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México – Kolonialstädte

San Cristóbal de las Casas – Oaxaca – Puebla – Cholula – Querétaro – San Miguel de Allende – Guanajuato – Morelia

19. September 2017 (heute bebt die Erde in Puebla und Mexico City mit 7.1)

Mexico bietet barocke Kolonialstädte ohne Ende. Schachbrettartige Grundrisse, prunkvolle Kirchen, herrschaftliche Häuser und rund um die Hauptplätze repräsentative Regierungspaläste, Brunnen, schattige Plätzchen, Laubengänge und Zierrat je nach Reichtum der jeweiligen Orte sind allen gemeinsam. Jede Stadt hat ihren eigenen Charme. Das Klima in diesen Städten ist dank der Höhenlage zwischen 1500 und 2200 Metern sehr angenehm, obwohl wir uns immer noch in den Tropen befinden. Ich will mich nicht lange darüber auslassen, Wikipedia bietet alle nötigen Informationen für jene unter euch, die es genauer interessiert. Viel mehr gibt es kleine Geschichten und viele Bilder.

In San Cristóbal muss ich zuerst meine Bauchgrippe auskurieren, ich fühle mich wie ein Waschlappen. Mein Bauch braucht einige Tage Ruhe und ich wahrscheinlich auch. Seit längerem sind wir nirgends mehr länger stehen geblieben. Die Neugier trieb uns immer weiter fort. Der erste grössere Ausflug führt uns nach San Juan Chamula, einer Wallfahrtsstätte der hier heimischen Urbevölkerung. Die Kirche ist klein, der Platz davor riesig. In der Kirche fehlen die Kirchenbänke, dafür duftet es nach den am Boden liegenden Piniennadeln. Hierauf sitzen und knien die Gläubigen mit grossen Picknickkörben und – mit einem Hahn oder einer Henne. Es werden Gebete gemurmelt, das Geflügeltier wird über ein krankes oder unglückliches Familienmitglied geschwenkt und irgendwann wird dem Vogel der Hals umgedreht, alles mit Weihrauch und Posh (Schnaps) besprenkelt und alles wird gut! Ein aberwitziges Schauspiel für uns, eine tief religiöse Zeremonie für die Indigenas.

Die mexikanische Küche besteht aus weit mehr als nur Tacos und Enchiladas. So geniessen wir in Oaxaca (vor dem Erdbeben) die legendäre Mole Poblano in Varianten. Eine pikante Sauce mit mehr als 20 Zutaten inklusive Cacaobohnen zu Poulet… Stefans neues Lieblingsgericht. Da sich in Oaxaca ein toller Platz zum Übernachten befindet, nutzen wir dies aus: Stadtbesichtigung, Reifenrotation und Spureinstellung bei Randulina, Auffüllen unserer Gasvorräte dank Calvins Kreativität, Ruinenbesuch auf Monte Alban und mit anderen Overlandern und den Gastgebern Leanne und Calvin Abendessen und diskutieren. Und das Beste zum Schluss, wir erleben eine mexikanische Maria Himmelfahrt. Die Marienverehrung ist gigantisch, die Feste ihr zu Ehren ebenfalls. Pappmachéfiguren mit Knallkörpern werden tanzend durch die Gassen getragen, eine bunte Kakophonie diverser Musikgesellschaften und gratis Mezcal für ALLE. Auf dem Zócalo wieder Tänze mit Chlöpfzeug, das sich mit unserern Sicherheitsvorschriften nie durchführen liesse. Das Finale besteht aus einem Riesenfeuerwerk auf einem Bambusturm, wie wir es auch schon in Peru gesehen haben. Hauptsache es knallt und am Schluss erscheint uns allen die Heilige Maria.

Gut gesegnet geht die Reise an den Agavenfeldern der Mezcal Orte vorbei, wo wir in den Genuss der handwerklichen Herstellung kommen. Doch Mezcal wird nicht unser Lieblingsgetränk; auch der nicht, in dessen Güte eine eingelegte Agavenraupe, zu Tode besoffen, schwimmt.

Puebla lockt mit seiner typischen blau-weissen Talaverakeramik und wieder einmal können wir nicht widerstehen und tragen schwere Fundstücke nach Hause. Immer wieder spielt die Stadt ihre Reize aus und Stefan muss die Tasche abstellen um die Zuckerbäckerhäuser abzulichten. Flohmärkte überall und ohne Grenzen, nebst Kitsch ein ein wenig Kunst, nebst Antiquitäten ein wenig Vintage. Puebla bietet allen etwas, vorallem samstags läuft das volle Leben. Die saisonale Spezialität ist Chile en Nogada. Eine süss-salzig gefüllte leicht pikante Chili mit einer Baumnussrahmsauce und Granatapfelkernen. Die Geschmacknerven werden gereizt wie bei der Mole, ich hab doch kein Dessert bestellt! Dieses Gericht ist eindeutig mein Favorit der mexikanischen Küche und unvergleichlich, gleichzeitig stellt es die Nationalfarben GRÜN-WEISS-ROT dar.

In Cholula, wo die barocke Kirche auf eine prähispanische Pyramide gebaut ist um die spanische Vormachtstellung zu beweisen und den Widerstand der einheimischen Bevölkerung zu brechen, ist sonntags der Teufel los. Voladeros kreisen in der Luft. Die 4 an Seilen festgebunden Flieger verkörpern die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde und mit 13 Umdrehungen fliegen sie dem Boden zu, begleitet von Pfeifen- und Trommelklängen des fünften Mannes, der die Sonne verkörpert. 4x 13 ergibt die 52 Jahreswochen des zapotekischen Kalenders.

Querétaro punktet mit riesigen Plätzen, die von kunstvoll geschnittenen schattenspendenden Hecken eingerahmt werden und einem Äquadukt, der im 18. Jahrhundert zur Wasserversorgung erstellt wurde und die vielen Stadtbrunnen bewässert.

In San Miguel de Allende fühlen wir uns in die Toskana versetzt, und die Preise bewegen sich im gleichen Segment. Die hier lebenden Kanadier und US-Amerikaner haben San Miguel zu einer lebenden Puppenstube renoviert. Das Klima ist herrlich, nicht zu heiss, nicht zu kalt, das Ambiente kunstvoll künstlich. Am Zócalo sitzend beobachten wir das pulsierende Leben.

Guanajuato, der Kontrapunkt zu San Miguel eine mexikanisch farbige Bergwerksstadt, lotst den Verkehr durch Tunnels, teilweise sind es ehemalige Stollen Wir schlendern in den engen Gassen bergauf und –ab und erleben eine der vielen Prozessionen irgend einer Seilschaft Jesú Christi. In Mexico lässt sich täglich ein Heiliger feiern und durch die Gassen tragen. Es wird getanzt, gelacht, gelebt. Der Ausblick vom Pipila Monument zeigt uns ein buntes Häuserkaleidoskop.

Und als letzte dieser hübschen architektonischen Juwelen vermag uns Morelia zu begeistern dessen breite Prachtsstrassen für den Unabhängigkeitstag beflaggt werden und in denen Studenten einen Sitzstreik durchziehen während die Polizei den Verkehr sorgsam in andere Strassen lenkt. Auch hier füllt ein Äquadukt die Stadtbrunnen und Ismael der Besitzer des Parkplatzes, wo wir nachts schlafen unseren Früchtekorb mit delikaten Avocados und als Start in den Tag bringt er uns das Zmorge praktisch ans Bett. Gelebte Gastfreundschaft!

Alle diese Städte bestehen natürlich nicht nur aus den touristisch interessanten historischen Zentren sondern aus grossen Vor- und Wohnstädten rundherum, die sich wie Krakenarme ausbreiten. Diese Quartiere meiden wir im Normalfall. Aber klar, mechanische Werkstätten befinden dort im Gewusel drin.

  

México – Halbinsel Yucatán und Südméxico

Chetumal – Kohunlich – Tulúm – Playa del Carmen – Cancún – Cuyo – Chichén Itzá – Homún – Celestún – Uxmal – Campeche – Villahermosa – Palenque – Aguas Azul – Cascada Golondrina – Reforma Agria – Tziscao

16. August 2017

Ich bin, während ich diesen Reisebericht schreibe, wahrscheinlich gefühlsmässig genau so weit von der Yucatán Halbinsel weg, wie ihr. In einem Jäckli, mit Socken und langen Hosen. So müsste man auf der Halbinsel nicht herumspazieren. Yucatán , ein Staat im Staatenbund Méxicos oder auch der Name der Halbinsel. Mein Bericht handelt von der Halbinsel. Yucatán, nur schon der Name rinnt wie Öl den Hals hinab. Wir befinden uns schon in Belize auf diesem „Erdteil“. Aber erst in México wird mir das so richtig bewusst. Unser 42ster Grenzübergang, der letzte in Lateinamerika. Unsere Mangos landen im Kühlschrank der Zollbehörde, dafür bekommen wir die Erlaubnis, unser fahrbares Häuschen 10 Jahre hier einzulösen, für uns gibt es 180 Tage Aufenthaltserlaubnis, nicht ganz gratis alles, aber insgesamt unbedeutende Beträge. Das Auto wird schlecht und recht äusserlich desinfiziert und der Entdeckungsreise steht nichts mehr im Weg.

Wir beratschlagen, dass wir nicht alle Trümmerhaufen der Mayas, Azteken, Mixteken und anderen –eken besichtigen werden. Aber, jeder Trümmerhaufen bietet Spannendes. Und Yucatán ist voll mit unwiderstehlicher prähispanischer Kultur. Ausserdem gibt es trotz sengender Hitze und grosser Luftfeuchtigkeit genügend Erfrischungsmöglichkeiten. Bei täglich 40 Grad und mehr und nächtlichem Temperatursturz auf „erfrischende“ 30 Grad nicht verachtenswert. Gerne geniessen wir nach der nächtlichen Garung im eigenen Saft ein kühlendes Bad. Die Cenoten wählen wir aber extrem wählerisch aus. Die mit glasklarem Wasser gefüllten Trichterdolinen, welche den Mayas oft als Kultplatz dienten, sind heute die ganz grosse Touristenattraktion und während den Sommerferien (Touristen aus USA und Europa erstürmen gerade México) überbelebt.

Die Bilderbuchstrände zwischen Tulúm und Cancún sind in Hotelbesitz und für Nicht-Pauschaltouristen praktisch unerreichbar, der Tourismus ist die grösste Geldmaschine. In diversen Vergnügungsparks kann sich verlustieren wer genug vom Hotelstrand an der Costa Maya hat, von Ziplining bis Schwimmen mit Delfinen im Aquarium ist alles im Angebot. Die ganze Küste gleicht einer riesigen Vergnügungsmaschinerie. Mögliche Campingspots sind meist laut und überteuert. Zum Glück gibt es da noch die Biosphären Reservate, wo wir uns zurückziehen können. Einen grossen Vorteil hat diese standardisierte Welt, das Einkaufen in den riesigen Lebensmittelgeschäften macht Spass: internationale Angebote von Gerber Fondue, französischem Brie bis zu argentinischem Wein und alles zu einem sensationellen Preisniveau.

Bei Cancún, am äussersten Zipfel werden wir nach unserer „Happy Hour“, (Stefan mixt perfekte Caipirinhas und serviert sie superfreundlich) und dem Znacht, bei Sternenlicht Zeugen, wie eine Karettschildkröte an Land krabbelt und ihre Eier ablegt. Ein eindrückliches Erlebnis, v.a. wenn man weiss, dass von 1000 gelegten Eiern ein einziges Schildkrötli das Erwachsenenalter erreicht um wieder an demselben Strand Eier abzulegen.

Im Biosphärengebiet Rio Lagartos, nicht mehr an der türkisblauen Karibik sondern am Golf von México gelegen, erwarten uns Flamingos, weitere Schildkröten und wir erwarten das Militär, weil wir in einem Sand-Salz-Schlick-Gemisch steckenbleiben. Das Militär versenkt dabei seinen Hummer und gräbt ihn mit unserer Schaufel wieder aus, während wir deren nichtfunktionierende Seilwinde bestaunen, wir alle stehen dabei im knöchel- bis knietiefen Matsch, doch nachts um 2 Uhr ist auch dieses Spektakel vorbei und das Militär wird wohl des Hummers Seilwinde auf Vordermann bringen müssen.

Apropos Seil erhalten wir in Sotuta de Peón eine schöne Lektion. Weit ab vom Schuss besuchen wir eine alte Seilerei. Hier werden aus Sisalagaven, die eigentlich Henequén heissen, nach alter Manier Seile gedreht. Die Henequén Seile wurden im Hafen von Sisal in die weite Welt verschifft und weil auf den Verpackungskisten „Sisal“ stand und niemand wusste was oder wo Sisal ist, erhielt die Ware den Namen des Verschiffungshafens. Die Geschichte der Agavenseile erinnert uns an die des Kautschuks. Reich wurde damit nur der Plantagenbesitzer, die Arbeiter standen in grösster Abhängigkeit zu ihrem Arbeitgeber. 1950 wurde die Produktion praktisch eingestellt, denn der Weltmarktpreis fiel zusammen, Brasilien produzierte günstiger und die Fasern des „grünen Goldes“ wurden durch Synthetik ersetzt.

