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Ecuador - Land am Äquator

Vilcabamba – Cuenca – P.N. Cajas – Sucúa – P.N. Sangay – Quilotoa – P.N. Cotopaxi – Quito – Galapagos – Mitad del Mundo – Mindo – Pedernales – Esmeraldas – Las Peñas – Ibarra – Termas Papallacta – Lago Agrio – Amazonas

20. November 2016

Von nebulösen Vulkanen, wie wir auf den legendären Paja Toquila kommen, vom Mittelpunkt der Erde der gar nicht der Mittelpunkt ist und einer Reise mit dem Möchte-Gern-Orient-Express in den Regenwald.

Die Wetterfee ist uns in Ecuador nicht so wohlgesinnt, immer wieder lässt sie es regnen, was sich in tieferen Lagen in üppigem Grün und feuchter Wärme,in höheren Lagen in üppig grünen kühlen Regenwäldern oder in andinen Höhen in feuchtkalter Páramovegetation widerspiegelt. Die Vulkane sind mit Schnee und Eisschildern bedeckt und von ständigen Nebelschwaden umgeben. Steter Tenuewechsel ist angesagt. Das ärmellose Top, die kurze Hose und die FlipFlops werden immer wieder durch Faserpelzjacke lange Hose und Wanderschuhen ausgetauscht. Wir passen uns an! Im Podocarpus Nationalpark regnet es so stark, dass wir das gute Internet nutzen und unsere Website aufarbeiten, die geplanten Wanderungen fallen buchstäblich ins Wasser.

Dafür ist es im Cuenca sonnig und warm und wir geniessen die schöne Stadt flanierend. Wir haben uns fast ein wenig in sie verliebt. Schöne Cafés, wunderbare Restaurants und dann die Museen, wirklich toll. Was uns aber in Cuenca auch in den Bann gezogen hat, ist der Paja Toquila. Was das ist, wollt ihr wissen? Für einmal kein Berg und kein Vulkan – ganz einfach der legendäre Panamahut. Der wird nämlich seit ewig in Montecristi an der Küste Manabís und in Cuenca geflochten. Panama hat mit diesem Hut eigentlich nichts am Hut, ausser dass er von den Bauarbeitern des Panamakanals als Sonnenschutz getragen wurde und so zu seinem Namen kam. Die ganze Geschichte dazu könnt ihr auf wikipedia nachlesen. Selbstverständlich haben wir eine Fabrikation besucht, keinen Superfino gekauft aber doch zwei Finos. Wenn ich den Hut trage, fühle ich mich grad wie Julia Roberts in „Pretty Woman“, nicht so schön aber doch etwas mondän, ihr Hut stammte vom gleichen Hersteller und was Stefans Haupt ziert, war auch für Brad Pitt gut genug. Humphrey Bogart, Sean Connery und viele amerikanische Präsidenten verhalfen dem Hut zu seinem Status.

Die Hüte werden bald wieder gegen warme Kappen getauscht denn im Nationalpark Cajas ist es kalt. Wir wandern den ganzen Nachmittag in einer Höhe von 4000müM während es nieselt und Nebelschwaden über die Lagunen und die eigenartig schöne Páramovegetation ziehen. Und weil heute unser 32. Hochzeitstags ist, kuscheln wir uns bei 4 Grad im fahrbaren Hüsli schön warm ein und geniessen eine Flasche Wein.

Unsere Körper werden strapaziert, anderntags geht’s hinunter ins Amazonasgebiet, auch hier regnet es Bindfäden und die Strassen werden von Hangrutschen stark in Mittleidenschaft gezogen. Wir haben Glück, alles ist freigeschaufelt und passierbar. Orchideen, Heliconien und Bananen lieben dieses feuchtheisse Klima und gedeihen prächtig.

Die Vulkane, die im P.N. Sangay zu sehen wären, verstecken sich hinter dicken Wolken. Schade. Es ist Sonntag und wir treffen im Touristenort Baños ein, Kurgäste, Mountainbiker, Adrenalinjunkies (angesagt ist Bungee Jumping und Riverrafting) und Aussteiger geben sich hier ein Stelldichein und wir mitten drin. Da auch hier das Wetter unbeständig ist, lassen wir das ganze Spektakel hinter uns und verziehen uns auf einen kleinen Camping mit Aussicht auf die Vulkane Tunguruha und Chimborazo. Die Vulkane verstecken sich auch diesmal und der gastfreundliche Wirt zündet uns ein Cheminéefeuer an. Durch eine landwirtschaftlich intensiv genutzte Gegend mit buntgescheckten Feldern voller Lupinen, Quinoa und Kartoffeln erreichen wir Quilotoa. Und hier scheint endlich die Sonne!

Das ermöglicht uns, anderntags die Wanderung um den Quilotoa Krater mit seiner grün glitzernden Lagune und der prächtigen Panoramasicht unter die Füsse zu nehmen. Hoffen wir, dass das Wetter hält, als nächstes besuchen wir den P.N. Cotopaxi. Die Wanderung hinauf auf den aktiven Vulkan ist geschlossen, aber bis zur Hütte auf 4870m ist sie möglich. Auch hier Aprilwetter – 10min. schön und warm – 20min. kühl und trüb, Jacke an, Jacke aus, die Wolken jagen sich und huch, für 2min. sehen wir den Cotopaxi.

Wir nehmen die Wanderung unter die Füsse, es ist mehr ein Spaziergang, wir sind gut akklimatisiert, im Refugio José Rivas trinken wir eine heisse Schoggi und fühlen uns wie in einer SAC-Hütte. Anschliessend wandern wir weiter auf 5000m hinauf, bis der Gletscher den Weg versperrt, diesmal haben wir etwas mehr Wetterglück. Wenn es nicht regnet und es was zu sehen gibt, stört auch die Kälte nicht. Aber trotzdem freuen wir uns auf Galápagos (siehe separater Bericht).

Zurück von unserer Inseltour besichtigen wir bei strahlendem Wetter Quito. Hut- und Sonnenschirmverkäufer wechseln sich mit Schreihälsen, die von Esswaren bis zum Schuhbändel alles im fahrbaren Karren verkaufen, ab. Jeden Montag findet der grosse Fahnenaufzug beim Regierungspalast statt, ein Spektakel der besonderern Art, die Musik spielt, die Pferde marschieren mit mittelalterlich gekleideten Reitern um den Platz und das Wichtigste: die Minister stehen stramm und regieren in dieser Zeit nicht.

Quito liegt in Äquatornähe und da wollen wir auch hin, wir haben den Äquator schon einige Male überschritten, mit und ohne Museum, aber dieses „Mitad del Mundo“ ist besonders spektakulär, es liegt wegen eines Rechnungsfehlers der französischen Vermessertruppe etwas neben der exakten Äquatorlinie. Uns stört’s nicht, mich amüsiert eher, dass ich auf der Sonne etwa 2000kg wiegen würde. Aber solange ich in die ewig gleichen Hosen passe, erschreckt mich das nicht wirklich und Stefan muss seine Hosen mit dem Gurt festzurren (gell Jürg!!). Mit weiteren Regenschauern fahren wir dem Küstennebelwald entgegen wo sich bunte Vögel ein Stelldichein geben. Kolibris saugen Zuckerwasser aus Futtertränken, Tukane, Spechte bunte Trogons und Jumbos geben sich ein Stelldichein. Delikate Schmetterlinge und Abends grosse Nachtfalter umschwirren uns.

Am Pazifik lassen wir für 3 Tage die Seele hängen, zuviele Eindrücke der letzten Zeit müssen aufgearbeitet werden bevor die Reise mit Jeannine und Oliver und Hans von der Finca Sommerwind weitergeht. Wir treffen die drei bei einer Mariscoplatte in Las Peñas und reisen gemeinsam mit einigen abenteuerlichen Unterbrechungen nach Ibarra. Wir finden auf einer Mangroventour uralte Scherben einer längst vergangenen Kultur und sehen einem Köhler zu, wie Holzkohle gemacht wird, die dann als Heizmaterial dient um die Cocada herzustellen. Cocada wird aus eingedicktem Zuckerrohrsaft, Kokosraspeln und Erdnussstücken gekocht und dann zu einer Art Pralinemasse verarbeitet. 9 Familien sind daran beteiligt und sichern sich ein Einkommen. In den Mangroven sind ausser uns Schmuggler zwischen Ecuador und Kolumbien unterwegs, das Gebiet ist schwierig zu kontrollieren. Anderntags besichtigen wir eine Cacao- und Palmölplantage, aber der Höhepunkt ist die Fahrt von Alto Tambo mit einem nicht ganz artgerechten Orientexpress in den Regenwald hinein. Von einer alten Zuglinie bestehen noch 20km, die ein Dorf ohne Strasse mit Alto Tambo verbindet, die Gleise sind sooo verbogen, die Brücken sooo morsch, der Schienentraktor sooo alt, die Weiche wird mit einigen Fusstritten gestellt, wären wir direkt aus dem perfekten Bahnland Schweiz gekommen, hätte uns diese Zugfahrt das Grausen gelehrt. Da wir aber nur 10km fahren, muss der Traktor auf der halben Strecke mittels eines Wagenhebers gedreht werden. Sache git’s! Wenn ihr daheim also von einer Stellwerkstörung der SBB betroffen seid, denkt an Südamerika, wo alles funktioniert, wenn auch etwas anders. Der anschliessende Spaziergang in Gummistiefeln durch den Matsch des Regenwaldes wird für uns mit einem erfrischenden Bad in einem Wasserfallbecken gekrönt.

In Papallacta, auf fast 4000m sind wir einige Tage später froh, ein Thermalwasserbad nehmen zu können. Doch schon einige Stunden danach, finden wir uns im Amazonasgebiet, wo wir uns über den Swimmingpool freuen. So schnell ändern sich hier am Äquator die klimatischen Bedingungen.

Meinen Geburtstag feiern wir wieder im Sommerkleidchen und einer Flasche Chlöpfmost zusammen mit unserer liebenswürdigen Gastgeberin Marie-Sol vom Hotel Kuri Allpa, wo wir unser Auto während unserer Amazonastour (siehe separater Bericht Ecuador Amazonas) sorgenfrei parkieren können.

 

Ecuador - Amazonía

06. November 2016

Mückenstiche – Hitze – Feuchte – Wanderungen über den Äquator – Regengüsse und Kanutouren. Wer mehr von unserem Amazonasabenteuer wissen möchte, kann sich unsere Fotos ansehen und erfährt im Text noch etwas mehr dazu.

Amazonía – Landschaft der Superlative. Über 10% aller Spezien auf Erden sind hier zu finden, schätzungsweise 7 Millionen Menschen leben hier, etwa 100 verschiedene Ethnien sind in einen Gebiet heimisch welches von Flüssen, Wäldern, Auen durchzogen ist. Wo Erdölfirmen und Holzfäller negativ auf sich aufmerksam machen sowie legale und illegale Goldwäscher am Werk sind und jede zweite Sekunde ein Baum fällt, ein Gebiet von dem in 150 Jahren nichts mehr sein wird wie es heute ist, wenn so weitergewirtschaftet wird – genau dieses Amazonía, das uns schon in Brasilien, Guyana, Suriname und Französisch Guyana in seinen Bann zog, genau hierhin wollen wir nochmals.

In Ecuador ist der Zugang zum Amazonasgebiet relativ einfach, einfacher als in Peru oder Bolivien.

Einer Ölpipeline wegen führt eine asphaltierte Strasse direkt in die grüne Hölle hinein. Von dieser Hölle ist allerdings bis Lago Agrio nicht viel zu spüren.

Vom erstaunlich sauberen Städtchen Lago Agrio führt ein 2-stündiger Bus- und ein anschliessend gleich langer Bootstransfer zu unserer Lodge. Diese gehört einem Deutschen, dessen Vater nach Ecuador auswanderte, Grund und Boden sind allerdings im Besitz einer indigenen Familie aus der Gruppe der Siona, die hier im Cuyabeno Gebiet ansässig sind. Das ist Teil einer ökologischen Form des Tourismus, was nicht heisst, dass man nur Solarstrom und Abfalltrennung betreibt, sondern das ganze Gebiet und die dazugehörigen Ethnien einbezieht. So kauft unser Guide auf dem Weg Früchte und Gemüse ein, um die relativ arme Bevölkerung in den Tourismus miteinzubeziehen. Wenn Touristen also einen Besuch in einem traditionellen Dorf machen und die traditionelle Jagd mit dem Blasrohr, die Herstellung von Yucca-Brot oder die Vorführung eines Rituals mit einem Schamanen erklärt bekommen, ist das ein Dorf, das mit einem Bein in der westlichen Zivilisation lebt und mit dem anderen Bein seiner eigenen Tradition verpflichtet ist, aber keineswegs Baströcklein trägt. Jeans und T-Shirt haben auch hier Einzug gehalten. Wir bekommen als Touristen einen Einblick in die Traditionen und gleichzeitig werden Ethnien geschützt, die sich nicht für den Tourismus öffnen wollen und in ihrem Stammesgebiet traditionell weiterleben möchten.

Amazonas, die grüne Hölle, von Bäumen hängende Boas, Flüsse bevölkert von Riesenanakondas, Piranias und Kaimanen, blutrünstige Moskitos, die uns Malaria anhängen wollen, nachts ein Gekrabbel im Bett, feucht-heisses Klima, nirgends ein Durchkommen. Kann wohl stimmen, wir haben es ganz anders erlebt. Wir gehen mit zerstochenen Beinen in den Amazonas und kommen ohne einen einzigen neuen Stich zurück. Wie viele Flüsse in Amazonía ist auch der Rio Cuyabeno ein Schwarzwasserfluss, das heisst, sein Wasser ist sauer, Moskitolarven sterben ab, ausserdem geben Bäume weiteres Tanin ab welches eine Ausbreitung von Malaria praktisch verhindert. Einzig der Aufenthalt in trockenen Gebieten kann problematisch werden, hier schützen wir uns mit einem normalen im Supermercado erhältlichen Moskitomittel. Allerdings auch gut geschützt mit langen Hosen, Gummistiefeln und einem Regenponcho, denn am dritten Tag unseres Trips, als wir wie der Abenteurer Mike Horn mit dem Kanu auf dem Cuyabeno Fluss paddeln und eine Nachtwanderung durch den Dschungel unternehmen, giesst es aus vollem Rohr. Es ist nicht nur ein bisschen Regen das da runterfällt, nein der ganze Himmel scheint sich zu öffnen und prasselt auf uns nieder. Die Stiefel stecken im Matsch fest, gut hab ich kein Übergewicht, wie die Amerikanerinnen in unserer Gruppe, mich trägt der Morast während er bei den anderen ob hinein- und unten eben nicht wieder hinausläuft. Hier ein Fröschlein, da eine Spinne in ihrem schönen Netz. Und jetzt überqueren wir den Äquator, mitten im Dschungel steht ein Monument – also doch nicht so richtig Dschungel. Ohne Taschenlampe fühlen wir uns wie Jonas im Bauch des Wals – die Geräuschepalette ist gewaltig. Regengeprassel, Froschgequake, Zirpen und Surren der Grillen, Vogelgekreische – ein richtiger Lärm. Jeder lauter als der andere. Bei einer Riesenpfütze müssen wir umkehren, das Wasser würde uns bis zur Brust reichen, da hat niemand mehr Lust durchzuwaten, wir sind eben doch keine Mike Horns.

Unglaublich schön sind die Lagunen mit den versunkenen Bäumen, als wir am ersten Abend zum Abendrot hintuckern stehen sie majestätisch im Wasser, eine kleine weisse Schlange – eine Baum Boa – schaut auf uns herunter, nach zwei Regentagen gucken nur noch die Kronen aus dem Wasser. Unglaublich dieser Wasserstand, zwei Regentage reichen, um ihn um 1-1.5m ansteigen zu lassen, regnet es weniger bis gar nicht, trocknet die riesige Lagune sogar völlig aus.

Ein Ausflug führt uns mit unserem Paddelboot in die Laguna Canangueno, Motorboote sind hier nicht erlaubt. Ein Reiher gleitet über uns hinweg, zwei blaugelbe Aras flattern kreischend davon, in den Bäumen turnen Totenkopfäffchen mit Riesensprüngen von Ast zu Ast, ein Specht hämmert an einem toten Baum herum, Tukane hüpfen von Ast zu Ast und immer wieder schweben kleine und grosse Schmetterlinge in schillernden Farben über den Fluss. Bäume voller Bromelien und Philodendren, Moose, Bärte, Lianen und hätte unser Führer keine Machete mit dabei, könnten wir unseren anschliessenden Spaziergang durch den Wald nicht machen. Schnell knüpft er einige Lianen zusammen, markiert hier und da einen Baum, wir wollen ja den Rückweg wieder finden. Hier gibt es nämlich keinen Weg. An einem Baum bauen winzige Ameisen ein Riesennest, hält man die Hand in die Ameisen hinein und verreibt die, welche einem sofort über die Hand krabbeln, gibt es einen Duft, der als natürliches Antimoskitomittel funktioniert, bei anderen Ameisenarten müssen wir die Larven zerdrücken um den gleichen Effekt zu haben. Da ein Chinarindenbaum, ebenfalls ein Antimalariamittel wenn man aus der Rinde einen Tee kocht. Die Früchte einer bestimmten Palme kann man ausgekocht als Shampoo verwenden, die grossen zapfenartigen Nüsse der Moretto Palme ist des Tapirs Lieblingsfrucht. Die Rinde eines anderen Baumes ist gegen Menstruationsschmerzen, der ganze Wald eine einzige Apotheke. Wir erfahren, aus welchen Fasern Hängematten geknüpft werden oder Reusen um Fische zu fangen, der Wald ein Bau- und HobbyCenter.

