rauh und wellblechig und sandig. Stefan lässt noch mehr Luft aus den Reifen, was das Fahren angenehmer macht. Es gibt keine Brücken mehr, die Bäche sind glücklicherweise ausgetrocknet. Die Landschaft bietet alles – Pampa, Canyons, von unaufgeregt bis spektakulär. Vor dem winzigen Dorf La Jaule führt die erste und einzige Brücke über den Rio Diamante. Nach der nächsten Kurve werden die Anden sichtbar.

Wir zuckeln weiter auf der Schotterpiste der Ruta 40 Richtung Mendoza-Maipu. Dort werden wir die Vulkane gegen Weinstöcke eintauschen und die Pampa gegen die Anden und werden den „Santalandy Club“ wieder treffen. Wir freuen uns auf die Zivilisation und liebe Freunde.


14 – Gauchofest mit Mapuche Traditionen

7. März 2015

In Caviahue, Argentinien, treffen wir Ramon, el Suizo, der uns gleich zu einem Gauchofest einlädt. Es findet die Fiesta del Telar statt, also das Fest der Weber.

Mapuche sind das indigene Volk dieser Region, die noch zu Patagonien gehört. Sie leben hauptsächlich von der Schaf-, Ziegen- und Pferdezucht. Im Gegensatz zu den Besitzern der grossen Estancias zäunen sie ihre Tiere nicht ein. Mapuche sind eigentlich Nomaden. Im Spätherbst ziehen sie mit ihren Tieren von den hochgelegenen Weiden in tiefer gelegene Gebiete.

An der Fiesta del Telar kamen Mapuche aus verschiedenen Regionen bis hin nach Chile zusammen.

Beim Einzug in die Festarena hoch zu Pferd werden diverse Flaggen mitgebracht. Beim Hissen wird jedes Mal die entsprechende Hymne gespielt, dabei singen alle immer kräftig mit, was ich bei uns noch nie gehört habe. Hüte werden gezogen und die Hand auf’s Herz gelegt. Sogar die Pferde verhalten sich still und die Hunde legen sich dabei in deren Schatten.

Die meisten Reiter sind wunderbar traditionell angezogen und die Pferde sind herausgeputzt. Sattelzeug und Lasso sind vom Feinsten, im breiten gewobenen Gurt steckt das Messer, die Bombachas, die weiten Gauchohosen in den Stiefeln aus feinem Leder oder wer keine Stiefel trägt, der trägt Stoffschuhe – die Alpargatas. Selbstverständlich darf die Kopfbedeckung nicht fehlen, ein Hut oder ein Beret gehören ebenso dazu sowie ein Halstuch. Es ist keine einheitliche Tracht, wie wir sie bei uns kennen, es sind Arbeitskleider und es hat zweckmässig zu sein. Frauen auf dem Pferd sind übrigens gleich angezogen wie die Männer.

Nach vielen Begrüssungs- und Festreden kann es dann endlich losgehen.

Zuerst kommen die Kinderwettkämpfe. Da herrscht zwischen Jungs und Mädchen Gleichberechtigung und dem Schafbock ist es egal wer ihn reitet, nur schnell abschütteln ist sein Motto um anschliessend zurück zur Herde zu traben.

Beim Pferderennen ist vor allem Schnelligkeit gefragt, aber ohne gutes Dressurreiten kommt man nicht weiter, denn es gilt, mit dem Pferd einmal um einen Pfahl herum zu reiten, da lässt mancher Grosse seine Zeit liegen und der Kleine wird Sieger, weil er die Disziplin mit dem Pfahl so gut beherrscht. Ein fachmännisches Publikum feuert natürlich jeden Reiter an. Der stolze Sieger darf dann mit einem neuen Hut davon galoppieren.

Als nächste Attraktion folgt das Rodeo. Stiefel werden geschnürt und Sporen montiert, derweil die Pferde an einem Pfahl festgebunden werden. Sie werden nicht gesattelt, bekommen aber einen Bauchgurt mit einem einfachen Zaumzeug. Während die einen alles bocksteif über sich ergehen lassen, werfen sich andere zu Boden oder steigen auf die Hinterbeine. Kaum sitzt ein Gaucho auf dem Pferderücken, lassen ihn die wilden Pferde nicht lange sitzen. Nicht wenige Reiter verlassen den Platz hinkend oder mit schmerzverzerrtem Gesicht. Wer es länger aushält, wird von zwei Begleitreitern vom Pferd gehievt, bevor das Pferd ihn abwerfen kann. Dennoch hat die Ambulanz einiges zu tun.

Derweil findet um die Arena ein Markt statt. Selbstverständlich ist hier das gesamte Zubehör für ein gut und schön gesatteltes und gehalftertes Pferd zu kaufen. An einem anderen Stand gibt es alles für den Reiter. Und weil so ein Fest hungrig und durstig macht, gibt es viele Markthütten mit Empanadas (mit Hackfleisch gefüllte und frittierte Teigtaschen) und Tortas fritas (frittierte Teigkringel), Choripan (südamerikanischer Hotdog mit viel Mayonnaise, Avocadocreme, Würstli ) und Mote con Huesillos (Getränk mit gegärten Weizenkörnern und getrockneten Pfirsichen), Glace, Bier und Softdrinks. Auch der Frucht-und Gemüsehändler ist vor Ort. Es gibt frischen Ziegen- und Schafkäse. Natürlich bieten die Frauen gestrickte Wollwaren und gewobene Decken und Taschen an. Es ist ja das Fest der Weber.

Der Tag klingt mit Musik und Tanz aus.


15 – Mit dem Velo von Weingut zu Weingut

11. und 12. März 2015

In Maipú treffen wir uns wieder mit unseren lieben Freunden, die bereits nach einem Campingplatz Ausschau gehalten und sich über das Weingebiet informiert haben.

Der Camping ist super schön, mitten in den Reben und ruhig gelegen, sogar mit Swimmingpool. Der ist aber stark vergittert und wir dürfen ihn nicht benützen, weil der Lebensretter nur sonntags arbeitet. Mein Bitten mit Hinweis auf mein Lebensretterbrevet wird nicht erhört. Unsere Männer sind eben keine Hasselhoffs und ich keine Pamela. So bleibt uns nur die Dusche.

Anderntags setzen wir also unsere eigenen Velos zusammen und flugs gehts es zur Velovermietung. Bald haben alle anderen ein oranges Rad unter dem Fudi und wir können losfahren. Aber das hat seine Tücken, Julia hat schon nach 100 Metern einen Platten – umkehren und neues Velo fassen, nach 200 Metern reisst das Bremskabel von Andreas – umkehren und neues Velo fassen, nach 300 Metern bemerkt Sven sein defektes Schaltkabel – umkehren und neues Velo fassen, nach 400 Metern verlieren wir Sven und Melanie mit Klein Jonathan, der sich in seinem Anhänger pudelwohl fühlt.

Die erste Bodega ist ernüchternd, mehr Industriewein und die Führung eher Touristenabfertigung. Da uns nach unseren morgendlichen Erlebnissen der Hunger plagt, lassen wir die nächsten Bodegas aus und fahren in der Mittagshitze zur Olivenöldegustation mit kleinem Imbiss. Wir erfahren viel Neues und Wissenswertes. So zum Beispiel, dass es auch in Argentinien Oliven gab bevor die Spanier und Italiener diese einführten und kultivierten. Ein ganz delikates Olivenöl wird aus der autochtonen Sorte Arauco gepresst. Die nette Señora beantwortet geduldig alle unsere Fragen und verwöhnt uns im lauschigen Garten.