Weiter geht die Fahrt über Hunderte von Topes (Schwellen), meine Leinsamen haben sich verselbständigt und ich darf sie abends bei schönster Sonnenuntergangsstimmung zusammenwischen. Als Aufmunterung schlägt Stefan einen Spaziergang durch Celestún vor, meine Stimmung bessert sich aber nicht, denn es gibt kein anständiges Lokal für einen Apéero und die ganze Erinnerung an dieses Kaff sind nach Fischabfällen riechende Abfallkübel. Dafür beginnt es wie aus Kübeln zu giessen, was bei dieser Hitze höchst unangenehm ist.

Freude herrscht dafür in Uxmal. Diese antike Anlage stellt alle bisherigen in den Schatten. Nebst Chichen Itzá gefällt sie uns am Besten. Die opulenten Verzierungen sind bis heute sichtbar. Wasserkanäle und Zisternen, welche bis zu 35‘000l Wasser fassten (Grundwasser war keines vorhanden) stellen eine logistische Meisterleistung für die bis zu 20‘000 Einwohner dar. Abends sitzen wir verzückt im Nonnenviereck, wo eine Licht- und Tonschau das Leben der Mayas widergibt. Nach Anrufung des Wassergottes Chaak spüre ich doch tatsächlich einige Regentropfen.

Nach soviel Kultur ist uns wieder vermehrt nach Natur. Auf dem Weg zu den Blauen Wassern, Agua azul, werden wir einige Male von einem gespannten Seil gestoppt. Indiofrauen versuchen sich etwas vom Touristenkuchen abzuschneiden indem sie für 10 Pesos Bananen verkaufen. Wir zeigen immer wieder den zuerst gekauften Bananenbund und werden ohne weitere Käufe durchgelassen. Dass wir nicht immer das Gleiche kaufen können ist wohl einleuchtend. In Agua azul kämpfen wir uns durch Souvenir- und Fressstände bevor wir zu den pittoresken Wasserfällen gelangen. Das Wasser rinnt fotogen milchig über die Kalkfelsen. Dies dank ausgelöstem Kalziumkarbonat und Magnesium. Am nächsten Morgen gönnen wir uns ein erfrischendes Bad, ganz allein, vor Ankunft aller Touristenbüssli.

Ebenso malerisch finden wir die Cascadas Golondrinas, die Schwalbenwasserfälle. Da gibt es doch tatsächlich am Abend das verblüffende Spektakel der zurückkehrenden Schwalben. Wo liegen deren Nester? Genau! In den Höhlen hinter dem Wasserfallvorhang. Wir sitzen still da und beobachten diese fulminante Leistung der Vögel. Ab und zu verpasst einer den Eingang zwischen den stürzenden Wassermassen und muss einen neuen Landeanflug einlegen. Das laute Gezwitscher übertönt sogar das Tosen des Wassers, über uns sind noch Hunderte, die ihre Rückkehr in der Dämmerung antreten.

Unsere Route entlang der guatemaltekischen Grenze in der Selva lacandona bietet reichlich Abwechslung. Der Regenwald wird aber auch hier immer lichter. Zu Gunsten von Ackerbau, Viehwirtschaft und vorallem Ölpalmen wird die Selva stark abgeholz. Die Strasse leidet unter den mit Ölnüssen schwerbeladenen Lastwagen. Stefan fährt zickzack um alle Löcher und Strassenabbruchkanten. Heil erreichen wir das kleine Dorf Reforma Agraria. Eine kleine Dorfgemeinschaft hat hier ein vor einigen Jahren zugunsten der Hellroten Aras (Guacamayas rojas) ein Naturschutzprojekt gestartet. Die Selva wird geschützt, den Aras werden ihre Lieblingsnahrungsbäume gepflanzt und die riesigen Vögel sagen danke, indem sie zahlreich im Dorf nisten. Wir spazieren mehr als 2 Stunden im Dorf herum und beobachten diese farbenfrohen kreischenden Papageien. Beim Schlummertrunk hangeln sich Klammeraffen über uns hinweg, sie sind auf der Suche nach Avocados und auf der anderen Uferseite des braunen Rio Lacantún schreien sich die Brüllaffen die Seele aus dem Leib. Alles in allem ein fragiles Gleichgewicht. Sind die Bäume weg, sind die Tiere weg…

Den Klimaschock erleben wir auf unserer nächsten Etappe. Während wir immer noch täglich bei 35 Grad schwitzen, fällt das Thermometer jetzt mit jedem steigenden kurvigen Kilometer, bereits gibt es Kaffeeeplantagen. Auf 1400müM ziehen wir den Faserpelz an. Tziscao lebt von seinem kühlen Klima und seinen Seen, wir fühlen uns wie auf einer Alp. Einheimische Touristen fotografieren den Nebel während wir unser Kabhäuschen geniessen. 20 Grad ist perfekt für einen Risottoschmaus.

Ein kurzer Regenspaziergang führt uns an den Lago Internacional. Die Grenze zwischen México und Guatemala verläuft exakt mittig durch den kleinen Tümpel und wird grossartig mit Bojen markiert.

Auch im Parque Nacional Lagunas de Montebello herrscht trübe Stimmung die vielen Lagunen leuchten nicht in ihren schönen Farben.

Nach soviel Natur zieht es uns wieder in eine Stadt. Voller Elan fahren wir der malerischen Kolonialstadt San Cristóbal de las Casas entgegen. Hasta pronto amigos!

  

Belize

Benque Viejo del Carmen – San Ignacio – San Antonio- Caracol Archaelogical Reserve – Thousand Foot Falls – Spanish Lookout – Camalot – Blue Hole N.P. – Hummingbird Highway – Mayflower Bocawina N.P. – Hopkins – Cockscomb Basine Reserve – Placencia – Corazon – Punta Gorda – Dangriga – Gales Point Wildlife Sanctuary – Belize City – Altun Ha Archaelogical Reserve – Orange Walk – Lamanai Archaelogical Reserve– Sarteneja – Corozal – Santa Elena

30. Juni 2017

Belize ist wie ein frischer Wind, mitten in Zentralamerika das einzige englischsprachige Land. Es grenzt im Osten an die Karibik, im Norden an Mexico und an Guatemala im Süden und Westen. So der Werbeprospekt. Belize ist halb so gross wie die Schweiz, ca. 370‘000 Menschen der unterschiedlichsten Kulturen sind hier beheimatet. Amstsprache ist englisch, von England in die Unabhängikeit entlassen wurde das frühere Britisch Honduras 1981. Das sind die harten Fakten. Soweit so gut.

Wir sitzen an der Karibikküste, vor uns diese typische Ferienprospektansicht – weisser Sandstrand, Palmen im Wind. Freude herrscht, nicht bei uns aber bei den Moskitos. Soweit so gut. Damit es mir nicht langweilig wird an diesem frühen Nachmittag, meint Stefan ich könne doch den Bericht an diesem tollen Ort eintöggeln. Langweilig wird es mir bestimmt nicht, nicht hier… ich könnte… nein ich kann nicht, ich muss: A) Mücken totschlagen; B) mich mit Moskitocrème einschmieren; C) mir etwas Langärmliges anziehen; D) am Besten alles zum gleichen Zeitpunkt. Das sind keine multiple choice Quizfragen sondern die Reihenfolge meines Vorgehens. Unerbittlich stechen die Riesenmonster zu. Ergo: Das Paradies gibt es nicht, vorallem nicht zur Regenzeit, obwohl die Sonne mit 38 Grad herunterbrennt und unter dem Moskitomittel eine Lage Sonnenmilch liegt. Zwiebelprinzip nennt man das. Und die Ferienprospektansicht ist nur vorne, hinten ist eine Landparzelle zu verkaufen, neben uns liegt Güsel und eine Pfütze stinkt erbärmlich vor sich hin… Ergo: Wir trauen nur unseren eigenen Augen und unseren eigenen Fotos, die wir selber geschönt haben.

Belize ist prächtig, ausser dass irgendwann die Stromversorgung zusammenbricht, weil die Spechte die Strommasten durchlöchern, ein Dutzend Löcher sind keine Seltenheit. Belize hat aber nicht nur Moskitos, Spechte, tropische Hitze, Hurricanes sondern ist ein sehr multikulturelles Land. In der ehemaligen britischen Kolonie leben nebst Weissen ehemalige schwarze Sklaven (Garífunas) heute als RastaMen mit Dreadlocks und chillen in der Hängematte zum ewig präsenten Bob Marley Sound während die Chinesen die Lebensmittelgeschäfte kontrollieren und die Mennoniten dafür sorgen, dass das Land mit Mais, Gemüse, Fleisch und Milchprodukten versorgt wird. Die ehemaligen Ureinwohner, die Mayas, leben zurückgezogen in ihren Dörfern auf ihre traditionelle Weise. In Belize wird Englisch aber auch Spanisch und Spanglisch, das auch als Kreol bekannt ist, gesprochen. Von letzterem versteht man als Sprachunkundiger nur die Hälfte bis gar nichts. Aber das stört niemanden. Alles ist hier total relaxt, karibischer way of life eben. Übrigbleibsel englischer Kultur ist nicht der Tee, sondern der englische Rasen, der mit dem Rasenmäher getrimmt wird, unsichtbare Mülldeponien und Trinkwasser aus dem Hahn. Belize war ein Holzfällerland, viel Urwald wurde abgeholzt, aber trotzdem ist das Land in weiten Teilen ohne Machete nicht begehbar. Grosskatzen wie Jaguar und Puma finden hier noch Lebensraum und sogar wir finden einen Jaguarfussabdruck auf einer Wanderung. Das Abholzen hatten schon die alten Mayas gut im Griff. Bevor die grossartige Kultur um 900 n.Chr. verschwand, hackten sie für ihre Tempel und Stadtanlagen den Urwald rücksichtslos kurz und klein und beackerten die abgeholzten Flächen für den Maisanbau. Doch der Urwald schlägt zurück und überwuchert jetzt die Tempelanlagen. Nicht nur der Urwald wuchert, auch die Schilder „Property for sale“ an der Küste. Die internationalen Maklerfirmen geben sich ein Stelldichein und so mancher US-Amerikaner erfüllt sich seinen Traum von Sonne, Meer und einem Palast. Wir gesellen uns in Placencia unter dieses Klientel und geniessen das Lobsterfestival um das übliche Reis-Bohnen-Poulet Menu zu umgehen. Der frische Lobster ist delikat. Die Mangos sind reif, die Ananas vom Feinsten, ein wenig Schlaraffenland. Die Karibik mag uns nicht sonderlich begeistern, zu warm und zu seicht um eine Abkühlung zu finden (nein wir waren nicht auf den Cayes, den vorgelagerten Inseln, das haben wir uns in Honduras zu moderateren Preisen gegönnt), doch bei Wanderungen durch den Dschungel gibt es immer irgendwo einen erfrischenden Wasserfall oder einen kleinen Pool um hineinzusitzen. Aber viele Bäche sind angestiegen und braun wegen des täglichen Gewitters. Drum lassen wir auch die vielen Höhlen aus, für die Belize auch noch bekannt ist. Alles in allem hat uns Belize mit seinem total anderen Flair ein wenig an Guyana und Surinam erinnert und in uns ein bisschen ein „Heimkommen“ ausgelöst. Vieles kommt uns bekannt vor, die Strassen neben der Hauptstrasse sind zwar nicht sandig, aber eben auch Pisten. Leider fehlen hier die viele schöne koloniale Holzhäuser denn Hurricane Hattie ist 1961 durchs Land gewirbelt. Wir wirbeln nach 12 schönen, feuchtheissen Tagen mit viel Elan nach Mexico.

Äh die die Mückenstiche auf meinen Fingern? Gute Frage, ich zähl nicht nach, ich hab mich aber ab und zu in unsere Randulina geflüchtet und den Kühlschrank abgetaut – das geht hier ruck-zuck! Nun ist er wieder bereit um Eiswürfel für den nächsten Caipi oder Mojito zu produzieren. Cheers!!

  

Begegnungen mit Helvetas Guatemala

08. Juni 2017

Auf unserer Reise begegnen wir den unterschiedlichsten Menschen. Menschen, mit denen wir ein Stück unserer Reisezeit verbringen. Menschen, die ihre Träume auf unterschiedlichste Art und Weise verwirklichen, oder Menschen, die einfach arbeiten und dabei wertvolle Aufbauarbeit leisten im Sinn von Entwicklungszusammenarbeit unter anderem mit helvetischer Unterstützung. Ausgewanderte Bäcker, Metzger, Restaurateure, Hoteliers, Gärtner und Mechaniker bilden aus, bilden weiter und erhöhen in vielen privaten Projekten das kleine Familieneinkommen und die Bildungschancen der einheimischen Bevölkerung.