Es sind nicht die grossen Tiere, die die Faszination Amazonías ausmachen, es ist das Zusammenspiel von klein und gross, es ist die stufenartige Vegetation, lichthungrige Bäume mit riesigen Brettwurzeln, Farne und Bromelien als alles überwuchernde Aufsitzerpflanzen und Heim für kleinste Frösche und Eidechsen. Moose und Pilze in der unteren dunklen Etage, Orchideen direkt am Flussufer. Während wir am Staunen sind läuft unser Kanu auf einen umgestürzten Baumstamm auf, aussteigen, Gewicht verlagern, wir meistern die Situation, jemand fällt ins Wasser, nein die Anakonda hat Veronika nicht gefressen, auch keine Piranias haben sie zerfleischt, einzig den Rücken hat sie sich am Kanu aufgeschürft. Müde schlafen wir am Abend ein. Morgens um fünf Uhr in der Dämmerung wirkt der natürliche Wecker des Dschungels – Vogelgekreische, Grillengezirpe und Insektengesurr. Schnell verfliegen die Tage in der Lodge. Der Koch präsentiert uns als Abschiedsgeschenk einen schwarzen Skorpion, gut haben wir Stiefel und Kleider vor dem Anziehen immer gut ausgeschüttelt und die Hängematte auf allfällige Mitbewohner kontrolliert. Wäre ja schade gewesen, wenn sich Stefan auf den kleinen Frosch gesetzt hätte. Die fünf Tage sind zu schnell vorbei, ein letztes Abenteuer wartet auf uns, wegen der heftigen Regenfälle liegen zwei umgestürzte Bäume quer über den Fluss. Die Amerikanerinnen wollen schnellstmöglich zurück in die Zivilisation, uns wäre es egal wenn wir umkehren müssten , denn die Frage ist: waren wir in unserer Lodge (ausgestattet mit Dusche, WC, Strom und verwöhnt mit feinstem Essen) wirklich abseits der Zivilisation nur weil wir einige Male durch den Matsch gewatet sind und am Ende alles etwas feucht und dreckig ist. Wir meinen, da bräuchte es doch noch etwas mehr, etwas mehr Abenteuer à la Mike Horn.

Der Bootsführer findet schliesslich einen Weg durch die im Wasser liegenden Baumkronen und der Guide steht mit einer Machete vorne im Kanu. So erreichen die Amerikanerinnen ihren Flug noch rechtzeitig und auch für uns endet der kurze Ausflug im Cuyabeno Reservat.

Ecuador - Galapagos

2. Oktober – 16. Oktober 2016

Route A

Isla Baltra – Isla Seymour Norte – Isla Sombrero Chino – Isla Bartolomé – Isla Genovesa (Bahia Darwin / Phillip’s Steps) – Isla Santiago (Puerto Egas) – Isla Rábida – Isla Santa Cruz (Puerto Ayora / Highland) – Isla Española (Punta Suarez / Bahia Gardner) – Isla Santa Fé – Isla Plaza Sur – Isla Santa Cruz (Caleta Tortuga Negra) – Isla Baltra

Route B

Isla Baltra – Isla Santa Cruz (Las Bachas) – Isla Mosquera – Isla Santa Cruz (Cerro Dragon) – Isla Isabela (Tagus Cove) – Isla Fernandina (Punta Espinosa) – Isla Isabela (Bahia Urbina / Bahia Elisabeth / Punta Morena / Puerto Villamil / Volcan Sierra Negra) – Isla Floreana (Punta Cormorant / Corona del Diablo / Post Office Bay) – Isla Santa Cruz (Puerto Ayora) – Isla Daphne Mayor – Isla Baltra

Ecuador ohne Galapagos ist wie eine Reise durch die Schweiz ohne das Matterhorn gesehen zu haben. Wir gehören zu den Glücklichen, die beides gesehen und vor allem erleben dürfen.

Unsere Randulina steht in der Nähe des Flughafens Quito auf einem bewachten Parkplatz was uns ermöglicht, sorglos eine Woche wegzufliegen und unsere Auszeit zu geniessen. Morgens um 5.15 Uhr stehen wir voller Vorfreude auf dem Flughafen und werden von Toni von Cometa Travel mit den nötigen Unterlagen versorgt. Wir kommen uns vor wie VIP’s, er hilft beim Check-In ..… sehr ungewohnt für uns, dass uns jemand das Organisieren abnimmt. Nach der Zwischenlandung in Guayaquil fliegen wir nach Baltra, dem ehemals amerikanischen Luftwaffenstützpunkt im zweiten Weltkrieg. Wegen späterem Nichtgebraucht wurde der Flugplatz grosszügigerweise Ecuador „geschenkt“. Ein Glück, weil keine Bodenschätze in und um Galapagos vorhanden sind. Dafür gibt es andere Schätze, die wir hier an Bord der Angelito entdecken. Nicht nur die einmalige Tierwelt, die uns andächtig werden lässt, sondern auch die einzigartige Landschaft. Der Inselarchipel im Pazifik, 1000km von Ecuadors Küste entfernt, bietet praktisch alles: aktive und inaktive Vulkane, Sandstrände in allen Farben, Wälder, Lagunen, Agrarland, Dörfer mit touristischer Infrastruktur, wilde Geschichten und Legenden und natürlich Tiere, die andernorts ausgestorben sind oder noch im Zoo vorkommen und einfach ohne Scheu in ihrem natürlichen Habitat leben und uns daran teilhaben lassen. Zu einem Galapagosbesuch gehört auch das Schnorcheln und obwohl das Wasser kalt ist, geht die Zeit unter Wasser vorbei wie im Flug, unter uns schwimmen Weissspitzenhaie, neben uns knabbern Schildkröten Algen ab, ein Seelöwe beschnuppert uns, farbige Seesterne kleben an den Felsen, Regenbogenfische schweben wie Schmetterlinge durchs Wasser und Stachelrochen vergraben sich im Sand. Mit dem Zodiac, dem Panga, dem Beiboot entdecken wir das Leben in den Mangrovenwäldern. Langweilig wird es nie.

Die gebuchten 8 Tage sind zu schnell vorbei. Unser Schiff wird am Samstag mit Lebensmitteln für die neuankommenden Gäste versorgt. Auf Stefan’s Frage, wieviele Gäste denn am Sonntag kommen werden, meint der Koch, nur 11. Wir schauen uns an und rechnen nach?! Die Angelito ist ein 16 Personen Schiff, d.h. es gibt 8 Kabinen, bei 11 Personen müsste also sicher noch 1 Kabine frei sein, so viele Einzelreisende wird es ja wohl nicht geben. Wir schauen uns nochmals an und ich renne schnell zu Omar, dem Barmann. Er vermittelt mir ein Telefongespräch mit Maja auf dem Festland, die das Boot vermietet. Fünf Minuten später steht fest, dass wir nochmals eine Woche bleiben können. Eine völlig andere Tour erwartet uns. Vielen Dank Maja, dass du uns dieses Erlebnis ermöglicht hast! Vielen Dank an die Crew, die uns so verwöhnt hat!

Galapagos ist definitiv eine Reise wert und wird uns in ewiger Erinnerung bleiben. Jetzt lassen wir Bilder sprechen, denn viele Worte sind eigentlich fehl am Platz.

Dank an Yves/Sabrina und Gian/Irene für die Unterwasser Aufnahmen.

Nordperu

Lima – Laguna Junín – La Unión – P.N. Huascarán – Hatun Matchay – Chavín – Laguna Purhuay – Laguna Huachacocha – Punto Olímpico – Caraz (Laguna 69 / Laguna Parón ) - Cañon del Pato – Cañon Tablachaca – Trujillo (Huaca de la Luna / Chan Chan / Sipán) – Cajamarca – Leymebamba – Kuelap – Karajia – Goctas Wasserfälle – Bagua Grande – Jaen - Namballe

18. September 2016

Peru ist ein Land der Gegensätze – Pazifikküste-eisgepanzerte 6000er Traumberge – wüstenhafte Pazifikküste-fruchtbare Hochtäler auf 4000müM – moderne Städte – Vorinkakulturen, Businessanzüge-tradionellen Trachten – BMW’s-Eselgespanne-Mototaxis, das könnt ihr alles auf unseren Bildern sehen. In diesem Bericht möchte ich euch aber teilhaben lassen an all unseren aufregenden, anregenden, weltverbessernden, philosophischen Diskussionen während unserer langen Fahrten.

Jöö, so herzig, häsch gseh?   Meist bezieht sich dieser Ausruf auf Kinder, die ihre Schweinchen auf die Weide treiben oder mit ihren Schuluniformen heimwärts spazieren.

Was diä eis schläcked, glaub scho gsehnd die Zäh so us.   Vor jeder Schule und ist so noch so klein, stehen kleine Verkaufswägeli mit Schleckzeug, wir sehen kaum ein Kind ohne Schleckzeug auf dem Heimweg. Eiscrème ist der absolute Brüller, egal wie kalt es ist, irgendwer verkauft immer Glacé und Kundschaft gibt es dafür mehr als genug.

Lueg, diä sind uf em Sunntigsspaziergang!   Familien spazieren mit der gesamten Viehabe durch die Strassen, dabei halten die Kühe den Verkehr auf, der Esel trägt das Lastgepäck und knabbert Gras am Strassenbord, die Mutter trägt das kleinste Kind im Tragetuch und schwingt die Spindel mit der Lama- oder Schafwolle oder strickt, der Vater schwatzt mit dem Nachbarn und der Hund springt bellend hinter unserm Auto her derweil die Kinder uns bestaunen und winken.

Halt aa!! Wärum, was isch?   Da gibt es schöne Fotomotive, lenken und schauen ist oftmals schwierig, also fällt mir die Aufgabe zu, manchmal ist der Platz um anzuhalten beschränkt, oder es sind grosse Manöver nötig.

Wärum hebsch di am Griff?   Ja, weil die tiefsten Abgründe immer auf meiner Seite sind!

Pass uf, en Drempel!   Drempel ist das holländische Wort für Schwelle, wir haben es uns in Surinam angeeignet. Die Strassen sind überall gespickt mit diesen ekligen Dingern, 99 sieht man und den hundersten nicht, das geht in den Rücken und im wahrsten Sinn des Wortes an die Eier, deren Inhalt sich aus den Schalen pult und uns zum Reinemachen zwingt.

Wettsch echli Wasser?   Wir trinken während dem Fahren gegen 2l Wasser, nicht nur um einen kühlen Kopf zu bewahren sondern damit der Höhenkoller nicht eintritt (wichtig auf über 3000müM).

Wäh, da stinkt’s, mach d‘ Fänschter zue!   Vielerorts wird der Abfall am Strassenrand verbrannt, nicht unbedingt das, was man als Wohlgeruch definieren würde; andernorts wird Kulturland gebraucht, also wird munter Wald abgefackelt; auch von abgeernteten Feldern steigen Rauchfahnen auf.

Also ich begriif nöd, wiä me so cha wohne?!   Wohnhäuser werden meist mit traditionellen Lehmziegeln aufgemauert, ein gutes einheimisches Produkt, das schon in der Präinkazeit verwendet wurde – aber: es gibt ein Gesetz demzufolge ein Haus weniger besteuert wird, solange es nicht fertig ist, die Armierungseisen schauen aus dem oberen Stock, die Häuser sind nicht verputzt, vor allem in den Vorstädten sieht das alles ziemlich trist und erbärmlich aus. Modern sind verspiegelte Fenster, was dem ganzen einen eigenartigen Charakter gibt. Auf dem Land sind die Häuser hübscher, gepflegter, aber oft herrscht auch hier eine furchtbare Ordnung um’s Gehütt.

Wettsch en Kafi? Ja gärn, haltisch bim nächschte hübsche Cafi a, gäll.   Wir lachen beide, es gibt keine nächste hübsche Cafeteria, allenfalls in einem Dorf an der Plaza de Armas eine Verkäuferin von Zuckerrohrsirup, ein Restaurant mit einem vollen Mittagsmenu bis um 15h, einen Markt mit öffentlichen Toiletten; so stoppen wir oft an einer Ausbuchtung am Strassenrand, an einem Stausee… und brauen unseren Kaffee selber mit unserem italienischen MokkaExpress. Falls es doch einmal einen Kaffee in einem Restauräntli gibt, bekommen wir eine Tasse heisses Wasser und ein Känntchen starkes Kaffeekonzentrat und Kondensmilch. Das Kaffeekonzentrat schüttet man in die Tasse und streckt mit Belieben mit Kondensmilch.

Was wettisch zum Znacht? Was chasch mache? Ja also mmh…  Spaghetti Carbonara, Spaghetti napoli, Spaghetti mit Pesto, Risotto, Quinoa. Häsch kei Linse? Spinnst du, auf 4200m kann ich keine Linsen kochen, das dauert 3-4h, die muss ich zuerst einweichen. Nach Möglichkeit haben wir immer Frischgemüse und Obst im Haus und ich bin sehr darauf bedacht, Abwechslung auf den Teller zu bringen, nur hängt das oft auch von der Höhe ab. Das Wasser siedet bereits bei 85 Grad, es dauert aber umso länger, bis etwas weich ist. Rösti, auch aus Camote (Süsskartoffeln) mit Käse überbacken das geht schnell und die Camote sind nicht wirklich süss!

Was häsch dänn do kauft?   Neben Zitrusfrüchten, die auch hier in Unmengen reifen, kaufen wir Bananen in allen Varianten bei den Verkäuferinnen am Strassenrand. Ab und zu gibt es Lúcuma, Chirimoyas oder Guiaba. Letzteres sind lange grüne Schoten, die man aufbricht. Darin verbirgt sich ein etwas schwammiges Fruchtfleisch, das süss und saftig schmeckt und mit vielen grossen Kernen durchsetzt ist. Bei den Lúcumas sitzen zwei kastanienartige Kerne im braunen, an Marroni erinnernden Fruchtfleisch und die Chirimoyas sind etwas glitschig und erinnern an überreife Birnen. Jetzt grad duftet eine riesige süsse Ananas im Auto vor sich hin. Die Avocados sind vom Feinsten, nie hatten wir eine ungeniessbare wie daheim, es gibt auch da unzählige Sorten, von denen uns die Palta Hassa, die mit der schrumpligen Schale am besten schmeckt.

Söllemer Fleisch poschte?   Nein, danke, auf dem Markt geht das gar nicht, da hängt alles meist ohne Kühlung. Fleisch kaufen wir im Supermercado, schön abgepackt…

Da ischer, jeh, so schön, das mir etz das dörfed erläbe!   Dabei handelt es sich meist um irgendwelche schönen Naturerlebnisse, tiefblaue Lagunen, Berge ohne Wolkenhauben, Gletscher an die man wandern kann, oder auch Tiere, Vögel. Am meisten beeindruckt hat uns grad die Wundersylphe, eine Kolibriart mit einem ganz speziellen Schwanz. Diese Art ist extrem selten und galt als ausgestorben. Wir haben ihn gesehen, doch die Kerlchen sind winzig und nervös und nur schwierig zu fotografieren.

Hey, da une isch es Auto mit eme Schwiizerchrüüz parkiert!   Reisende aus der Schweiz sind meist mit einem eher kleinen Schweizerkreuz dekoriert, in Südamerika wird das Schweizerkreuz mit dem Roten Kreuz verwechselt und nicht alle mit Schweizerkreuzen sind auch Schweizer… in den meisten Fällen handelt es sich um Ambulanzfahrzeuge. Aber Schweizer kennen das Schweizerkreuz und treffen sich auf den abgelegensten Campings, so wie wir Anita und Roger auf Kuelap trafen und die wie wir mit einem SZ Nummernschild unterwegs sind (Hey, wir sind schon 4 aus dem Kanton SZ hier, ist noch jemand daheim?) (www.nichtswieweg.ch / www.ch-on-tour.ch / www.viaje.ch).

Los emal, ghörsch das au?   Im Hochland ist es abends und nachts totenstill, hier im Einzugsgebiet des Amazonas geht mit der Dämmerung ein Surren und Klirren los. Es sind grosse und kleine Grillen oder Zikaden, die ihren „Gesang“ lautstark vollführen, dazu kommt ein eigenartiges Klirren von Fröschen, das in keiner Art und Weise an ein Gequake mahnt, zusammen mit dem aufgehenden Sternenhimmel ist es eine grandiose Inszenierung der Natur.

Iris, wach uf-öpper rüttlet a üsem Auto.   Ich spüre nichts, es wird wohl der Wind sein, nein es ist windstill, Stefan du hast geträumt, schlaf weiter. Anderntags erfahren wir, dass ein Erdbeben unser Auto gegen den Morgen gerüttelt hat – nix passiert.