Die dritte Winery hat wegen eines internen Grossanlasses geschlossen und nun heisst es in die Pedalen treten damit es uns noch vor Schalterschluss zu unserer letzten Weindegustation reicht. Das wunderschöne alte Gebäude der friaulischen Familie Di Tommaso verspricht nicht zu viel. Eine Weinführung, die bei den Reben begiantn, dann die Führung durch den Keller und zuletzt die Verkostung der Weine. Das Gruppenbild mit Velo haben wir auch im Kasten und es kann wieder losgehen. Wir geniessen Polizeischutz, anfänglich eher eigenartig, wenn ein Polizeiauto die ganze Zeit hinter einem herfährt, wir nehmen es gelassen, denn zu acht und mit Baby im Kinderanhänger wären wir wohl auch in den eher ärmeren Quartieren nicht in der Opferrolle gewesen. Eher gewöhnungsbedürftig sind die Velostreifen. Da heisst es aufpassen, denn vom Gartenabschnitt zu Kehrrichtsäcken, Abbruchmaterialien und parkierten Autos, streunenden Hunden, Löchern und Gullis mit Rillendeckel in Fahrtrichtung findet man alles und noch viel mehr.

Beim Abendessen merken wir dann, dass wir vergessen haben, den einen oder anderen guten Tropfen einzukaufen, also sind wir ganz froh, dass Melanie ihren chilenischen Wein offeriert. (Psst... nicht weitersagen, dass wir in Argentinien chilenischen Wein trinken, dabei hätten wir doch Jonathans Gefährt mit Wein füllen wollen).

Anderntags fahren wir dann auf das Schweizer Weingut „Ojo de Agua“, wo wir als einzige Gäste in den Genuss eines wunderbaren Menus mit den dazu passenden Weinen kommen. Wir essen und trinken bis in den frühen Abend hinein und geniessen die Tisch-und Weinkultur, wie wir sie von Europa her gewöhnt sind.

Denn man darf die Weingüter nicht mit denen Europas verwechseln, da gibt es keine Châteaus und Clos wie in Frankreich, es ist nicht wie in der Toscana oder wie am Douro in Portugal. Die Parzellen hier sind riesig, in den meisten Fällen ist es Massenproduktion, die Gebäude neu, schöne Fasslager oder alte Keller gibt es nur wenige, was aber nicht heissen will, dass der Wein schlecht ist. Ganz im Gegenteil, wir haben wunderbare Tropfen zu Preisen gefunden, für die man in Europa wenig Vergleichbares erhält. Und dank dem Fehlen der Reblaus können hier die alten europäischen Sorten, Tannat (v.a. Uruguay), Carmenère (v.a. Chile) und Malbec (v.a. Argentinien) sowie die Weissweinsorte Torrontes direkt gepflanzt werden, während diese Sorten bei uns in Europa nur auf die amerikanischen Rebstöcke gepfropft werden können, um die Reblaus zu überstehen.

Reblaus hin oder her, wir sind lausige Einkäufer und müssen am Schluss im Supermarkt einige Flaschen Wein kaufen, damit wir Andreas Geburtstag stilecht feiern können. Lustig ist‘s allemal.


16 – Hohe Andenpässe

13. März – 16. März 2015

Maipu > Cristo Redentor (Chile) > Santiago

Nach unserem Weingelage müssen wir doch noch weiter fahren, als wir dachten, bis wir einen Übernachtungsplatz fanden. Aber die freundlichen Parkranger vom Reserva Natural Villavicencio, wo das feine Mineralwasser abgefüllt wird, erlauben uns, auf dem Parkplatz zu schlafen.

Das Aufstellen eines Zeltes ist oftmals nicht erlaubt, aber mit dem Auto ist das kein Problem, denn wir campieren nicht, sondern wir parkieren.

Aber als wir am Morgen aufwachen, trauten wir unseren Augen nicht, feiner Nieselregen und ein Nebel so dick wie Watte, hüllt alles ein. Nur schnell weg, hier ist definitiv kein Platz zum Zmörgele. Im dicksten Nebel und ohne was zu sehen fahren wir im Konvoi die steile und rumplige Passstrasse hinauf. Erst beim Cruz de Paramillo, der Passhöhe, hellt es auf. Bei einer stillgelegten Erzmine finden wir einen sonnigen und warmen Platz für das wohlverdiente Frühstücksei.

Die Landschaft wird mit jedem Kilometer eindrücklicher, farbenreicher und hinter jeder Kurve intensiver. Usballata, ein Kaff im Nirgendwo erlebte die Blütezeit während den Dreharbeiten zum Film „Sieben Jahre in Tibet“ mit Brad Pitt. Im legendären Café Tibet sind wir vor allem auf’s wifi scharf, sonst müsste man da nicht hin. Die Siesta dauert bis um halb sechs, aber wirklich Leben kommt auch dann nicht auf.

Wir übernachten herrlich in einem Bachbett bei Usballata und feiern den Geburtstag von Andreas mit feinem Znacht, Wein und Apfelkuchen. Julia ist mittlerweile eine geübte Bäckerin mit dem Omnia Backofen und Frizzi Weltmeisterin im Teigschlecken. Dann grosse Verabschiedung vom Wicked-camper Team Melanie, Sven und Jonathan, deren Ferien bald enden. Es war schön, euch zu treffen und mit euch zu reisen.

Die heutige Fahrt stellt wieder alles Bisherige in den Schatten. Zuerst die Puente del Inca, mit dem alten stillgelegten Bäderhotel. Eine natürliche Steinbrücke spannt sich über den Fluss. Das stark mineralhaltige Thermalwasser verzaubert uns mit seinen Ablagerungen und seinen Farben.

Ein grosses modernes Zollgebäude zeigt uns, dass wir uns im Grenzbereich Argentinien-Chile befinden. Doch für uns, befindet sich der Grenzübergang erst in etwa 70 km. Wir haben noch den höchsten Berg Südamerikas, den Aconcagua mit seinen 6962müM vor uns. Mit seiner Wand und dem 300m dicken Gletschern ist er als „Dach Amerikas“ oder als „steinerner Wächter“ sehr imposant und der „Cementerio de los Andinistas“ zeugt davon, dass er seinen Tribut fordert.

Uns gefallen die farbigen Berge aber um einiges mehr, als der hohe Klotz und die Fahrer jauchzen, als sie die Passstrasse sehen, die sie zum Grenzgipfel Cristo Redentor fahren dürfen. Uns Frauen werden grosszügig die Fotoapparate überlassen. Da lassen wir dann mal Bilder sprechen. Es ist schaurig schön als das GPS 3838müM anzeigt und wir diese Höhe mit unseren Autos so spielend schaffen. Ein Blick nach unten lässt einem Schaudern. Eine steile Schotterpiste deren Ende nicht abzusehen ist, führt auf der chilenischen Seite wieder hinunter. Irgendwann sind es dann asphaltierte Haarnadelkurven bis zum Grenzübertritt nach Chile. Der verläuft ruhig und mit ausserordentlich freundlichen und hilfsbereiten Grenzbeamten.

Einzig die Suche nach einem Übernachtungsplatz wird schwierig. Das Gebiet ist noch enger als die Leventina, steil und dicht besiedelt. Doch dank freundlichen Menschen, der Untersetzung sowie der Differenzialsperre werden wir auch hier fündig. Absolut ruhig, mit Aussicht und einem klaren Sternenhimmel. Unterm „Kreuz des Südens“ und „Orion“ schlafen wir mit unseren vielen Eindrücken ein.