Wir staunen nicht schlecht, als wir an der Laguna Chicabal in Guatemala über eine Tafel stolpern, auf der wir den Hinweis lesen, dass die Campingmöglichkeit mit kleinen Hüttchen, einem Restaurant, Sanitärräumen und grossem Spielplatz in Zusammenarbeit mit HELVETAS Schweiz aufgebaut wurde. Wir weisen stolz auf unsere Autonummer mit dem doppelten Schweizerkreuz hin – der Kassier hat Freude, dass wir hier übernachten; er meint, wir kämen des Projektes wegen. Doch davon hatten wir keine Ahnung. Auch unten an der Lagune finden wir eine Steintafel mit Hinweis, dass HELVETAS Schweiz der Gemeinde bei der Instandstellung der Mayakultstätte unter die Arme griff. Nicht nur finanziell, sonder auch ideell und mit Unterstützung zur Selbsthilfe.

Ausserhalb von Quetzaltenango übernachten wir auf der Kaffeefinca Cooperativa Chicoj. Da ist doch tatsächlich ein Auto mit einem grossen Kleber „HELVETAS“ parkiert. Ich spreche den Verantwortlichen der Finca an und frage, ob jemand dieser Organisation vor Ort sei. Ja, die Leute sässen grad beim Kaffee (wie es sich auf einer Kaffeeplantage so gehört) und besprächen ein Projekt.

Wir gesellen uns vorwitzig zu den HELVETAS Leuten, stellen uns vor und werden herzlich begrüsst. Que lindo, de Suiza son ustedes…Suiza es bonita. Gracias, Guatemala tambien es muy bonita y el café guatemalteco está rico.

So geht das eine Weile hin und her. Ana Isabel Mendoza Reyes (Kommunikationsbeauftragte) und Marcelo (Ing. Agronom), Vertreter von HELVETAS sowie Trindis und Armando (beide vertreten die FORJA Federación de Jóvenes Agricultores Empresarios und die Cooperationszusammenschlüsse Fedecovera) erklären uns, dass auf der Finca Chicoj ein Schulungsprojekt für Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren lanciert wird. In erster Linie geht es darum, den Jugendlichen die Vorteile einer Cooperative näher zu bringen. Mit dem neuen Wissen, sollen sie in ihren angestammten Cooperativen arbeiten. Besseres Verständnis für ökologische Zusammenhänge, bessere Gesundheit und letztendlich höheres Einkommen soll zur Verhinderung der Landflucht beitragen. HELVETAS unterstützt das Projekt finanziell, ebenso sind die Cooperativen finanziell und personell mitbeteiligt und der Staat Guatemala leistet einen Obulus. Die meisten der geschulten Jugendlichen tragen dass Wissen auch wirklich heim, ein kleiner Teil versucht sich in neuen Projekten z.B. als Handwerker und ein noch kleinerer Teil studiert.

Man muss wissen, dass Kaffee und Cacao, in Guatemala ausserdem Kardamom, Pfeffer und Holz praktisch überall in Cooperativen angebaut werden. Familienbetriebe schliessen sich einer Organisation zusammen, die wiederum nimmt die Ernte im Beneficio an, bezahlt jede Erntefamilie nach Weltmarktpreisen und verkauft die grünen, getrockneten Bohnen weiter an Grossabnehmer. Nur ein winziger Anteil der Ernte wird vor Ort geröstet. Kaffee ist in allen Ländern Exportgut, deshalb geschieht die Veredelung erst in den Abnehmerländern. In den Anbauländern bleibt der minderwertige Kaffee, das ist keine Abwertung, denn eine Kaffee- oder auch Schokoladekultur wie bei uns gibt es nicht. Löslicher Kaffee ist bei der Bevölkerung weit verbreitet, oder dann der schwarze zuckersüsse Tinto, bei dem die fast schwarz gerösteten, gemahlenen Bohnen im Wasser gekocht werden.

Ein weiteres Projekt mit Untersützung von HELVETAS ist die Glasbläserei COPAVIC in Cantel. Dort werden aus geschmolzenen Altglasflaschen einer Distillerie Trinkgläser, Wasserkrüge, Vasen und vieles mehr für den Export hergestellt. Zu kaufen gibt es diese Gegenstände auch im HELVETAS Shop.

Seit 1972 engagiert sich HELVETAS in Guatemala, erklärt uns Ana Isabel, und freut sich, dass ihr Heimatland zu den bevorzugten HELVETAS Ländern gehört. Sie ist stolz im Januar 2018 an einer grossen Konferenz in der Schweiz teilnehmen zu können. Uns hat die Begegnung mit den guatelmaltekischen HELVETAS-Mitarbeitern besonders gefallen, da Stefan’s Rotary Club Oberer Zürichsee seit Jahren mit dem Erlös eines Secondhand-Buchladens Projekte von HELVETAS weltweit grosszügig unterstützt.

  

Guatemala

P.N. Volcán de Pacaya – Antigua – Chimaltenango – Comalapa – San Marcos de Atitlan – Chichicastenango – Totonicepán – Fuentes Georginas – Quetzaltenango – Laguna Chicabal – Salcajá – Chichicastenango – Cobán – Lanquín – Semuc Champey – Aguas Calientes – Rio Dulce – Flores – Tikal – Yaxha – Nakum

20. Juni 2017

Guatemala: Vulkane, urige Märkte der Mayabevölkerung in traditioneller Bekleidung und antike Mayaruinen. Das sind kurz zusammengefasst die drei Hautattraktionen. Trotz der langsam einsetzenden Regenzeit haben wir an allen erlebnisreichen Orten perfektes Wetterglück.

Kurz nach der Einreise in Guatemala erlebten wir unseren ersten Höhepunkt. Wir sind seit Monaten die ersten Touristen, die mit einem Führer auf den Gipfel des aktiven Vulkanes Pacaya (ca. 2600müM) wandern können, teils weil wir so fit sind und teils weil unser Führer selbst sehen will, wie aktiv der Vulkan zur Zeit ist. Auf dem Gipfel riechts ganz gruselig nach faulen Eiern, die Schwefeldämpfe reizen die Lunge und wir rennen aus dem beissenden Wind. Über eine Stunde verbringen wir auf dem eiskalten Gipfel, geniessen die Aussicht aus der Vogelschau – unten die grünen Felder, neben uns der ab und zu glühende Brocken speiende Vulkanschlund des Pacaya und am Horizont der rauchende Vulkan Fuego. Aber auch erloschene Vulkane haben ihren Reiz. In vielen bilden sich Lagunen, Kraterseen und die Lagune Chicabal ist ganz besonders schön. Sie liegt spiegelglatt im Dschungel und ist nur auf einer steilen, glitschigen Piste, einer steilen Wanderung und etwa 600 Treppenstufen in die Tiefe zu erreichen. Morgens um 6 Uhr verleiben wir uns dieses Erlebnis ein. So früh, weil gegen Mittag alles zugenebelt wird. Wir werden nicht enttäuscht, einer der Hauptzeremonienplätze der Mayabevölkerung zieht auch uns in seinen Bann. Mit den „geopferten“ Blumen im See ein wahrlich magischer, mythischer Kraftort.

Dass die Mayakultur immer noch gelebt wird, zeigt sich bei vielen Friedhöfen und vor den Kirchen. Den Missionaren gelang anno dazumal ein Husarenstück, als sie die Riten der Mayas mit christlichem Glauben verschmolzen und die Mayas so zum Christentum bekehrten. Blumenverkäuferinnen machen grosse Geschäfte, Feuer und Kerzen werden entzündet, Weihrauch geschwenkt, über die Opfergaben ein wenig Schnapps gesprenkelt, die Götter sind besänftigt, die Massen in der Kirche… ein tolles Nebeneinander. Dass die spanischen Eroberer den Mayas je nach Region verschiedene Trachten aufzwangen um sie zu kennen, beschert uns heute noch farbenprächtige, aufwändig gekleidete Frauen. Die gewobenen oder bestickten Huipiles (Blusen) und Fajas (Gürtel), die weiten Cortes (Röcke) sind eine wahre Augenweide und bringen mich fast in einen Stoffkaufrausch. Die Märkte sind authentisch, wenn auch der von Chichicastenango am Sonntag jeweils ein wenig für Touristen aufgerüstet wird. Doch die Mayadamen kaufen hier ihre Stoffe, um sich neu einzukleiden. Eine Tracht ist mittlerweile auch ein kleines finanzielles Abenteuer, so setzen sich auch leichtere, preisgünstigere Polyesterblüschen durch, nicht minder kunstvoll bestickt. Und im Gürtel steckt selbstverständlich das allzeit präsente Handy.

Auch der Lago Atitlan zieht uns in seinen Bann, steile Strassen führen hinunter zum Campingplatz beim Franzosen Pierre. Von hier aus starten wir Ausflüge mit dem „Kursschiffli“ zu anderen Orten am Lago. Das ist angenehmer als die steilen, löcherigen Strassen zu fahren und erst noch kurzweiliger.

Nebst Vulkangestein offeriert Guatemala auch viele Karstgebiete mit weitverzweigten Höhlensystemen. In Lanquín campen wir bei heftigstem Regen vor einer Höhle und haben abends beim Eindunkeln ein wunderbares Erlebnis. Da sitzen wir also mucksmäuschenstill im Höhleneingang, während die kleinen Nachtschwärmer lautlos über unsere Köpfe hinweg ins Freie fliegen um die ausfliegenden Termiten zu verspeisen. Das geht über Stunden so… aber auch uns lockt irgendwann der Znacht. Igitt, überall liegen Termitenflügel neben unseren Tellern und die jetzt ausgewachsenen Termiten krabbeln auf unserem Tischtuch. Da gibt es nur eines, die Lampe möglichst soweit weg platzieren, dass wir zwar Licht haben, die Viechli aber nicht mehr auf unserem Tisch landen. Anderntags fahren wir bei grossem Wetterglück nach Semuc Champey. Hier versinkt der Fluss in einem Karstloch und fliesst unterirdisch weiter. Vor Millionen von Jahren bildeten sich oberirdische Becken, die mit kristallklarem, kühlem und grünem Wasser zum Planschen einladen. Doch vor dem Vergnügen absolvierten wir die schweisstreibende, fast senkrechte Wanderung zum Aussichtspunkt hinauf und wieder hinunter. Bei fast 40 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit nicht wirklich angenehm. Und wie ist das mit Thermen bei diesen Temperaturen? Trotz allem wunderbar. Vorallem wenn wir kurz vor der Karibik die Möglichkeit haben, etwas völlig aussergewöhnliches auszutesten: einen heissen Wasserfall. Aguas Calientes – vom Feinsten. So eine genussreiche Morgendusche hatten wir noch nie. Frisch duftend fahren wir im Seglermekka Rio Dulce ein. Im hurrikanfreien Hafen und Zufluchtsort der Weltumsegler bleiben wir für einige Tage, wollen einige Dellen in unserer Kabine mit Fiberglas flicken lassen. Der Arbeiter misst aus, stimmt die Farbe ab, bestellt das Material und meint, die Sache sei in 3 Tagen erledigt. Dann ist er an zwei von drei Tagen betrunken und wir fahren von dannen wie wir angekommen sind. Es bleibt uns nicht mehr viel Zeit in Guatemala, die 90 Tage Aufentaltsdauer sind bald zu Ende. Die restlichen Tage verbringen wir besser bei den antiken Mayaruinen von Tikal, Yaxha und Nakum. Tikal hat uns mit seiner schieren Grösse fast erschlagen, stundenlang durchstreifen wir den Dschungel, klettern auf Pyramiden, hören den Brüllaffen zu und bestaunen die Trapezübungen den grazilen Spinnenaffen. Tikal ist die grösste Anlage und touristisch bestens vermarktet. Wir haben kurzes Wetterglück, aber nicht so grosses, dass der spektakuläre Sonnenaufgang stattfindet. Also weiter nach Yaxha mitten im Dschungel am See. Dort fahren eine Viertelstunde später Mirjam und Abraham aus dem Baselbiet ein und da wir uns auf Anhieb gut verstehen und ähnlich reisen, entdecken wir die beiden Mayastätten Yaxha und Nakum abseits des Touristenrummels gemeinsam. Und hier erleben wir auf einer Pyramide sitzend einen spektakulären Sonnenuntergang. Während der Regenzeit ist es angezeigt, einige Dschungelpisten ausserhalb der Zivilisation nur im Konvoi zu fahren. Diesen Rat nehmen wir uns gerne zu Herzen und fahren gemeinsam nach Nakum. Bäume, Lianen, Blattwerk muss ab und zu zur Seite geräumt werden, Schlammlöcher werden umfahren, alles geht gut und die Pyramiden von Nakum können wir trotz nächtlichem Dauerregen bei strahlender Sonne besichtigen. Auf der Rückfahrt sind wir dann um unseren Kleinkonvoi froh, die Piste ist aufgeweicht, wir wühlen uns durch und erst säuft Abi’s Toyota in einem Schlammloch ab und kaum ist er rausgezogen rutscht unsere LandRover Lady in Schräglage und der Toyota kommt zum Zug. Für solche Strecken sind unsere Autos gebaut! Danke Mirjam und Abi für die schönen Tage.