Stefan, wach uf!! Was isch das näbed eus?   Das ist ein Lastwagen; der steht aber schon lange neben uns und es ist ein Uhr nachts. Wir stehen so abgelegen, ja was macht der Laster da? Nichts, vielleicht das Holz aufladen, das tagsüber geholzt wurde, vielleicht stehen wir aber auch in seiner „Schlafnische“. Er fährt weiter und wir schlafen ebenfalls weiter.

Ui, häd dä e langi Leitig!   Meist an der Grenze, wir wollen doch nur einen Ausreisestempel. Nein, der Grenzer will Kopien von allem; wir wollen aber ausreisen!! Er stempelt uns einen Einreisestempel… ja Sachen gibt’s. Wir sind geduldig und freundlich, er macht auch nur seinen Job. Einmal darf ich sogar an die Schreibmaschine und unsere Einreiseformalitäten ausfüllen.

Wau, häm miers schöön!   Das ist unser Spruch, hochphilosophisch, er beinhaltet ALLES! Wenn wir abends bei unserem Apéro sitzen und an euch denken!

Das chunnt eu Spanisch vor?   So geht es uns auch, nicht immer verstehen wir den hiesigen Dialekt, vor allem sind ältere, zahnlose Damen und Herren schwer zu verstehen, aber alle sind immer freundlich und herzlich.

Südperu – ein Gastbericht von Ruedi Kümin

14. September 2016

Unsere Reise durch den Süden von Peru verdanken wir unseren Freunden Iris und Stefan Zehnder. Seit zwei Jahren sind sie unterwegs in Südamerika mit ihrer Randulina (Schwalbe). Sie haben uns eingeladen, sie in einem gemieteten Allradcamper eine Zeitlang zu begleiten, und nach einiger Bedenkzeit haben Brigitte und ich uns auf das Abenteuer, den Spuren der Inkas zu folgen, eingelassen.

Am Abend des 15. Juli landeten wir in Lima und wurden dort von unseren sprachgewandten Profireisefreunden herzlich empfangen. Auf der 50 km langen Taxifahrt zum Hotel in Miraflores machten wir zum 1. Mal Bekanntschaft mit der Fahrweise der Peruaner. Wer die stärksten Nerven hat, hat Vortritt, ob bei Fussgängern, am Rotlicht oder an der Kreuzung. Ja, Prost habe ich gedacht, das kann ja heiter werden. Und es wurde heiter, weil ich fahrtechnisch sehr schnell zu einem Einheimischen geworden bin.

Nach 2 Tagen Aufenthalt in der 10 Millionen Metropole, deren Kolonialrestbestände in der Altstadt zum UNESCO Kulturerbe zählen, übernahmen wir unseren Camper in San Bartolo. Auf der Panamericana fuhren wir gen Süden nach Chincha Alta zum Grosseinkauf. Unser Camper war eher dürftig ausgestattet. Gut ausgerüstet mit Lebensmitteln, Wasser und den Hausratsergänzungen begann unsere Reise abseits der Hauptverkehrswege Richtung Ayacucho.

Die 1. Nacht verbrachten zum Akklimatisieren auf „nur“ 2000m über Meer. Schon am nächsten Tag fuhren wir in Höhen weit über 4000 Meter Höhe. Mit Schrecken stellten wir fest, dass unser Tank schon zu 2/3 leer war. Iris, das sprachgewandte Organisationstalent, beschaffte uns in einem kleinen Laden bei einer Indiofrau 30 lt Diesel.

Obwohl wir uns auf kalte Nächte eingestellt hatten, wurden sie zu einer echten Herausforderung für uns, ganz besonders für Brigitte. Minus 10 Grad, alles war jeweils am Morgen eingefroren. Nach fünf bitterkalten Nächten auf dem Altiplano kam uns Ayaccucho auf 2761 m fast vor wie das Tessin bei uns. Ein besonderes Erlebnis in dieser sehr schönen Kolonialstadt war der Besuch des riesigen Hallenmarktes. Für uns Westeuropäer ist es kaum zu fassen, was da alles verkauft wird. Und auch wie es verkauft wird, machte mir Eindruck. Scheinbar ohne jegliches Konkurrenzdenken.

In drei Tagesetappen fuhren wir weiter nach Cusco. Die fantastische, karge Landschaft mit unzähligen tiefblauen Seen, die abenteuerlichen Strassen mit Ausblick auf schneebedeckte 6000er Berge, die angenehmen Tagestemperaturen und die Gewissheit, dass uns Stefan jeden Abend an einen schönen Ruheplatz lotste, entschädigten uns reichlich für die Nächte, die auch unter der warmen Decke, die wir in Ayacucho gekauft hatten, kalt blieben. In der Mitte unserer Reise erreichten wir den Nabel der (Inka)Welt: Quosco, heute Cusco. Von hier aus regierten die Inkafürsten das zu seiner Blütezeit über 1 Million Quadratkilometer grosse „Reich der vier Regionen“. Unser Campingplatz befand sich in unmittelbarer Nähe von Sacsyhuaman. Das ist neben Machu Picchu die imposanteste Kultstätte der Inkas. Das massive Bauwerk besteht aus drei übereinanderliegenden Zickzackmauern. Diese symbolisierten die drei Welten im Inkaglauben: Kay Pacha, die Welt der Menschen, Hunan Pacha, die Welt der Götter und Ukhu Pacha, die Unterwelt. Wenn man bedenkt, dass die Inkas weder das Rad noch andere Fortbewegungsmittel gekannt haben, ist es fast unvorstellbar, wie sie es fertiggebracht haben, zum Teil übermannshohe Quader auf diese Anhöhe zu schaffen. Der Steinbruch dafür befindet sich in 20 km Entfernung. Diese Quader wurden kunstvoll behauen, bis sie fugenlos aufeinander geschichtet werden konnten. Ohne Mörtel.

Das Angebot an Souvenirs in Cusco ist riesig. Laden an Laden, Strassenhändler zu Hunderten, Boutiquen fast wie bei uns an der Zürcher Bahnhofstrasse machen es einem schwer, sich zu entscheiden. Unsere Frauen haben diese Herausforderung bravourös gemeistert, und am Schluss waren alle glücklich mit der getroffenen Wahl.

Von Cusco aus reisen täglich Heerscharen von Touristen mit dem Zug durchs Urubambatal nach Machu Picchu. Wir fuhren in unseren Campern durch das fruchtbare grüne Valle Sagrado, das Heilige Tal. Eindrücklich war auch der Abstecher zu den Salinas von Maras. Diese Salinen sind seit der Inkazeit in Betrieb. Siewerden von einer salzhaltigen Quelle gespeist. Ollantaytambo, eine gut erhaltene Inkafestung, stimmte uns nochmals auf den Höhepunkt jeder Perureise, den Besuch der sagenhaften „Stadt in den Wolken“ Machu Picchu, ein. Unsere Allradcamper ermöglichten uns eine weitere abenteuerliche Fahrt bis Santa Teresa, Hydro-Electrica. Hier mussten auch wir unsere Fahrzeuge stehen lassen, und mit dem Zug weiterfahren. Aber der Zug hatte an diesem Tag eine Panne, und so stoffelten wir zwei Stunden lang den Bahngeleisen entlang an den Fuss unserer Erwartung. Nachdem wir auch das Prozedere des Billetkaufs erledigt hatten, wurden wir in halsbrecherischer Fahrt zu den Toren dieses Wunderwerkes gefahren. Während des ganzen Rundganges, ungeachtet der vielen anderen Besucher - und auch noch Tage danach - nahm mich das Mysterium dieses Ortes gefangen. Was hatte diese Menschen bewogen, an so einem abgelegen Ort, diese Stadt zu bauen? Auf der Rückfahrt nach Cusco haben wir eine peruanische Hochlanddelikatesse probiert: Meerschweinchen gegrillt! Ein bisschen gewöhnungsbedürftig war der Geschmack schon. Aber nicht unleid.

Nun gings weiter Richtung Titicacasee. Die über 5000m hohen Rainbows Mountains haben Stefan und Iris alleine bestiegen. Brigitte und ich kapitulierten vor der Höhe. Bevor wir umkehrten, erlebten wir noch etwas ganz Spezielles: die Schlachtung von fünf Lamas zu einem bevorstehenden Hochzeitsfest.

Auf dem Parkplatz von Sillustani am Lago Umayo trafen wir uns wieder mit den Bergsteigern. Hier wurden schon vor der Inkazeit Fürsten und grosse Persönlichkeiten in Grabtürmen bestattet. Diese Grabtürme, Chullpas genannt, sind zylindrisch gebaut in der bekannten Inkabauweise und bis zu 12 m hoch. Als Grabbeilage wurden den Fürsten neben Schmuck und Esswaren oft auch lebende DienerInnen mitgegeben. Sehr beindruckend, in jeder Beziehung.

Auch wenn der Titicacasee in allen Peru Reiseführen gepriesen wird, hat er mich nicht besonders beeindruckt.

Die Fahrt nach Arequipa hingegen war für mich ein Supererlebnis. Schotter und Sandpisten, Pässe bis auf 4900 Meter abseits jegliche Zivilisation. Zuerst auf den Abra Patamna oder Mirador de los Andes Cordillera Vulcanica en los Andes Centrales, mit einer fantastischen Weitsicht zu 5 aktiven Vulkan die über 6000 Meter hoch sind. Weiter durch den Cañón del Colca zum Mirador Cruz del Condor. Schon bei der Ankunft am Abend haben wir vereinzelten Condoren auf dem Heimweg zugeschaut. Das Colca Tal ist eines der tiefsten Täler weltweit und da unten haben die Kondore ihre Nacht- und Brutstätten. Es war ein einmaliges Schauspiel wie sich die Kondore, nur mit Hilfe der Thermik, in die Lüfte schwangen und ohne einen Flügelschlag, Meter um Meter in die Höhe treiben liessen. Beeindruckend wie sich die grössten flugfähigen Vögel Amerikas wieder absetzten wenn der Auftrieb zu schwach war um dann wieder neuen Anlauf zu nehmen. Morgens um 8 Uhr fängt das Schauspiel an und um 11 Uhr ist alles vorbei und die riesigen Vögel, um Aas zu suchen in alle Himmelsrichtung, verschwunden.

Arequipa, die Perle des Südens, gilt als eine der schönsten Städte Perus. Das angenehme Klima auf 2350 Meter haben wir nach den vielen kalten Nächten genossen. Die weisse Stadt, wie Arequipa auch genannt wird, ist von den Spaniern in weissem Tuffstein erbaut worden. Arequipa hat es mir als Stadt angetan. Ich bin beeindruckt wie sich die Stadt erhalten hat mit den Palästen, mit der Stadt in der Stadt, das früher einmal ein Frauenkloster mit 300 Nonnen war, mit der Kathedrale, den unzähligen Kirchen und den verwinkelten Gassen und Gässchen.

Die Zeit wird langsam eng und wir müssen leider weiter. Es liegen noch 1000 Kilometer bis Lima vor uns und es ist schon der 11. August. Wir fahren auf der Hauptstrasse nach Lima. Lastwagen um Lastwagen kreuzen uns, oder wir überholen, da die schweren Brummer aufwärts nicht mehr als kriechen. Der Verkehr ist, im Vergleich zu dem was wir bis jetzt erlebt haben, enorm. Brigitte und ich sind jetzt zum zweiten Male am Pazifik, das erste Mal bei der Ankunft in Lima und jetzt wieder auf dem Rückweg nach Lima. Zum Baden ist der Pacific zu dieser Jahreszeit leider zu kalt. Auf der Panamericana geht’s zügig bis Nazca. Trotz der Einsamkeit dieser Landschaft, in der es so gut wie nie regnet, ist die Landschaft faszinierend. Erich von Däniken hat diesen Ort, mit seiner pseudowissenschaftlichen Forschung zur Prä-Astronautik, weltberühmt gemacht. Die bekannten Scharrbilder, Linien und Zeichnungen, bedecken eine Fläche von 350 km2. Unser Lagerplatz ist für heute einmal mitten in der Wüste. Es ist ein sehr intensives Erlebnis den Sonnenuntergang, und später den mit Millionen von Sternen bedeckten Nachthimmel, zu erleben.

Ja jetzt heisst es noch bis San Bartolo zu fahren und unser, nicht allzu komfortables Auto, nach 27 Tagen und 4000 Kilometer durch den Süden von Peru, abzugeben.

Liebe Iris, Lieber Stefan

Ohne eure Einladung, und ohne eure Reiseerfahrung hätten wir diese Reise nie machen können. Einen Monat mit euch unterwegs sein heisst intensive Reiseerfahrungen sammeln. Es gäbe noch viel zu erzählen, Besuch des Weingutes mit Degustation, die gemütlichen Abende bei feinem Essen und bestem Wein, auch unsere Eile mit Weile Spiele, die Flasche Whiskey, die Urs für euch mitgeben hat, die wir in dieser Zeit „bodigen“ konnten. Nicht vergessen deine liebevoll zubereiteten Aperitives mit allem was dazu gehört. Eure Navigationskünste ob in der Stadt oder wo auch immer haben wir bewundert. Einen Dank an dich Iris für deine Geduld beim Übersetzen von Speisekarten oder bei sonstigen Komplikationen wenn wir mit unserem Deutsch nicht mehr weiter kamen. Iris und Stefan, herzlichen Dank für die schöne Zeit.

Brigitte und Ruedi Kümin

Bolivien

Camiri – Santa Cruz – Samaipata – Sucre – Potosí – Salar de Uyuni – La Paz – Coroico – Mapiri – Sorata – Copacabana

09. Juli 2016

Zum dritten Mal Bolivien, was hat uns geritten, dieses Land das von Bloqueos, komplizierten Tankstellen und dazu von sehr verschlossenen Menschen beherrscht wird, nochmals zu besuchen? Ihr erfahrt es gleich im nachstehenden Bericht.

Ein grimmiger Zollbeamter, der uns inmitten von Hühnern und Unrat in seinem Hüttenbüro unfreundlich empfängt ist der Anfang der Geschichte. Bolivien wie es leibt und lebt. Die keifenden Geldwechslerinnen sind enttäuscht, dass wir paraguayische Guaranís wechseln statt US-Dollars. Das bringt ihnen nicht viel ein. Auch der Kurs ist so unfair; nicht mit uns; nein danke! In Camiri in einer Wechselstube sieht das etwas besser aus. Am Sonntag ist Markt, wie lange haben wir keine solchen Märkte mehr gesehen, sehr exotisch, dafür lieben wir Bolivien. Die Frauen sitzen auf dem Boden und verkaufen Früchte und Gemüse. Zitrusfrüchte sind aktuell der Renner.

Der Verkehr ist chaotisch, nie weiss man wann eine Strassenblockade stattfindet und die Tankstellen sind es auch. Nein, Ausländern verkaufen sie weder Diesel noch Benzin. Es ist zu kompliziert. Mit einer ausländischen Nummer bezahlt man mehr als doppelt so viel wie als Einheimischer, das ist Gesetz, doch die Rechnungsstellung ist kompliziert. Wir werden mehrmals abgewiesen. Irgendwann versuche ich’s mit einem Trick: Nein, wir brauchen keine Rechnung und ja, wir bezahlen den Ausländerpreis. Oh, Wunder, es klappt! In wessen Tasche das Geld fliesst ist wohl klar. So hätten wir Dutzende Stories zu erzählen…… Die Leute sind verschlossen, unfreundlich und abweisend, warum also zieht es uns nochmals nach Bolivien?

Bolivien ist exotisch und nichts für Reiseanfänger, die Herausforderung lockt und auch die grossen Märkte wie anfangs erwähnt, unglaublich schöne koloniale Architektur und eine ausserordentliche Landschaft reizen uns. Wir verzichten diesmal auf Strassenküche und dergleichen, die Folgen von unhygienischen Zubereitungsarten sitzen mir noch zu fest im Nacken.

Auf schlechten Staubpisten geht es durch farbige Landschaften Richtung Sucre. Doch was seh ich da? Das ist doch ein Schweizer Lastwagen. Die Kabine ist ganz deutlich angeschrieben. Wir irren uns nicht, ein ausgedienter Laster der Transportfirma Bieli aus Laufen karrt hier Ware herum und wirbelt Staub auf. Alles wird fotografisch festgehalten und wir schicken die Fotos per Mail nach Laufen, wo sich jemand herzlich bei uns bedankt.

Nochmals in Sucre herumschlendern und im „Chocolate Para-ti“ eine heisse Schoggi mit Cacao aus dem Beni Tiefland geniessen, auf dem gemütlichen Camping von Alberto und Felicidad Gleichgesinnte treffen und im grossen Markt baumfrische Papaya, Avocado und Chirimoya einkaufen. Welch ein Genuss!