17 – Vom Wein zu den gebrannten Wassern

18. April – 27. April 2015

Santiago > Illapel > Ovalle > Vicuña > Pisco Elqui

Via Santiago, Chiles Hauptstadt mit ca. 6 Millionen Einwohnern, fahren wir nach Norden. Teilweise der Küste entlang, dann ab Illapel im Landesinnern. Hier gefällt es uns besser, denn hier treibt sich kein Küstennebel herum. Der hat allerdings auch sein Gutes. Er hält die Staubpartikel der Luft fest und im Inland ist die Luft klar, rein und sehr trocken wie sonst nirgends auf der Welt. Nicht umsonst stehen hier die meisten Observatorien weltweit, finanziert und betrieben von Europa und Amerika. Chile hat das Klima.

Chile hat aber auch das Klima für viel anderes, zum Beispiel gedeihen nebst unzähligen Kakteen auch exquisite Trauben. Dafür ist das Valle de Elquí bekannt. Pisco ist das Nationalgetränk, deswegen führten die Chilenen mit den Peruanern sogar Krieg. Peru brennt ebenfalls Pisco und beansprucht die Rechte für sich. Nun, wie dem so ist, der findige Präsident Videla taufte das kleine Dorf La Union in Pisco Elquí um, so konnten aus den Trauben des Tals ein Schnaps namens Pisco gebrannt werden. Anders als beim Grappa oder Marc wird hier nicht der Trester gebrannt, sondern der Traubensaft. Je nach Sorte wird er über kürzer oder länger im Eichenfass gelagert und unterscheidet sich so vom peruanischen Pisco. Es gibt wunderbar feine Erzeugnisse, die pur als Apéro oder Digestiv getrunken werden. Weitaus üblicher ist aber der Pisco Sour.

Hier gleich das Rezept, ideal für die nächste Sommerparty:

3 dl Pisco (klar – 35%) aus dem Tiefkühlfach
2dl Limettensaft
1dl Puderzucker
2 Eiweiss

Pisco und Puderzucker mixen, Limettensaft und Eiweiss dazugeben und nochmals mixen/schütteln bis sich ein feiner Schaum bildet. In Sektgläser abfüllen und geniessen.

Die Sonne scheint hier so heiss, dass wir uns zum Apéro gerne ein Glas gönnen.

Wir haben uns aber gefragt, ob aus allen Trauben, die hier geerntet werden, Schnaps gebrannt wird, das wäre eine enorme Menge. Nein, Pisco wird nur aus 20% der Traubensorten Moscatel de Alejandría, Moscatel Rosa und Pedro Ximénez gebrannt, die restlichen 80% ergeben Tafeltrauben oder werden an der Sonne zu feinsten Sultaninen getrocknet.

Noch haben sich keine grossen Konzerne die Rechte der Piscoherstellung unter den Nagel gerissen. Die Produktion wird von der Kooperative Capel oder kleinen handwerklich arbeitenden Pisquerias wie Los Nichos oder Mistral oder weiteren geführt. Praktisch die gesamte Piscomenge wird im Land selber konsumiert, etwas Export geht nach Nordamerika, China und nur ganz wenig nach Europa. Mixen wir uns daheim den Pisco eben mit einem klaren Grappa. Salud!


18 – Eiskalte Nächte und warme Quellen

28. April – 04. Mai 2015

Pisco Elqui > Coquimbo > Alto del Carmen > Copiapo > Termas del Rio Negro

Ich sitze hoch über der Pazifikküste. Schwarze Pelikane ruhen sich auf den Felsen aus und eine Schule grosser Tümmler ist eben elegant durch die Wellen gesprungen. Faszinierend, wie gegensätzlich dieses schmale Land ist. Gestern haben wir gefroren und heute schwitzen wir.

Wir befinden uns in Taltal, einem kleinen Städtchen, welches seine Blüte zur Zeit des Salpeterabbaus hatte. Die Fahrt hierher war abenteuerlich und farbenfroh, aber auch geprägt von den Unwettern, welche ganze Dörfer mit Wasser und Erdmassen zudeckten. Normalerweise regnet es hier 1-2 Stunden pro Jahr. Im März hat es eine Nacht plus einen Tag geregnet. Zuviel für den trockenen Boden. Was wir sehen ist nicht immer schön und bestimmt auch unseren Routenverlauf. Wir wollen über den Paso San Francisco nach Argentinien und fahren deshalb nach Copiapó, welches nach den heftigen Gewittern im März übel ausschaut.

Die Passstrasse führt angenehm bergauf. Wir übernachten auf 2200müM um anderntags zur Laguna Santa Rosa auf weit über 3000müM zu gelangen. Wir wandern der Lagune entlang und erfreuen uns am einzigen Flamingo, der den Weg nach Norden verschlafen hat und an vier neugierigen Füchsen. Die Laguna del Negro Francisco ist bereits schneebedeckt und die Strasse dahin geschlossen. In der grossen Gold-und Kupfermine meinen die Securities, dass schlechtes Wetter im Anzug sei und wir besser nicht nach Argentinien fahren sollten, weil der Pass vereist sei. Also fahren wir zur Grenzstation, aber die ist wegen Winterbetrieb eingestellt. Die dortigen Securities bieten uns ihr Refugio an. Aber als sie unser Auto von innen sehen, erkennen sie sehr schnell, dass wir mehr Luxus haben, als das Refugio bieten kann. Seit den Gewittern haben sie nämlich weder Strom noch Wasser und auch die Mine arbeitet nur noch zu 25%. Die unheilvollen Schlechtwetterwolken verziehen sich am Abend und der Himmel brennt über dem Salar Maricunga und wir suchen im Laufschritt (geht bei dieser Höhe ziemlich an die Lungen) die besten Fotopositionen, weil auch grad noch der Mond aufgeht. Nach der eiskalten Nacht tuckern wir auf bester Erdstrasse nach La Ola. Hier in der Nähe müsste eine warme Quelle sein – die Termas de Rio Negro.

In der Nähe heisst: 15 km gute Schotterpiste einer Minengesellschaft plus noch 15 spektakuläre Kilometer durch eisige Bäche, durch enge Felsklusen, Sanddünen hoch und über Schotterwege bergauf. Dieser Ritt ist wirklich nur mit einem Allrad und absoluter Bodenfreiheit möglich. Meine Nerven liegen oft blank, wir befinden uns immer auf etwas über 4000müM. Aber es hat sich mehr als gelohnt hierher zu fahren. Umgeben von schneebedeckten Bergen in der Kategorie 5000müM hat sich irgendwer die Mühe gemacht, diese kleine heisse Quelle zu fassen, mit Steinen einen Pool zu bauen, 2 kleine Hütten zum Umziehen zu erstellen und sogar ein Gästebuch hierher zu bringen. Eine Idylle und wir mal wieder porentief rein. Übernachten wollen wir dann etwas tiefer, aber auch auf 3850müM ist es nicht wirklich wärmer, obwohl schönstes Wetter herrscht. Ein eisiger Wind pfeift uns um die Ohren und wir verziehen uns in unsere Kabine und kochen Tee. Heute nehmen wir die Daunenschlafsäcke hervor, nur allein mit den Schafwollduvets würden wir wohl fast erfrieren. Am anderen Morgen kommt jedenfalls kein Wasser aus unserem Wasserhahn – eingefroren! Also heizen und nochmals in den Schlafsack.