Es gäbe noch viele Geschichten zu schreiben. Guatemala hat uns mit seiner Vielfältigkeit, seiner Landschaft, seinen Menschen mit ihren alten Traditionen sehr berührt und fasziniert.

  

999 Tage unterwegs – und was jetzt?

13. Juni 2017

Vor 999 Tagen, am 21. September 2014 sind wir in Buenos Aires gelandet, mit zittrigen Knien und einem Herz voller Vorfreude und auch Respekt vor dem, was auf uns zukommt und von dem wir noch völlig ahnungslos sind. Was haben die 999 Tage aus uns gemacht?

Vor zweimal 999 Tagen fassen wir den Entschluss, eine „grosse Reise“ zu machen, wohin steht noch in den Sternen. Die Vorbereitungsphase umfasst einiges – Spanischunterricht für mich, Länder- und Kartenstudium für Stefan. Für uns beide, Verkauf der Wohnung und für mich, die Suche nach etwas Kleinerem für alle Fälle. Die Zeit saust vorbei, eines Tages klopft Stefan mir auf die Schulter, he Frau – Zeit für die Kündigung, du bist 55. Uff, ein schwieriger Schritt, raus aus dem gemachten Nest, raus aus der Komfortzone, wo alles wie am Schnürchen läuft. Halte ich das durch, hält er das durch, halten wir das dauernde Zusammensein und die grosse Nähe im kleinen Auto so lange aus? Wie ist das für unsere Familien, Eltern, Kinder, Freunde?

Auf die Frage meiner diversen Spanischlehrer, welches die Motivation sei, eine neue Fremdsprache zu lernen, antworte ich wahrheitsgemäss, dass wir vorhätten irgendwann 3 Jahre Lateinamerika zu bereisen. Jeder korrigierte mich: No tres años, pero tres meses o tres semanas. Seguro, tres años con nuestro Land Rover. Unvorstellbar nicht nur für mich sondern auch für andere!

Wir gehen nicht, weil es uns daheim nicht gefällt, Probleme kommen mit. Wir gehen, weil es uns daheim gefällt aber weil wir noch etwas hinter den Horizont sehen wollen. Auswandern ist nicht das Ziel! Ganz klar, wir wollen wieder nach Hause, wir wollen ein Projekt durchziehen und wenn es fertig ist, ein Neues starten. Die Welt verbessern ist auch nicht das Ziel, wir sind Gäste, sehen, staunen, machen uns unsere Meinung.

Ja, der ganze Aufwand hat sich gelohnt. Noch sind wir nicht in Mexico, schon gar nicht in Alaska wie ursprünglich geplant. Pläne kann man ändern, von Vorgaben kann man abweichen, das ist das Salz in der Suppe.

Der grosse Schritt ins Ungewisse ist uns gelungen, wir schätzen unsere Flexibilität und Spontanität und freuen uns nach über 36 Jahren Gemeinsamkeit immer noch so viel Nähe zu ertragen, an einem Strand in entgegengesetzte Richtungen zu spazieren um uns bei einem Apéro wieder in die Arme zu fallen.

Wir können es aushalten: Immer wieder die gleichen T-Shirts, die gleichen Hosen. Wochenlang kein duftendes Bettzeug, tagelang keine Dusche, kein Bach um hineinzusitzen, und uns zum Wassersparen mit einigen Feuchttüchern ein wenig abstauben. Ja wir können es noch – auf den Luxus verzichten und uns freuen, wenn’s Bettzeug aus der Wäsche kommt, wenn’s auf dem WC Papier hat und aus der Leitung wenigstens so viel Wasser kommt, dass der Schaum runtergeht. Wir können noch Hitze und Kälte ertragen.

Es gibt auch Dinge, die wir nicht mehr können müssen – in einer Stadt in einem billigen Hostal übernachten nur weil es ein Treffpunkt mit anderen Reisenden sein könnte, auf einem Supermarktparkplatz oder einer Tankstelle schlafen weil es gratis ist, das ist uns zu lärmig und wir fühlen uns zu ausgestellt. In einem überfüllten Bus oder Boot einen Touristenausflug machen oder gar eine „Geheimtipp-Wanderung-von Lonely Planet“ zu einem 15m hohen Wasserfall. Die Welt ist entdeckt, unentdeckte Wasserfälle und Naturvölker mag es noch geben, aber die stehen nirgends als „Geheimtipp“. Druckerschwärze plus Millionenauflagen gleich Touristenhöhepunkte. Das muss nicht negativ sein, unsere Langzeitreiserei gibt uns den Vorteil, auswählen zu können, das kann ein Kurzzeitreisender nicht. Er will Höhepunkte, wir auch, aber etwas anders gelagert. Manchmal sind für uns an touristischen Höhepunkten ganz andere Dinge interessant. Es braucht Zeit, zuzulassen, dass bei einer Mayaruine nicht die Hauptpyramide den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt, sondern die alles überwuchernde Natur, die sich einen Deut drum schert, wie archäologisch wertvoll die Stätte eigentlich ist.

Und was vermissen wir? Natürlich unsere Kinder, die sich daheim so herzlich um alles kümmern, was während unserer Abwesenheit anfällt; die mit grosser Liebe unseren zwei Müttern die Reiseberichte vorlesen und sich rührend um sie kümmern. Und unsere vielen Freunde, dazu gehören auch viele neue Freundschaften, die wir während unserer Reise machen durften. Mit den Meisten stehen wir in virtuellem Kontakt, aber ein gemeinsames Glas Wein ist immer noch das Schönste.

Und unsere Fitness? Wir üben täglich, wir spulen ein grosses Fitnessprogramm ab. Wir sind topfit in Geduld. „Manãna, mañana“, stresst uns schon lange nicht mehr. Die Arbeitsmentalität- und das Zeitempfinden sind völlig anders, hat man daheim ein Problem geht man nicht zur Arbeit, das Geschäft bleibt geschlossen, die Arbeit bleibt unerledigt obwohl sie uns versprochen ist. Soviel Geduld kann ein Kurzzeitreisender nicht aufbringen, die Ferien sind zu schnell vorbei. Ich bin für eine Briefmarke schon 45 Minuten angestanden, ohne zu lesen, ohne in ein Handy zu gucken – in einer Schlange mit anderen geduldig Wartenden. Wir haben 1 Woche auf neue Bremsbeläge gewartet (glücklicherweise in einem Weinbaugebiet in Argentinien in netter Begleitung). Das Schwierigste für mich: das l.a.n.g.s.a.m.e Internet. Da bin ich noch immer ungeduldig und kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Das Schwierigste für Stefan alle Schwellen, Lomos, Lombadas, Tumulos, Drempel, Löcher im Asphalt im richtigen Moment zu sehen, zu bremsen, zu umfahren und sich nicht über das nichtgesehene Objekt zu ärgern.

Doch in zweimal 99 Tagen wird auch diese Ungeduld ein Ende haben und die Nerven werden dem Glasfaserkabel und den sauber asphaltierten Strassen (vielen Dank, Guido!) dankbar sein. Alaska muss warten auf ein andermal, wir haben es bereits vor 30 Jahren bereist, der Verzicht hält sich also in Grenzen. Nach der Rundreise in Mexico wird unsere Randulina nach Hamburg verschifft… das Internet war zumindest einmal schnell genug um diesbezüglich Informationen einzuholen. Wir werden ganz gemütlich heimtuckern und unterwegs bei einigen Reisefreunden in deren Gärten übernachten und bei einem Glas Wein von vergangenen Zeiten schwärmen und über neue Traumländer diskutieren, die nur auf schlaglochübersäten, wellblechartigen Pisten erreichbar sind, wo fliessendes Wasser Luxus ist und schnelles Internet ein Wunschgedanke, wo Pferdestärken Karren vorwärtsbringen, wo das Abenteuer lockt und der Sternenhimmel endlos ist.

  

El Salvador

El Poy – El Pital – Suchitoto – Perquin – San Miguel – Laguna de Alegría – San Salvador – Parque Nacional El Boqueron – Joya de Cerén – Parque Nacional Cerro Verde – Termales de Alicante

28. Mai 2017

El Salvador, ein Land das wie etliche mittelamerikanische Länder Spielball der USA war, das von gefährlichen Jugendbanden, den sogenannten Maras, tyrannisiert wird, dessen Hauptstadt die höchste Mordrate der Welt aufweist, halb so gross wie die Schweiz ist aber gleichviele Einwohner hat, erleben wir wiederum als herzlich, dem Tourismus aufgeschlossen und von den bösen Buben haben wir dank Polizisten als Geleitschutz nie etwas zu spüren bekommen.

Wir fahren in El Salvador ein, der Zöllner schmunzelt über unsere vielen Stempel, ihr kennt wohl die ganze Welt…aber jetzt bleibt euch nicht mehr viel Zeit für El Salvador und Guatemala. Die G4 Länder Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua erlauben eine maximale Aufenthaltszeit von 90 Tagen. Normalerweise erhält man sonst pro Land soviel. Wir werden das regeln, wenn wir in Guatemala einreisen. Für El Salvador reicht die Zeit ausreichend. Das Land ist klein und obwohl wir sonst eigentlich einer Regel folgen die heisst, pro Tag ein Höhepunkt, ist es hier einfach, an einem Tag zwei Höhepunkte zu schaffen. Die Strassen sind durchgehend asphaltiert, ab und zu mehr Flickenteppich aber kurvenreich. Das Land ist hügelig, Vulkane recken ihre Krone stolz in die Luft, an den Hängen gedeiht Kaffee. Jetzt, am Anfang der Regenzeit ist es in den Höhenlagen neblig und kühl. Abendliche Temperaturen um 19 Grad und eine Feuchtigkeit von 100% die von regelmässigen spätnachmittäglichen Gewitter herrührt, lassen uns wieder vermehrt im Auto sitzen. Tagsüber ist es heiss. Auf dem höchsten Berg, dem El Pital, 2730m, kann es sogar ganzjährig schneien. Bei uns hats geregnet, doch am Morgen konnten wir doch einen Spaziergang zum Grenzstein El Salvador – Honduras unter die Füsse nehmen (ohne schneestapfen). Orchideen, Hortensien, Bromelien gedeihen hier prächtig. In Suchitoto dann Sonne pur plus ein Gewitter gleich 38 Grad und 80% Feuchtigkeit, uff Klimaanlage an im Auto. Aber wir wollen ja in diesem schmucken Städtchen zum Wasserfall, auch wenn er kein Wasser hat. Basaltsäulen sind auch ohne Wasser sehenswert und gibt es nicht überall auf der Welt. Damit wir nicht verloren gehen, es geht allerdings alles der Hauptstrasse und noch 50m auf einem Schotterweg dahin, begleiten uns zwei Polizisten. Auch bei der grösseren Wanderung auf den Vulkan Santa Ana marschieren wir mit einem Führer und unter Begleitschutz der Polizei. Diesmal geht es weniger um’s verirren, in den Anfängen des Tourismus sind einige Leute überfallen worden. Die Polizisten sind allerdings nicht so fit und keuchen langsam hinterher. Der Vulkan Santa Ana hatte seine letzte grosse Eruption am 1. Oktober 2005. Die Aussicht oben auf dem Kraterrand in 2384m Höhe in den Schlund hinunter ist gigantisch. Unten brodelt eine Suppe von der wir ab und zu einen Schwefelduft in die Nase bekommen. Eine gut gewürzte Sache. Von denen gibt es in El Salvador noch einige. Auch die Laguna de Alegría wartet mit Schwefeldüften auf uns, ein interessanter Schlafplatz. Da es auch hier kühlfeucht ist, werfen wir ein Feuer an und brutzeln uns eine Pizza. Ich mag mich gar nicht mehr erinnern, wer einmal gesagt hat, Mittelamerika sei so unerträglich heiss, El Salvador macht uns gleich mit dem Gegenteil bekannt. Etwas heisser war es wohl um’s Jahr 530, ein vulkanischer Ascheregen deckte ein ganzes Dorf zu. 1973 hat man die Häuser ausgegraben und wir können die winzigen Häuschen bestaunen, so ähnlich wie Pompej in Italien. Nur dass es hier keine Toten gab, die Menschen sahen das Unheil kommen und konnten sich in Sicherheit bringen. Die Hauptstadt San Salvador liegt am Fuss des gleichnamigen, aktiven Vulkans, kaum vorstellbar, welche katastrophalen Auswirkungen hier ein Ausbruch hat, leben hier doch mehr als 1.5 Mio. Einwohner. Wir haben San Salvador nur kurz gestreift und uns einen Ausblick auf die Stadt vom Boqueron gegönnt, nachts ein gewaltiges Lichtermeer.