Wir besichtigen Potosí, die einst dank Silberfunden im Cerro Rico reichste Stadt der Welt. Die Minenstadt ist ein Juwel auf über 4000müM. Ein architektonisches Füllhorn im Mestizenbarock. Dass mehr als 6 Millionen Indigenas unter der Silbergier der spanischen Konquistadoren bei unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Minen umkamen ist die Kehrseite der Medaille. Mit atemberaubenden Aussichten fahren wir dem Salar de Uyuni entgegen. Bitterkalte Nächte erwarten uns auf 3660müM, das ist es allemal wert. Wir feiern ein kleines Fest: Unsere Randulina hat bei einer kleinen Insel ihren hunderttausendsten Kilometer. Stefan mixt uns einen Caipi und anschliessend grillieren wir unser mittlerweile gut abgehangenes Rindsentrecôte aus Paraguay. Randulina bekommt in Uyuni eine Autowäsche mit Süsswasser und führt uns anschliessend durch einen Sandsturm nach Oruro. Der Sturm ist so heftig, dass wir manchmal wie blind im Auto sitzen, doch abends lockt ein Bad in einer Therme, wo wir als weisse Ausländer unter lauter Indigenas DIE Attraktion sind. Das Bad war nötig, denn unterwegs mussten wir mitten im Sandsturm eine Rettungsaktion starten und eine mit ihrem Auto steckengebliebene Frau samt zwei Kleinkindern aus einem Graben ziehen. Wir bemühen uns, das Bild des Gringos aufzubessern und hoffen, dass es für andere Reisende Früchte trägt. Südamerikaner fahren meist ohne Abschleppseil in der Gegend rum und staunen Bauklötze, wenn wir unsere Schäkel und das Seil auspacken und sie aus misslichen Situationen befreien. Für uns ist die „Bergung“ ein Kinderspiel, doch haben wir manchmal Angst, die zu rettenden Klapperkisten entzwei zu reissen.

La Paz, eine Stadt, die sich über 1000 Höhenmeter erstreckt und ihre Tentakel bis weit auf 4000müM ausstreckt ist zwar kein architektonisches Juwel, doch wir finden auch hier kleine Gassen und Sehenswertes. Interessant ist es, mit den Doppelmeyer/CWA Gondelbahnen über die Stadt zu schweben und dabei in Villengärten und Slumquartiere zu blicken. Der Camping im Schweizer Hotel Oberland ist DER Treffpunkt für Reisende und so treffen wir uns mit Schwyzern aus Reichenburg und Schweizern aus Luzern sowie Deutschen, Holländern und einem Esten. Das gibt ausführliche Gespräche bei „Zürigschnätzlets und Rösti“. Um aus dem Moloch wieder herauszufinden, brauchten wir eine Stunde und schon lockten Berge in der 6000er Dimension. Die berühmte „Death Road“ ist auch nicht mehr das was sie mal war, es gibt heute eine Alternative und die Todesstrasse ist heute eine Bike-Downhill Strasse. Doch sie ist immer noch gut genug für einige schöne Fotosujets. Da ist die Strasse entlang der Goldgräbersiedlungen von Coroico nach Mapiri und Sorata schon eher eine Todesstrecke. Weder Leitplanken noch Auffangnetze gibt es da. Nur Serpentinen, Geröllhalden, Matsch, engste Kurven und viel Verkehr. Dazu am späten Nachmittag Nebel, der uns zwingt, die Nacht auf der Passhöhe zu verbringen, ganz schön kühl auf fast 4000m.

In Sorata bei Stefan und Petra im Café Illampu mit Ausblick auf vereiste Bergriesen gleichen Namens ist es merklich wärmer. Nach einer heissen Dusche geniessen wir ein Bier auf dem Dorfplatz und beobachten das sonntägliche, an uns vorbeiziehende Landleben. Frauen sind Lasttiere, alles tragen sie in ihren Tüchern auf dem Rücken, Baby, Feuerholz, Einkäufe. Heute ist Markttag und so tragen sie auch ihre Waren zum Verkauf auf den Markt während die Männer sich ein Maisbier gönnen. Nach erledigten Geschäften steigen die Familien wieder ins Trufi (Colectivo-Minibus) und lassen sich in ihre Dörfer fahren. Mamas steifer Hut bleibt dabei immer auf!

Ja und dann ist da noch das Original, das wir sehen wollten: Copacabana! Nicht die Copacabana von Rio de Janeiro, sondern den Ort am Titicacasee, der dem Strand in Rio seinen Namen ausgeliehen hat. Ein Touristenort, Rummel, Souvenirshops und die berühmte Sonneninsel mit den Inka Ruinen, die uns nicht sonderlich beeindrucken.

Dann ein wieder mürrischer Zöllner, der durch einen Bus und uns beim Zeitunglesen gestört wird. Dabei wollen wir doch bloss ausreisen und benötigen einen klitzekleinen Ausreisestempel, einfach damit der Polizist die Barriere für uns heben kann. Bolivien, wie es leibt und lebt. Doch schön war es allemal.

Uruguay – Argentinien – Paraguay

Chui – Termas do Arapey – Salto – Estado del Iberá – Corpus – Bella Vista – Altos – Asunción – Loma Plata – Rosaleda – Filadelfia – P.N. Enciso

19. Juni 2016

Erholung in den Thermen, von Jesuiten, Mennoniten, Auswanderern und Einwanderern, neuen Batterien und Autoreifen, von Tieren und Menschen…

Uruguay empfängt uns mit Wohlbekanntem, aber in den geistigen Hintergrund gerücktem: Geruch nach überfahrenem Stinktier auf der Landstrasse, lange Eukalyptusalleen, grasendem Vieh und schönen stolzen Gauchos. Es ist kühl, wir freuen uns auf eine Auszeit in den warmen Quellen von Arapey, wo wir einige schöne Tage verbringen, sogar die Sonne zeigt sich zwischendurch, so dass wir im Freien Kaffee trinken können. Wir füllen unsere Gas Tanks auf, mit unseren uruguayischen Gasflaschen ist das für einmal kein Spiessrutenlaufen nach Adaptern sondern geht ganz flott; wir leisten uns noch eine grosse 3kg Flasche zu unseren beiden 1,5 kg Flaschen, denn wenn die Tage kälter werden, kochen wir wieder vermehrt warme Gerichte. Nach einer Woche verlassen wir das friedliche Land und reisen problemlos in Argentinien ein. In Concordia stürmen wir den Carrefour Supermarkt und decken uns mit allem ein, was wir in Bolivien sicher nicht mehr kaufen können, vor allem mit gutem Wein, feinem Käse und delikatem Rohschinken. Unglaublich wie viel Stauraum unser kleines Auto hat.

Auch in Argentinien werden Erinnerungen wach, rote Schreine und wehende Fahnen am Strassenrand, Heimat von Gauchito Gil. Ausserhalb von Mercedes ist sein Hinrichtungsort und dem Beschützer aller Autofahrer wird hier gehuldigt wie einem Heiligen. Der Souvenirhandel blüht und zwei Stunden später sind auch wir stolze Besitzer eines kleinen Gummi Gil’s, dem Stefan sofort einen Ehrenplatz auf dem Armaturenbrett einräumt.

Auf unserer Weiterfahrt geht die schöne Asphaltstrasse in eine gröbere Sandpiste über und führt uns in den „Parque National Estado del Iberá“. Ein Storch mit einer zappelnden Schlange im Schnabel fliegt über uns hinweg, Caimane liegen träge neben dem Steg beim Visitor Center, Eisvögel tauchen nach Fischen und Carpinchos trippeln über die Strasse auf dem Weg zum Campingplatz. Am nächsten Tag um 10h startet unser Boot hinaus ins Feuchtgebiet mit Lagunen und schwimmenden Inseln, Höhepunkt ist eine gelbe Anakonda, die seit einer Woche am immer gleichen Ort liegt und ihren Verdauungsschlaf geniesst. Beim Nachmittagsspaziergang gibt’s für uns eine Peepshow bei den Carpinchos, die sich bei der schönsten Sache nicht durch uns stören lassen. Ein Gürteltier verzieht sich blitzgeschwind ins Dickicht und der Corzuelo (Rehbock) stellt sich für uns in bestes fotografisches Licht. Das Zwiegespräch, das Stefan mit dem Brüllaffenmännchen führt, hätten wir aufnehmen müssen, das war eine grosse Gaudi für alle Beteiligten.

Ein völlig anderes, wirklich mystisches Erlebnis ist der Besuch der Jesuitenreduktionen in Missiones. Es stehen zwar nur noch Ruinen der bis zu 7000 Menschen zählenden Städte, doch davon geht eine ungeheure Kraft aus. Kunstvolle Steinmetzarbeiten der Guaraní-Indios die unter Anleitung der Jesuiten gearbeitet wurden, versetzen uns ins Staunen. Als die Jesuiten 1764 vertrieben wurden, verliessen die Guaranís die als Protektion gegen Sklavenhändler eingerichteten Dörfer wieder in Richtung Selva-Urwald und die Natur überwucherte alles.

Wieder einmal erreichen wir ein neues Land auf dem Wasserweg. Die Einreise in Paraguay ist ein Kinderspiel; mit einer krakeligen Schrift füllt der Zollbeamte die nötigen Papiere aus und heisst uns Willkommen. Auf dem Campingplatz in Hohenau werden wir von Ruben in deutscher Sprache begrüsst, eine Familie aus Luxemburg und eine Schweizer Familie stehen mit ihren Wohnmobilen auch schon da. Das gibt ein grosses Hallo und lange Abende. Auf der paraguayischen Bank werden wir beim Bezug von Bargeld zu Millionären gemacht, nicht so heftig wie in Venezuela, aber auch gewöhnungsbedürftig. Die Paraguayer sind wie die Uruguayer dem Mate Getränk verfallen und wir sehen kaum einen ohne Teebecher, Bombilla und Thermoskanne. Bella Vista ist das Hauptanbaugebiet des Matestrauches, dessen Blätter getrocknet, fermentiert und zu Mate Tee verarbeitet werden. Der Besuch einer „Matefabrik“ drängt sich also auf und wird mit einer Mate Zeremonie abgeschlossen. Mate wird nicht zu unserem Lieblingsgetränk, aber interessant war es allemal. Auch Ostparaguay ist bekannt für seine Jesuitenreduktionen, ganz interessant ist jene von „San Cosme y Damián“ mit ihrem Planetarium und ihrer immer noch in Gebrauch stehenden Kirche, wo wir einen Sonntagsgottesdienst besuchen. Das Wetter ist allerdings grau in grau und die Anlage wirkt dementsprechend farblos.

Da in Paraguay die Einfuhrsteuern weniger hoch sind als in den meisten südamerikanischen Ländern und in Asunción gute Autoteile zu finden sind, steuern wir Altos an, wo wir uns in Renés und Marions Nudelparadies für eine Woche einparkieren und uns in aller Ruhe in der Hauptstadt nach neuen Reifen und Batterien umsehen können. Beides wird hier fachgerecht montiert, 6 Reifen zum Preis von 5 und 2 leistungsstarke Banner Batterien, die vom Solarpanel gespeist werden und uns Strom für Licht, Kühlschrank und Heizung liefern. Seit Monaten sind diese kaputt und wir abends ohne Strom. Ein gutes Gefühl bei der Rückfahrt von Asunción nach Altos, als die starke Unwucht bei 80km/h plötzlich weg ist. Die neuen Reifen, All Terrain statt Mud Terrain sehen zwar nicht mehr so expeditionsmässig aus, liefern aber einen tollen, viel leiseren Fahrkomfort. René und Marion verwöhnen uns nach Strich und Faden und als noch Sigo und Hilu mit ihrem Pummel eintreffen, gibt’s viel zu tratschen. Gemeinsam besuchen wir den Samstagsmarkt in Altos, trinken Glühwein und kaufen Würste und Vollkornbrot und sitzen lange an der tollen Feuerstelle. Was für ein Leben!

Asunción selbst fanden wir nicht so prickelnd, schäbige Bretterbuden wo wegen Hochwasser umgesiedelte Menschen leben, stehen direkt bei den Regierungspalästen und sehen eher nach Providurium denn Provisorium aus. Eine chaotische und abgewohnt wirkende Stadt. Wir sind eingeladen bei Alexandre, den wir vor Wochen in Südbrasilien kennengelernt haben. Als brasilianischer Militärattaché arbeitet er für die brasilianische Botschaft in Asunción und wohnt sehr edel. Seine Frau verwöhnt uns mit Kaffee und Kuchen und wir verbringen mit ihnen und ihren beiden Töchtern einen sehr schönen und diskussionsreichen Nachmittag.

Bei Paraguay denkt ihr sicherlich an die Nazischergen, die hier während der Militärdiktatur Unterschlupf gefunden haben. Der Naziarzt Mengele baute in Hohenau ein Kinderspital auf, das aber nie rechtfertigt, was er in Europa verbrochen hat. Ein trauriges Kapitel. Es gibt aber auch ein anderes Kapitel, das von ganz normalen Auswanderern geschrieben wird. Es sind Auswanderer, v.a. aus Deutschland und der Schweiz, die sich in Ostparaguay und Mennoniten, die sich im Chaco niedergelassen haben. In den 20iger Jahren trafen die ersten Wiedertäufer via Preussen, Russland, China, Frankreich und Kanada in Paraguay ein. Mennoniten, ihr Ursprung war die Schweiz, verweigern Kindertaufe, Wehrdienst und den Schwureid und waren nirgends gerne oder lange gerne gesehen. Ein arbeitsames Volk, welches eben in Westparaguay, im Chaco unter widrigsten Umständen Paraguays Landwirtschaft aufgebaut hat wo vorher nichts war ausser Einöde. Man hört Plattdeutsch, die Ortsnamen tragen die Namen der verlassenen Heimatorte. In den Heimatmuseen von Loma Plata und Filadelfia wird die tragische Geschichte „Bis hierher hat uns der Herr geholfen“ aufgearbeitet. (siehe Wikipedia).

Wir besuchen die beiden Schweizer Ricardo und Susanne, die uns viel vom Leben in dieser trockenen Savanne erzählen, und besuchen mit ihnen einen Spital und eine Schule für Indios, die von Mennoniten aufgebaut und grösstenteils finanziert werden.

Die staubige Transchaco Piste führt uns nach Rosaleda, wo sich 1992 Schweizer im tiefsten Chaco niedergelassen haben. Seit 3 Monaten gibt es Strom, vorher gab’s den nur per Generator. Wir lassen uns von Ernst, der einen wunderschönen Garten mitten in der Wildnis angepflanzt hat seine Lebensgeschichte und die Geschichte von Rosaleda erzählen. 400mm Regen pro Jahr, eine der wasserärmsten Regionen der Welt, bis zu 45 Grad im Sommer, eiskalte Winternächte, Sandstürme und Einsamkeit, ein Dickicht aus Dornengebüsch, hier muss man mit sich im Reinen sein, sonst wird das Überleben zur Qual.

Und trotz allem ist Paraguay auch heute noch ein klassisches Auswandererland für Deutschsprachige, die Freiheit scheint fast grenzenlos zu sein.

Der pudrig feine Staub der Piste sitzt einmal mehr in allen Ritzen und wir sind froh, dass die Transchaco ab La Patria zur bolivianischen Grenze hin asphaltiert ist. In flottem Tempo geht es weiter, begleitet von den typischen Flaschenbäumen. Wir denken zurück an jene, die uns so freundlich aufgenommen haben, herzlichen DANK!

Südbrasilien

Foz do Iguaçu – Treze Tílias – Florianópolis – Gramado – Bento Gonçalvez – São Simão – Rio Grande – Chui

15. Mai 2016

Temperatursturz in Südbrasilien, deutsches Brauchtum, Schuhplattler und italienischstämmige Weinkellereien in Verbindung mit atemberaubenden Fahrten direkt am Sandstrand bis in den Grenzort Chui. Ein letzter Erlebnisbericht aus einem Land, das wir liebgewonnen haben und mehr bietet als Karneval, Samba und Churrasco. Interesse geweckt, dann lies weiter.

Wir kommen an einem Freitag in Foz do Iguaçu an, es ist heiss und wir nutzen den Swimmingpool bis am Samstag intensiv. Doch nach einem starken Gewitter am Sonntag kühlt es um fast 20 Grad ab. Nachts zeigt das Thermometer 7 Grad, wir rollen die warmen Decken wieder aus und tagsüber suchen wir die Sonne, mehr als auch schon. Ungewohnt für uns, denn mehr als 8 Monate lebten wir mit Temperaturen um die 35 Grad oder mehr (und wir lebten gut damit)! Den tollen Nebeneffekt des Regens habt ihr schon zu sehen bekommen, die Fälle von Iguaçu führen gigantisch viel Wasser den Bach, respektive den Rio Iguaçu runter. Nach diesem Gewitter will die Wärme nicht mehr so richtig kommen, es wird auch in Südbrasilien Herbst, und hie und da sehen wir ihn auch – farbige Bäume und fallende Blätter wie daheim. Im übertragenen Sinne befinden wir uns ebenfalls im Herbst, die Zeit in Brasilien läuft langsam aus. Unsere Visa sind bis 31. Mai gültig, doch wir wollen vorher ausreisen, da wir Mitte Juni von lieben Freunden in Bolivien und Mitte Juli von lieben Schweizerfreunden in Lima erwartet werden. Das nennt sich im Leben A Terminkalender! Doch zurück nach Südbrasilien, wo wir die Zeit intensiv geniessen.