Vorbei am Salar de Pedernales und über das Portal del Inca gelangen wir nach El Salvador, einer Minenstadt. Die Fahrt ist eine der farbigsten überhaupt. Stellt euch Hügel vor, über die der Liebe Gott lila, violette, gelbe, grüne, beige und braune Farbtöpfe ausgeleert hat und ein Engelchen welches das ganze Werk noch mit der Marmoriertechnik verschönerte. Surreal. Dass hier die Mineure aktiv sind versteht sich von selbst, manchmal riecht man die Metalle fast.


19 – Tang, Kupfer, Salpeter und Lithium

05. Mai – 15. Mai 2015

Salar de Pedernales > Taltal > Antofagasta > Calama > San Pedro de Atacama

Schon auf Chiloé, der Insel vor Puerto Montt in Südchile sind uns Tangfischer aufgefallen, nun begegnen wir ihnen auch hier wieder, in Nordchile auf der Strecke zwischen Taltal und der Caleta El Cobre. Als erstes fallen uns ihre Hütten auf, zusammengezimmert aus Wellblech, Span- und Holzplatten, meist eine Chilefahne auf dem Dach und eine kleine Satelitenschüssel, dazu einige Tanks mit Trinkwasser. Vor der Hütte steht meist ein altersschwacher Pickup. Um die Hütten herum fallen uns die schön ausgelegten Tang- und Algenstränge auf. Sie trocknen in der heissen Sonne, werden dann zu einem Ballen zusammengeschnürt und von Lastwagen abgeholt. Ich gehe zu einer Hütte, ein zahnloser Alter kommt auf mich zu und begrüsst mich freundlich. Er erklärt und zeigt mir, wie sie mit einem langen Haken die angespülten Algen zwischen den Felsen aus dem Meer reissen und dann zum Trocknen auslegen. Er lädt mich in seine Hütte ein, wo 5 Männer entweder am Kochen, Fernsehen oder Haushalten sind. Wäsche flattert im Wind. Die Hütte ist sauber und ordentlich. Ein jüngerer erklärt mir dann, dass die Algenpreise vor 3 Jahren sehr hoch waren, heuer ist der Preis zusammengefallen uns sie bekämen fast nichts mehr. Sie wohnen einige Wochen hier, dann gehen sie wieder zurück in ihre Dörfer und kommen wieder zurück. Wer denn die Algen kaufe und was man damit mache, will ich wissen. Käufer sei vor allem Japan und die stellten von Kosmetikartikel, Waschpulver bis hin zu Plastik vielerlei her, und dann kann man die Algen ja auch noch essen.

Ganz anders bei El Cobre, einige Kilometer weiter nördlich steht eine alte verlassene Kupfermine. Grüne Steine zeugen vom Kupfergehalt. Chiles Reichtum ist auf Kupfer gebaut. Steil bergauf führt die Strasse und wieder hinunter nach Antofagasta. Von da durch die Atacamawüste nach Calama. Nichts als Stein und Sand, kein Leben. Auf der Eisenbahnlinie wird vor allem Kupfer und Schwefelsäure transportiert. An einer Tankstelle wollen wir nebst Diesel auch Wasser tanken. Man rät uns ab, das Wasser in der Toilette fliesst gelb – arsenhaltig – verseucht von den grossen Minen, die mit viel Wasser und mit chemischen Prozessen Kupfer und andere wertvolle Metalle aus dem Gestein lösen. Während die einen mit primitivsten Werkzeugen im Meer herumfischen, wird hier in der grössten offenen Kupfermine der Welt, in Chuquicamata mit der grossen Kelle angerührt. Lastwagen, die 5000 l fassende Dieseltanks und 4m hohe Reifen, 390 Tonnen Gestein in ihrem Kipper laden können, sehen in der 3km breiten und 5km langen und 1.2km tiefen Grube aus wie Spielzeuge. Von Nachhaltigkeit wird hier nichts gesagt, ausser, dass man das Wasser heute 8x wiederverwendet. Aber auch ich könnte diesen Bericht nicht ohne diese Mine schreiben, ohne Kupfer würde mein Computer nicht funktionieren und Fotos gäbs auch keine. Elektronik ist zum grossen Teil von Chiles Bodenschätzen abhängig. Die ungesunde Staubfahne und das Wasserproblem zwang die Minengesellschaft, die Bewohner von Chuquicamata nach Calama überzusiedeln. Eine Geisterstadt entstand. Doch Geisterstädte gibt es viele in den Minengebieten. Eine der schönsten für uns war Pedro de Valdivia in der Nähe von María Elena. Pedro de Valdivia, 1200müM wurde 1931 zum Abbau von Salpeter gegründet. 1990 wurde die Stadt zur Geisterstadt. Die Mine ist noch in Betrieb aber über der Stadt herrscht buchstäblich Totenstille und eine dicke Staubschickt deckt alles zu. Nicht ein einziger Hund, kein Vogel, kein Insekt, die Hitze der Atacamawüste ist unerbittlich, Leben schier unmöglich. Welch eine Plackerei musste das in den Anfängen der Minenindustrie gewesen sein? Damals gab es noch keine grossen Lastwagen, mit Bohrer, Schaufeln und Garretten wurde das Erdreich umgegraben, das Salpeter herausgelöst und die übrige Erde wieder ausgekippt. Eine Landschaft, die aussieht, als hätten tausende von Maulwürfen ihre Hügel aufgehäufelt, eine Landschaft von Menschenhand geschaffen.

Heute wird ein weiterer chilenischer Rohstoff immer bedeutender. Im Salar de Atacama liegen zwei Fünftel der Weltvorräte an Lithium. Vor allem in elektronischen Geräten und Batterien ist Lithium ein immer gefragteres Material. Kein Wunder also, dass auch im Salar eine grosse Gesellschaft, die Sociedad de Quimica y Minera de Chile (SQM) aktiv ist. Es bleibt zu hoffen, dass dies zumindest so umweltverträglich gemacht wird, dass die heute noch grossen Flamingopopulationen überleben können, doch davon im nächsten Bericht mehr.


20 – San Pedro de Atacama und Altiplano

16. Mai – 18. Mai 2015

Beim Reisen auf dem Altiplano, der südamerikanischen Hochebene bewegt man sich meist auf über 4000müM. Der Hochebene wird geprägt von trockenen heissen Tagen, bitterkalten Nächten und traumhafter, spektakulärer Natur. Wir besuchten ab San Pedro de Atacama die Thermen von Puritama auf 3850müM und das Geysirfeld El Tatio auf 4300müM. Die Besteigung des aktiven Vulkans Lascar (5600müM) steht für einen späteren Zeitpunkt auf unserem Wunschzettel. In San Pedro de Atacama haben wir uns zuerst an die Höhe akklimatisiert. San Pedro liegt zwar nur auf einer Höhe von 2438 müM aber es ist eine herzige kleine Stadt mit etwa 5000 Einwohnern und es gibt einiges zu unternehmen. Ganz aussergewöhnlich sind das Valle de la Muerte und das Valle de la Luna. Beides sind mondähnliche Landschaften mit Sanddünen, bizarren Felsformationen, engen Canyons und atemberaubenden Aussichten. Ausgetrocknete Salzseen verleihen dem ganzen noch einen speziellen „Wintereffekt“. In der Lagune Chaxa, mitten im Salar de Atacama, brüten und leben 3 Arten Flamingos und in der Lagune Cejar kann man sich auf dem eiskalten Wasser treiben lassen wie im Toten Meer. Die Lagune ist hoch gesättigt mit Salz. Das Süsswasser, wieder einmal von einem Rio Grande, kommt aus den nahen Kordilleren und wird seit Urzeiten in Kanälen in die Dörfer geleitet, ist der Boden bewässert, ist er äusserst fruchtbar und die Lebensbedingungen erscheinen einem unter den Schatten spendenden Tamarugal Bäumen nicht mehr so hart.