Auch unserer Randulina hat es in El Salvador gut gefallen. Sie wird dieses Land als Wellnessoase in Erinnerung behalten. Sie bekam fachgerecht ein neues Radlager montiert. Glücklicherweise haben wir unsere Ersatzteile dabei, so hat sich das Warten darauf beschränkt, bis der Mechaniker einen geeigneten Schraubenschlüssel zum Lösen unserer Steckachse organisiert hat. Innerhalb von 3 Stunden war das Problem des defekten Radlagers gelöst. Kostenpunkt 25 US$. Weil alles so gut gegangen ist, peilen wir noch ein Lubricentro an und gönnen ihr gleich noch einen Ölwechsel. Natürlich mit Filterwechsel und allem was dazu gehört. Der Chef kümmert sich persönlich um uns und deckt uns mit Reisetipps ein, mit dem Hinweis, wir sollen unbedingt am Wochenende in die touristischen Gebiete, dann hätte es viele Leute und sei superlustig. Auf superlustig haben wir aber definitiv keine Lust, denn superlustig heisst, es ist fertig mit der Ruhe, überall Musik und wir werden belagert und dürfen immer die gleichen Fragen beantworten.

Auf der Ruta de las Flores fahren wir Richtung Grenze zu Guatemala. Sie macht ihrem Namen alle Ehre, Gärten mit üppigem Blumenmeer wechseln sich mit herzigen Cafés ab. An der Laguna Verde, idyllisch in einem Vulkankrater gelegen, wachsen Azaleen. Den letzten unserer 9 Tage in El Salvador verbringen wir in den Termas de Alicante. Herrlich so frisch gebadet ein neues Kapitel aufschlagen zu können.

Abschliessend können wir von diesem kleinen Land nur schwärmen. Unsere Übernachtungsplätze, immer streng bewacht von Sicherheitspersonal und für die Nacht gut mit Toren abgeriegelt, waren immer wunderschön. Riesige Wiesen, Lagunen, leichte Pinienwälder, wir fühlten uns immer sicher und die Grösse vermittelte das Gefühl, wir würden wild campen.

  

Honduras

Danlí – Parque Nacional La Tigra – Valle los Angeles – Trujillo – Isla Guanaja – Trujillo – Sambo Creek – Islas Cayos Cochinos – Tela – Miami – Gracias Lempira – Copán Ruinas – Santa Roas de Copán – Ocotepeque – El Poy (Grenze zu El Salvador)

18. Mai 2017

Honduras, ein Land das viele Reisende in einigen Stunden an der Pazifikküste durchqueren, ohne es bereist zu haben. Wir verbringen viel mehr Zeit als eingeplant, einerseits weil das Land so viel bietet und andererseits weil wir hier eine nette Bekanntschaft machen, die uns auf die Karibikinsel Guanaja einlädt. Wir erleben Honduras als angenehmes Reiseland mit vielen verborgenen Schönheiten, tropisch feuchten Temperaturen, erleben aber auch einmal die langsamen Mühlen der Polizei.

Andere Reisende erzählen von 4-stündigen Grenzübertritten, bei uns ist das jeweils in knapp eineinhalb Stunden geregelt. Wir sind gut vorbereitet, haben alle nötigen Kopien dabei, (in Honduras brauchten wir die nicht einmal), die Zöllner sind freundlich und weil unsere Taktik, bis zum Schlagbaum zu fahren bis jetzt gut funktioniert hat, handhaben wir das weiterhin so. Die Grenzbeamten erklären uns die Vorgehensweise mit Hinweise auf die entsprechenden Schalter und so können wir uns auch die Grenzhelfer vom Leib halten, die aber so schlimm auch wieder nicht sind. Wir plaudern mit ihnen, verweisen auf die vielen Sticker auf unserem Auto und meist kommen sie selber auf die Idee, dass wir wohl besser Bescheid wissen, wie ein Auto einzuführen ist. In Danlí trinken wir unseren Café in einer Cafébar, ein WC gibt es nicht, aber an der Plaza gibt es eine blitzsaubere, öffentliche Toilettenanlage. Dass man die Tür nicht schliessen kann, weil es kein Licht gibt und dass man mit einem Eimerchen Wasser spült, daran bin ich mich schon lange gewöhnt. Wir möchten noch eine Zigarrenfabrik besichtigen, doch es ist Freitag, nächste Woche Semana Santa, also Karwoche, da gibt es keine Besichtigungstouren. Unsere erste Nacht im neuen Land verbringen wir auf einem Hotelparkplatz eines Rotariers. Den Swimmingpool, den wir mit einer Maus und einem Frosch teilen, benützen wir der Hitze wegen trotzdem. Anderntags im hochgelegenen Nationalpark La Tigra brauchen wir dann aber die Wolldecke zum Schlafen. Hier wurde früher im grossen Stil Gold und Silber abgebaut, heute erobert sich die Natur alles zurück und wir wandern in den kühlen Nebelwäldern herum. Ein buntes Sonntagstreiben herrscht in Valle Los Angeles, hierhin flieht man aus der Hauptstadt Tegucigalpa, gönnt sich ein opulentes Mittagsmahl und kauft wacker Souvenirkitsch ein.

Ganz anders an der Küste. Nach einer langen Überlandfahrt kommen wir in Trujillo an, hier betrat Kolumbus 1502 auf seiner vierten Reise erstmals das Festland von Zentralamerika. Hier kommen wir mit Ulli ins Gespräch und hier erleben wir, dass das geflügelte Wort „Die Welt ist ein Dorf“ tatsächlich stimmt. Kennt doch Ulli unsere gemeinsamen Seglerfreunde Inge und Werner und lädt uns spontan in sein Haus vor der Insel Guanaja ein. Sogar Jan, mit dem wir seit Kolumbien immer wieder unterwegs sind, schafft den Sprung auf das Boot. So schippern wir zu Dritt nachts um 2 Uhr mit einem Fischkutter in 7-stündiger Fahrt von Trujillo nach Guanaja. Dort muss wohl das Paradies sein. Unterwasser wie Überwasser! Bei Eliane und Laurent, zwei Schweizern, die hier sesshaft sind, trifft mich fast der Schlag, wohnt doch Elianes Schwester in unserem ehemaligen Nachbardorf…..Die 3 Tage sind im Husch vorbei, herzlichen Dank euch allen, es war toll! Die Überfahrt nachts um 1 Uhr zurück nach Trujillo war dann weniger toll….. wenn man wie ich, vorher noch Tschingis Aitmatovs ´Der Junge und das Meer´ gelesen hat, dazu eine blühende Phantasie hat, von mehreren Wellen überspült wird und nass und fröstelnd dahockt, wünsche ich mir sich nichts sehnlicher als den Tag herbei, damit ich weiss, wo wir untergehen werden. Doch weil wir alle überleben und weil es so schön war, hängen wir grad noch die Cayos Cochinos an, die Schweineinseln hätten einen paradiesischeren Namen verdient. Weniger schön war, dass tags zuvor Jan’s Fotoausrüstung aus seinem Auto gestohlen wurde und wir so in Kontakt mit der Polizei treten mussten, die sehr ineffizient arbeitet. Was ist schon ein Fotoapparat, hier hat man grössere Sorgen. Eine Polizistin meinte, er hätte Glück gehabt, eigentlich hätten es die Schurken auf sein Auto abgesehen und die Fotoausrüstung sei nur Beigemüse. Die gleichen Typen haben nämlich etwas später einen Motorradfahrer überfallen um ihm den Töff zu stehlen. Der hat dann wie wir Anzeige erstattet. Deshalb „sucht“ die honduranische Polizei nach einem schwarzen Ford Focus. Jan sucht eine neue Kamera in Guatemala City und wir suchen uns weitere Karibikstrände. Bei den Garífunas in Miami werden wir fündig. Garífunas sind Abkömmlinge der schwarzafrikanischen Sklaven, die von Afrika via Karibikinseln in die Zuckerrohrplantagen verkauft wurden. Sie leben heute noch an der Karibikküste und den vorgelagerten Inseln und haben sich ihre eigene Kultur bewahren können. Mit einem Boot tuckern wir in die Mangroven hinein, Krokodile und Äffchen lassen sich leider keine blicken, vielmehr machen wir bei nächtlicher Windstille Bekanntschaftschaft mit den lästigen Sandflies. Stefan sieht am nächsten Tag aus als hätte er Pocken, ergo das Paradies auf Erden gibt es nicht, eine Tube Fenistil ist bald aufgebraucht, die Stiche jucken gröber. Da hilft nur eines, zum Wasserfall Pulhapanzak zu fahren und ins kühle Nass zu stehen.

Nach einigen Tagen ist der gröbste Juckreiz abgeheilt und wir können uns ganz den Mayaruinen von Copán hingeben. Auf dem Weg dorthin regnet es, aber den entgegenkommenden LandRover mit Solothurner Nummerschild sehen wir auf Anhieb. Boxenstopp mitten auf der Landstrasse, Geplauder im Regen und „aha, ihr seid die“ und „genau, ihr habt auf Facebook Randulinas eingerichtet, wir sind Mitglieder in Facebook- und whatsApp Gruppen. Es ist ein ganz anderes Reisen als vor 35 Jahren, bei unserer ersten Weltreise. Nix FB, E-Mail, Smartphone und elektronische Karten und trotzdem haben wir den Weg damals auch gefunden und Freunde, mit denen wir heute noch Kontakt pflegen auch! Es war nicht besser aber anders!

In Copán auf den Ruinen herumkraxelnd fragen wir uns, was von unserer Kultur für die Archäologen in 1000 Jahren übrigbleibt. Viel Abfall und Glassplitter, Stahl… ob sie unsere Fussballfelder für Zeremonienplätze halten (was sie im weitesten Sinn auch sind). Ich weiss nicht, ob mich die guterhaltenen Mayaruinen oder die roten Aras mehr faszinieren. Sehr faszinierend ist die Tatsache, dass wir zusehen können, wie im Mayadorf ein Skelett mit Zahnarztinstrumenten freigelegt wird. Fotografieren dürfen wir leider nicht.

Bei brütendender Nachmittagshitze trinken wir später im Ort Café aus den hiesigen Plantagen und geniessen ein wirklich feines Käseplättchen. Irgendein Könner stellt hier veritablen Käse her, ein Genuss. Das Volk ernährt sich dreimal täglich von Reis, Bohnen und fritierten Kochbananen und kippt literweise Süssgetränke in sich hinein, was wohl satt macht, aber leider auch zu Übergewicht und Diabetes führt. Dem Mangoverkäufer kaufe ich zwei süsse Früchtchen ab, unreif isst man sie mit Salz, wir lieben sie zum Zmorge schön reif! Dann noch einige Bananen und Tomaten, aus den Avocados gibt’s Guacamole und der Apéro ist wieder einmal gerettet. Und weiter geht die Fahrt. Vor uns schnauft ein Bus, an jeder Haltestelle wird er von einem halben Dutzend Wasser- und Esswarenverkäufern gestürmt. Für uns heisst es jetzt überholen, denn kaum ist die Flasche leergetrunken und die Styroporschachtel leergegessen wird aufgeräumt: Alles fliegt zum Fenster hinaus, da kann man leicht was in die Windschutzscheibe kriegen. Die Hunde und die Geier freuts, jeder kriegt einen Leckerbissen ab, Güselsammler holen sich Petflaschen und Aludosen, der Rest bleibt liegen. En Guete! Schön war es trotzdem in Honduras und bis auf die eine Episode völlig ungefährlich!

  

Südostschweiz Graubünden

Bericht von Fadrina Hofmann über uns und unsere Reise in der Sonntagsausgabe vom 13. Mai 2017

  

Nicaragua

Cañas Castilla – San Jorge – Isla Ometepe – Rivas – Granada – Masatepe – Vulkan Masaya – León – Playa Las Penitas – Chichigalpa – Chinandega – Potosí – Cosigüina – Matagalpa – Jinotega – Esteli – Somoto

07. April 2017

Bürgerkriege, Somoza Regime, Sandinisten, Contras, Handelsembargo, schwerbewaffnete Sicherheits- und Polizeipräsenz – oder doch eher Land zwischen Pazifik und Karibik, Vulkane, Lagunen, Inseln, Kaffee, Zuckerrohr, Rum, Tabak, Cigarren und freundliche Menschen und KEIN Massentourismus?