Südbrasilien bietet dauergewellte Landschaft mit Araukarien als bis zu 50m hohe Blickfänger. Die stolzen Bäume, die erst im Alter von etwa 100 Jahren die unteren Äste abwerfen, haben wir schon in Chile bewundert, allerdings unterscheidet sich die brasilianische Art sehr von der chilenischen. Am Strassenrand werden wir bald auf die Pinhão-Verkäufer aufmerksam. In ihren kleinen Verschlägen kochen sie die Araukarienkerne weich und verkaufen sie für wenig Geld. Die nahrhaften Kerne erinnern uns geschmacklich an Marroni und sorgen für Abwechslung auf dem Speiseplan. Über Schotterstrassen, weil wir dem dichten Verkehr ausweichen wollen, gelangen wir immer tiefer ins Hügelland, dort wo es schliesslich aussieht wie daheim und unser Navi 1000müM anzeigt, dort wo die Gärtnereien Stiefmütterchen verkaufen, dort wo statt Zebu-Rinder, Holsteinisches Fleckvieh grast und die Molkerei „Tirol“ heisst, dort steht das Dorf „Dreizehnlinden“ oder Treze Tílias. Ein aussergewöhnlicher Ort mit Häusern, wie sie sonst nur im Tirol oder im deutschen Alpenraum stehen, Geranien vor den Fenstern, Gems- und Hirschgeweihe über dem Hauseingang, einem Maibaum und Holzschnitzern wie eben im Tirol. Da es kein Touristenbüro gibt, fragen wir im Hotel Tirol nach einem Campingplatz und siehe da, der freundliche Herr aus dem Trento, der in Lederhosen und Filzhut die Reception führt meint, wir dürften gratis auf dem Parkplatz des Hotels übernachten. Perfekt, es ist kalt und wir freuen uns, dass die Wellnessanlage auch uns zur Verfügung steht. Frisch gebadet und eingekleidet geht’s ab in die gute Stube mit dem offenen Feuer wo nach dem Abendessen die grosse Tirolershow stattfindet. Jungs und Mädels, blond und schmal, eingekleidet in Tirolertrachten tanzen zum Zillertaler Hochzeitsmarsch und zum Kufsteinerlied und ihr Schuhplattler ist nicht vom echten Tirolerplatteln zu unterscheiden. Die meisten haben Tiroler- oder Südtiroler Wurzeln, einige sprechen noch fliessend Deutsch. Treze Tílias ist für uns das typischste aller deutschsprachigen Dörfer. Eben auch hübsch gelegen.

Wir treffen uns mit Paul und Elsbeth in Blumenau, das als deutsche Hochburg gilt, eigentlich ist es nur am Oktoberfest einen Besuch wert und wird völlig überbewertet. Die Fassade ist lustig, das Eisbein saftig, das Kasseler trocken, nachspülen tun wir mit Bier, das die Deutschen hier in Varianten nach dem Reinheitsgebot brauen.

Gemeinsam verschlägt es uns in Pomerode an einen Seniorennachmittag, wo die ältere Generation zu deutscher Volksmusik das Tanzbein schwingt und wir eigentlich nur unseren Kaffeegutschein einlösen möchten. Aber gut deutsch organisiert, müssen wir bis 15Uhr warten, bevor wir uns in die Reihe stellen dürfen um unseren Cafe Colonial abzuholen. Der Teller biegt sich unter der Last von Sandwiches und Kuchen und erinnert stark an den englischen 5 O’Clock Tea.

Die Einwanderungsgeschichte aus dem deutschen Sprachraum, die im 19. Jahrhundert begann, teilweise eingeleitet von der damaligen Kaiserin Leopoldine, der Frau des brasilianischen Kaisers hat Spuren bis in die Gegenwart hinterlassen. Und darauf ist man in Brasilien mächtig stolz.

Uns zieht es ans Meer und so wir reisen alleine weiter. (@ P&E: Gute Fahrt und schöne Heimreise). Bei Florianópolis sind die Küstenstreifen stark überbaut, der Süden ist dicht bevölkert, ist Industriestandort, ist reicher als der Rest des Landes. Die mondänen Wolkenkratzer gefallen uns nicht, wir stehen lieber in einem Vorort bei den Fischern. Doch dann fällt auch hier das Wetter zusammen, eine erneute Kaltfront bricht herein und weil es in den Küstenorten in der Nachsaison aussieht wie bei uns in den Wintersportorten fahren wir zurück in die Hügel nach Gramado, einem Schauplatz der speziellen Art. Überall ein bisschen Kitsch und bald wird es zuviel, doch was Gramado bietet, das ist Superkitsch. Im brasilianischen nebelverhangenen „Sankt Moritz“ steht eine Fonduebeiz neben der anderen, es fehlen nur die Marronihäuschen, Samichläuse und Weihnachtsdeko gibt es zuhauf und eine Indoor Skianlage fehlt auch nicht. Den Brasilianern gefällt‘s und wir schmunzeln über das selbstverliebte Volk, das einmal mehr für ein Selfie posiert Das wird uns bald zu blöd und wir wenden uns den Italienern zu, welche ebenfalls in diese dauergewellte Landschaft auswanderten und ihre Weinkultur mitbrachten. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gründeten die Auswanderer aus dem Veneto ihre Weingüter in der Gegend von Bento Gonçalvez. Brasilianer trinken eher süssen Wein, wenn überhaupt, so sind wir sehr skeptisch, werden jedoch positiv überrascht. Beim ersten Weingut „Marco Luigi“ gibt’s einen sehr guten Rotwein aus der Portweintraube Touriga Nacional. Die Gegend ist aber vor allem für Schaumweine bekannt, und auch hier werden wir positiv überrascht. Stilecht übernachten wir auf dem Weingut Casa Valduga – auf dem Parkplatz im Auto weil wir nach der Degustation von 6 Rotweinen und 6 Champagnern nicht mehr fahrfähig sind. Als Dank kaufen wir eine Flasche Marselan. Diese Traubensorte, eine Kreuzung aus Cabernet-Sauvignon und Grenache ist eine echte Entdeckung. Sehr fein!

Und nun hält uns nichts mehr, wir wollen wieder an den Atlantik. Die Destination, die wir anstreben liegt am äussersten Südzipfel Brasiliens und bietet Strandfeeling vom Feinsten. Lagoa do Peixe, die fischreiche Lagune bietet dank ihrem Nahrungsreichtum tausenden Vögeln einen Überwinterungsplatz und uns dank ihrer Ausdehnung und Einsamkeit nochmals richtiges Strandfeeling. Stichstrassen führen von der BR 101 hinunter ans Meer, wo es möglich ist, direkt am Strand zu fahren und dort mutterseelenallein zu campen. Brasilien besitzt wundervolle Strände; auch wenn es jetzt kühl ist und wir den Friesennerz überziehen, geniessen wir es in vollen Zügen. Lange ausgedehnte Strandspaziergänge am Nachmittag und anschliessend einige Runden Yatzee in der warmen Kajüte unsere Randulina oder den letzten Caipirinha im Sonnenschein am Nachmittag nach 200 km Strandfahrt von Leuchtturm zu Leuchtturm entlang der Lagoa Mangueira runden die Tage ab. Ab und zu treffen wir auf Fischer, die ihre riesigen Netze einnehmen, Möven streiten sich um die Abfälle, streunende Hunde suchen ebenfalls nach Essbarem und lagern sich um unser Auto in der Hoffnung, etwas von unserem Filet abzukriegen. Nur einmal müssen wir wegen der Flut forfait erklären und für ein kurzes Stück zurück zur Teerstrasse. Für ein Bad im Atlantik samt Auto ist es uns doch zu kalt und wir wollen unser Häuschen auch nicht unnötig vermeidbaren Gefahren und Risiken aussetzen.

Wir erreichen Chui am 15. Mai 2016, wo wir 20 Monate vorher bereits einmal waren. Wir sind gespannt, wie wir diesen Grenzort heute empfinden werden. Letztes Mal, als Reiseanfänger kam er uns hässlich vor, und heute – immer noch! Es hat sich nichts geändert. Die Zollformalitäten sind in kurzer Zeit erledigt und wir reisen in Chuy Uruguay ein, wo ein freundlicher Zöllner uns mit „Willkommen in Uruguay“ begrüsst. Wir sehen mit Wehmut nach Brasilien zurück. Até logo!

Die Wasserfälle von Iguaçu

28. April 2016

Einmal mehr stehen wir in unserem Leben staunend da und lassen die ungeheure Schönheit der Natur auf uns einwirken. Inmitten riesiger Wälder stürzen sich je nach Jahreszeit und Wasserstand des Rio Iguaçu, was in der Sprache der Tupi Indios ‘Grosse Wasser‘ bedeutet, 250 – 270 Wasserfälle in Kaskaden oder im freien Fall bis zu 90 m über Basaltfelsen um sich 20 km talauswärts mit dem Rio Paraná zu vereinigen, der die natürliche Grenze zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay bildet. Höhepunkt ist die Garganta del Diablo, der Teufelsschlund, wo wir auf argentinischer sowie auf brasilianischer Seite auf einem Steg mitten im nassen Geschehen stehen. Die Wassermassen donnern, brausen und spritzen an uns vorbei. Die Gischt verdeckt die Sicht, die Sonne zaubert Regenbogen und tausende Schmetterlinge verzaubern uns. Es ist schlicht unbeschreiblich, deshalb lassen wir Bilder sprechen…

Estrada Real

Brasília – Diamantina – Parque Nacional Serro do Cipó – Caraça – Ouro Preto – Tiradentes - Congonhas

25. April 2016

Nachdem ich in Brasília auf dem Campingplatz der Jugendherberge unsere Wäsche in Schuss brachte (mit einer Waschmaschine ohne Spül- und Schleuderprogramm, ja das gibt’s) und gleichzeitig ein Buch las, dessen Hauptakteurin eine Waschfrau war, sind wir weitergereist und haben die architektonisch wertvolle Stadt definitiv hinter uns gelassen.

Wir übernachten zum ersten Mal an einer Tankstelle, nach 400 km haben wir keine Lust mehr, ein Schlafzimmer in der freien Wildbahn zu suchen. Es ist aber nicht irgendeine, sondern eine sehr schöne, wo wir Aussicht auf einen Stausee mit perfektem Sonnenuntergang haben und wo anschliessend ein Buffet aufgetischt wird, das sogar wir beide als Buffetverächter geniessen. Zig Salate und Gemüse, Kartoffeln, Süsskartoffeln und Maniok in Varianten, Bohnen und zartestes Fleisch von riesigen Spiessen, am Feuer grilliert. Die Kundschaft besteht vornehmlich aus Lastwagenfahrern, daher auch budgetfreundlich. Die Nacht ist nicht so ruhig, immer wieder fährt ein Laster ab und einer kommt neu dazu, morgens um 5 Uhr ist die Welt gar nicht mehr in Ordnung, alle fahren ab, nur wir bleiben stehen und sind wach. Trotz sauberen Gratis-Sanitäreinrichtungen ist das Tankstellencamping nicht unser Ding.

Minas Gerais, von diesem brasilianischen Bundesstaat habt ihr schon gehört, zumindest dass irgendwo in Brasilien Ende des letzten Jahres zwei Rückhaltedämme einer Mine gebrochen sind, sich das mit Schwermetallen angereicherte Wasser in den Atlantik ergoss und riesige Schäden an Fauna und Flora anrichtete. Kaum eingereist, sehen wir auch schon die erste grosse Mine und fotografieren. Die Securities sind gleich zur Stelle: Não fotografar, não permitido… ich drück schnell ab. Seit Jahrhunderten wird in Minas Gerais die Erde ausgebeutet – Gold, Metalle, Diamanten. Das Königreich Portugal erfreute sich lange an diesem Reichtum, afrikanische Sklaven bauten eine Strasse von Paraty und Rio de Janeiro nach Diamantina, die Estrada Real. Tropeiros, Maultiertreiber brachten Verpflegung für die Arbeiter ins Landesinnere. Zeitzeugen sind alte Sustdörfer auf der Strecke. Hübsch und gepflegt sind die kleinen Städte mit ihrer Kolonialarchitektur und ihrem Brauchtum. Der unermessliche Reichtum ermöglichte in diesem Gebiet eine aussergewöhnliche Architektur und der Tropenbarock zeigt sich in Minas Gerais von seiner schönsten Seite. In Diamantina treffen wir ein, als eine Vesperata, in Italien wäre das eine Serenata, stattfindet. Wir finden in Paul und Elsbeth zwei Begleiter. Sie sind wie wir unterwegs und offen für vieles. So macht es richtig Spass. Nach regem Austausch und grossem Plausch sitzen wir da und lauschen der Musik. Richtig schräg, sind wir an einer Guggenmusikveranstaltung? Die Stimmung ist wunderbar, die Musiker posaunen von den Balkonen herab, jeder beherrscht sein Instrument: Laut! Auf einem Podest fuchtelt der Dirigent, doch das Zusammenspiel als Orchester braucht noch Zeit. Wir geniessen zu viert Picadinha, knuspriges Filetgeschnetzeltes und Batatas fritas.

Die Estrada Real ist grösstenteils eine gebirgige Schotterstrasse, die uns viel Staub ins Auto bringt, teilweise gepflastert oder auch erholsam asphaltiert. Sie führt uns an viele Wasserfälle und in den Parque Nacional Serro do Cipó. Hier tauschen wir das Auto mit unseren Velos und fahren….. richtig, zu einem Wasserfall. Auf 8 km hab ich zweimal platt und Stefan muss flicken. Meine Stimmung ist auf dem Nullpunkt, hoffentlich hat der Wasserfall wenigstens Wasser und ein Badebecken. Wie schon hunderte Male mit dem Auto fahren wir jetzt mit den Velos durchs Wasser, radeln durchs hohe Gras und kommen dann doch noch dazu, unseren Zvieri beim „Cachoeira da Farofa“ zu verdrücken. Das Wasser im Pool ist herrlich erfrischend. Zurück auf dem Campingplatz genehmigen wir uns einen Caipirinha, der auch ordentlich einfährt, aber das haben wir uns verdient. Richtig gebirgig ist es auch in Caraça, wo ein altes Kloster liegt und viele einflussreiche Persönlichkeiten zur Schule gingen. Hier gibt es Mähnenwölfe (und Elsbeth und Paul). Die scheuen Tiere, eher hochgewachsene Füchse, werden von den Mönchen mit Fleisch angelockt. Wir schlafen in einer Klosterzelle, weil Camping nicht gestattet ist. Der Ort strahlt Ruhe und Kraft aus und die Stimmung hier ist mystisch. Es ist kalt in den Bergen und durchgefroren schlafen wir ein. Paul stand irgendwann nochmals auf und es gelang ihm, das seltene Tier zu fotografieren.

Gemeinsam erkunden wir Ouro Preto, die in Hügel eingeklemmte steile Stadt, schlendern durch die Gassen und erfreuen uns an den schönen Häusern, den Cafés und den Souvenirgeschäften. Das Mineralienmuseum mit seinen tausenden Edelsteinen verlangt uns fast zu viel ab, aber es sind sogar einige Steine aus der Schweiz ausgestellt. In der alten Goldmine müssen wir uns klein machen, das muss eine harte Arbeit gewesen sein, die Lebenserwartung betrug denn auch nur 30-35 Jahre. Arbeiter waren ebenfalls afrikanische Sklaven, ganze Stämme wurden per Schiff von Afrika direkt nach Südamerika „importiert“.

Immer wieder begegnet uns ‚Aleijadinho‘. Der kleine, von Lepra verkrüppelte Mann war Meister der barocken Bildhauerkunst. Jede Stadt, die es sich leisten konnte, verpflichtete ihn beim Kirchenbau. Seine in Speckstein gehauenen Figuren sind aussergewöhnlich ausdrucksstark. Ein Juwel diesbezüglich ist Congonhas.

Am Sonntag besichtigen wir Tiradentes. Wieder so ein Kleinod, für uns allerdings fast zu schön hergerichtet, es scheint nur für Touristen zu bestehen, die auch sehr zahlreich mit Kutschen durch die Strassen chauffiert werden. Wir setzen uns in eine Bar und schauen dem Treiben zu, bevor wir zu Hans auf seinen Camping João Mineiro zurückkehren.

Tags darauf verabschieden wir uns von dieser schönen Gegend. Vor uns liegen rund 1‘500 km zu den Wasserfällen von Iguaçu.

Brasília – Eine Hauptstadt des 3. Jahrtausends

06. April 2016

Wir sind bereits zweimal in einer Stadt, die wir ursprünglich gar nicht besuchen wollten, sie zog und zieht uns immer noch in ihren Bann. Die ganze Stadt ist ein Kunstwerk und nach viel Natur tut das der Seele ebenfalls gut.

John Bosco, italienischer Priester und Stadtheiliger Brasílias sagte 1883 voraus, dass zwischen dem 15. und 16. Breitengrad eine Stadt gebaut werde, die an einem künstlichen See liege und eine neue Zivilisation entstehen würde. Genau so geschah es. Eine neue Zivilisation ist zwar nicht entstanden, wenn man davon absieht, dass die Einöde bevölkert wurde, Land an Sekten günstig abgegeben wurde, damit mehr Menschen hierher ziehen und Rio de Janeiro als Hauptstadt abgelöst wurde.