Wir fahren immer höher. Zum Glück haben wir einen Turbolader, das ist jenes Teil an unserer Randulina, das uns in der Höhe bei der Verbrennung hilft. Sie spürt die Höhe nicht, wir schon, bei jedem Aussteigen und Fotografieren spürt man den stärker werdenden Druck auf dem Brustkorb. Es geht alles nur langsam. So sind wir erstaunt, dass Stefan die flinken Vizcachas fotografieren kann. Bei den Vicuñas war das noch kein Problem und bei den ersten Lamaherden im „Tal“ auch nicht. Kakteen, gelbleuchtende Grasbüschel, Coirón Gras sowie eine Perlenkette von Vulkanen begleiten uns. Der perfekteste ist der Licancabur und der interessanteste der Putana. Beide über 5800 Meter hoch. Der Putana ist aktiv, wir sehen seinen schwefelgelben Schlot und seine Fumarolen. Die Vulkane markieren die Grenze zu Bolivien. Wiederum eine schöne Abwechslung boten die Termas de Puritama. Eingebettet in die Schlucht des Rio Grande sind verschiedene Becken mit Wassertemperaturen um die 33 Grad. Wir geniessen das Bad auf über 3800müM.

Und dann kommen wir am späten Nachmittag beim Geysirfeld an. Es ist bitterkalt, aber die Stimmung ist perfekt und wir mausbeinallein. Trotz klammer Finger und eiskalten Zehen fotografieren wir und saugen die Stimmung während fast 2 Stunden in uns auf. Farbgewaltig. Im Reiseführer steht, die beste Zeit wäre am Morgen zwischen 6 und 7 Uhr. Finden wir gar nicht! Am Morgen ist wegen der Kälte zwar mehr Dampf zu sehen, aber die ganze Farbpalette fehlt. Überall blubbert, kocht und dampft es. Nur wir sind kurz vor dem Erfrieren. Wir kochen, heizen und essen und nehmen wieder einmal die Daunenschlafsäcke hervor. Herrlich warm bis am Morgen. Aber auf dieser Höhe von gutem Schlaf zu sprechen wäre leicht übertrieben. Wir haben auch keine Mühe aufzustehen als der Wecker klingelt, nur unsere Randulina hat etwas Probleme mit dem Start, aber sie schlägt sich tapfer auf dieser kalten Höhe. 15 Grad unter Null ist auf 4300müM nicht ganz ohne. Unzählige Tourbusse aus San Pedro de Atacama sind da. Wir werden von einem Führer zum Zmorge eingeladen – LandRover halten zusammen. Gegen 10 Uhr sind die meisten weg und wir wagen uns in das warme Planschbecken. Die Sonne brennt bereits heiss und es braucht jetzt nicht mehr so viel Überwindung, sich in die Badehosen zu stürzen.


21 – Geschichte einer Kardanwelle

Es war einmal vor langer, langer Zeit im Parque Nacional Torres del Paine, es war etwa Mitte Januar 2015. In diesem wunderschönen Park am südlichsten Zipfel von Chile hat es herrliche Berge, grosse Seen in den verschiedensten Farben, strenge Wanderwege aber ganz schlechte Strassen. Irgendwann auf den endlosen Ripio Pisten (zu Deutsch Wellblechpisten) fängt unsere Randulina ganz zart an zu quietschen. Wir messen dem vorerst keine allzugrosse Bedeutung zu und denken, dass unser Fahrgestell einfach etwas zu viel Staub schlucken muss.

Auf der Weiterfahrt Richtung El Calafate in Argentinien wird das Quietschen immer lauter und der dauernde Gesang unserer Randulina belastet unser Gehör soweit, dass wir beschliessen im letzten grösseren Ort für lange Zeit, einen Autodoktor aufzusuchen. Ein hilfsbereiter Argentinier in einer Gomeria (Pneuwerkstatt) führt uns zu seiner Werkstatt. Hier kümmern sich drei Arbeiter trotz Feierabend wohlwollend um das Geräusch, demontieren alle Räder, da auf den vielen Schotterstrassen oftmals Sand und Steine zwischen Räder und Bremsen geraten können. Alles wieder montiert, singt unser Land Rover nach wie vor. Ja, dann müsse das am mangelnden Oel in den Achsen liegen, meinen unsere Helfer. Aber da seien sie nicht die Richtigen. Wir erhalten die Adresse einer Lubrificacion (Oelwechselwerkstatt), da die aber mittlerweile Feierabend hat, wird die Aktion auf morgen vertagt. Nein, nein, ist der Befund, mit dem Oel sei alles in Ordnung. Aber vielleicht liege es am Differenzial! Aber an dieses Teil traut sich keiner ran. Was nun?

Per Zufall sehen wir in einem Tourist-Adventure-Laden ein Angebot für Offroad-Touren mit Land Rovern. Also ist unsere Schlussfolgerung, deren Fahrzeuge müssen auch gewartet werden. Wir gehen mit unsrem ungewöhnlichen Anliegen in den Laden, wo die Verkäuferin ein langes Gesicht macht. Sie telefoniert aber mit ihrem Chef und kommt strahlend zurück mit der Lösung unseres Problems. Einmal im Jahr, am Ende der Saison, lassen sie einen Mechaniker aus Buenos Aires einfliegen und wir könnten unser Auto dann auch bringen. Da das Ende der Saison aber noch lange nicht in Sicht ist, haben wir immer noch eine quietschende Schwalbe. Noch ein letzter Anlauf in El Calafate bei einem Allround-Mechaniker. Er macht zwei Probefahrten mit uns, teilt uns mit, dass das Geräusch ja nur gering sei und jeder Land Rover Geräusche mache. Es sei jedenfalls nichts Gravierendes und wir könnten ohne Sorgen weiterfahren.

Das machen wir wohl oder übel auch. Mit jeden tausend Kilometern auf gröbsten Schotterstrassen und abenteuerlichen Pisten jodelt unser Auto in einer zusätzlichen Tonlage und zunehmend lauter. Wir oelen, fetten und schmieren, aber alles hilft nur für kurze Zeit. Aber nichts desto Trotz lässt uns unser fahrendes Heim nie im Stich und kraxelt zwar protestierend aber ohne Widerspruch die steilsten Pässe hinauf. Zwischendurch versuchen wir es mit einer gründlichen Unterbodenwäsche, aber jetzt kommen die Töne einfach etwas klarer und reiner als im staubigen Zustand.