Was für uns Schweizer die attraktiven 4000er mit schneebedeckten Gipfeln sind für die Nicaraguaner die Vulkane mit ihren Rauchfahnen oder kochenden Lavabecken. Der Nicaraguasee mit seinem Juwel, der Insel Ometepe ist wie ein Meer, das den Bodensee klein aussehen lässt. Der Somoto Cañón erinnert an die Via Mala, das Wasser ist einfach einige Grade angenehmer. Es gibt einiges zu sehen in Nicaragua.

Mit eigenartigen Gefühlen sind wir in dieses Land gereist und es hat uns ganz in seinen Bann gezogen.

Wir wissen, dass Nicaragua ein sehr armes Land ist, das bedeutet in der Regel Schmutz und kaputte Strassen, schlechtes Wifi und der Gringo wird abgezockt wo es nur geht und von Polizeistreifen sicher immer angehalten. Nichts von alldem haben wir erlebt. Die Dörfer sind bis auf einige Ausnahmen sauber und ordentlich, die Strassen durchgehend lochfrei asphaltiert, das Internet funktioniert hervorragend wenn vorhanden und wir werden stets höflich und zuvorkommend behandelt und einer Polizeistreife sind wir nie begegnet oder nur freundlich winkend. Es gibt in diesem „gefährlichen“ Land nicht mehr Sicherheitskräfte vor Banken oder öffentlichen Gebäuden wie sonst auch, also alles in allem alles im grünen Bereich.

Das Land empfängt uns mit rosarot blühenden Bäumen. Kurz vor der Regenzeit scheint alles schönstens zu explodieren. Wir buchen eine Fährpassage zur Insel Ometepe und verbringen die Tage bis zur Abfahrt in der Nähe von San Juan del Sur an menschenleeren Strände. Ometepe, einzige Insel der Welt in einem Süsswassersee mit zwei Vulkanen ist bevölkert von Rucksacktouristen. Wir umrunden die Insel in 3 Tagen, baden im Jungbrunnen „Ojo de Agua“ und werden beim Sonnenuntergang am schönsten Ort, vor dem Vulkan Concepción, für einen Werbefilm interviewt. Die Diktatorenfamilie Somoza bewies guten Geschmack, als sie auf der Insel eine Finca baute. Heute ist dort ein Hostal und eine Vorzeigeschule; und dort feierten wir Stefans Geburtstag mit einem Kuchen aus dem Omnia Ofen.

Zurück auf dem Festland, machen nebst überfüllten Bussen, auch passagierschwangere Rikschas (mir tun jedesmal die dürren Pedaltreter leid) , schwerbeladene Pferde- und Ochsenfuhrwerke, Motorräder (mit ganzen Familien inkl. stillenden Müttern besetzt) und Velos (mit Feuerholz beladen) das Autofahren spannend. Zudem wird am Strassenrand nicht nur Obst (jetzt gerade tonnenweise Melonen), sondern auch Ziegelsteine, ganze Wohnungseinrichtungen und Blumen verkauft. Was mich dann veranlasst „Halt Fotostopp“ zu schreien und Stefan fast zur Weissglut treibt, weil fast keine Haltemöglichkeiten vorhanden sind. Nicas fahren mit dem Bus und die Rikscha oder das Pick-up Taxi sind für den Lieferservice da.

Es gibt einige wirklich touristische Punkte in Nicaragua und immer geht unsere Planung nicht auf. So wollen wir den Sonntag an der Laguna Apoyo verbringen – stellt euch Saint Tropez in der Hochsaison vor – genau, nicht mit uns, vom Bus bis zum BMW X5 ist alles da. Dafür haben wir dann Dienstags ganz allein am Nachmittag in den Krater des aktiven Masaya Vulkans hinuntergeguckt und weil es so schön war, haben wir das Gleiche am Abend grad nochmals gemacht. So oft ist es nicht möglich, direkt mit dem Auto an den Kraterrand zu fahren (dabei ist in Fluchtrichtung zu parkieren) und dem Teufels beim Kochen über die Schulter zu schauen. Würzt er dabei zu fest mit Schwefel, pfeifen die Sicherheitskräfte und man hat je nach Windverhältnissen nach 5-15min das Spektakel zu verlassen. Man tut das gerne, denn es kratzt ziemlich arg im Hals und nicht mal Ricola bringt da Linderung. Vulkane sind in Nicaragua wie Perlen an einer Schnur, etwa alle 25km steht da einer. Die einen rauchen, die andern brodeln, einige haben Kraterseen, nicht umsonst heisst es Ring of Fire. Erdplatten verschieben sich hier bis zu 8cm jährlich, die Auswirkungen Erdbeben und Ausbrüche können gigantisch sein.

Ein besonderer Flecken ist die Nordwestecke Cosigüina. Auf dem Weg dorthin gibt es Zuckerrohrfelder, welche das Ausgangsprodukt des Rums „Flor de Caña“ liefern. Die Führung durch die Distillerie ist ein sinnliches Abenteuer. Es steht nicht der Prozess des Destillierens im Vordergrund sondern das Hämmern in den Küfereien, das Riechen in den Lagerhallen und das Degustieren im edlen Keller. Ja es hat geschmeckt und unser abendlicher Kaffee, selbstverständlich aus einer kleinen biologischen Kaffeefinca wird geschmacklich mit 18-jährigem, samtigem Rum abgerundet. Auf dem nordwestlichsten Zipfel, am Golfo de Fonseca, ist die Armut am grössten, aber die Menschen haben einen kleinen Funken Hoffnung mit dem Projekt zum Schutz der grossen roten Aras Vogelbeobachter und Ökotouristen anzulocken. Wir lassen uns darauf ein und mit einem privaten Führer stapfen wir durch den Trockenwald auf der deren Suche. Wir sehen bloss 2 davon, doch viele andere sind zu beobachten. Allein das Wissen, etwas Neues zu unterstützen, mit vielen Infos über diese Region bereichtert, dazu eine wunderbare Übernachtung am Strand (mit vielen stechfreudigen Wespen), wo wir immer wieder in Kontakt mit liebenswürdigen Menschen kommen, ergeben eine weitere unvergessliche Reiseepisode.

Nach einigen Tagen ohne Dusche, die Trockenheit ist so extrem, dass auch wir mit unserem Wasser haushälterisch umgehen, verbringen wir zwei Tage auf einer Kaffeefinca und geniessen seit Ewigkeiten die erste heisse Dusche. Auch in Nicaragua kann es kühl werden, wir befinden uns auf 1200müM. Chicharras (Grillen/Zikaden) vollführen einen ohrenbetäubenden Krach in dieser sonst so stillen Umgebung und Kolibris brummen um uns herum. Gegen die honduranische Grenze hin in Somota dann wieder ausgedörrtes Land. Wasser ist auch hier knapp und läuft nur alle 2 Tage in die Wassertanks. Das Ökosystem leidet gewaltig unter der grossen Abholzung, 85% aller Haushalte kochen mit Holz weil Gas zu teuer und Strom nur für Licht vorhanden ist. Aber unser Gastvater auf dem „Camping“ hat 2 Manzanas (ca. 2 Hektar für ca. 60 US$) Land gekauft auf dem ein Aufforstungsprojekt für 4000 Bäume läuft. Mit Tochter Claudia entdecken wir den Somota Cañón und können so der Tageshitze entfliehen. Der Weg verläuft durch die enge Schlucht und meist legt man ihn schwimmend im Fluss zurück, danach folgt ein stündiger Aufstieg zurück ins Dorf und wir sind wieder verschwitzt. Die Kinder aus den Höfen am Fluss werden deshalb mit dem Pferd in die Schule gebracht.

Wir haben uns ein bischen in Nicaragua verliebt, hat es doch unsere Erwartungen bei weitem übertroffen und der Werbeslogan „Nicaragua – única…original!“ trifft es gut.

  

Costa Rica – Pura Vida

Alajuela – Orosi – Horquetas – Volcano Arenal - Monteverde – La Cruz – Playa Conchal – Playa Pelada – Montezuma – Tarcoles – Parrita

19. März 2017

Pura Vida – Pures Leben. Mit diesen zwei Worten werden wir bereits am Flughafen in San Jose begrüsst. Sie beschreiben den Lebensstil der Costa Ricaner und sind gleichzeitig ein Ausdruck der Zufriedenheit und des Geniessens. Pura Vida zur Begrüssung, Pura Vida zum Abschied. Nimm es locker, alles ist gut, das ist das Leben, das ist Pura Vida. Diese Worte begleiten uns – mich, Iris „Gottenmeitli“ und meine Eltern Erich und Sonja, zusammen mit unseren „Reiseexperten“ Iris und Stefan“ für knapp drei Wochen durch Costa Rica – der Schweiz von Zentralamerika.

Diese Worte hämmern wir uns schon bei unserer Ankunft in den Kopf, denn unsere Geduldsfäden werden bereits am Flughafen und beim Autoverleih stark auf die Probe gestellt. An die angenehme Temperatur der Stadt brauchen wir uns nach der kühlen Schweiz gar nicht erst zu gewöhnen, denn unsere Reise führt uns zuerst in die Höhe und wir übernachten in einem herzigen, jedoch nicht sehr winddichten Holzhaus auf 1800m – bei gefühlten null Grad. Und wir dachten, unsere Ferien führen uns an die Wärme! Warmes Wetter kommt jedoch noch früh genug. Punkt Nummer eins auf der Liste der Sehenswürdigkeiten: Der Vulkan Poas. Die happigen Eintrittspreise – Costa Rica gleicht von den Lebenskosten her sehr der Schweiz, ist also nicht gerade billig – halten uns nicht davon ab, den Nationalpark zu besuchen und den Krater mit seinem See in der Mitte auf 2750m zu bestaunen. Wir sind wohl im Vulkan-El Dorado gelandet, denn dieses Gebiet trumpft mit mindestens sechs davon. Den Höchsten des Landes – Volcano Irazu – sehen wir bereits Tags darauf. Jedoch nur von Weitem, denn laut Iris und Stefan lohne es sich nicht, diesen zu besichtigen.

Dafür lohnt sich die Kaffeetour, auf der wir den ganzen Prozess vom Kaffeebaum bis hin zum Getränk mitverfolgen können. Es lohnt sich vor allem auch für die Sandfliegen, die an uns ein Festessen haben. An die 50 Mückenstiche (gemäss einer Zählung an mir selber haben sich während der ganzen Zeit ca. 65(!) Mückenstiche und Bisse angesammelt) plagen uns noch beinahe noch den ganzen Rest der Reise. Dafür entdecken wir alle den tief in uns schlummernden Birder – wir mutieren zu passionierten Vogelbeobachtern. Es beginnt im Nationalpark Tapenti, wo wir beinahe die einzigen Gäste sind und wo tausende Vögel hausen. Jedes kleinste Geräusch lässt uns aufhorchen und neue Vogelarten entdecken. Auch die Pflanzenvielfalt beeindruckt sehr.

Mein Ziel ein Faultier in freier Wildbahn zu sehen hat sich in Horquetas erfüllt, im sogenannten Frogs Heaven. Unser Guide – der selbsternannte komische Vogel des Dorfes – führt uns in seinem riesigen Garten herum und lockt Vögel und Frösche an. Der Rotaugenlaubfrosch – Costa Ricas Nationaltier, der giftige Glasfrosch und weitere farbige Frösche, die wir allein wohl nie gesehen hätten zeigen sich.

Ca. 80 Prozent von Costa Ricas Strassen sind Schotterpisten. Nur langsam gewöhnen wir uns an die holprigen Fahrten, bis uns normale Strassen zu Ende unserer Reise gar etwas zu langweilig werden. Des Weiteren wird die Fahrt auch durch Faktoren wie Tiere, Äste oder Flüsse erschwert. Während Iris und Stefan gewohnt mutig und ohne mit der Wimper zu zucken durch die Flüsse brausen, stehen wir mit unserem (zwar nicht sehr) kleinen Toyota oft hinten an und ringen mit uns selber. Würde es unser Auto dem grossen Land Rover der Zehnders gleichtun oder schwappt das Wasser ins Innere des Wagens? Doch immer wieder überrascht uns unser 4x4 aufs Neue und führt uns bei Wind und Wetter durch jede Schotterstrasse, jeden Fluss und über jeden steilen Weg. Ohne Iris und Stefan hätten wir unsere Reise wohl auf den befestigten Strassen entlang der Nord- und Südachse verbracht.

In Monteverde überrascht uns eine beinahe wolkenlose Sicht auf den noch immer aktiven Vulkan Arenal. Lediglich ein kleiner Wolkenhut stülpt sich über die Spitze des Berges. Komplett wolkenlos scheint dieser Vulkan nie zu sein. Auf der Wanderung auf den Cerro Chato, gleich neben dem Arenal, wird unsere Ausdauer getestet. Während dem vierstündigen Weg (zwei Stunden hoch, zwei retour) durch den nassen Schlamm, die rutschigen Steine und engen Passagen des Regenwalds, kommen wir dem Gipfel immer näher. Dort angekommen finden wir uns mitten im Nebel wieder, der sich kurzzeitig lichtet und uns den traumhaften Blick auf den Kratersee gewährt. Der darauffolgende Muskelkater begleitet uns durch die nächsten zwei Tage.