Brasília entstand 1955 als neue Hauptstadt des Riesenstaates Brasilien mitten im Landesinnern. Initiator war der damalige Staatspräsident Juscelino Kubitschek sowie Städteplaner Lucio Costa, Landschaftsarchitekt Roberto Burle Marx und Architekt Oscar Niemeyer. Als Künstlerin, für viele wunderschöne Glasarbeiten in den Regierungsgebäuden kam später Marianne Peretti als einzige Frau ins Team, von der wir im Museo Nacional eine schöne Ausstellung ansehen konnten.

Entstanden ist eine Hauptstadt, die wirklich visionär ist, aus der Luft aussieht wie ein Flugzeug, der Verkehr auf 8 spurigen Strassen sorgfältig gelenkt wird und mittels riesigen Kleeblättern in andere Richtungen geführt wird und ausserdem die Fussgänger vergessen gingen. Alle Prachtbauten von Niemeyer befinden sich an der Eixo Monumental, die den Rumpf des Flugzeugs bildet, die Seitenflügel, Asa Norte und Asa Sul beherbergen Büro-, Hotel- und Wohnkomplexe.

Brasília ist eine sehr grüne Stadt, riesige Parks mit Bäumen aus ganz Brasilien bilden die grüne Lunge. Wasser und Wassergärten bilden einen wichtigen Akzent bei der Gartenplanung um die Palacios.

Nur gerade 10km ausserhalb des Cityzentrums befindet sich ein Nationalpark wo Ameisenbären, Affen, Gürteltiere, Mähnenwölfe und viele Vögel leben.

Wir haben uns mit dem Auto die Stadt angesehen, sind trotzdem Kilometer weit in der sengenden Hitze gelaufen und wollen euch einige Bilder nicht vorenthalten. Uns hat die aussergewöhnliche Architektur gefallen, und drum sind wir auch ein zweites Mal hierher gereist. Wie sagt man so schön, es lag grad an der Strecke. Aber schaut selbst.

Jalapão – P. Estadual Terra Ronca – P. Nacional da Chapada dos Veadeiros

Palmas – Mateiros – Dianópolis – Luís Eduardo Magalhães – Sao Domingos – São João – Nova Roma – Alto Paraiso de Goias

04. April 2016

Wir verbringen viel Zeit in Nationalparks, schlafen auf Grund und Boden des Drogenbarons Pablo Escobar und feiern Ostern in einem ausgetrockneten Bachbett. In kurzer Zeit war viel los und während Stefan die Weiterreise plant, lasse ich die vergangenen Tage Revue passieren und versuche eure Aufmerksamkeit zu erheischen.

Allen die sich fürs Wetter interessieren ist zu sagen, dass die Sonne täglich am blauen Himmel steht, auf dem fast immer Schäfchenwolken spazieren. Tagsüber heiss, nachts nehmen wir schon mal die Decke hervor, denn es herrscht ausgeprägtes Kontinentalklima.

In Palmas füllen wir nach erfolgreichem Abschluss der Aufenthaltsbewilligung unseren Kühlschrank auf und fahren aus der Stadt heraus. Wir zuckeln durch eine einsame Gegend, keine Dörfer einfach nichts und finden einen wunderschönen Übernachtungsplatz hinter verwitterten Felsen. Zwei türkisfarbene Grosspapageien begrüssen uns mit lautem Gekrächze. Ich koche zur Abwechslung wieder einmal Thailändisch und backe anschliessend Stefans Geburtstagskuchen. Ihm setzt sich eine Tarantel auf den Fuss und wir wuseln jetzt etwas vorsichtiger auf unserem Plätzchen herum. Tocantins ist ein junger Staat, dessen heutiges Gebiet aus unerfindlichen Gründen 1988 vom Staate Goias abgetrennt wurde. Bei der Staatsgründung wird ein bisschen besser hingeschaut und ein Anwesen des kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar kommt zum Vorschein. Escobar wird enteignet und das Anwesen geht in den Besitz des Staates Tocantins über. Heute ist es das Eingangstor zu einem Wasserfall mit gigantischen Wassermassen und einem kleinen Sandstrand am Fluss. Landschaftlich könnt ihr euch ein afrikanisches Savannengebiet vorstellen, selbstverständlich ohne Elefanten und Giraffen. Dieses weitläufige Grasland mitten im Amazonasbecken ist extrem abgelegen, dazu unfruchtbar und lange praktisch unzugänglich. Dazwischen folgt eine Dünenlandschaft, die zwar nicht so spektakulär ist, wie das was wir bisher an Dünen gesehen haben aber wir finden einen spektakulär schönen Übernachtungsplatz in einem ausgetrockneten Flussbett. Gerade richtig um hier die Ostereier zu tütschen. Wir halten an unseren Traditionen fest, sie unterbrechen den Reisealltag, reisen wir doch kalenderlos und praktisch ohne Termindruck. Nach dem Morgenritual fahren wir weiter, wenn wir Hunger haben halten wir an, wenn es was zu entdecken gibt, bleiben wir eine oder mehrere Nächte in der Gegend. So einfach ist unser Leben. Der Jalapão bietet neben Savanne und alten Tafelbergen einige angenehme Nebensächlichkeiten, die für uns bald zur Hauptsache werden: „Fervedouros“. Der Reiseführer beschreibt dieses Phänomen als blubbernde Thermalquelle, was aber so nicht stimmt. Thermal wäre ja warm, aber die Blubberquelle ist kalt, sehr kalt und eigentlich eine Topfquelle, die durch den Sandboden nach oben blubbert. Es gibt einige Fervedouros in der Gegend und sie werden gut gepflegt von Nachfahren ehemaliger entlaufener afrikanischer Sklaven, die sich in diesem afrikaähnlichen Gebiet äusserst heimisch fühlten. Wir bezahlen gerne die kleinen Eintrittsgebühren und finden überall fast kreisrunde türkisfarbene kristallklare mehr oder weniger sprudelnde Wasserbecken vor, umwachsen von Bananenstauden, Heliconias und anderen tropischen Pflanzen. Kolibris surren durch die Luft, Schmetterlinge jagen sich und die kleinen grünen Papageien vollführen ein Geschrei. Wir fühlen uns paradiesisch.

Da winkt uns doch tatsächlich jemand, es sind Overlander. Also schnell hin, denn ein kleiner Schwatz unter Gleichgesinnten tut immer gut. Die Overlander kommen aber nicht aus USA oder Europa, für einmal sind es Brasilianer, die ihr eigenes Land mit einem Pickup mit Kabinenaufsatz bereisen. Sie erzählen uns von ihrem Abenteuer bis hinauf nach Alaska und zurück. Diese Reise liegt noch vor uns. Bald verschiffen die Beiden ihr Gefährt nach Asien. Wir wünschen Amandio und Joselle dazu viel Glück. Gemeinsam fahren wir zu einem kleinen Wasserfall und kehren zum Übernachten wieder an das schöne Fervedouro zurück. Natürlich gibt es einen langen Abend mit Infoaustausch und Insidertipps. Am nächsten Tag besuchen wir miteinander eine Kunsthandwerkerkooperative, welche Korbwaren aus Savannengras verkauft. Erstaunlich was flinke Hände aus dem trockenen goldgelben Gras herstellen.

Zum Abschied wollen wir noch eine Glacé aus örtlichen Früchten degustieren, aber die Eisbar ist leider geschlossen. So geht es uns immer wieder, wir möchten gerne irgendwo einkehren, aber entweder ist nur zum Mittag- oder zum Nachtessen geöffnet. Finden wir mal mit viel Glück ein hübsches Café in einem Touristenort, wird sicher nur Frühstück serviert, die Kaffeemaschine gereinigt, es gibt ein Wasserproblem oder man öffnet nicht vor 18 Uhr. Aber wer will schon um 18 Uhr Kaffee und Kuchen! Nein, dann geht man auf ein Bier oder einen Caipirinha, wenigstens in touristisch attraktiven Orten, nicht auf dem Land. Da gibt’s nichts dergleichen. Man bleibt daheim und hängt in der Hängematte ab, denn Geld für den Ausgang ist nicht vorhanden und Arbeit schon gar nicht.

Also dann weiter auf der Rumpelpiste mit Löchern und rotem Staub, hunderte von Kilometern haben wir schon so zurückgelegt. Aber Asphalt ist oft auch nicht besser, Stefan fährt zick-zack Kurs um die riesigen Löcher herum, vor jedem Dorf heisst’s aufgepasst: Schwelle, da gibt es ganz heftige mit Löchern davor und danach, hinten rumpelt das Geschirr und die Eier hüpfen im Kühlschrank, neben den Schwellen steht schon grad die Autowerkstätte, oder ist es umgekehrt? Meist steht da noch eine Bar, wo heiss diskutiert wird, welcher Lenker die üble Verkehrsbehinderung am elegantesten überwunden hat.

Auf unserer Strecke folgen nach der Savanne wieder einmal die riesigen Felder der wenigen Fazendas. Keine Frage, wir sind wieder eine kurze Weile im extrem fruchtbaren Staat Bahia. Mehr als 300km kein Dorf, keine Stadt nur ab und zu Fazendas mit den phantasievollen Namen wie Bonanza, High Chaparal, California, South Fork, Espirito Santo zum hundertsten und Santa Clara zum zweihundertsten Mal. Die Mähdrescher kämpfen GPS gesteuert gegen Bohnen, die Lastwagen stehen für deren Abtransport am Feldrand bereit, die riesigen Traktoren bearbeiten das Land gleich weiter, es riecht nach Unkrautvertilger und die Welt wird ernährt. Dass Luís Eduardo Magalhães das landwirtschaftliche Zentrum ist sieht man vor allem an den Vertretungen landwirtschaftlicher Fahrzeuge. Ein Traum für kleine und grosse Traktorenfans. Ein Restaurant mit funktionierendem Wifi zu finden ist kein Kinderspiel und am Ende landen wir in einer Burgerbude und verspeisen bei gut funktionierendem Internet einen Burger „LandRover“.

Die Weiterfahrt Richtung São Domingos erinnert landschaftlich an das vorher beschriebene – Felder und dann Szenewechsel an der Grenze zu Goias – NICHTS ausser etwas Weidewirtschaft und grossartiger Natur und Staubpisten, wir fahren eine Alternativroute nach Brasilia, die ihren Namen redlich verdient.

Der „Parque Estadual Terra Ronca“ lockt mit riesigen Höhlen, wo Bäche für einmal in die Höhlen hinein fliessen, meist ist es ja umgekehrt. Die Holperfahrt geht weiter via Nova Roma, teils fahren wir auf schierem Fels oder Pisten mit kindskopfgrossen Bollensteinen, Brücken gibt es keine, doch da die Regenzeit vorbei ist, sind diese Bachüberquerungen nicht wirklich abenteuerlich. Erst nach 70 km für die wir etwa 4 Stunden benötigen, kommen wir zur Asphaltstrasse bei Teresina da Goias. Es ist merklich kühler, wir befinden uns in einem Hochmoor auf 1500müM. Wir freuen uns auf den schönen Campingplatz Pacha Mama ausserhalb des Kleinstädtchens Alto Paraíso de Goias. Hier quartieren wir uns für die nächsten 3 Tage gemütlich ein und besuchen den „Parque Nacional da Chapada dos Veadeiros“, der zum UNESCO Naturerbe gehört, die meisten Attraktionen, vorwiegend Wasserfälle, liegen allerdings ausserhalb. Die einfachen Wanderwege zu Wasserfällen und Canyons sind eindrücklich und die Badepools erfrischend. Im „Vale da Lua“ fühlen wir uns weniger in einem Mondtal sondern vielmehr im Verzasca- oder Maggiatal im Tessin und am spektakulärsten sind wohl die Wasserfälle des „Reserva da Piedra“, wo sich etwa 6 Wasserfälle auf einer Länge von 1800 m in die Tiefe stürzen und wiederum erfrischende Badebecken füllen.

Abends sitzen wir fröstelnd unter dem Sternenmeer, Orion, Sirius, Stier und Kreuz des Südens schauen auf uns herab und es ist uns sogar gegönnt, einen Satelliten auszumachen. Ob es „Lisa Pathfinder“ ist, deren Start wir in Französisch Guyana miterleben konnten?

Chapadada Diamantina

Lençois – Mucugé – Capão – Palmeiras – Ibotirama – Barreiras – Palmas

23. März 2016

Wir haben Rio noch fast eine Woche weiter genossen, haben uns der modernen Architektur gewidmet, unsere Gasteltern Fiona und Robin zum Essen ausgeführt und bei Alison Caipirinha gemixt und dabei fantastische Sonnenuntergänge und Gewitterregen auf der Terrasse ihres Penthouses erlebt. Der Flieger brachte uns an einem Sonntagmorgen nach Brasilia zurück und dort sind wir in den Express Bus nach Lençois gestiegen, wo unsere Randulina auf dem Campingplatz brav auf uns wartete. Ihr deutsches Gspänli haben wir in Rio getroffen, ach wie ist die Welt so klein.

Jetzt zieht es uns vorwärts, so schön es ist in Hotelbetten mit makelloser Bettwäsche und funktionierenden Duschen zu residieren, so schön ist das eigene kleine Daheim wieder.

Der Nationalpark Chapada Diamantina ist riesig, mit Sarah machten wir eine Wanderung zu den Aguas Claras und auf den Morro do Pai Ignácio mit wunderbarer Aussicht, aber die Chapada bietet noch mehr. Im esoterisch angehauchten Valle do Capão unternehmen wir eine Tageswanderung Richtung Valle Pati. Die Tafelberge erinnern im Morgengewölk eher an die schottischen Highlands, doch sobald sich die Wolkenschleier lüften, wird es heiss und wir wissen genau wo wir uns befinden. Bei fast 40 Grad wandern wir die nächsten 4 Stunden über die Hochebene und freuen uns auf ein kühles Panaché unten im Tal. Abends im Restaurant erhöhen wir den Altersdurchschnitt um fast die Hälfte. Uns fehlt nebst langem Bart und Rastas auch der Schlabberlook. Also machen wir uns auf zu den Höhlen, von denen es in der Chapada Diamantina einige gibt, genauso wie Wasserfälle. Die Höhlensysteme sind einzigartig. Riesige Hallen versetzen uns ins Staunen. Trotzdem müssen wir ab und zu über Felsblöcke kraxeln und auf allen vieren kriechen, um in die nächste Halle zu gelangen. Spektakulär sind die Stalaktiten, die sich hier über Tausende von Jahren gebildet haben, nicht hallenfüllend, sondern klein und zart und fast zu übersehen. Entgegen der Schwerkraft wachsen filigrane Gipsblumen wunderkerzengleich aus den Höhlendecken, aus dem Boden spriessen spitzige Quarznadeln, 60m lange Tropfsteinvorhänge oder zweifarbige Stalagmiten sorgen für Ah und Oh. Und dass wir vor dem Höhleneingang mit unserem Auto campen dürfen ist das Pünktchen auf dem i.

Nebst den trockenen Höhlen sind da noch die Grutas, die Poços, das sind jene Höhlen, die mit kristallklarem Wasser gefüllt sind. Das Poço Encantado ist 60m tief, das Wasser ist fast blauer als der Himmel, wir sitzen ehrführchtig da und staunen, oder das Poço Azul, wo man mit einer Schwimmweste ausgerüstet wird und sich im Höhlenbad treiben lassen kann. Das Wasser ist so klar, die Augen müssen sich zuerst daran gewöhnen; ist es Spiegelung oder Höhlengrund?

Und nebst all dem, gibt es in der Chapada Diamantina auch noch das Feuchtgebiet Marimbus, das zwar nicht so tierreich ist, aber an den Pantanal erinnert. Hier gönnen wir uns am frühen Morgen eine Paddeltour mit Schwimmstopp, Wasser ist immer gut, denn die Strassen sind staubig und die Hitze gross. Sogar die Landschildkröte flüchtet sich unter die Kanus. Nur den Libellen scheint die Wärme nichts auszumachen, sie surren nervös um Wasserhyazinthen und Lotusblumen.

Ein Blick in unseren Pass zeigt, dass wir uns nun langsam auf den Weg in die Hauptstadt eines Estados machen müssen, denn unsere Aufenthaltsbewilligung läuft aus. So fahren wir also weiter in den Staat Tocantins nach Palmas. Der Weg dahin führt durch riesige Ackerflächen Bahias. Bis an den Horizont Bohnen, Soja und Baumwolle. Und kaum erreichen wir Tocantins findet ein abrupter Szenewechsel statt. Die Felder weichen Tafelbergen und Weideland. Palmas ist eine junge Stadt, 1988 nach dem Vorbild Brasilias auf dem Reissbrett entstanden und extrem weitläufig.