In den Wüstengebieten im Norden Chiles, wo uns die Pisten des Öfteren auf weit über 4000m hinaufführen, kommt zum Quietschen und Singen noch ein rumpelndes Rasseln dazu. So kann es nicht mehr weitergehen. In Antofagasta, der zweitgrössten Stadt Chiles, finden wir eine Land Rover Vertretung. Hier kümmern sich sofort drei Mechaniker um die Ursache des Geräusches, das mittlerweile unschwer erkennbar von der Kardanwelle ausgeht. Das Kreuzgelenk sei defekt befinden sie. Ein Ersatz sei aber nur in Santiago (1500km südlich) vorhanden. Wenn sie das Teil kommen lassen, müssen wir das Ersatzteil plus die Versandkosten so oder so bezahlen. Sie sind nämlich nicht sicher, ob es dann auch wirklich passen würde. Um sicher zu gehen, dass mindestens die Geräuschursache eindeutig ist, lassen wir die Kardanwelle ausbauen. Kaum ist die Welle draussen, ist die einstimmige Meinung, dass nicht das Kreuzgelenk, sondern das Doppelkreuzgelenk kaputt sei. Da müsse die Kardanwelle ausgewechselt werden und in Santiago gibt es nur eine zu kleine und zu schwache Version. Der Servicechef meint, dass es einen bis zwei Monate dauern würde, wenn sie eine entsprechende Kardanwelle in England bestellen würden. Das wird ja immer besser!

Wir kabeln mit unserer Garage Overlandtechnics in Dürnten. Kein Problem, meint Werkstattchefin Anna, ich schicke euch morgen das neue Teil per DHL Express. Anderntags erfahren wir, dass das Paket bereits unterwegs ist und in 5 Tagen in Antofagasta sein sollte. Nun staunen die Leute der Garage in Antofagasta!

Tatsächlich ist das Paket nach einer Reise von Dürnten via Basel – Leipzig – Madrid bereits drei Tage später in Santiago. Ab hier wird es wieder etwas gemütlicher. Unsere Lieferung bleibt vorerst drei Tage liegen. Dank der Nachfrage von Anna aus der Schweiz stellt sich heraus, dass das Paket erst weitertransportiert wird, wenn jemand die fälligen Gebühren und Taxen bezahlt. Ein schwieriges Unterfangen, denn nur eine Bank kann die Transaktion vornehmen und wir sind zu spät, denn die Bank schliesst um 14 Uhr und anderntags ist Feiertag. Doch auch das erledigt Anna von der Schweiz aus für uns – Superservice, vielen Dank!

Und so landet am Freitag, 22. Mai unsere neue Kardanwelle in Antofagasta und eine Stunde später ist sie fachgerecht montiert. Nach vier Monaten und über 10‘000km hört unsere Randulina schlagartig auf zu singen. Wir sind glücklich und die Mechanikercrew der Garage auch, einerseits weil sie uns endlich los sind und andererseits wegen der Schweizer Schokolade, die sie als Geschenk erhalten.

Auf zu neuen Abenteuern!


22 – Von Menschen auf der Ruta de los Artesanos bei Seclantás

26. Mai – 31. Mai 2015

Paso Jama > Susques (Argentinien) > San Antonio de los Cobres > Seclantas > Cachi

Vom Paso Jama herkommend sind wir in Susques einem kleinen Kaff auf die Ruta 40 – die Ruta Quarenta, die längste Strasse der Welt, abgebogen. Ein immenses Hochplateau, Canyonlandschaften, farbige Felsen und enge Schluchten, einer der schönsten Abschnitte der Ruta 40, allerdings nur für 4x4 Vehikel, da durchgehend gröbste Schotterpiste mit Bachquerungen. Der nächste Höhepunkt ist der Viaducto de la Polvorilla, die Endstation des „Tren a las Nubes“ (der Zug zu den Wolken). Ein gigantisches Bauwerk im Stil von Gustave Eiffel.

Kurz vor San Antonio de los Cobres finden wir einen eisigen Schlafplatz. Alles was gefrieren kann gefriert in dieser Nacht. Um 10 Uhr morgens zeigt das Thermometer immer noch -5 Grad. Und nun wird es spannend. Über den höchsten Pass Argentiniens, den Paso Abra del Acay 4895müM, führt die Ruta 40 ins Valle Calchaquies. Im Aufstieg weiche Hügel mit grasenden Vicuñas, in der Abfahrt wird es extrem steil und spektaktulär, eisige Bäche, Kandelaberkakteen bereits auf 3500müM, grasende Lamas und Vicuñas sind unsere Begleiter. In La Poma kehren wir ein und essen wunderbare frische Forellen. Das ist der Unterschied zur chilenischen Seite. Viel mehr Esskultur. Wir erfrieren fast im Restaurant aus Adobe, aus Lehmziegeln, aber der Forellenhalt hat sich gelohnt. Der Wirt ist freundlich, die anderen Gäste werden wir später nochmals im „Parque National Los Cardones“ treffen, wo sie uns ein wunderbares Restaurant in Cachi empfehlen. Im Parque National bewundern wir Überreste der alten Inkastrasse, ähnlich der Römerstrasse über den Septimerpass. Eine Abkürzung, schlimmste Wellblechpiste, führt uns vom lieblichen Nationalpark durch farbige Sandsteinfelsen direkt nach Cachi, einem herzigen Ort. Belohnt werden wir auf der Piste mit einzigartiger Landschaft, skurrilen Kakteen, Adobehäusern mit schönen Veranden und mit Cachi selbst. Im empfohlenen Restaurant „Viracocha“ feiern wir unsere Fahrt mit Humita, einer Art Polenta im Maisblatt gekocht und exquisitem Ziegenfleischeintopf. Der Campingplatz ist perfekt und mit quietschsauberen Duschen versehen. Wir bleiben noch einen Tag, geniessen die Wärme Cachis und nochmals ein feines Abendessen im Restaurant.

Weiter geht’s der Handwerkerstrasse – Ruta de los Artesanos entlang, nach Seclantás. Was wir sehen ist tiefstes Mittelalter. Vor den Häusern aus Lehmziegeln stehen einfachste Webstühle. Männer und Frauen weben aus Schaf- und Lamawolle wunderbar feine Stoffe aus denen weiche Ponchos, Schals, Gauchogürtel und vieles mehr hergestellt wird. Sie erklären uns umsichtig die Arbeitsweise und die teilweise uralten Muster. Das Weberhandwerk und die Muster werden in der Familie seit Generationen weitergegeben. Die Kinder helfen vor und nach der Schule mit und haben ihre eigenen Webstühle und fertigen ihre eigenen Webereien an, z.B. Bänder aus denen die schönen Gürtel der Gauchos hergestellt werden. Die Wolle wird von Schaf- und Lamahirten zugekauft, ist meist naturbelassen, pflanzen- oder auch anillingefärbt. Voller Stolz erzählt mir Weberin Marcela, dass ihre Tochter an einer angesehenen Universität in Buenos Aires studiere – ein Zusammenprall von Welten, der für die Schulen in diesen abgelegenen Orten spricht.

Adobehäuser in Cachi haben neben der typischen Veranda auch schöne Innenhöfe, denn eine Familie hat mehrere Häuser, die ein Atrium bilden. In diesem Innenhof spielt sich das Leben ab. Ausserhalb des Hauses steht der typische Ofen aus Lehm. Beim Fotografieren sehe ich eine junge Frau am Ausrollen von Teig. Ich gehe zu ihr und sie erklärt mir, dass sie Empanadas mache. Sie schenkt mir welche und es sind die Besten, die wir je gegessen haben.

Von der Ruta de los Artesanos ist es nicht mehr weit zur Ruta del Vino, der Weinstrasse. Doch davor übernachten wir an der Laguna Brealito. Da besuchen uns doch am Abend 3 Lausbuben auf dem Velo und versuchen von uns einen Eintritt zur Lagune zu erbetteln. Mein Spanisch ist diesbezüglich ziemlich beschränkt und so radeln die 4.-6. Klässler ohne Batzen wieder davon.