Die Gastfreundschaft der Landsleute ist gross. So halten wir an vielen herzigen Cafés oder kleinen Farmen und werden stets herzlich begrüsst. Beispielsweise bei einer Ananasplantage, auf der wir eine Privattour erhalten und dabei die beste Ananas überhaupt essen dürfen. Oder ein kleines Café, in dem wir selber unseren eigenen süssen Zuckerrohrsaft pressen.

Eine kurze Wanderung führt uns im Selvatura Park über Hängebrücken, hoch über dem Dschungel und endet mitten im Wald, wo wir von Kolibris umringt werden. Nahe der Nicaraguanischen Grenze stossen wir auf eine Pension, die von Schweizern geführt wird. Diese leben seit 20 Jahren hier und unterhalten kleine Bungalows. Brüllaffen, Vögel, Geckos und Insekten – eine unglaubliche Geräuschkulisse begleitet uns durch die Nacht.

Endlich Meer. Ein kurzer Abstecher führt uns an die Pazifikküste, leider ist das Meer dort sehr kalt. So ganz haben wir den Sommer also noch nicht erreicht. Aber nur etwas weiter der Küste entlang in Richtung Süden finden wir, worauf wir die ganze bisherige Reise gewartet haben – die Wärme. Der Küste der Halbinsel Nicoya entlang von Strand zu Strand, einer schöner als der andere, werden die Temperaturen und das Wasser immer wärmer. Am Strand liegen und einfach mal nichts tun – Pura Vida. Wir verlassen Nicoya mit der Fähre, die uns nach Puntarenas bringt und hoffen im Nationalpark Carara auf die lang ersehnten Aras zu treffen. Über eine Brücke, unter der dutzende Krokodile und Leguane faul in der Sonne liegen, bis hin zum Park, der direkt an der Strasse liegt. Leider lassen sich nur wenige der farbigen Papageien blicken. Somit neigt sich unsere Reise auch schon beinahe dem Ende zu und wir verbringen die letzten beiden Tage an der Sonne, kräftige Sonnenbrände inklusive.

Die Rundreise durch Costa Rica führten uns 1600km über Schotterpisten zu Vulkanen, Regenwäldern und zu wunderschönen Stränden. Wir erlebten Affen, Vögel, Krokodile, Leguane und Insekten, die wir nie zuvor gesehen haben. Waren Temperaturen von 5 bis hin zu beinahe 40 Grad ausgesetzt und überstanden übelste Muskelkater, dutzenden Mückenstiche und grossflächige Sonnenbrände. Und nicht zuletzt durfte ich viele Stunden mit meinem reisefreudigen Gotti geniessen und ein tolles und vielseitiges neues Land kennen lernen. Vielen Dank für die vielen Apéros, für die geduldige Reiseleitung und die schöne Zeit.

Erich, Sonja und Eliane

Panamá

Panamá City – PN Sobranía – Punta Chama – Valle de Antón – Azuero Halbinsel – Santiago – Santa Fé – Pazifikstrände – Volcán – Boquete – Almirante

20. Februar 2017

„Hier ist alles viel grösser, Bär“, rief der kleine Tiger, „Panama ist so wunderbar, wundervoll schön, nicht wahr?“ „O Tiger“, sagte jeden Tag der kleine Bär, „wie gut es ist, dass wir Panama gefunden haben, nicht wahr?“ (Zitat aus dem Kinderbuch „Oh wie schön ist Panama“ von Janosch)

Dem können wir nur teilweise beipflichten, aber auch Panamá hat seinen Reiz. Sei es drum, weil Stefan in Colón unsere Randulina und Danny seinen Kombi unversehrt aus dem Container fahren konnten während Shannon und ich die Warterei am Swimmingpool des Radisson verbrachten; sei es drum weil Panamá ein Steuerparadies ist, was uns zwar nichts bringt ausser relativ günstige Einkäufe und wir so das Reisebudget nicht überziehen müssen; sei es drum, weil es unser erstes Land in Zentralamerika ist oder sei es drum, weil der Pazifik so warm ist. Der erste Eindruck in Colón ist nicht der Beste, ist geprägt von Unfreundlichkeit, verwahrlosten und zugemüllten Wohnsiedlungen, Verkehrsstaus ohne Ende. Nur schnell weg hier.

Panamá City empfängt uns mit modernen Wolkenkratzern und der hübschen Altstadt Casco Viejo, dessen Häuser bis zum geht-nicht-mehr rausgeputzt sind oder werden. Gleich angrenzend befinden sich die Slums (7900 US$ pro Kopf Einkommen, ein Drittel der Bevölkerung lebt in bitterster Armut), durch die wir jeweils mit dem Taxi zu unserem Hostal in der ehemals amerikanischen Kanalzone zu fahren haben.

Sonntags fahren wir an den 1914 eröffneten Panamakanal und bestaunen die neuen Aguas Clara 3-Kammer-Schleusen bei Gatún, die Mitte Juni 2016 fertiggestellt wurden. Unglaublich wie die Containerschiffe mit winzigen Lotsenschiffen, die aber über fast 7000PS Motorenleistung verfügen in die Schleusenkammern gezogen werden. Innerhalb von 5 Minuten ist die Kammer geschlossen, das Wasser wird in 17 Minuten ab- oder hineingepumpt und das Schiff wird in die nächste Kammer gezogen. Ein Schiff, das in New York ablegt und San Franzisko als Zielort hat, spart so 14‘484km, statt ums Kap Horn fährt es via Karibik in den Pazifik quasi über Land.

Als Museumsmuffel entscheiden wir uns für das Biomuseo, dessen Architekt Frank O. Gehry ist und dessen Guggenheimmuseum wir in Bilbao bestaunten. Etwas Kultur muss ja sein. Das farbige Gebäude ist aber nicht nur aussen eine Augenweide sondern auch innen ein Erlebnis. Das war dann für uns genug Stadt und wir verbringen die weitere Zeit lieber in der Natur. Es ist doch viel schöner, ein Faultier beim Klettern zu beobachten, die Tukane über sich wegfliegen zu sehen oder den Affen bei der Morgentoilette zu stören. Dass wir dabei auch noch auf Jan treffen, den wir beim Verschiffen kennengelernt haben, macht das ganze zu einem Glücksfall. Er, als Hobbyornithologe mit Adleraugen versehen, erspäht einiges Federvieh schon vor uns und weiss auch gleich alle zu benamsen, falls gewünscht mitsamt den wissenschaftlichen Namen. Beim gemeinsamen Zmorge strolcht ein kleines Agouti herum und frisst unsere Bioabfälle. Praktisch.

Während wir in Südamerika fast nie am Pazifik waren (kalt, windig, grau, vermüllt) lockt er uns hier. Tropische Temperaturen, schönste Blautöne, lockere Sommerferienstimmung, man will gar nicht mehr weg. Da es nachts gut abkühlt, ist auch das Schlafen kein Problem.

In Volcán und Boquete dagegen, ein wenig in den Hügeln im Nebelwald, nehme ich meine Fleecedecke wieder hervor. Der Nebelwald macht auf unserer Wanderung seinem Namen alle Ehre und nebelt die Aussicht zu. Den einzigen Vulkan Panamás, den Barú, bekommen wir nie zu sehen. Den legendären Vogel Quetzal auch nicht. Einige Kaltfronten bereiten nicht nur den Kaffeebauern schlechte Ernten, sondern erschweren auch die Nistbedingungen für den schönen Vogel mit seinen langen Schwanzfedern. Dann sollens halt Orchideen sein, und wir steuern die Finca Dracula an, aber nein, da werden wir unfreundlich abgewiesen, geschlossen bis 2018. Auch in der Rumdistillerie stossen wir auf verschlossene Türen. Glück haben wir nur in der Janson Kaffee Plantage und kommen hier in den Genuss eines Geisha Kaffees, der aus den ursprünglichen, sehr grossen Kaffeebohnen gebraut wird. Allerdings werden diese nur sehr hell geröstet, es ist mehr Tee als Kaffee und wird fast ausschliesslich nach Asien exportiert. Die dunkle Röstung hat uns weit besser gemundet und dass wöchentlich ein Container voller Kaffeetüten nach Rotterdam verschifft wird um von Kunden der holländischen Kaffeehauskette „Bagels and Beans“ geschlürft zu werden, zeigt den unterschiedlichen Geschmack zweier Kulturen ganz gewaltig auf.

Vom kühlen Hochplateau, wo nebst Kaffee praktisch das ganze Gemüse Panamás angebaut und auch Nueva Suiza genannt wird, zieht es uns hinunter durch den immergrünen Regenwald. Dabei finden wir Orchideen am Strassenrand, nicht die berühmte „Dracula vampira“ aber immerhin.

Den Blutsauger treffen wir am Grenzposten in Sixaola. Der entdeckt nämlich, dass auf unserem temporären Autoeinfuhrpapier steht, dass wir in Paso Canoa ausreisen werden. Irgend eine Sekretärin hat das Feld bei der Einreise in Colón ausgefüllt mit der Aussage, da müsse etwas stehen. Unser Zollbeamte meint, das könne er regeln, aber es koste 20US$. Dazu bin ich gerne bereit, denn den Umweg zu fahren käme uns einiges teurer zu stehen. Ich mach aber etwas auf naiv und frage nach der Quittung. Ja, er käme nach draussen, da könne ich ihm den 20$ Schein übergeben, denn im Büro hätte es Kameras und er würde es mir gleich erklären. Ich brauch keine Erklärung, ich weiss schon lange worum es geht. Schau, du hast einen Vorteil und ich will meinen!!

Es ist wirklich das erste Mal auf der ganzen Reise, dass einer Schmiergeld will. Noch nie haben wir was bezahlt, nie hatten wir diesbezüglich Probleme. Das war der letzte Eindruck von Panamá! Oh, Panamá ist nicht ganz so schön.

Wir vermissen die immer freundlichen, immer lachenden Kolumbianer mit ihrem typischen „Si Señora!“ „ Con mucho gusto, Señor“, während die Panamaer meist mit einem „zwänzgabachti Lätsch“ unterwegs sind. Und jetzt ist uns auch klar, weshalb alle Reisenden, die in umgekehrter Richtung unterwegs sind als wir (von Nord nach Süd) immer von den Kolumbianern geschwärmt haben. In Nord-Süd Richtung sind ausser den zugeknüpften Bolivianern alle lächelnd und freundlich unterwegs. Así es la vida!

  

Sailing San Blas Archipelago

Cartagena – San Blas Islands / Islas Guna Yala – Panamá City

04. Februar 2017

Die San Blas Inseln oder Islas Guna Yala sowie grosse Teile der Karibikküste Panamas sind Territorium der ca. 70‘000 köpfigen Gunadule Gemeinschaft. Seit 1925 sind sie politisch und kulturell autonom. Sie leben sehr zurückgezogen auf den 370 Inselchen. Finanzielle Haupteinnahmequelle ist eine Eintrittsgebühr für den Besuch oder für das Durchsegeln des Archipels. Fischfang, Verkauf von Glasperlenketten und traditionellen Molas eine weitere. Der Tourismus ist erst in der Anfangsphase, es gibt vereinzelte Restaurants und einfachste Cabañas. Die Guna Yala Islas sind bis jetzt weit davon entfernt, ein maledivisches Abbild in der Karibik zu werden. Hoffentlich bleibt es so. Ausser Kokospalmen und Noribäumen wächst nichts, die Gunadule Gemeinschaft muss alle weiteren Lebensmittel vom Festland per Boot auf die Inseln bringen. Für Süsswasser gibt es mittlerweile eine Pipeline oder man sammelt das Regenwasser. Das Leben hier ist einfach. Die Männer fischen, die Frauen nähen Molas oder fädeln Glasperlen auf.

Während unser Auto im Container nach Panamá schippert nehmen wir das Segelboot um nach Zentralamerika zu gelangen. Die Daríen Sümpfe verhinderten bis jetzt einen Strassenbau, so dass man zwingend auf Schiff oder Flugzeug angewiesen ist, um ins Nachbarland zu gelangen.

Wir stimmen uns mit einem Sundowner im Yachtclub Nautilus in Cartagena auf das Abenteuer ein, während Heerscharen jugendlicher Backpacker Bier und stärkeren Alkohol auf ihre Segelschiffe bunkern. Wir haben mit Bedacht kein Partyschiff gewählt, doch wir sind gespannt auf die Mitreisenden. Um 20 Uhr trifft sich die Gruppe bei der Amande. Unsere Reisegspänli kommen aus Spanien, Norwegen, Deutschland, Holland und natürlich sind auch unsere Containerpartner Shannon und Daniel aus den USA mit dabei.