Bald finden wir uns im Gebäude der Polícia Federal im Büro der Immigration ein. Die sympathische Dame meint, die Verlängerung unserer Aufenthaltsbewilligung um weitere 90 Tage sei ein kleiner Klecks. Sie interessiert sich sehr für unsere Reise und bei etwas Smalltalk geben wir im Büro unser Visitenkärtchen ab. Die Formulare sind schnell ausgefüllt und wir erhalten den Auftrag, auf der Post pro Person 110 Riais (ca. 30.-- CHF) einzuzahlen, was wir postwendend erledigen. Aber als wir wieder zurückkommen, sitzt unsere Gabriella stirnerunzelnd vor dem Computer und erklärt uns, dass am 25. November 2015 neue Aufenthaltsbestimmungen erlassen worden seien, die auch uns betreffen. Für Schweizer gilt neu: 90 Tage Aufenthalt halbjährlich. Ihr Chef habe ihr mitgeteilt, es gebe keinen Tag länger für uns. Wir müssten sofort ausreisen. Da machen wir lange Gesichter, wir brauchen doch auch einige Tage zum Ausreisen. Nein, sie könne leider nichts machen, und dass die Behörde in Oiapoque, wo wir eingereist sind, das nicht gewusst habe, sei unser Pech. Gut, dann wollen wir wenigstens unser Geld wieder zurück, denn wir können die Einzahlung nicht als vorbezahlte Busse verwenden. Für die Behörde wäre es das Einfachste wenn wir jetzt abzotteln würden, uns illegal im Land aufhielten, und bei Strassenkontrollen etwas Bussengeld abliefern würden. Bei der Ausreise müssten wir aber nochmals in die Tasche greifen. Gabriella zeigt uns das Bussenreglement, die Bussen sind lächerlich, aber wir wollen in diesem korrupten Land nicht einfach einem Polizisten Geld in die Hand drücken, denn es findet die richtige Kasse nie. Dann ruft sie die Post an, damit uns das Geld zurückerstattet wird. Wir sausen also wieder zur Post wo es ewig dauert, bis wir drankommen und selbstverständlich hat noch nie jemand einen Storno gemacht. Etwas kafkaesk ist die Situation dann, als der Postchef uns mitteilt, dass die Polícia Federal soeben angerufen habe um den Storno zu annullieren. Wir sausen in die andere Richtung zurück, wo Gabriella lachend hinter dem Computer sitzt. Sie habe unterdessen nochmals unsere Pässe studiert und wir wären ja zum ersten Mal schon im September 2015 nach Brasilien eingereist und darum gelte für uns noch die alte Regelung. Sie stellt eine komplizierte Rechnung auf, der wir nicht ganz folgen können, die auch überhaupt nicht logisch ist, aber für uns springen immerhin 63 zusätzliche Tage heraus. Das entlockt uns ein Schmunzeln, wir bedanken uns und machen, dass wir fortkommen, bevor der Chef herausfindet, dass die Rechnung falsch ist. Die andere Sekretärin hat sich in der Zwischenzeit das Visitenkärtchen unter den Nagel gerissen und ist hin und weg von den Fotos ihres schönen Landes. Es ist wirklich schön, sonst hätten wir ja nicht noch länger hierbleiben wollen.

Brasiliens Strände

Fortaleza – Recife – Salvador – Chapada Diamantina – Brasilia – Rio de Janeiro

10. März 2016

Während fast 6 Wochen sind wir völlig anders gereist als üblich, denn wir hatten Besuch von unseren lieben Freunden Esthi und Ueli. Mit ihnen haben wir die Superstrände von Fortaleza bis Recife unsicher gemacht, einige Rettungsaktionen waren auch dabei. Beide sind zwar gute Schwimmer, aber ihr kleiner PW schaffte unsere genussreichen Fahrten den einsamen, kilometerlangen Sandstränden entlang, nur mühevoll. Da kam unsere Randulina einige Male in den Genuss, ihre Kraft zu zeigen, ja so ein LandRover ist halt schon was Gutes! Nicht nur die Strände sind toll, sondern auch das Wasser. Ueli drückte es so aus: „Noch nie habe ich in einem so grossen Thermalbad schwimmen können.“ Dazu grösstenteils menschenleer.

Ab und zu haben wir gemeinsam in wunderbaren Pousadas übernachtet, nach dem obligaten Caipirinha – Apéro immer fein gegessen und unzählige lustige und angeregte Gespräche geführt. Vom berühmten Karnevalstreiben haben wir mehr gehört als gesehen. Die Musik war nicht gerade schön, dafür ohrenbetäubend laut. Vielen Dank euch beiden, für die gemeinsame Zeit, sie war für uns eine gute Unterbrechung im Reisemodus.

Am gleichen Abend als Esthi und Ueli abflogen, kam unsere älteste Tochter Sarah in Recife an. Es reichte grad noch in Olinda zu fünft mit einem Caipi gemeinsam auf die gute Zeit anzustossen. Es sollte allerdings anders kommen. Sarah war vorher bei den Iguazú Fällen und hat uns vorgeschwärmt. Drei Tage später war die Freude vorbei, denn sie hat sich dort wahrscheinlich von einer Tigermücke mit Zika stechen lassen. So waren für sie die ersten Tage begleitet von Fieber, Ausschlag und Gelenkschmerzen. Ausgerechnet da, wo es ideal zum Sonnentanken gewesen wäre. Doch in der schönen Stadt Salvador war sie wieder fit und wir bummelten stundenlang durch die pitoresken Gassen und sahen den Capoeiratänzern und Musikern zu.

Durch endlose Vororte zog sich die Reiseroute aus Salvador hinaus und ging dann über ins gigantische Nichts. Ja einfach nichts, nur Gestrüpp, niedrige Bäume, struppige Wiesen und irgendwann waren wir in Lençois, dem Ausgangspunkt für viele Wandervögel in der Chapada Diamantina. Uralte abgetragene Tafelberge mit Wasserfällen lockten zum Wandern. Obwohl auf über 1000müM gelegen, war es immer noch sehr heiss. Nichts desto trotz haben wir die Wanderschuhe gebunden und sind mit einer schönen Aussicht entschädigt worden. Ein Kolibri surrte um Sarah herum, es war das einzige Geräusch nebst einem Bächlein, das die Ruhe unterbrach.

Unvorstellbar war die nächste Etappe. Über 1000km fuhren wir durch den Landwirtschaftsgürtel begleitet von Willie Nelsons „On the Road again“. In the middle oft the Nowhere, auf dem Reissbrett in einem Architekturbüro entstand Brasiliens Hauptstadt Brasilia. 8 spurige Strassen (die Fussgänger hat man in der Euphorie vergessen), architektonische Meisterwerke aus Beton und Glas von Oscar Niemeyer umrahmt von Gartenanlagen von Burle Marx. Wir liebten diese Stadt. Klar, Brasilia ist gewöhnungsbedürftig, die 3 Millionen Bewohner leben in den Superquadras in Wohnsilos, die Touristen in den Hoteltürmen der Hotelquadras und die Regierungsgebäude befinden sich entlang der Eixo Monumental, der Monumentalachse und aus der Vogelperspektive sähe die Stadt aus wie ein Flugzeug. Wir kommen wieder, denn wir sind mit Sarah’s Mietwagen hierher gefahren und haben unsere Randulina in Lençois auf dem Campingplatz stehen lassen, denn von Brasilia nehmen wir den Flieger nach Rio de Janeiro.

Rio = Copacabana und Ipanema, Hawaianas, Bikinis und durchtrainierte, braungebrannte schöne Menschen, alles überragt von Zuckerhut und Corcovado. Nun ja, bis auf die schönen Menschen haben wir alles gefunden, aber die Brasilianer sagen ja von sich selbst nicht ohne Stolz, sie seien neben den US Amerikanern das dickste Volk auf Erden und machen dem Spruch auch alle Ehre.

Eine tolle Stadt, die wir mit Sarah entdecken durften. Wir sind mit unserem Zeitbudget nicht so beschränkt wie sie und als wir sie mit Wehmut auf Rios Flughafen verabschiedeten, blieb uns noch fast eine Woche, um Rio noch weiter zu entdecken. Es war schön mit dir!

Brasiliens Norden und Nordosten

Oiapoque – Macapá – Belém – Alcântara – São Luis – Fortaleza

24. Januar 2016

Eigentlich müssten wir laut den Bewohnern von Französisch Guyane schon lange unsere Eheringe, Ohrringe und die Fotoapparate losgeworden sein, besser noch, ein Überleben im nördlichen Teil Brasiliens ist praktisch ausgeschlossen, da geht man besser gar nicht erst hin. Auch der Aufseher im Schwimmbad von Remire-Montjoly, wo wir nochmals Trinkwasser auffüllten rollte mit den Augen und meinte, Nein, in Brasilien ist nichts, gibt’s nichts, hat’s nichts, nicht mal Trinkwasser, nur Gauner. Wir werden das austesten.

Die Goldgräberstadt Oiapoque ist für uns nur Einreisestation, wo unser 3-monatiger Aufenthalt in den Pass gestempelt wird, eine Sache von 10 Minuten. Bei tristem Regenwetter fahren wir los, die 600km lange Strasse nach Macapá hätte laut unserem Reisehandbuch asphaltiert sein müssen, aber der Traum ist schon nach 50km aus. Eine rotschmierige aufgeweichte Piste, Wellblech und Löcher erwarten uns. Das Auto rumpelt, das Besteck klimpert, die Eier purzeln durch den Kühlschrank und hätten wir Rahm, wäre der wohl steif. Mann und Frau verkneifen sich Pipi und erst als die Sonne güxlet und eine Schlange die Strasse kreuzt machen wir einen Stopp. Nach 150km endlich Asphalt. Wir übernachten auf einer Fazenda, 100 Büffel, einige Ferkel und ein Hund mit 7 Welpen, ein Dutzend Hühner und ein herziges Ehepaar. Wir dürften sogar das Haus des Fazendabesitzers benützen, wir wollen die Gastfreundschaft nicht ausnützen und schlafen im Auto, wie eigentlich immer.

Unser Ziel ist Macapá, genau auf dem Äquator liegend, wo wir einmal mehr (durch das Flussdelta des Amazonas führt keine Strasse) eine Fähre nach Belém organisieren müssen, jetzt am Jahresende drängt die Zeit, um nicht tagelang hier hängen zu bleiben. Doch irgendwie finden wir keinen Agenten, der unser Auto als Fracht und uns als Passagiere gleichzeitig mitnehmen will oder kann, es ist einfach nicht unser Tag, also geh ich zur Polizei, schildere das Problem und die lotsen uns freundlich durch das Gewirr von Santana und laden uns grad vor einer Agentur ab, die Frachtschiffe vermittelt. Perfekt, am 2. Januar werden wir verladen und dürfen während der Passage auch im Auto übernachten, was bequemer und luftiger ist, als in den stickigen Hängemattendocks. So verbringen wir das Jahresende in einem abgeholzten Waldstück, trotz der Wärme mit Lagerfeuerromantik.

Die Schifffahrt auf dem Amazonas, der zwischen Macapá und Belém sein riesiges Delta formt, ist ein gigantisches Erlebnis. Wellen wie auf dem offenen Meer, die Ufer zeitweise fast nicht zu sehen, Inseln, Meerschiffe, winzige Dörfer, grössere Städte, Passagiere steigen aus und ein, zeitweise während der Fahrt, Regen und Sturm peitschen auf uns nieder, dann brennt die Sonne wieder und nach zwei Nächten und einem Tag taucht im Dunst des zweiten Tages die Skyline von Belém auf. Es hält uns nur einen Vormittag in Belém, so toll finden wir es hier nicht, die Restaurants an den Docks sind geschlossen, den vielgerühmten Markt haben wir schnell gesehen und eigentlich lieben wir anonyme Grossstädte nicht. Da ist das kleine morbide Alcântara schon besser. Hier schlafen wir in kolonialer Atmosphäre in einer Pousada und entdecken zwischen den Ruinen hübsche Gassen mit portugiesischer Vergangenheit. Zwischen Alcântara und São Luis liegt wieder eine Wasserstrasse oder ein 600km langer Umweg, die Lösung liegt auf der Hand. Beim Warten auf die Fähre treffen wir Vladimir und Ladjana aus Brasilia, die uns beim komplizierten Fährticketkauf unterstützen und uns mit vielen interessanten Reisezielen füttern.

Auch in São Luis übernachten wir in einem Hotel, der Concierge hält ein Auge auf unser Auto, denn São Luis ist supergefährlich… da kommt einem alles abhanden. Wir strolchen durch die Stadt, fotografieren die Häuser mit den Azulejos. Die meist blauen Plättli schützen die Häuser bestens vor Hitze und Feuchtigkeit. Schade einfach, dass trotz Unesco Weltkulturerbe, die Altstadt etwas vor sich hinbröckelt. Wir haben unseren Spass in der Stadt mit den vielen Nachkommen schwarzer Sklaven, deren Musik und Rhythmus aus den vielen Bars dröhnt und die Bandas bereits bestens für den Carnavale gerüstet sind. Ein tolles Erlebnis ist die Bekanntschaft mit Nagib, der unser Auto in der Gasse parkiert sah, selber einen LandRover fährt und uns spontan einlädt, die neueröffnete LandRover Garage seines Freundes Fabrício zu besuchen. Dort werden wir befragt, bewirtet, fotografiert und beschenkt und am Abend noch von Nagib nach Hause zum Znacht eingeladen und selbstverständlich hat man uns die 500m von seinem Wohnort zu unserem Hotel im Auto gefahren, eben weil supergefährlich hier…… wir haben’s dann unterlassen zu berichten, in welchen Quartieren wir den grössten Spass hatten.

Aber nun raus aus der Stadt, ab in die Dünen von Lençoís Maranhenses. Sie wären zwar im April schöner, denn dann wären die Lagunen zwischen den Dünen mit Wasser gefüllt und im Sonnenlicht würden die Pools in allen erdenklichen Blautönen wie Topase und Aquamarine leuchten. Aber eben, die Regenzeit naht und man kann nicht immer zur perfekten Zeit am perfekten Ort sein um perfekte Fotos zu schiessen. So geniessen wir die Dünenlandschaft eben mit weniger Wasser. Aber bis wir sie geniessen können, ist es ein pudriger, weicher und auch matschiger Pfad. Nach 36km Sandpiste gelangen wir nach einer Flussdurchfahrt nach Santo Amaro. An der Tankstelle fragen wir nach einem Führer, der freundliche Tankwarts telefoniert erfolglos, aber er meint, bis zum Anfang der Dünenlandschaft sollten wir das mit unserem 4x4 auch alleine schaffen, wenn wir nur immer schön geradeaus fahren würden. Es kommt anders und wir versaufen bis zum Chassis im Match und Stefan bleibt nichts übrig als die die schwere lehmige Schicht abzuschaufeln, während ich mich auf die Suche nach einem Helfer mache. Der findet sich dann auch und nach anfänglichem Zögern, er ist grad mit dem Töff und Frau und Baby auf Sonntagsausflug, hilft uns der Jüngling indem er einen Traktor organisiert. Gegen 19 Uhr kommt der dann endlich, in völliger Dunkelheit, die Rettungsaktion wird zum Flopp! Meine Nerven sind etwas gespannt. Der Rettungstraktor buddelt sich beim dritten Versuch uns rauszuziehen gleich selber ein. Es muss ein zweiter Traktor her, mit breiteren Rädern und einem besseren Motor. Luíz organisiert gut und der zweite Traktor kommt gegen 22 Uhr, zieht zuerst den ersten Traktor raus und dann ganz sachte unsere Randulina, die nach der blitzsauberen Wäsche in Macapá wieder wie ein Ferkel ausschaut, vor allem unter der Gürtellinie. Und nein, es gibt keine Fotos der Rettungsaktion, erstens war mir nicht danach und dann musste ich zeitweise assistieren und zweitens meinten die Männer es wäre besser für mich während der entscheidenden Aktion weit wegzustehen, denn es bestünde das Risiko eines Stahlseilrisses. Und ja, es ist alles heil geblieben, nicht einen Kratzer, nicht ein Teilchen hat sich gelöst, sogar die Kotschutzlappen haben die Aktion überlebt, danke an Overlandtechnics und Camperwerkstatt für Swiss Quality!

Luíz begleitet uns um dann 23 Uhr zu den Dünen, wo er uns einen schönen Übernachtungsplatz zeigen will. Aber heute scheint der Wurm drin zu sein, sein Motorrad stottert und mangels Benzin geht gar nichts mehr. So fahren wir also nach Santo Amaro zurück, wo eine Tankstelle noch geöffnet hat, mit vollem Kanister wieder zurück, Töff auftanken und weiter in der sternenklaren Nacht zu den Dünen, mittlerweile Mitternacht will Luíz uns noch eine Lagune zeigen, also kraxelen wir müde die Dünen hoch und wieder runter bis wir am Wasser stehen. Uns ist nach Kaffee zumute und einen Schnaps bräuchten wir auch, Luíz tuckert zurück und wir höckeln uns in den Sand und freuen uns einmal mehr über die Hilfsbereitschaft der Menschen hier. Die Nacht ist kurz, um 9 Uhr steht unser Helfer schon vor dem Auto um uns als unser Führer auf der Wanderung durch die Dünen zu begleiten. Es ist eine sinnliche Wanderung, 5 Stunden barfuss durch den Sand, der manchmal kühl, lauwarm, grob oder fein war, manchmal windgepresst hart und manchmal weich zum Einsinken ist. Wir durchqueren matschige und trockene Lagunen und nehmen ein Bad in einem lauwarmen Tümpel. Wie sich beim Zvieri herausstellt, wurde Luíz vom Tankstellenwart kontaktiert, ob er für uns als Guide arbeiten wolle, er sagte aber ab, weil Sonntag war und er lieber mit seiner 16-jährigen Frau und dem 4-monatigen Baby in die Dünen wollte als mit uns. Der Zufall hat uns dann doch zusammengeführt. Nein, ich glaube, es gibt keine Zufälle. Die lehmige Erde wird übrigens für die Herstellung von sonnengetrockneten Ziegelsteinen verwendet, bei längerem Verweilen in der Grube wären wir also buchstäblich eingebacken worden.