Wir trinken unseren feinen Wein, ich eingekuschelt in einen heute erstandenen Lamaponcho, denn sobald die Sonne untergeht wird es bitterkalt.


23 – Auf der Ruta del Vino im Valles Calchaquíes

Rebkulturen auf über 2000müM

01. Juni – 13. Juni 2015

Cachi > PN Los Cardones > Cafayate

Colomé, ein Weingut auf ca. 2300müM, das Reben bis auf knapp über 3000müM kultiviert. Das gibt es nur in Argentinien. Trauben, die auf dieser Höhe gedeihen und zu Wein gekeltert werden, sind ausgesprochen dunkel in der Farbe und von intensivem Aroma, dazu sehr alkoholreich. Was uns aber in Colomé besser gefallen hat als der Wein, war das Museum des Lichtkünstlers James Turrell. Donald Hess, der Schweizer Besitzer des Gutes erbaute hier in the Middle of the Nowhere ein Museum das seinesgleichen sucht. Der amerikanische Lichtkünstler Turrell konnte sich verwirklichen und tat es gekonnt. Begehbare Objekte, Räume gestaltet mit Kunst- und natürlichem Licht. Wir hätten stundenlang darin verweilen können, auch ohne Wein. Wir übernachten trotzdem von allem etwas benebelt in einem ausgetrockneten Bachbett. Gegen 23 Uhr funkelt es neben uns blau. Oh, je, die Polizei. Sie wollen wissen, ob es uns gut geht, ob alles in Ordnung sei, jemand hätte sie angerufen, damit sie nachsehen, weshalb wir hier stehen. Da wir hier inmitten des Nirgendwo sind, eine herzliche Geste. Mit freundlichen Worten und guten Wünschen für die Weiterreise verabschieden sich die Polizisten.

Ohne Museum, dafür mit vollmundigen Weinen brillierte anderntags das Weingut Tacuil mit seiner herrlichen Lage in einem geschützten Talkessel. Schon um 10 Uhr dürfen wir Wein direkt ab Tank degustieren. Gerne hätten wir eine oder zwei Flaschen des hervorragenden Malbec gekauft – einzig der Preis hielt uns davon ab. 40 Franken pro Flasche waren dann doch etwas viel für unser Budget. Aber der beste Wein überhaupt war an diesem und an vielen weiteren Tagen der Malbec der Bodega Humanao. Noch eine Degustation nur mit Frühstück im Bauch. Das war schon fast zu viel des Guten. Aber diesen Wein muss man probiert haben. 2 Flaschen Malbec 2011, absolut spitzenmässig, dazu noch 2 Flaschen Malbec Riserva 2010, diese Spitzenweine liessen wir uns nicht entgehen, zumal die Preise zahlbar waren und Stefan einen „Weinkeller“ für 24 Flaschen in unserer Randulina eingerichtet hat.

In Molinos, einem verschlafenen Örtchen mit einem Sternehotel mussten wir dann unserem Alkohol etwas Boden geben. Im Hotel „Hacienda de Molinos“ mit seinem schönen Innenhof gab es für uns was zu essen und was fanden wir auf der Menuliste mit Kostenpunkt 70 Schweizer Franken, den Malbec von Tacuil. Wir tranken dann mal Wasser. Prost!

Das Valle de Calchaquíes endet in Cafayate. In diesem hübschen Ort reiht sich Bodega an Bodega und der Campingplatz „Luz y Fuerza“ ist Treffpunkt aller Overlander. So treffen wir hier auf Deutsche, Holländer, Australier, Amerikaner und selbstverständlich auf Schweizer. Mit Nicole und Peter verbrachten wir einige wunderbare Tage, natürlich war das gemeinsame Degustieren des hiesigen Weines oberste Priorität. Die gemeinsame Zeit war kurz aber intensiv. Wir durften etwas länger in Cafayate verweilen, denn unsere Bremsbeläge hatten eine Auffrischung nötig. Bis die richtigen Bremsklötze eintrafen, radelten wir mit unseren Velos von Bodega zu Bodega. Aber anders als in Maipu, wo wir ja auch eine Bodegavelotour machten, ist es in Cafayate viel schöner. Die Weingüter sind schön gelegen, die Führungen intimer und ab und zu fühlen wir uns etwas in die Toscana versetzt. Herrliche Weine genossen wir in der Bodega Nanni, wo uns der Torrontés Tardís-eine Art Spätlese mit einem ausgeglichenen Säuregerüst gut mundete. Gut aufgehoben waren wir auf jeden Fall in der Bodega Domingo Molina. Bei Aussicht über das Tal, fast hundertjährige Reben im Blickfeld, genossen wir vollaromatische Weine. Uns gefiel der Blend Malbec mit Tannat.

Zu Wein gehört Käse und auch der fehlt in Cafayate nicht. Auf der Ziegenfarm begrüssten uns 500 Saanen Ziegen, Schweizer Ziegen deshalb, weil sie mehr Milch als andere Rassen geben. Wie ihr sicher spürt, ist unser Kühlschrank voll und wir leben gern mit Wein und Käse.


24 – Argentinischer Altiplano – Puna

14. Juni – 19. Juni 2015

Cafayate > Antofagasta de la Sierra > Salta

In Cafayate während einem Mittagessen kamen wir mit German und Jean-Claude ins Gespräch. Man tauscht sich aus, erfährt interessante Details was dazu führt, dass wir einen 800km langen Umweg unter die Räder nehmen. Der argentinische Altiplano, die Puna ruft uns.

Wir erwarten eigentlich, dass die kleine Ruta Provincial 43 eine staubige Streckenführung aufweist und sind positiv über deren teilweise Asphaltierung überrascht. Diese Reiseroute sucht man vergebens in der Reiseliteratur. Nach Villa Vil kommt der erste Höhepunkt, Sanddünen im Gebirge auf 3250müM. Keine Ahnung woher der Sand kommt, aber es wirkt surreal. Der Wind pfeift uns um die Ohren, Stefan ist nach dem Fotografieren sandgestrahlt. Die Sandflächen sahen wir übrigens schon vom Tal aus und meinten in Hualfin es sei Schnee. So kann man sich täuschen. Wir übernachten an der Laguna Blanca, 300 Flamingos stochern mit ihren Schnäbeln im Wasser herum. Aber um die Lagune ist es so feucht, dass wir schon bald einsinken, kalte Füsse haben wir schon, auf nasse sind wir nicht auch noch scharf. Am nächsten Morgen zweigen wir vor El Peñon auf eine Seitenstrasse in der Hoffnung, auf die riesige Fläche des Campo de Piedra zu kommen, Fehlalarm, stattdessen landen wir bei einer Hütte, deren Bewohner uns einen Poschtizettel mitgeben, den wir im Dorf im Haus neben der Kirche abgeben sollen. Elisa werde es dann richten. Jeder kenne Elisa. Im Dorf werden wir von der Polizei angehalten, wie so oft, die üblichen Fragen – woher und wohin geht es. Ich gebe ihm den Zettel ab, ja er werde ihn Elisa bringen. Und gerne zeigt er uns den Weg zum Vulcan Galán. Wir sollen uns aber am nächsten Tag wieder melden, es sei kalt und gefährlich und wir seien ja ganz allein. So schnell fällt uns das Herz nicht in die Hosen. Wir fahren los, begegnen einem Lastwagen und irgendwann fährt ein Motorrad hinter uns her. Reger Verkehr auf dieser einsamen Piste. Der Motorradfahrer heisst Raoul und begleitet uns auf seinem Land bis zur Laguna Grande, wo im Sommer tausende Flamingos brüten. Voller Stolz zeigt er uns, wo und was wir fotografieren sollen und deckt uns mit Koka Blättern ein. Ohne diese geht hier gar nichts. Wir nehmen sie dankend entgegen und ich braue abends einen Tee daraus, spüre aber keine Wirkung. Er ist richtig besorgt um uns und zeigt uns, wo wir übernachten sollen. Dann verlässt er uns und wir fotografieren, was uns gefällt. Wieder einmal Felsskulpturen. Sehen sie nicht aus wie Gaudís Architektur in Barcelona, Sagrada Familia denken wir spontan.