Statt wie versprochen um Mitternacht fahren wir erst morgens um 5 Uhr los und verbringen die erste Nacht bei angenehmem Wiegen auf der Amande im Hafen. Das sanfte Wiegen wird nach Verlassen der ruhigen Küstengewässer schnell ein unsaftes Schaukeln. Alle futtern neben dem Zmorge auch diskret Reisetabletten, was regelmässig alle 4-6 Stunden nicht mehr so diskret wiederholt wird. Die braungebrannten Gesichter erhalten eine etwas ungesund grünliche Farbe und es ist sehr still auf dem Schiff. Kapitän Sebastian mein lakonisch, die Überfahrt zur ersten Insel könne schon an die 40 Stunden dauern. Sie dauert aber glücklicherweise nur ca. 30 Stunden. Am regengrauen Horizont können wir die ersten Inseln ausmachen, die Wellen glätten sich etwas und kaum sind wir im Windschatten der Inseln herrscht ruhige See. Die Sonne zeigt sich und beleuchtet Weisaladup. Ein kleines Juwel umgeben von karibischem Wasser in allen Blautönen. Die Lebensgeister sind erwacht, die Badehosen montiert und der erste Stachelrochen erspäht. Eine Frau vom Stamm der Gunadule möchte uns typische Glasperlenketten verkaufen, doch das Geld liegt auf dem Schiff. Wir besuchen anderntags die Insel Ninudup und schnorcheln im Korallenriff herum, sehen nebst Fischen auch wunderschöne Seesterne und freuen uns über das süsse Nichtstun. Auch die Insel Chichime steht auf dem Programm. Diese scheint ein richtiger Treffpunkt für Segler zu sein. Hier gibt es Cabañas und ein Restaurant, wo wir abends hervorrangenden, fangfrischen Lobster serviert bekommen. Und ich kann endlich die kunstvollen Molas bestaunen. Das sind kunstvolle Umkehrapplikationen aus mindestens 2 Stofflagen. In die oberste Stofflage werden Muster geschnitten, nach innen mit feinsten Stichen umgesäumt und der untere Stoff kommt zum Vorschein. Meist werden aber mehr als 2 Stofflagen verwenden, so kann die zweite Lage ebenfalls bearbeitet werden und die dritte Farbe kommt zum Vorschein. Molas verkörpern die Struktur des Universums, das einem Kürbis ähnelt und aus 8 Schichten besteht, jede hat eine andere Farbe, die Gunadule leben auf der obersten Schicht. Mit Molas werden Geschichten des täglichen Lebens erzählt. Sie werden zu Blusenvorder- und Rückenteilen verarbeitet, welche die Trägerin vor Krankheit und bösen Geistern schützen, ihr Fruchtbarkeit verheisst und sie mit Mutter Erde verbindet. In der Hoffnung, diese Tradition noch lange am Leben zu halten, erstehe ich zwei dieser Kunstwerke.

Nach 5 Tagen ist unsere Tour zu Ende und das Segelschiff wird mit dem Jeep getauscht, der uns nach Panamá City bringt. Der Kontrast könnte nicht grösser sein. Nach Kokoshütten begrüssen uns Wolkenkratzer.

  

Kolumbien - wo Extreme sich treffen

La Hormiga – Mocoa – San Agustín – Manizales – Cartagena – Minca – Santuario Flora y Fauna Los Flamencos – Manaure – Cabo de la Vela – Bogotá - Cartagena

27. Januar 2017

Wir sind aktuell 11‘000km von Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt entfernt. Dort waren wir ebenfalls im November aber vor 2 Jahren. Jetzt sitzen wir am Cabo de la Vela, fast am nördlichsten Punkt des südamerikanischen Festlandes. Wir wollen hinauf nach Punta Gallinas, das wäre dann definitiv der nördlichste Punkt. Extrem!

Doch wir können lange wollen, die Wetterkapriolen lassen unsere Pläne buchstäblich ins Wasser fallen. Die Pisten sind meterhoch überschwemmt, hätten wir keinen 4x4 wären wir nicht mal bis zum Pilón de Azúcar gekommen. Extrem!

Wir geniessen einen Rundumblick auf Dünen, Meer und das weite Hinterland und lassen unsere Gedanken schweifen und schauen auf die Kohlefrachter, die weit im Meer draussen auf ihre schwarze Fracht im Hafen Puerto Bolívar warten. Unsere Gedanken sind bei den letzten Tagen. Die Erlebnisse haben sich überhäuft, wir können sie fast nicht Verdauen. Wir erleben ein Extrem nach dem anderen. Nicht das erste Mal, aber das erste Mal so ausgeprägt extrem!

Nach den kühlen nebligen Kaffeelandschaften erschlagen uns die karibischen Temperaturen und die enorme Luftfeuchtigkeit fast. Extrem!

In Cartagena, der hübschen Kolonialstadt, einst grösster spanischer Hafen, grösster Sklavenumschlagplatz, umtost von der Karibik und angegriffen von Sir Francis Drake, von einer fast noch intakten, uneinehmbaren Stadtmauer umgeben, treffen wir im Frachthafen Manga liebe Freunde, die auf dem Weg von Havanna nach Papete genau einen Tag hier Rast machen. Nein, sie sind nicht mit dem Container gekommen, sie sind mit dem Luxuskreuzfahrtschiff MS Europa ll auf Cruise. Wir verbringen mit ihnen einen Tag, wie wir ihn nicht in den kühnsten Träumen gewagt hätten zu träumen. Etwas underdressed geniessen wir nicht nur das Ambiente, sondern dürfen uns mit Champagner, exquisitem perfekt gereiften Käse und wunderbaren Rotweinen verwöhnen lassen. DANKE!! Während wir im französischen Restaurant mittagessen, werden Container mit Esswaren geladen, um die halbe Welt geschifft, nichts dem Zufall überlassen. Die Qualität muss stimmen auf diesem Niveau. Alle Wünsche werden schnellstmöglich erfüllt. Die Suiten sind vom Feinsten, mit und ohne Whirlpool. Kunst wohin wir schauen. Etwas über 400 Passagiere reisen auf diesem Schiff, das sich rühmen darf, am meisten Platz pro Passagier zu bieten. Extrem!

Anderntags, in den Gassen Cartagenas gibt es für uns wieder Arepas vom Grill, frische tropische Früchte, ausserhalb des Stadtkerns geht es hektisch zu und her, russende Lastwagen, schreiende Verkäufer, fertig mit der Ruhe. Unser schönes Hotelzimmer im Dachstock wird beim morgendlichen Gewitter geflutet, wir bekommen ein anderes – immerhin!

Und jetzt, im Norden kommt das nächste Extrem! Auf der nördlichen Halbinsel La Guajira übernachten wir bei den dort lebenden Wayúu. Sie konnten sich gegen die spanischen Konquistadoren geschickt abgrenzen, trieben Handel mit ihnen oder kämpften gegen sie. Sie sprechen nebst Spanisch ihr eigenes Idiom, arbeiten als Fischer, Ziegenbauern oder als Naturführer im Santuario Los Flamencos. Die Frauen sind geschickt und häkeln wunderschöne Beutel, Mochillas, knüpfen Chinchorros (netzartige Hängematten) oder weben Hamacas in aussergewöhnlichen Mustern und Farben. Die Wayúu leben traditionell in Rancheros, kleinen sippenmässigen Ansiedlungen in einer Rancho, einer Lehmhütte. Der äusserste Norden ist karg, ausser kurzgewachsenen Algarrobo Bäumen und einer Vielzahl Kakteen gibt das Land nicht viel her. Wir besuchen mit Ender, unserem Führer in einem „Segelboot“, das diesen Namen eigentlich nicht verdient hat (das Segel ist aus Futtersäcken zusammengenäht und hat mehr Löcher als Segelfläche). Wir bekommen Flamingos zu sehen, rote Ibisse und deren weisse Jungvögel. Pelikane schiessen ins Wasser, jeder Tauchgang ein voller Erfolg. Kormorane trocknen ihre Flügel und rosa Löffler stochern im seichten Wasser. Die Wayúus fischen hier ebenfalls, nicht nur im Meer, die Crevetten sind von ausgezeichneter Qualität und sicher mehr als bio. Bis eines Tages, vor einigen Jahren, kein Wasser mehr vom Fluss aus der Sierra Nevada in die Lagune kam und sie fast trocken lag. Ein listiger Viehzüchter hatte am Oberlauf das Wasser für seine Kühe und sich selber abgezweigt, da ist man eingeschritten, glücklicherweise bevor die Vögel verschwanden und die Menschen ihrer Nahrungsgrundlage beraubt wurden. Ender führt mich herum im Dorf. Fliessendes Wasser gibt es in den wenigsten Ranchos. Strom wird überall mit Generatoren und Schmuggelbenzin aus Venezuela hergestellt. Das WC ist hinter dem Gebüsch oder ein Plumsklo, als Badewanne dient die Lagune oder das Meer. Ich wage nicht zu fragen, woher das Trinkwasser kommt, der Kaffee war auf jeden Fall süss, heiss und gut und auch die Chicha, das verkochte Maisgetränk ist mir bekommen. Enders Tante zeigt mir ihre Häkelarbeit und ihren Webstuhl, dann setzt sie sich wieder in die Chinchorro und häkelt wortlos ihre kunstvollen Beutel.

Wir kehren zurück und essen in der Strandbeiz von Tschiggi einen wunderbar zubereiteten Red Snapper mit Kokosreis. Die Köchin erklärt mir in der Küche das Rezept für den Kokosreis; ich bin nur mit halber Sache dabei und denke an meine Küche daheim mit dem ganzen Schnickschnack. Tschiggi, der umsichtige Kellner umsorgt uns herzlich. Er will am Abend nach Riohacha, nein nicht in die Disco wie wir denken, er will sich an einem Colegio einschreiben weil er studieren möchte, doch die schicken ihn wieder heim. Wieso? Er braucht einen Götti, der ihn empfiehlt. Das hat er nicht und er kennt niemanden mit Einfluss oder Status, der für ihn einstehen könnte. Also ist der Traum für längere Zeit ausgeträumt und der 19-jährige Wayúu Bursche wird weiterhin servieren. Es sind eben doch nicht alle gleich.

Am Cabo de la Vela rattern abends die Generatoren. Ohrenbetäubend die halbe Nacht. Nichts von Romantik. Wir fragen nach, da gibt es doch einen Windpark und eine Stromleitung. Die Männer lachen laut. Eine Sauerei sei das, der Windpark und die Stromleitung seien eine Farce, noch nie sei Strom für ihre Hütten durch die Leitungen geflossen, der Windpark liefert nur Strom für die Kohleförderung.

Irgendwelche Backpackers aus Europa beklagen sich lautstark, dass es in den Hostals keine Betten gäbe, nur Hängematten, worin sie nicht schlafen könnten. Hier wie überall am Meer wo es feuchtheiss ist, ersetzt sie das Bett. Wir verlassen die Gegend, die Wetteraussichten sind trübe. Ausser Kitesurfen kann man hier nichts tun und die trostlose Aneinanderreihung von Hütten sind wohl Lokalkolorit und authentisch aber nicht wirklich anmächelig. Da ist das Nichtschlafenkönnen wohl noch das kleinere Übel.

Aus dem Nieselregen ist mittlerweile eine Sintflut geworden. Die Sandpiste nach Uribia ist teilweise ein Bachbett oder rutschig wie Schmierseife. In Riohacha lassen wir einige Stunden später bei heissem Sonnenschein unser Auto waschen. Ein junger Mann in zerissenen Hosen und schäbigem T-Shirt erklärt mir freudestrahlend, er werde unser tolles Auto wieder weiss waschen. Vor zwei Wochen hat er Venezuela verlassen können um sich in Kolumbien als Fremdarbeiter zu verdingen. Er ist nicht allein, zu Hunderten kommen sie, es wird geschafft, angeschafft (Prostitution ist für Frauen oft die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen), eingeschafft (Schmuggelgüter wie gestohlene Autos und Benzin) und ausgeschafft (Nahrungsmittel und Hygieneartikel, die in Venezuela schon lange nicht mehr erhältlich sind). Eine ganze Generation wird durch die sozialistische Regierung ihrer Zukunft beraubt und eine Lösung ist vorderhand nicht in Sicht. Extrem!

(Für 1 US Dollar werden heute 2.7 Mio Bolívares bezahlt. Die jährliche Inflation kann nicht mehr in Prozenten ausgedrückt werden. In den 1980er Jahren waren die Kolumbianer als Fremdarbeiter in Venezuela, dem einst durch enormen Erdölvorkommen reichsten und bestentwickelten Land Südamerikas).

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