Anderntags bekommt unsere Randulina nochmals ein Wellnesspaket vom Feinsten mit Betonung auf Unterbodenwäsche.

Dann geht es wie geplant weiter, alles läuft am Schnürchen. Wir übernachten an menschenleeren Stränden, geniessen in den Bars der kleinen Ortschaften am Meer feine Fruchtsäfte oder abends mal einen Caipirinha, übernachten auf einem Fussballplatz mitten im Dorf. Die Menschen sind unkompliziert, freundlich, entschuldigen sich, weil das Dorf so klein ist, dass es nicht mal einen Laden gibt. Alle freuen sich, dass wir in diese entlegene Gegend kommen, wo sich selten ausländische Touristen blicken lassen.

Im Nationalpark Sete Cidades, Sieben Städte, bestaunen wir bizarre Erosionsformen und unser Führer beklagt sich, dass die Touristen ausblieben, denn wegen der Wirtschaftskrise sind die Werbegelder gestrichen worden. Auch bei der Höhle von Ubajara spürt man die Krise, das Geld für die neuen Seile der Seilbahn fehlt oder ist abhanden – sprich in den Sack irgendeines Funktionärs – gekommen, so wird die Höhle im Park nur noch von gut einem Dutzend Besuchern besucht. Der Weg ist steil und lang und Brasilianer sind keine Wandervögel. Sie machen lieber ein Selfie von sich und der Eingangstafel. So schnüren wir seit langem wieder unsere Wanderschuhe und wandern 5 Stunden im Wald herum mit Höhlenbesuch und Bad unterm Wasserfall. Herrlich, der Parkranger freut sich ab unserer Fitness und dem Wandertempo, denn nach unserer Rückkehr ist für ihn Arbeitsschluss und das mal ausnahmsweise schon um die Mittagszeit.

In Jericoacoara, dem Touristenmagnet der Gegend schmöckern wir etwas herum, genauer nehmen wir das dann mit unseren Freunden unter die Lupe, denn die nächsten Wochen sind wir zu Viert unterwegs.

Wir fahren in die 2.5 Mio. Einwohner zählende Stadt Fortaleza ein, ich lasse das Fenster runter wie immer in einem Dorf oder in einer Stadt und prompt lacht mich an einer Ampel ein Töfffahrer an: „Seja bem-vindo en Fortaleza“ (Willkommen in Fortaleza). In Fortaleza wollen wir zu Brunos LandRover Werkstatt, denn ein Service ist unbedingt nötig. Mit seiner Visitenkarte geht das fix, wir haben Bruno am Strand kennengelernt wo er sie uns für den Fall der Fälle zugesteckt hat. Leider ist die Garage geschlossen, weil Bruno eben auf 4x4 Dünen- und Strandtour ist. Die freundlichen Mitarbeiter einer nahegelegenen schiggi-miggi Fordgarage telefonieren für uns in bester Gastfreundschaft mit Bruno und finden eine Ersatzgarage, die uns mit einem Mototaxi abholen lässt – ein Freund von Bruno hat auch eine Ländi Werkstatt. Man ist eine Gemeinschaft und die Arbeiter freuen sich, an einem so aussergewöhnlichen Auto einen Service machen zu dürfen.

Warum wir nicht selber telefonieren? Gar nicht einfach wenn man die Sprache nicht beherrscht – persönlich ist das kein Problem, aber per Telefon – Prost. Und bevor ich’s noch vergesse, der CEO der Fordgarage beglückte uns freudestrahlend mit zwei Dächlikappen, zwar die falsche Marke, aber ich werde ein Brasilienwappen darüber nähen.

Und ja, ich habe meine 5 Ohrstecker noch und auch die Eheringe sind noch am Finger, Stefans Kamera ist auch vorhanden und die verlorengeglaubte Uhr ist unter meinem Autositz wieder hervorgekommen. Bis jetzt haben wir mehr erhalten als wir uns erträumten, nämlich Gastfreundschaft und Lebensfreude vom Feinsten. Wir hoffen, es bleibt so.

Französisch Guyane und Martinique

Saint-Laurant-du-Maroni – Kourou – Cayenne – Martinique – Trois Ilets – Saint Georges de Oiapoque

01. Januar 2016

Eine halbe Stunde Fährfahrt und wir kommen in Saint-Laurant-du-Maroni in einer völlig neuen Welt an. Die Einreise im Departement Outre-mer verläuft völlig problemlos. Es gibt zwar einen Stempel in den Pass mit unbeschränkter Aufenthaltsdauer, die Grenzbeamtin will die grüne Autoversicherungskarte sowie den Fahrzeugausweis sehen und in 5 Minuten ist die Prozedur erledigt. Ab jetzt sprechen wir Französisch, bezahlen mit Euro, kaufen im Super U französische Produkte und spüren den Pariser Zentralisierungswahn bis nach Südamerika. Es gibt nichts, was darauf hindeutet, nicht in Frankreich zu sein ausser dem Klima und der Bevölkerungsstruktur: heiss und dunkel – Indigene und Nachfahren der ehemaligen Sklaven.

Übernachtet haben wir am Hafen, wo wir auch ein Schweizer Segelschiff entdeckten. Madelyne und Rémy sind mit ihrer Alubis auch seit 2014 unterwegs und wir verbrachten einen wunderbaren Abend auf dem schönen Schiff.

Doch Saint-Laurant-du-Maroni war lange Zeit nicht der bevorzugte Ankunftsort für Fremde. Ein dunkles Kapitel französischer Geschichte wurde hier geschrieben. Napoleon lll liess zehntausende Gefangene, von kleineren Delinquenten bis zu politisch Gefangenen hier und auf den umliegenden Inseln ihre Strafen verbüssen. Man setzte sie nach der Abschaffung der Sklaverei als Arbeitskräfte ein und erhoffte sich eine Schonung des Staatshaushaltes. Die Gefangenen wurden unter unmenschlichsten Bedingungen gehalten. Tagelange Einzelhaft in Dunkelzellen, unzureichende Ernährung, das ungewohnte Klima verbunden mit Krankheiten zermürbte oder reizte manchen zur Flucht, wobei das meist den sicheren Tod bedeutete. Wer mehr darüber wissen will, siehe „Papillon“ von Henry Charrière, der hier eingesessen hat. Unser Tagesausflug auf die Îles du Salut mit einem Segelboot war denn auch geprägt von diesen historischen Tagen. Wir haben uns allerdings gefragt, ob es nicht auch eine Strafe für die Wärter und ihre Familien war, hier wohnen zu müssen. Romantisch war es damals nicht wirklich und Moskitos haben keine Dünkel und stechen kunterbunt.

Heute ist Französisch Guyane besser bekannt als europäische Satelittenabschussbasis. Bereits Wochen zuvor haben wir uns für den Abschuss der Vega 06 mit dem Projekt „Lisa Pathfinder“ angemeldet. Ariane 5 und Sojus standen grad nicht auf dem Programm. Tatsächlich erhielten wir positiven Bescheid für ein Dabeisein und auch für die geführte Tour durch das Gelände. Alles in allem sehr spannend und gut aufgemacht und erst noch gratis. Kourou bietet sonst nicht viel, in der Kleinstadt leben nahezu alle Bewohner für oder von der Raketenbasis. Auffallend sind die vielen Villenquartiere und grossen Schulkomplexe und dazu wie in Frankreich üblich, Wohnsilos für die weniger gut betuchten.

Hier gibt es im Gegensatz zu den anderen Ländern Guyana und Suriname tolle Wandermöglichkeiten in den ausgedehnten Wäldern, meist mit informativen Erklärungstafeln. Nach einigen diesen Spaziergängen beschlossen wir aber, uns nicht mehr freiwillig den ganztägig aktiven Moskitos zum Frass vorzuwerfen. Es war auch nicht lustig, dick eingepackt und mit Anti-Moskito-Crème eingestrichen in den tropisch feucht-heissen Wäldern herumzustiefeln. Deshalb waren wir sehr überrascht, als wir in der Nähe von Kaw, mitten in einem Sumpfgebiet keine Moskitos fanden, dafür ein tolles Wegnetz und eine wunderbare Sumpftour in einer Piroge. Anderntags entdeckten wir sogar einen der winzigen blauen Frösche. Aber wie die grossen blauen Morpho Schmetterlinge wollte auch er sich nicht fotografisch festhalten lassen und versteckte sich unter einem Baumstamm.

Zwei Sonntage standen in der Gunst von laotischen Märkten mit hervorragenden Garküchen. Der Markt in Cacao ist ein Muss. Nebst Früchten und Gemüsen gibt es auch eine riesige Anzahl an Stickereien und genähtem Handwerk. Schade ist unser Platz beschränkt. (@ Guido und Maria: Wir kommen gerne mit euch nach Laos, was dann noch viel authentischer ist.) Die Laoten des Nordens kämpften im Vietnamkrieg mit den Franzosen teilweise gegen ihre eigenen Landsleute. Die Franzosen boten ihnen Land und Arbeitsmöglichkeiten in Französisch Guyane, wo sie bis heute in der Landwirtschaft tätig sind. Praktisch sämtliches Gemüse und Obst das in Guyane verkauft wird, wurde Laoten angebaut. Sie haben viel von ihrer Kultur bewahrt, sprechen untereinander laotisch und leben eigentlich in einer Art Parallelgesellschaft, die erst sich jetzt mit der Jugend langsam auflöst. Übernachtet haben wir in Cacao äusserst stilvoll an einem Fluss unter einem riesigen Bambus.

In Cayenne, dem Hauptort war das etwas schwieriger, deshalb haben wir uns etwas ausserhalb an einen Strand gestellt. Ein Superstrand, wäre das Wasser vom Amazonasschlick nicht braun gefärbt. Hier bereiteten wir uns auch auf unsere Weihnachtsferien vor: Wäsche waschen, Weihnachtskarten schreiben, Koffer packen, und das Schwimmbad zum Duschen nutzen.

Und dann haben wir uns einen weiteren Traum erfüllt und sind von Cayenne aus in die Karibik geflogen, um dort die Weihnachtstage zu verbringen. Das bietet sich hier an, denn auch in der Karibik sind die Franzosen gut vertreten. Martinique, ebenfalls Outre-mer, war noch französischer als Guyane und wartete mit einem Verkehrschaos auf, wie wir es nie erwarteten. Auf 1000 Einwohner kommen 519 Autos während es in Guyane nur 255 sind. Das Leben ist hektisch hier, fast europäisch, alles blitzsauber und gut organisiert, die Strassen ähneln unseren Alpenpässen, ein stetiges auf und ab. Die Strände auf der Blumeninsel haben uns etwas enttäuscht, wir haben uns vielleicht auch falsche Vorstellungen unter „Karibik“ gemacht. Aber was soll’s. Martinique wartet mit Zuckerrohr- und Bananenplantagen auf und hat nebst kleinen Stränden also auch sonst noch was zu bieten. Wir wissen jetzt wie Rum hergestellt wird, nämlich gebrannt aus dem Saft des Zuckerrohrs und nicht wie andernorts aus Melasse. Wir haben ihn degustiert, wissen jetzt wie er schmeckt und wie er getrunken wird: Pur, gemixt oder als Punsch, der ganz schön einfährt. Wir wissen jetzt auch, dass Bananenstauden 36 Blätter treiben bevor sie eine Blüte hervorbringen und dass die grosse Blüte männlich ist und die weiblichen Blüten an den Spitzen der Bananen hängen. Ein ganzer Bananenbund besteht aus etwa 100 Früchten, die in Handarbeit geerntet werden. Eine wasserintensive Pflanze, die täglich 15-20 Liter benötigt. Wöchentlich werden 27 Millionen Bananen von Martinique und Guadeloupe nach Frankreich verschifft, bei der Rückreise bringen die Containerschiffe Lebensmittel und Waren aus Frankreich mit. Es gibt übrigens unzählige Bananensorten, viele süsse Früchtchen, die glücklich machen und den Blutdruck senken, aber auch viele, die sich nur gekocht essen lassen und dann ähnlich wie Kartoffeln schmecken.

Martinique, die Blumeninsel wird ihrem Namen gerecht, oftmals fühlten wir uns wie in einem botanischen Garten.

Weihnachten verbrachten wir ganz unspektakulär auf dem Balkon unseres Appartements im Örtchen Trois Ilets bei Rindsfiletspiessli und Salat. Dazu die Aussicht auf’s Meer und das Lichtermeer von Fort-de-France auf der gegenüberliegenden Seite. Selbstverständlich haben wir auch die kreolische Küche probiert, leckeren Fisch oder die typischen Accras, kleine frittierte Bällchen mit Stockfisch.

Fort-de-France, die Hauptstadt der Insel besuchten wir mit dem Taxischiff. Das Standbild von Joséphine de Beauharnais, der Frau Napoleons l und Kaiserin von Frankreich war mal wieder ohne Kopf. Kopflose Damen sind das Foto nicht wert, und allem Anschein nach haben die Nachkommen der ehemaligen Sklaven immer noch eine Wut auf die Ehrendame, welche die Sklaven nicht als Menschen betrachtete und ihr deshalb nach jeder Renovation den Kopf von neuem abschlagen. Das grosse Fort war bei unseren Besuchen geschlossen, so blieb noch der Markt mit den bunten Früchten, das war’s dann auch schon bald.

Eigentlich hatten wir fest vor, auf den Vulkan Mont Pelée zu steigen doch der Gipfel war 10 Tage lang mit Regenwolken verhüllt. An einem Sonntagmorgen 1902 brach der Vulkan aus und riss im Städtchen Saint Pierre mit einer glühenden Gaswolke 30‘000 Menschen in den Tod. Obwohl es Anzeichen gab, vermieden es die Stadtväter die ehemalige Hauptstadt zu evakuieren, es waren grad Wahlen angesagt. Wohlhabende Bürger schickten ihre Kinder weg und als Einziger überlebte der Gefangene hinter den dicken Gefängnismauern den verheerenden Ausbruch.

Die 10 Tage vergingen wie im Flug und schon bald hiess es Abschied nehmen. Müde kamen wir am späten Abend in Cayenne an, wo unsere Randulina auf dem Langzeitparkplatz des Flughafens auf uns wartete. Der Parkplatz war im Gegensatz zu unserer Abreise jetzt proppenvoll. Ob wohl viele Expats über die Weihnachtstage heim nach Frankreich gereist sind?

Statt noch lange im Dunkeln einen Übernachtungsplatz zu suchen, klappten wir unser Bett gleich auf dem Parkplatz auf und gönnten uns am nächsten Morgen unser letztes Café et Croissant im Flughafenbistro bevor die Reise weitergeht. Da wir uns hier noch besser verständigen können als in Brasilien, suchen wir eine Werkstatt auf um die Räder auswuchten zu lassen, dann wird der Kühlschrank mit Käse aufgefüllt und durch die einsamen Wälder, wo die kleinen schwarzen Äffchen mit den goldenen Pfötchen manchmal auf der Strasse spielen, tuckern wir nach Saint-Georges-de-Oiapoque, wo die Strasse am gleichnamigen Fluss endet. Von da weg geht’s nur noch mit dem Schiff weiter ins brasilianische Oiapoque. Eigentlich gäbe es seit 2011 eine Brücke über den Fluss, gebaut von den Franzosen, bezahlt mit EU Geldern, aber die Brasilianer sind das Zollhaus an der Brücke schuldig geblieben, es wird erstellt, sobald die Franzosen die letzte Rate beglichen haben, die zahlen aber erst, wenn das Zollgebäude steht… So gleicht das Bauwerk einem Schildbürgerstreich. Nutzniesser sind die brasilianischen Fährbetreiber, die horrende Preise für den Autotransport verlangen. Glücklicherweise waren wir am zweitletzten Tag des Jahres nicht das einzige Auto und konnten den Fährpreis teilen und erhielten auf der brasilianischen Seite vom Fährbetreiber auch gleich die Erlaubnis, die Nacht wohlbehütet auf seinem Grundstück zu verbringen. So quasi all inclusive.

Und zum Abschluss das Rezept zum typischen „Punch Planteur“ für 4 Personen:

4 dl weisser Rum

8 dl exotisch gemischter Fruchtsaft (Ananas, Mango, Maracuja, Orange…)

Zuckerrohrsirup zum Süssen nach Belieben

1 Zimtstange, etwas geriebener Muskat, Samen eines Vanillestängels

Alles mischen und gut gekühlt servieren

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