Wir übernachten auf 4200müM. Das Atmen wird mühsam, die Luft trocknet die Schleimhäute und Lippen aus. Kalt ist es nicht wirklich, der eisige Wind des Tages legt sich nach Sonnenuntergang. Trotzdem setzt Stefan dem Diesel noch etwas Winterdiesel zu, so sind wir sicher, dass wir morgens besser starten können.

Der Vulkan Galán besitzt eine riesige Caldera, eine Kiesebene in der die ca. 10km lange Laguna Diamante liegt. Wir fahren über den Kraterrand in diese Caldera hinein. Hier jauchzt das Fahrerherz, denn man kann problemlos und schlaglochfrei mit 90km/h auf 4600müM herumbrausen. Wir ganz allein. Nach 20km kehren wir um, fahren nach El Peñon zurück und melden uns auf dem Polizeiposten. Dem Polizist fällt ein Stein vom Herzen und er verabschiedet mich küssend.

Vor Antofagasta de la Sierra kommen dann Bilderbuchvulkane in Sicht. Schwarz und rot und teils meterhohe Lavafelder. Uralt und immer noch da. Gröbste Lavabrocken, spitz und scharfkantig, dann wieder Lavasteine die metallisch glänzen und tönen. Die Vulkane Alumbrera und Antofagasta üben einen besonderen Reiz aus. Wir besteigen und umrunden den Alumbrera. Geht wieder an die Lungen! Wir sind noch nicht im Tiefland. Alles befindet sich auf über 3000m. Im Dorf kaufen wir ein Pfund Lamafleisch vom Gigot, Kostenpunkt 3 Franken.

Dann eine Hochebene – die Spielwiese eines Riesen, Felszacken wie Bauklötze inmitten gelber Grasbüschel, Vicuñas grasen. Aussicht auf den Salar „Hombre Muerto“. Die weisse Salzebene blendet uns. Die darüberführende Strasse ist geschlossen, also umrunden wir den Salar, wir haben keine Lust das Auto auszuschaufeln, falls da noch nicht alles ausgetrocknet ist. Die Nacht verbringen wir wieder auf über 4000m. Allerdings wird es so kalt, dass wir selbst mit dem Winterdieselzusatz am Morgen Mühe haben, das Auto zu starten, um 10 Uhr zeigt das Thermometer immer noch minus 14 Grad an. Uns ist jeweils nicht kalt. Am Abend heizen wir tüchtig ein, schlüpfen zum Schlafen in unsere Daunenschlafsäcke, ziehen die Duvets drüber und versuchen zu schlafen. Bitterkalt wird es gegen Morgen.

Via Quebrada de Toro gelangen wir nach Salta und seit langem sehen wieder einmal Wolken.


25 – Ruta 40 at it’s Best

20. Juni – 29. Juni 2015

Salta > San Salvador de Jujuy > La Quiaca > Paso Jama (Chile) > San Pedro de Atacama > Calama

Wir übernachten mitten in der argentinischen Puna. Ob wir wohl den Eseln ihren bevorzugten Schlafplatz besetzen, sie vollführen mitten in der Nacht einen Heidenlärm. Da sind wir schon bei den typischen Bewohnern der Puna. Nebst vielen Vicuñas, die unter starkem Schutz stehen, trippeln ab und zu Nandus über die weiten Ebenen, an den Lagunen trifft man Flamingos und selbstverständlich Enten. Das harte spitze Gras fressen nebst Ziegen und Schafen vor allem Lamas ab. Mit ihren farbigen Pompons in den Ohren sehen sie hübsch aus. Immer wieder trifft man auf Hirten. Das Leben ist einfach und hart, aber ohne Zeitdruck und einem kleinen Schwatz ist auch niemand abgeneigt.

In La Quiaca endet die legendäre Ruta 40. Die Quarenta, längste Strasse der Welt mit 5081km beginnt am Cabo Virgenes, dem südlichsten Zipfel des argentinischen Festlandes und führte uns immer wieder an die spektakulärsten Orte. Wir sind sie nicht ganz gefahren und fahren auch jetzt nur ein Teilstück Richtung Süden. La Quiaca selber, als Grenzstädtchen zu Bolivien bietet nicht viel. Da ist Yavi mit seiner schmucken Kirche interessanter.

Der nördlichste Ast der Quarenta führt uns in Dörfer auf über 4200m, wo Kinder Fussball spielen und sich nichts aus der Höhe machen. Dann führt sie uns durch Schluchten und über viele Kilometer verläuft sie gar in einem teilweise ausgetrockneten Bachbett. Immer wieder sind die Sandsteinfelsen von Wind und Wetter wunderbar erodiert, obwohl wir solches nun schon zu Hunderten gesehen haben, können wir uns kaum satt sehen. Unserer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wir sehen wie Orgelpfeifen, Paläste der Winde, ganze Schiffe oder Schokoladebrunnen die Landschaft verzieren.

Plötzlich ein Schild „Aguas Termales“. Wann haben wir das letzte Mal geduscht? Also abzweigen und nachsehen welche Überraschung die Ruta 40 hier für uns bereithält. Eine schöne Hütte, man hört das Wasser plätschern und siehe da, eine gemauerte „Badewanne“, die von angenehm temperierten Wasser gespiesen wird. Es braucht keine Überwindung um hinein zu steigen. Ein Vollbad hab ich schon lange nicht mehr geniessen können. Und schon gar nicht auf fast 4200m Höhe.

Und dann verlassen wir die Quarenta definitiv und fahren auf der Schotterpiste der Ruta Provincial 77 Richtung Paso Jama. Wieder ärgste Wellblechpiste und über Berg und Tal der Grenze zu Chile entgegen. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir die Zollstation. Der Pass ist leider geschlossen, meint die Polizistin. Wie, warum, wann ist er wieder offen? Wegen schlechtem Wetter ist er erst morgen früh wieder geöffnet. Also heisst es für uns in dieser windigen Umgebung die Nacht zu verbringen. Sie ist so kalt, dass am Morgen wieder einmal alles gefroren ist, das Abwaschmittel und das Salatöl sind zäh und trüb und auch unserer Randulina ist es trotz zugesetztem Winterdiesel zu kalt und es dauert Stunden bis sie sich im Normaltempo fahren lässt und uns über den Paso Jama, der sich auf 4840 Meter hinaufwindet – also eine Teerstrasse auf der Höhe des Montblanc – nach San Pedro de Atacama in Chile bringt. Der wenige Verkehr wird vorwiegend von Sattelschleppern aus Paraguay mit schlechten Pneus beherrscht. Sie transportieren Gebrauchtwagen über den Pass und sorgen ab und zu dafür, dass wir auf der eisigen Strasse einen Umweg fahren müssen.

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